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«Jliarfhirg, Donnerstag, 2. Februar 1882

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Berlin, 31. Januar.

Unter falschem Rame«.

Von Ellen Lucia. (Fortsetzung.)

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AllcS, das abzuschähen ohne Mithülfe des Auge« die Sinne nicht ausreichen, steht auch sonst mit den Uebev- resten einstigen Wohlstandes in seltsamem Contrast. Für den unsichtbaren Beobachter läge etwa« Rührende« darin; nicht verletzend, liebevoll nur möchte e« ihn anmuten, der Tochter stilles Walten zu schm, wie sie, s et« bemüht, durch freundliche Anpreisung den Appetit der Mutter zu reizen, hier einen winzigen Sardellenrest, dort ein vereinsamte« Schinkenscheibchen in« Unendliche wachsen läßt, al« ob str über unerschöpfliche Hilfsquellen noch gebiete, die doch nimmer vorhanden.

Die Mahlzeit ist beendet und die Tochter schickt sich an da« Tischgerät fortzuräumen.

Laß, Kind," wehrt die SDiutter, beim lei« verräterischen Zusammenklingen,für ein Fräulein von Fürstenau hast Du eine seltsame Passion, den Domesticken die Arbeit ab­zunehmen!" Ein tastenter Griff nach der kleinen Tisch­glocke, die stets im Bereich der Erblindeten steht und ihr silberheller Ton ruft Dörthe, den einzigen dienstbaren Geist de« Hauses, herbei. Es ist eine derbe, vierschrötige Gestalt mit jovialen, gutmütigen Zügen, wie man unter norddeutschem Landvolk sie häufig findet; sie vereint in ihrer Person alle dienstbaren Aemter de« Hause«: Koch und Tafeldecker, Plätt- und Scheuerfrau in einer Person.

Ein schneller Gruß und Blick, den sie mitihrem* Fräulein getauscht, könnte schließen lasten, daß sie derselben mehr noch ist: eine allzeit treue Beraterin und Vertraute.

Die gnädige Frau befehlen?"

Ein wenig mehr Attention, Dörthe. Du vernach­lässigst Dich merklich. Soll das gnädige Fräulein vielleicht

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d Annoncen-Bureaux von <8 8. Daube n. 6e. in Frankfurt a. M; Jägersche Butbandluna daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidenbank in

Berlin: W. Thiene« in Elberfeld: E Schlotte in Bremen-

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Ja, Mamachen, da bin ichl" Eine schlanke Mädchen« g'stalt siebt in der geöffneten Thüre; frisch gerötet vom schnellen Gange, eilt sie zum Lehnstuhl am Fenster, wider­holt die Hände küster.d, die sich ihr tastend entgegenstrecken. .Verzeihe, daß ich so lange geblieben. Dir ist'« sicher ganz trübselig gewesen, so allein bet dem bösen Wetter?"

Du weißt, Kind, für mich ist wenig Unterschied, ob dn Sonnenschein durch'« Fenster guckt, oder der Tag so trüb und grau, daß nicht einmal der Regen an die Fenster schlagen mag und sie doch trüb werden, wie verweinte Bugen. O nein, der plätschernde Regen ist ein besserer Gesellschafter, der treibt den Thau In die Augen und löst auch im Herzen, wa« e« bedrückt. Aber Du sollst nicht denken, er habe mich trüb gemacht, er hat mir und meinen Gedanken nur Gesellschaft geleistet, freilich, Deine Gegenwart vermochten auch sie nicht zu ersetzen. Aber und die feine Hand streicht fühlend über die feuchten Flechten und dinab zum Kteidersaumwie naß Du bist! Du hättest eine Droschke nehmen sollen, Kind. Ich tveiß Dich am Abend so ungern allein auf der Straße, Und nun gar bei dem Welter! Zu meiner Ze t, da dachte man strenger darin; eine junge Dame hätte am Sbenb nie ohne Begleitung sich draußen zeigen dürfen. Jetzt freilich sind auch darin die Z iten onbere geworben."

