JHarfiurg, Dünrtag, 31. Januar 1882
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merkt zu neuem Börscnspiel und Gründungen. Jetzt ist das Unheil wieder da, und was geschieht? Di« liberale Presse ist entrüstet, wenn konservative Blätter auf die offen daliegende Quelle des Verderbens Hinweisen und redet in ihrer hochmütigen Blasiertheit so, al» verstände niemand etwas von diesen Dingen als nur die jüdischen Scribentm der liberalen Börsenberichte. Inzwischen wirbelt man in den Parlamenten Staubwolken auf über konstitutionell Fragen und thut, als solle die Welt untergehen, wenn ein Minister von d n Rechten des König« redete. Üeber jede Lapalie weiden Interpellationen eingebracht und tagelang die heftigsten Debatten geführt. Für die Ereignisie an der Börse, durch welche auf den Wohlstand der Völker Wirkungen hervor gebracht werden, die in ihrer Verderblichkeit fast verlorenen Kriegen gleich kommen, hat man kein Auge. Der Regierung rechnet man jeden Uniformknopf nach und brüstet sich damit als mit einer Heldenthat für den Wohlstand des Volkes; von Steuern redet man vor dem Volke, als verzehrten ste die Minister in Chatnpagner oder steckten sie in ihre Taschen, weist aber ein konservativer Mann auf das verderbliche Treiben an der Börse hin, wo Hunderte und tausende von Millionen Volksvermögm verloren gehen, so schreibt man ihn nieder als einen Judenoder G'ünderheher l Gehen diese Dinge wirklich die Staaten nichts an, auch dann nicht, wenn man hört, wie die Börse zugleich dem politischen Jntriguenspiel die Mittel liefert und die Bahnen ebnet zur Herbeiführung großer Kriege, unter denen die Völker bluten, aber die Börse nur desto mehr gewinnt? Sollen die Staaten und Völker wirklich nur gut genug sein, den Spielball der Börse zu bilden, den Schaden ihres Treibens mit Hunger und Not oder auch mit ihrem Blute auszubaden?
Wir hoffen, daß das Treiben der französischen Börsenfürsten in Frankreich, Oesterreich, Schweiz und Italien den Völkern die Augen öffnen wird, und daß man endlich erkennt : diesem Treiben muß ein Ende gemacht werden, diese Quellen des Unheils, der Verarmung, der großen Krisen, des politischen JntriguenspielS und der Beunruhigung müssen beseitigt werden. Die Staaten können eS nicht ertragen, daß eine Handvoll Börsenspieler alle paar Jahre, die verderblichsten Katastrophen und Krisen über die Völker hcr- beisühren, ohne daß die Staaten auch nur ein Mittel in die Hand hätten, diesem Treiben zu steuern, und ruhig zusehen müssen, wie eine feile Preffe und Agitation die Unzufriedenheit des Volkes über die durch die Börsenl rache hervorgcrufenen Notstände gegen die Staaten und die gesellschaftliche Ordnung richtet. Reform der Börse I Dü§ muß die Parole werden.
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«ht die Silberverkäufe eingestellt. Wenn der Abg. Lcuschner «Haupte, unsere Goldwährung wäre nur auf dem Papiere ^wirklich!, so widerspreche da« den thatsächlichen Verhält- Am durchaus. Deutschland könne sich mit seinem ganzen Adsystem im Vergleich mit den anderen großen Nationen W sehen lassen. — Wenn dann aus die Abnahme der ««ldproduktion hingewirsen werde, so sei doch auch gar W gesagt, daß der Bedarf an Gold nur dann zu decken wenn stets die allerhöchsten Quantitäten, die in einten wenigen Jahren zufällig erzielt, gewonnen würden, fli Befürchtungen einer künftigen Geldnot seien lediglich Phaniom; für künftige Bedürfnisse könnte dir Gegen- ^rt unmöglich sorgen. Eine ringS von Feinden nm» tone Nation, wie die deutsche, könne ihr Münzsystem auf eine papierene Konvention basieren. ES fei ^»er irrtümlich, daß man ein besseres Münzverhältnis ?n Gold zu Silber als von 157* zu 1 festsetzen könne. W» wo es immer deutlicher wird, daß England sich nicht M bequemt, auf den BimctalliemuS einzugehen, trotz der olientativen Manöver, die in England gemacht werden,
utzzöllner mit den BimetaUisten zu identifizieren. Anger und Gegner der Goldwährung seien über beide wirt- flliche Lager verteilt. Der eigentliche Anlaß, die Frage er wieder zur Sprache zu bringen, liege offenbar insofern einer Anregung von außen, als man der am 12. April I. zu Paris wieder zusammentretenden Münzkonferenz r machen möchte, daß der deutsche Reichstag und Deutsch- nd überhaupt jetzt dem BimetalliSmuS zuneigen. Daß vergangenen Jahre, worauf Herr Leuschner zunächst Ge- cht legt, weniger Gold als früher ausgeprägt, beweise an gar nichts. Der Vorredner bezweifle ferner, daß die her angenommene Summe als Kosten für die Etnfüh- ng unserer Goldwährung (40 Mill.) nicht ausreiche, aber e gute Münzreform s.'t doch gewiß allermindestens soviel
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Deutscher Reich.
