Marburg, Mittwoch, I. Februar 1882
XVII, Jahrgang
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(Fortsetzung folgt)
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'm Wohlwollen zuzuschreiben habe, welches mir während wer ganzen Amtsführung von allen Seiten des Hauses ichmäßig und ununterbrochen bezeugt worden ist. Dieses ohlwollen hat mir über viele Schwierigkeiten binwcgge- lfen und wird, indem es durch mich am Schluß unserer itzungen zum Ausdruck gebracht wird, von mir sehr nkbar empfunden. M. H., dieser Dank gehört und gilt
boden ist mit Decken belegt, die in derZeit ihres Glanzes einem stattlichen Saal zur Zierde gereicht haben mögen, jetzt aber beschnitten und ausgebessert, die ursprünglich leuchtenden Farben nur mehr erraten lassen.
Die Sessel und altväterlichen Lehn - Stühle des Zimmers sind mit verblaßtem Seidenstoffe überkleidet, in dm breiten, antiken Goldrahmen an dm Wändm sind
melancholische Regen. Am Hintergebäude eines größeren Hauses gelegen, schaut eö über einige entlaubte Baume und die vergilbten Rasenplätze des HauSgärtchenS mit seinem Giebel weit fort über die umgrenzenden Mauern bis hin zum nahen Friedhof, dessen immergrüne LebenSbäume auch in dieser trostlosen Jahreszeit noch von Beständigkeit und Hoffnung zu plaudern wagen, und dessen friedliche Stille selbst mit dem geräuschvollen Leben der hauptstädtischen Vorstadt in seltsamem Kontraste stehe.
In dem kleinen Parteirezimmer des Häuschens, denn eines eigentlichen zweiten Stockwerkes kann dasselbe sich nicht rühmen, sitzt im Lehnstuhle am Fenster eine weibliche Gestalt. DaS zierliche schneeweiße Häubchen umrahmt ein feines, noch immer schönes Gesicht, zu dem die leicht ergrauten Löckchen zu beiden Seiten trefflich stimmen.
Die Hände in den Schoß gefaltet, den stolzen Kopf gesenkt, die Augen halb geschlossen, könnte es scheinm, als ob sie schlummere, verriete nicht ein von Zeit zu Zeit gespannteres Aufhorchen, wie wach sie ist, trotz ihre« an
einigen zu dem Ruf, der unser A und O ist: Unser Kaiser Wilhelm, er lebe hoch! (Die Mitglieder erheben sich und stimmen begeistert dreimal in daS Hoch eiy.)
Freuden demselben anschließen. Die Herren Bicepräsidenten, Schriftführer und Quästoren haben mit großer Bereitwilligkeit und Thatkraft mich überall unterstützt und haben in dem collegialtschen Verkehr ein persönliches Verhältnis zu mir begründet, welches mir dauernd überall wertvoll sein wird. Ich erlaube mir den Mitgliedern des Vorstandes noch ganz besonders meinen Dank auszusprechen für die Unterstützung, die sie mir gewährt haben.