Die Tochter lächelte schmerzlich; sie weiß nur zu gut, daß in dopp Item Sinne die Zeiten andere geworden, nicht hur im Allgemeinen in den Anschauungen der Sitte, son dem auch im Besonderen für sie durch die Beschränkung

iqen nimmt entgegen: »rpeftitton b. "lat " Annoncen Bureau?

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__Zn der heutigen (5.) Plenarsitzung des Abgeordneteu- slNNlf, iauses, welche Präsident v. Köller um 11 V< Uhr er- W öffnete, machte derselbe Mitteilung von rem Eingänge eine« Gesetzentwurfs, betreffend die Verwendung der Jahresüber« rum chüsie der Staatsbahnen. Auf der Tagesordnung steht 7^; ;ie Fortsetzung der ersten Beratung des Etats.

sucht Frhr. v. Zedlitz-Neukir ch wendet stch in

seinen längeren Ausführungen namentlich gegen den Abg. dichter. Derselbe habe u. a. gestern der rechten Seite bc« är S ies Hauses das Recht bestritten, sich über die Höhe der Gr­oom 1. tichtokostcn zu beschweren, da ja die Konservativen sür die Gerichtsorganisation gestimmt hätten. Die Fortschrittspartei habe lediglich aus untergeorbneten Gründen gegen diese« Stra« nationale Werk gestimmt. E« sei nickt gut, daß der Abg.

Richter gerade hieran erinnere, denn e« seien nicht die r, Barst fünften Blätter in der Geschichte der Fortschrittspartei, die «I (üb«. Richter: Was wissen Sie von den Blättern unserer 222 .6 Geschichte!) Redner erhebt gegen den Abg. Richter den Mvrwurs, daß derselbe durch seine oberflächlichen Angriffe Huf unsere Finanzvcrwaltung nicht« weiter erziele, als einen - r «^Micher, Kriegszustand zwischen Krone und VolkSver- >te ««ytetung, der allmälig die gegenseitigen Beziehungen verbittern 7.^Düsse. Seine Angriffe gegen die Eisenbahnverwaltung e für 30|eu^en 60n tiefer Oberflächlichkeit. Derselbe habe sich die ogau, hal)[en be6 Etat« einfach nicht angesehen; wenn man mit 'Urftah.Ijolchkr Oberflächlichkeit verfahre, könne man stch doch nicht f a t in Urteil anmaßen. Gerade die Erfolge der finanziellen frjlk I Miete bewiesen, daß die Verstaatlichung der Eisenbahnen ein drei in höchst glücklicher Gedanke gewesen. Mit dem Steuer« ie Zahl «lasse sei er einverstanden, da die Ueberschüffe au« den ~ * [ Reichssteuern hierzu Verwendung finden müffen; aber er volle diesen Erlaß nicht in der Form einer Ermäßigung des Schulgeldes oder der Gebäudesteuer. Eine Ermäßigung » ö. der Gebäudesteuer könne nur Hand in Hand gehen mit 9u " der Herabsetzung der Grundsteuer. Bedenklich sei e«, wenn

cke, n allen Post - Anstalten, auf dem Lande auch vtranß," den Landpostboten, entgegengenommen. "lroth. -OJO£it der Vorrat noch reicht, erhalten neu zu- H«eid sehende Abonnenten einen Wandkalender von 1882 -r-5 gratis beigefügt.

unser gute« Steuersystem erschüttert werde dadurch, daß man die Staatsfinanzen nicht regele nach den kauernden Bedürfniffen der Interessen te« Staates, sondern nach den vorübergehenden Parteibedürfniffen.