Berlin, 28. Jan. Der Bundesrat stimmte dem Gesetz über die Berufsstatik in der Fassung des Reichstages zu. Die vom Reichstag gefaßten Resolutionen sowie das Gesetz über den Zollanschluß Hamburgs resp. den Beittag de« Reiches zu den Kosten wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. — Die Parlamentsbaukommission bestimmte gestern Abend die Zusammensetzung der Jury. Dieselbe besteht au« sämtlichen 13 Mitgliedern der Reichstagbau- kommisston, 8 Architekten und Künstlern, bereit Namen noch bekannt gegeben werden. 95,000 M. sind für Preise ausgesetzt: 2 erste Preise je 15,000 M., 3 zweite je 10000 M., 3 dritte je 5000 M. und 10 je 2000 M. — In der auf Montag anberaumten Schlußsitzung de« Reichstags wird nur die kaiserliche Botschaft betteffS de« Schluffe« der Session zur Verlesung gelange«. — Das Abgeordnetenhaus wird fast in derselben Stunde, in welcher der Reichstag schließt, seine Arbeiten aufnehmen und nach der vierzehntägigen Pause nun seine volle Thätigkeit entwickeln. Trotz alledem glaubt niemand daran, daß die Arbeiten bis Ostern irgendwie zum Abschluß zu bringen sein werden. Es dürfte wohl die Zeit bi» zur dritten Maiwoche erforderlich sein, wenn der Landtag auch nur seine dringendsten Geschäfte zu Ende führen soll. Der Präsident beabsichtigt zunächst ohne Unterbrechung die sämtlichen ersten Lesungen der eingegangenen Vorlagen auf die Tagesordnung zu setzen. Man wird mit dem Budget beginnen, wofür zwei Tage in Aussicht genommen find. Dann werden die Eiscnbahnvorlagen, die Kreisordnung f r Hannover und zuletzt das kirchenpolitische Gesetz folgen. Möglich, daß man bei dieser Reihenfolge an dne mehr fortgeschrittene Entwickelung der Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung und der römischen Cuxie gedacht hat, deren Wiederaufnahme bei dem unmittelbar bevorstehenden Eintreffen des Herrn v. Schlözer in Rom er«
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ohmttz die Agrarier, welche die Agitation betreiben. Von 89 Han- stille Mlskammern hätten sich 84 für Aufrechthaltung unserer ihrung ausgesprochen. Ganz irrtümlich sei eS ferner, Freihandel mit der Goldwährung und andererseits die
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jetzt kommt man und will uns an den Gedanken gewöhnen, daß wir einer solchen bimettalistischen Konvention ohne England beitreten können; aber ich glaube, davor wird man bei un« nicht zu warnen brauchen, und wenn man uns die Herren von der Englischen Bank zitiert und die Liverpooler und Manchester Kaufleute, die jetzt Programme er« lasten, daß man bimettalistische Konventionen bilden solle, so antworte ich darauf: Fragt erst bei euch zu Hause an, da« wollen wir un« überlegen, wa« wir thun wollen.
Abg. v. Reden legt dar, daß der BimetalliSmuS nicht, wie eS so vielfach geschehe, mit dem Manchestertum itendi- fiziert werden, beides seien selbstständige Richtungen, die sich durchaus nicht zu decken brauchen. Er ist trotz seine« liberalen Standpunktes Anhänger der Doppelwährung, deren Berechtigung und Nutzen für Deutschland er ausführt, indem er gegen Bambergers Ausführungen polemisiert. Redner geht ausführlich auf die Geschichte der bimetallistischen Bewegung ein, deren allmähliches Anwachsen aus kleinen, unsichtbaren Anfängen bis zu ihrer heutigen gewaltigen Ausdehnung deutlich beweise, daß man in den weitesten Kreisen keine Hoffnung auf die Goldwährung setze.
Die Diskussion wird geschlossen unb der Etat der Münzverwaltung genehmigt, desgleichen ohne Debatte eine Reihe von Spezialetats.
ES folgt mündlicher Bericht der Budgetkommifston über den Antrag Richter (Hagen), welcher auS den Überschüssen des laufenden EtatSjahreS so viel in den vorliegenden Etat eingestellt wisten will, daß dessen Balancierung ohne Erhöhung der Matrikularbeiträge erfolgen kann.
Bundesbevollmächtigt'r Staatssekretär Scholz: Der in dritter Lesung eingebrachte Antrag verändere die Grundlagen des Etats wesentlich. Der Bundesrat habe noch keine Stellung nehmen können, werde eö auch morgen nicht können und eS werde deshalb der für heute in Aussicht genommene Abschluß der ReichStagSarbetten sich verzögern. Der Bundesrat lege Wert darauf, zu konstatieren, daß er vollständig freie Hand behalte, zu dem so auf ganz anderer Basis aufgebauten Etat nach freiem Ermesten Stellung zu nehmen.