Hierauf erhält das Wort Bundesbevollmächtigter Staats, sekretär !m Reichsamt des Innern v. Bötticher: M.H.: Ich habe zunächst dem hohen Hause mitzuteilen, daß der Bundesrat beschloffen hat, den Entwurf des Gesetzes betreffend die Feststellung des Reichshaushaltsetats für das Etatsjahr 1882 83 in der Faffung, wie es aus bee Beschlüssen des hohen Hauses hervorgegangen ist, die Zustimmung zu erteilen, daneben jedoch die Erwartung auszusprechen, daß die in letzter Stunde vor dem in Aussicht genommenen Abschluffe der Arbeiten des Reichstages bei der dritten Lesung des Etats beantragte und beschlossene Einstellung eines neuen Einnahme - Kapitels 18 a von 10558350 M. aus dem Ueberschusse des JahreS 1881'82 nicht etwa als ein in Zukunft zu ähnlichem Verfahren führender Vorgang werbe angesehen werden können, da die verbündeten Regierungen hierin eine nicht gerechtfertigte Abweichung von den frühem bewährten finanzpolitischen Grundsätzen und dem bisher eingehaltenen Gange der Et tsberatungen erblicken, und da sie sich deshalb auch durch die Rücksicht auf das w nschenswerte baldige Zustandekommen eines gültigen Etatsaesetzes von der Geltendmachung dieser Anschauungen nicht immer würden abhalten lasten. M. H.I Außerdem habe ich eine allerhöchste Botschaft Jbnen mitzuteilen (daS Haus erhebt sich); die Botschaft lautet:
„Wir Wildelm von Gottes Gnaden, deutscher Kaiser und König von Preußen, thun kund und fügen hiermit zu wissen, daß Wir Unfein Staatssekretär des Innern, StaatS- minifter v. Bötticher, ermächtigt baden, gemäß Artikel 12 ter Verfassung die gegenwärtige Sitzung deS Reichstages in Unserem und der verbündeten Regierungen Namen am 30. d. Mts. zu schließen. Urkundlich unter Unserer höchst eigenhändigen Unterschrift und beiacdrucktem kaiserlichen Jn- siegel. Gegeben zu Berlin am 23. Januar 1882. (gez.) Wilhelm, (ggez) v. Bismarck.
Ich habe die Ehre, diese Allerhöchste Botschaft dem Herrn Präsidenten zu überreichen. Auf Grund der mir darin erteilten Ermächtigung erkläre ich namens der verbündeten Regierungen die erste Session der fünften Legislaturperiode deS Reichstages für geschlossen.
Präsident v. Levetzow: Zu guterletzt, m. H., möge der Wunsh, der in unser aller Herzen lebt, daß Gott daS deutsche Vaterland mit seinen Fürsten schirmen, dag Gott den deutschen Kais r segnen und schützen möge, uns ver-
ehende Abonnenten einen Wandkalender von 1882 atis beigefügt.
Illustriertes Sonutagsblatt allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch den Landpostboten, entgegengenommen. —
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ng. i soweit der Vorrat noch reicht, erhalten neu zu-
s Nachdruck verboten)
Unter falschem Namen.
Bon Ellen Lucia.
Ein nebliger Novembertag, wie der Norden Deutschlands seiner vollen Unbehaglichkeit ihn kennen zu lernen nur
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oft Gelegenheit hat, neigt seinem Ende.
Der Nebel, feine» unerquicklichen Dasein» müde, hat der Gestalt eine» langsamen, aber darum desto inten« hten Regen» seine Auflösung angestrebt, und die Tropfen Stilen mit beneidenswerter Beharrlichkeit auf da» aufgeweichte
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I jgg» Für die Monate Februar und März _„den noch Bestellungen auf die
Oberheffische Zeitung
Erdreich und machen selbst den Aufenthalt in den wohlge- „ pflegten Straßen der norddeutschen Haupt- und Universität»« - habt, wohin unsere Leser trotz de» schlechten Wetter» uns - Nachsichtigst begleiten wollen, so wenig angenehm, daß jeder, 7 km noch ein schützende« Dach winkt, mit hastigen Schritten li Sämwärtö strebt.
lOOi Die Wagen der OmnibuS- und Pserdebahnlinien sind - voll besetzt und selbst auf den Halteplätzen der Droschken " ist kaum ein Gefährt noch auszutreiben; da bleibt nichts, 3 olS auf die Schnelligkeit der eigenen Füße zu vertrauen. - Der Abend naht; die Dämmerung hat die ihr gün- - stigen Verhältnisse so redlich genutzt, daß sie ungewöhnlich " früh alles mit ihren trüben Schleiern umhüllt.
7 Die Laternen flimmern in rötlich trübem Scheine, leben»* „ »übe, wie erlöschende Lichtlein, und die Regentropfen schlagen " io nachdrücklich an die Fensterscheiben, al» wollten sie selbst -* Anlaß erbitten, oder doch den im Zimmer Weilenden da» 7 ^rhagen eine» wohldurchwärmten, freundlich erleuchteten Raume» zu vollerem Bewußtsein bringen.