Abg. Rickert findet die Erschütterung unsere« Finanz­systems in der Politik der ungemeffenen Versprechungen, namentlich selten« oerProv.-Corresp ", Versprechungen, zu deren Realisierung, wie gestern der Abg. Rickter sehr richtig ausgeführt, 350400 Millionen Mark erforderlich seien. E« sei unrichtig, daß die Ausführungen de« Abg. Richter eine Konflikstendcnz gehabt, namentlich soweit sie sich aus die Eisenbahnverwaltung bezogen. Der Vorredner selbst werde gestehen müffen, daß unsere öffentlichen Ver- hältniffe sehr anormale sind und nicht so fort bestehen können. Er wolle konstatieren, daß der Finanzminister der Aufforderung der Abgg. v. Huene, Rauchhaupt und Richter, über die Finanzverwaltung de« laufenden JahreS Aufschlüffe zu geben, nicht entsprochen habe. (Finanz­minister Bitter: Ich habe eS zugesagt!) Der Finanz­minister habe den Abg. Richter mißverstanden, der gar nicht daran gezweifelt hat, daß sich der Ueberschuß von 29 Millionen in der Generalkasse befindet. Im Vorbericht stehe aber, daß dies kein reiner Ueberschuß sei. Das Schwinden deS Extraordinarium« sei sehr erklärlich, wenn man alle Extraausgaben aufs Ordinarium überträgt. Abg. v. Rauchhaupt folgere au« der von seiner Partei nicht bestrittenen Besserung der Verhältniffe die segens­reichen Folgen der Wirtschastpolitik. Aber an dem Um­schwung der Verhältniffe hätten ganz andere Ursachen mit­gewirkt. Die KrisiS der letzten Jahre sei eine allgemeine gewesen, und ebenso sei der wirtschaftliche Aufschwung jetzt ein allgemeiner. Das habe mit dem Zolltarif nichts zu thun. Bei diesem allgemeinen Aufschwünge stehe Deutsch­land sogar hinter anderen Staaten, beispielsweise England, weit zurück. Redner geht numnehr zum Etat der Elsen- bahnverwaltung über. Die Ausführungen deS Ministers bezüglich der Disziplin der Eisenbahnbeamten teile er nur insofern, al« er diese ebenfalls aufrecht erhalten wissen wollte; auch sei er damit einverstanden, daß diese Dis­ziplin im Eisenbahndienste eine militärische sein müsse. Allein es handle stch bei dem Königsberger Falle nicht um eine Lockerung dieser Disziplin, sondern um die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte. Der Minister habe kein Recht, in diese Rechte seiner Beamten einzugreifen. Er (Redner) verlange auch von der Regierung Respekt vor diesem Rechte. DaS Agitieren sei vom Petilionieren nicht zu trennen, und deshalb halte er eS für ungerechtfertigt, wenn beispielsweise das Betriebsamt in Wiesbaden bei seinen Beamten das Unterzeichnen der Königsberger Petition mit Dienstent­lassung bedroht. Wenn Herr v. Rauchhaupt auf die hohen Einnahmen a»S der Eisenbahnverwaltung verweise und die­selben mit bet Verstaatlichung in Verbindung bringe, so

der Mittel. Sie wehrt liebkosend dem Hunde, der, wieder und wieder zu ihr emporspringend, seinen Anteil an der Begrüßung begehrt.

Nun aber, Mamachen, zünde ich unS die Lampe an! Ein paar Augenblicke nur noch, und wir sitzen behaglich beim Abendbrode, und Du erzählst mir, welchem freund­licheren Gedanken Du inzwischen Audienz gegeben."

In der Thal, wenige Augenblicke nur, und wieder ist sie zur Stelle, einfacher noch gekleidet, wie zuvor, aber auch jetzt, trotz der Trauerkleidung, mit sichtlicher Zierlichkeit; ebenso ordnet sie den Tisch und leitet mit sorglicher Vor­sicht die Mutter zum Sopha, jede ihrer Bewegungen über­wachend, als könne sie selbst in den wohlbekannten Räumen Schaven nehmen.

Und doch ist die Frau noch int rüstigsten Alter; statt­lich und aufrecht ist ihre Haltung, nur den Kopf, den einst so stolz gehobenen, trägt sie leicht gesenkt; gesenkt auch sind die langbewimperten Lider, welche die Augensterne decken, nicht zum Schutz vor zu hellem Lampenlichte, denn die kleine Lampe brennt nicht hell und ein grüner Lichtschirm schützt sie, schirmend nur senken sie stch, um die ver­lorene Sehkraft jener Sterne mitleidig jedem fremden Blicke zu verhüllen.