Abg. Rickert befürwortet die Annahme des ganz unbedenklichen Antrages. Die KommifstonShandlung über den Antrag habe gezeigt, daß dessen Annahme nach keiner Richtung hin mit Gefahr verbunden sei.
Nach einer Entgegnung des Staatssekretärs Scholz, der sich gegen Richtersche Mißverständniffe verwahrt, erklärt sich auch Abg. v. Benda für den Antrag; ebenso auch Freiherr v. Minnigerode trotz mehrfacher Bedenken.
An der weiteren Debatte beteiligen sich noch die Abgg. Richter (Hagen) unb Rickert, worauf der Antrag Richter dem Vorschläge der Budgetkommission gemäß, fast einstimmig angenommen wird.
Daö HauS genehmigt ferner das Etatsgesetz und den Etat im Ganzen. Derselbe weist jetzt nach an Einnahmen 610 632707 M.; an fortdauernden Ausgaben 331823 228 M. und an einmaligen Ausgaben 78803479 M. Ebenso wird da« Anleihegesetz genehmigt.
Damit ist die dritte Lesung des Etats beendigt.
Schluß 43/t Uhr. Nächste Sitzung Montag 10*,'» Uhr. (Petitionen.)
Wie lange noch !
Angesicht- de« Börsenkrach« in Pari«, besten Nachwirkungen in ganz Europa gespürt werden, drängt sich die Frage auf: Können die Staaten und Völker e« ertragen, daß eine Handvoll Menschen an den Börsen mit dem Geld und den Arbeitsprodukten der Völker ein selbstsüchtiges Spiel treiben, bis ein Krach erfolgt, aus dem eine Anzahl schlauer Spieler als reiche Krösusse hervorgehen, durch den aber zahllose Existenzen ruiniert, die produktive Arbeit ganzer Völker auf Jahre hinaus geschädigt und bei bet Abhängigkeit bet großen Arbeitermassen von bett großen Industrie- Unternehmungen Millionen von Arbeitern in Not unb Hunger gestürzt werben? Erfahrungsgemäß wisten bie Urheber bes Unheils, die Börsenmagnaten, durch die ihnen dienstbare Macht der liberalen Presse den Unwillen des Volkes immer von der Börse ab und auf den Staat hin- zulenken! Man denke nut an die Folgen des Krachs von 1873. Jedermann wußte, daß die Börse mit ihrem frivolen Aktienspiel die Urheberin des Unheils war — aber wie geschickt wurde der Unmut des Volkes von ihm ab- unb auf den Staat hingelenkt. Wo hat auch je ein Sozialdemokrat von der Börse geredet? Ueberall führte man die verblendeten Arbeitermasten gegen den Staat und während so die soziale Frage viel Staub aufwirbelte und alle Augen auf sich zog, rüstete die Börse sich unbe-
- _ derAnschluß Hamburg« und noch erheblich mehr wert;
S yt wererseits würde dann die Rückkehr zur Silberwährung ___>«ch angestellten Berechnungen auch 37 Millionen kosten, Welche et seinerseits für vollständig weggeworsen halte.
I« sei zuzugeben, daß man bei Einführung der Goldwäh- tl- uiti die Entwertung deö Silbers nicht tn dem Maße in Näh« ic Berechnung gezogen habe, wie sie thatsächlich eingetreten i Um so richtiger sei aber der bei Einführung der Gold- Ehrung maßgebende allgemeine Gesichtspunkt, Sicherheit 8 diesen Dingen zu schaffen. Daß wir durch die Ver- pltnisse gezwungen seien, die Durchführung der Goldwäh- tz»g zum Abschluß zu bringen, könne er umsoweniger zu- wen, al« bte noch abzustoßende Summe von Silberthalern wie so überaus enorme sei. Unsere Münzreform wäre N dem vollen Abschlüsse schon wesentlich näher, wenn wir
Som Reichstag.
Berlin, ben 28. Januar.
In der heutigen (37.) Plenarsitzung de« Reichstag- wurde zunächst eine Petition des deutschen Hopfenbauvereins ju München - Nürnberg wegen eines jährlichen Zuschusses von 20 000 M. aus Reichsmitteln durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.
Bei Fortsetzung der dritten Beratung de- Etat« erhielt jum Etat des Reichs - Schatzamts heute Abg. Dr B a m- ttger das Wort, um auf die gestrigen Ausführungen des Abg. Leuschnet bezüglich der Münzfragr zu erwidern, msen i & betonte zunächst, daß die allerdings lebhafte Bewegung 8a« diesem Gebiete gegen unser Münzsystem sich auf sehr 8 2 hch tHfle Grenzen beschränke, welcher als publizistisches Hanpt- e Bodo Mflatt bie „Bert. Börsen-Zeitung" diene, daß im übrigen ' ™ aber in der Geschäftswelt die Frage wenig beunruhigend
hervortrete. Von politischen Parteien seien eS namentlich
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