- Auch an die niedrigen Fenster eine» GartenhäuSchen» in bet Nähe her Jnvalidenstraße schlägt plätschernd der
Ein kleiner zottiger Wachtelhund ruht ihr zu Füßen; mit großer Consequenz liegt er der Lieblingsbeschäftigung aller Stubenhunde ob: ihr bequemes Leben zu verschlafen.
DaS Zimmer zeigt ein seltsame» Gemisch von verblichener Pracht und verschämter Dürftigkeit. Der Fuß-
Hjben nimmt entgegen : I Äbebition d. Blattes, 1Lilnnoncen-$ureeur ^Dietrich u. Co. m ^el und Hannover; Th. in Frankfurt a.M , ** l-nstein U. Vogler in a. M., Berlin, Än :c.; Rudolf »"Am Berlin, Frank- 10f,efurt °. -c.
ßrfAeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte» SonutagSblatt- durch die Expedition (K o ch'fche 81 Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Pfg. berechnet-
vom Landtag.
Berlin, 30. Januar.
In der heutigen (4.) Plenarsitzung de» Abgeord« neten Hauses nahm bei der ersten Beratung de» Etat» zunächst der Finanzminister Bitter da» Wort, um im Hinblick auf den Beschluß des Reichstags, circa 10 Mill, aus den Ueberschüffen des laufenden Jahres in den Etat von 1882/83 aufzunehmen, dem Hause mitzuteilen, baß burch die Ermäßigung der Matrikularbeiträge die Balan- zierung des Etats ermöglicht werde, und er demnächst mit Allerhöchster Ermächtigung das Anleihegesetz zurückziehen werde.
Abg. Frhr. v. Huene vermißt in den mündlichen Ausführungen des Herrn Finanzministers die üblichen Mitteilungen über die Ergebnisse des laufenden Etats. Er geht kritisierend auf die einzelnen Verwaltungszweige ein und tadelt namentlich, baß mit der Verstaatlichung der Eisenbahnen vorgegangen werde, ohne die Resultate der bisherigen Verstaatlichung abzuwarten. Im allgemeinen nimmt er der Finanzlage des Staats gegenüber einen weniger optimistischen Standpunkt ein, al- der Herr Finanzminister.
Abg. v. Rauchhaupt findet dagegen, daß der Vorredner die Etatsverhältnisse zu schwarz angesehen; die stetig fortschreitende Besserung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse würbe am besten durch den zunehmenden Export und die Hebung der Eisen- und Textilindustrie konstatiert. Dazu komme eie Besserung in den Geleverhältniffen. Wenn auch zuzugeben sei, daß in einzelnen Industriezweigen die Besserung bislang noch nicht in erwünschtem Maße eingetreten, so sei ko» eine Besserung im allgemeinen unleugbar; auch die Landwirtsevast erfreue sich einer allmäligen Erstarkung. Weil aber die wirtschaftliche Bcsferung unserer Verhältnisse eben noch nicht eine so allgemeine, wie sie wünschenswert, so sei auch die Erhöhung der Beamtengehälter zur Zeit mit Recht noch nicht in Aussicht genommen. Redner beklagt die hohe Ausgabe, welche die Justizreform im ge- folge gehabt. Andererseits habe sich die Verstaatlichung der Eisenbahnen durchaus bewährt. Mit den weiteren Steuererlassen würde indes vorsichtig vorzugehen und jedenfalls ein fester Plan der Steuerreform abzuwarten sein. Inzwischen sei jedenfalls mit Freuden anzuerkennen, daß wir seit mehreren Jahren wieder einen vollständig balancierenden Etat vor uns haben. Das könne im Volke nur Befriedigung und Vertrauen zu der ittttttl Wirtschaftspolitik erwecken I
Abg. Richter sucht im Gegensatz« zum Vorredner auS dem Etat selbst nachzuweisen, daß die Finanzlage kei« wertlose Oeldruckbilder von sichtlich neuerem Ursprung. Wohlerhalten allein erscheint der geöffnete Flügel, der dm größeren Teil deS Raumes einnimmt. Eine milde Wärmt und ein feiner Ambraduft geben dem Zimmer eine gewiffe Bchaglichkeit; seltsam nur berührt eö, daß kein anderer Lichtschein eS erhellt als allein der Schein der düster herein- flimmernden Hof- oder Straßenlaterne.