Dürftig erscheint da- frugale Mahl. DaS Beste aber, wa« der Tisch bietet, wandert zum Teller der Mutter. Zierlich geordnet und wohlbelegt sind die feinen «Utter» blöochen, welche die Hand der Tochter ihr reicht, vom feinsten Meißener Porzellan die Tasse, die sie zum Munde führt, zierlich befranzt die bamaftne Theeserviette, die ihr zur Seite Ii»gt, während alle« fonftige Gerät und Gcwcbe von dürftigster Güte erscheint, und die Tochter an dem Einfachsten sich genügen läßt.

sei das ebenfalls ungerechtfertigt. Die Einnahmen au« dem Eisenbahnbetriebe seien in allen Ländern in die Höhe gegangen. Auch verweise er in dieser Beziehung auf die Aera Delbrück, wo die Einnahmen sich in gleicher; Welse erhöhten, ohne daß man damals dies mit der Wirtschafts­politik in Verbindung gebracht hätte. Redner verlangt die Vorlegung eines SteuerreformplaueS; da« Land «olle wissen, wa« die Regierung mit der organischen Steuer­reform beabsichtigt. Der Finanzminister habe bereit« im Jahre 1879 denselben für da« nächste Jahr in Aussicht gestellt, ohne daß der Plan bis jetzt vorgelegt tborbät fei. Die Regierung müsse gezwungen werden, stch übet ihre Reformpläne zu äußern. Wir haben den sehnlichsten Wunsch, daß die Regierung dem Lande die Klarheit, die wir in bezug auf ihre Steuer- und Sozialpolitik verlangen können, endlich glebt. Wir wissen, daß bann bei den nächsten Wahlen die Zahl unserer Parteigenoffen in noch größerer Zahl hier erscheinen werde, al« die« genügend gegenwärtig der Fall ist.

Finanzminister Bitter erwidert: Von ungemeffenen Versprechungen sei im Etat nicht« zu finden. In seiner Rede bei der Einbringung des Etats habe er nur solche Zahlen angeben können, welche geeignet schienen, ein all­gemeine« Bild der Sage zu geben, mehr sei nicht möglich gewesen. Die außergewöhnlichen großen Ausgaben für Neu­bauten gehörten nicht in da« Extraordinarium, sondern müßten durch Anleihen bestritten werden, er habe auch darin Zustimmung gefunden. Die Steuerreformgesetze seien bearbeitet und zwar vollständig, soweit sie da» Finanz­ministerium angehen. Das Staatsministerium habe aber aus den gestern angeführten Gründen die Einbringung nicht vorgenommen. Das bisherige Verwendungsgesetz werde als ausreichend betrachtet; sollten jedoch neue Ver­wendungen beschlossen werden, so müßte sich ihnen gegen­über die Negierung erst schlüssig machen. WaS die Finanz­lage deS laufenden Jahres anlange, so könne dieselbe nur als im großen und ganzen günstig bezeichnet werden.

Minister Maybach hofft, daß künftig noch größere Einnahmen aus den Eisenbahnen erzielt werden, da die­selben jetzt noch im UcbergangSstadium begriffen seien. DaS Petitionsrecht der Beamten solle nicht beschränkt wer­den; er müsse aber fordern, daß eS in anständiger, der Disziplin entsprechender Form auSgeübt werde. Uebtigen« bedürfe die Behörde keines solchen Anspornes von anderer Seite, um die Interessen ihrer Untergebenen wahrzun .. en. Dergleichen Dinge müßten schon vorsichtig behandelt wer­den, und zwar auf allen Seiten, well sie den irvntlidjen Dienst beträfen, der eine hochbedeutende Verantwortlichkeit in sich schließe. Die Verstaatlichung habe die Mittel ge­währt, mit dem vorhandenen Material viel mehr zu leisten, als früher geleistet worden sei. Das Material reiche aber bei gesteigertem Verkehre nicht mehr aus; darum verlang

ßrfdieint tSg'ich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für ba« Ouartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirte« «onntag«blatt" durch die Expedition tKoch'fche ttudibruderet) bezogen 2*/t Wert, durch bte Postämter des Deutschen RetcheS 2 Mark 50 Psg. (ejcl. Bestellgebühr JnsertionSgebühr für die gespaltene Beile 10 ®fe.

Für in der Expedition ,u ertbetlende Auskunft und Annahme von «dresten werden 85 Pfg. berechnet.