Marburg, Donnerstag, 26. Januar 1882
XVII. Jahrgang
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Vom Reichstag.
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1881 ite. -
Berlin, den 24. Januar.
I» der heutigen (33.) Plenarsitzung deö Reichstag«
„£>abe ich es nicht gleich gesagt", sprach Lieutenant Roden triumphierend zu seinen Kameraden, „daß zwischen Brandau und der schönen Vera geheimnisvolle Beziehungen bestehen?" _______
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Der Einfluß des Lichtes auf die Gesundheit.
Tausende und aber Tausende lockt alljährlich die wiederkehreude Sommer « Saison aus der dumpfen,
staubigen Atmosphäre und dem „beengenden Gcwühle" der Städte hinaus inö Freie, aufs Land und ins Gebirge, in Sommerfrischen und Gutorte, teils, um hier Genesung von ' wirklichen oder eingebildeten Leiden zu suchen, teils, um sich aus längere und kürzere Zeit von den Anstrengungen und Sorgen deS Berufs zu erholen. Erfrischt und gekräftigt kehren dann diese Tausende — wenigstens was die große Mehrzahl anbelangt — wieder in die Heimat zurück und debattieren nun vielfach darüber, was ihnen eigentlich geholfen habe: Ob die gute reine Luft am MeereSstraude, im Hochgebirge, in der ländlichen Sommerfrische, ob die Brunnenkur, ob die veränderte Lebensweise, da« sorgenlose Stilleben — aber nur an einen allgemeinen und wichtigen Heilfaktvr denkt kaum Jemand: an den Einfluß des Lichtes auf die Gesundheit. , _
Von einem Einfluß des Lichtes auf unser ganzes Befinden werden wohl die wenigsten gehört haben, ebenso, tote man wohl noch nie davon gehört hat, daß em Arzt den Gebrauch von Licht je seinen Patienten empfohlen habe und dieselben würden gewiß auch eine sehr erstaunte Miene zu einer solchen Empfehlung gemacht haben. Ziehen sich doch im Gegenteil die zarten Damen auch auf dem Lande zumeist in schattige Plätzchen zurück und schützen mit
sekretär des Innern, der Vizepräsident deö preußischen Staatsministeriums und andere.)
Der Redner schildert mit pathetischen Worten die Gefahren für Monarchie und Konstitution, welche die Deckung der Minister durch den königlichen Willen mit sich bringen müßte. — Was daS Verhalten der Beamten bei den Wahlen betreffe, so fei zuzugeben, daß die Beamten sich gewisse Schranken auflegen müßten, mit Rücksicht eben auf ihre amtliche Stellung; aber innerhalb dieser Schranken müßte eS auch dem Beamten frei stehen, für oder gegen die Regierung von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Dieser Erlaß sei offenbar zu betrachten als ein Abschreckungsmittel für oppositionelle Beamte, dagegen eine Aufforderung an alle strebsamen Beamten, den künftigen Wahlen einen regierungsfreundlichen Charakter aufzudrücken. In solcher Kundgebung sehe er also eher eine Gefahr, als eine Förderung des königlichen Ansehens in Preußen und in Deutschland.
Reichskanzler Fürst v. BiSmarck betont zunächst, daß er als Bevollmächtigter des Königs von Preußen und nicht als Reichskanzler den Allerhöchsten Erlaß vom 4. Januar hier zu vertreten legitimirt sei. Der Erlaß habe kein neues Recht schaffen sollen, sondern den Zweck, der Verdunkelung des alten Rechts vorzubeugen und entstehende konstitutionelle Legenden zu zerstreuen. Nachdem der Reichskanzler beiläufig dem Abg. Mommsen das Horrende seiner Aeuße ungen in den Wahlreden vorgehalten, geht er auf eine Erläuterung des Titel III. der preußischen Verfassung ein. Die Unverletzlichkeit des Königs habe nicht erst durch die Verfassung geschaffen werden brauchen, sie habe immer existiert. Die Regierungsakte deS Königs bleiben doch immer Akte des Königs, wenn sie auch von den Ministern gezeichnet seien. Die preußischen Traditionen entsprechen vollständig der Verfassung; die preußischen Könige wären immer von dem Gefühl ter Rcgentenpflickt geleitet gewesen. In Preußen wäre eS so herkömmlich, daß der König befiehlt und die Minister gehorchen, so lange sie daS mit ihrer Auffassung vereinbar halten. Der wirkliche Ministerpräsident in Preußen sei der König selbst. Wenn der König von Preußen sich einfach der Parlamentsmajorität fügen wollte, wie stünde es dann heute wohl mit der Einigkeit Deutschlands? Wenn der König von Preußen nicht seiner eigenen, sondern der parlamentarischen Politik gefolgt wäre, was wäre aus der Armee-Reorganisation geworden! Dann hätten wir 1863 die polnische Insurrektion und bezüglich der Elbherzogtümer vermutlich ein zweite« Olmütz erlebt. DaS Königtum in Preußen sei so stark und mächtig iyt Volke, daß t erade jene Herren nicht wünschten, daß dasselbe direkt mit dem Volke in Beziehung trete. Dos preußische Volk lasse sich sein Jahrhunderte altes machtvolles Königtum nicht nehmen, der Köniz habe das Recht zu regieren, und lasse sich dasselbe
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Vera.