Die Dame am Fenster horcht hinaus auf den plätschernden Regen; unberührt steht daS zierliche Spinnrad vor ihr, neben ihr im Korbe liegt die grobe, weiche Woll- arbcit mit den langen hölzernen Nadeln; sie scheint ihrer inüde geworden und sie bei Seite geschoben zu haben. Die Hände ruhen müde in ihrem Schoße; hin und wieder nur tastet sie fühlend nach dem Wachtelhündchen zu ihrm Füßen, gleichsam, als ob sie sich durch die Berührung überzmgen wolle, daß der einzige Gefährte ihrer Wachsamkeit sie nicht verlaffen habe. Dankbar leckt dann allemal da» Tierchen die liebkosende Hand, ohne darum in seiner behaglichen Ruhe sich sonderlich stören zu lassen. Endlich hebt der Hund den Kopf und bewegt aufhorchend die langen zottigen Behänge, reckt sich und springt leise aufbellend zur Thür« und wieder zurück, um nach wiederholten Drehungen um seinen eigenen Mittelpunkt, durch die er, wie alle seine Kameraden, Freude und Ungeduld auszudrücken liebt, vor der geschloffenen Thüre Posto faßt und sie bellend anschaut, alö wäre es ihm zu lange, bis sie sich öffne und ein« liebe, sehnlich erwartete Gestalt nnlaffe, deren Schritt er schon vom Hofe her erkannt.
„Kommt sie, unsere Anna? Bello, kommt sie?" fragt vom Fenster her der Herrin tiefe, klangvolle Stimme, und trotz aller äußeren Ruhe ist auch in ihr eine freudige Er-
Anzeigen nimmt enttrgen: die Expedition d. t—iul, sowie d.Annoneett-Bureaux een G L. Daube u. $e. in Frankfurt a. M.; nägerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; C- Schlotte in
Bremen.
Berlin, den 30. Januar.
Präsident v. Levetzow eröffnet die (38.) Sitzung vor st leeren Bänken mit geschäftlichen Mitteilungen. Nach- m das Haus eine Reihe von Petitionen zur Erörterung Plenum für ungeeignet erklärt hat, bemerkt Präsident «Levetzow: M. H.l Wir nähern uns nunmehr dem Schlüsse unserer Arbeitem Ich habe Ihnen in gebräuchlicher Weise die Uebersicht über die Arbeiten mitzuteilen, i Hau, „ob« ich vorausichicke, daß der Reichstag diesmal mit dem - ijm vorliegenden Material überaus gründlich aufgeräumt A. Euki u Der Reichstag war 75 Tage versammelt und in und ö Mei Zeit hab n 38 Plenarsitzungen, 75 Sitzungen der haute Steilungen, 92 Commissionssitzungen stattgefunden. Der “ Präsiden verliest hierauf die Angaben über die Abwicklung Ledere!fc Arbeiten. Die Regierungsvorlagen sind sämtlich abge- Just. gitf.lt. Die Meh zahl der ei> gegangenen 441 Petitionen bei Al fegte die Anträge au« dem Hause sind, erledigt worden, »ei Loitz Gras Moltke zur Geschäft.ordnung: M. H., indem [34iir unsere Bet atu »gen falte en, fordere ich Sie auf, nfam verehrten H rrn Präfl enten für seine energische, npart.iische Lei'ung -er Vethanklungen unfern Dank au«« irrüd.n. (B'if ll.) Ick bitte Sie, sich zum Zeichen sen zu rhede«. (Gefa ieht)
Präsident v. Levetzow: M. H., »ern ich mich auch 8 ehrlichen Streben« rühmen kann, so muß ich doch er« Ken, daß ich rie ehrenvollen Worte, welche wir soeben « dem Mun-e unser- hochverehrten AlterSpräftdenten
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6r 1881 m ganzen Vorstände und insofern kann ich mich mit lla. ---- - H ii ......... -......-