Novelle von Leo Sonntag.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedilion d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Ge in Frankfurt a. M ; IS gerecht Buchhandluna daselbst; Hermansche Bus Wandlung daselbst ; Invalidendant in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
Für die Monate Februar und März »erden noch Bestellungen auf die
Oberhessische Zeitung
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Wenige Tage später laS man in den Zeitungen der Residenz folgende Notiz:
„Der plötzlich aufgetauchle neue Stern am Theater- Himmel soll uns ebenso plötzlich wieder entrissen werden. Söie wir hören, hat sich Signora Vera mit einem Offizier «US den höchsten Adelskreisen, Rittmeister Graf B...... - Erlebt. Derselbe wird seinen Dienst quittieren und sich " »it seiner Frau auf seine Güter zurückziehen. Wie ver- ' hüte*, soll der Graf die Signora schon früher gekannt - hoben. Wir können nur bedauern, daß dem Publikum der Genuß, eine fo glänzende Sängerin zu hören, so bald ent« werden soll."----
(Schluß.)
tiefen Seufzer sank der Graf in seinen
gehende Abonnenten einen Wandkalender von 1882 Vs! xatis beigefügt.
_ Sessel zurück.
„Und Du hast cS nicht versucht, sie noch einmal zu shrechcn?"
„Wozu? sie hätte mich ja doch nicht angenommen!
„Weist Du daö Alfred ? Dein Stolz hat einmal Dein Glück zerstört, soll er e« noch einmal? Du kannst ihr die momentane Bitterkeit nicht verargen. Du mußt ihr ,1 den kleinen Triumph gönnen, den sie gefeiert. Doch wenn Du sie wirklich liebst, gieb sie nicht so leichten Kauf« auf. Versuch eS noch einmal, sie zu sehen, erzähle ihr, was Du vir eben erzählt, und der Sieg muß Dir gelingen!
„Ich will es versuchen", versetzte Brandau milde ll lächelnd, „doch ich glaube an keinen Sieg. Gute Nacht, ■ Arthur." „Gute Nacht."
durch keine irrige Auslegung der Verfassung rauben. Wer die Behauptung aufstelle und gerade ihm gegenüber aufzustellen wag', daß er den Namen des Königs al« Schild gebrauche, der müsse die Geschichte der letzten 20 Jahre doch gar nicht kennen. Aber selbst wenn auch die Rechte des Königs nicht in der Verfassung ihre formelle Anerkennung fänden, wie eö thatfächlich der Fall, so wäre es doch von bedeutsamem Gewicht, welcher Monarch an der Spitze des Landes stehe, auch wie die Zusammensetzung des Parlaments gestaltet sei. Ein Parlament, das selbst keine sichere Führung hat, sollte sich freuen, daß ein mW tiger königlicher Wille vorhanden sei. Im zweiten Teile des Erlasses würde die Wahlfreiheit keines Beamten beschränkt, im klebrigen die Beamten in politische und nichtpolitische geschieden und nur. und mit Recht, von den Ersteren verlangt, die Intentionen der Regierung zu unterstützen und nicht gegen dieselbe zu agitieren. Der Fürst- Reichskanzler schloß mit ter Versicherung, daß der König von Preußen auf feine angestammten Rechte und aus den Wechselverkehr mit seinem Volke niemals verzichten werde und daß er persönlich fortfahren werde, seinem Könige zu dienen, und das als Diener, nicht als Vormund. (Lebhaftes Bravo.)
Abg. Dr. v. Treitschke betonte die Verantwortlichkeit, deren die preußischen Könige vor Gott und ihrem Gewissen zur Zeit der absoluten Herrschaft wie unter dem konstitutionellen sich gleicher Weise bewußt geblieben. Der tzrlaß sei nichts anderes als der korrekte Ausdruck dessen, was in Deutschland von je Rechtens gewesen und hoffentlich immer Rechtens bleiben werde. Das Verhalten der Fortschrittspartei und ihrer Bundesgenossen habe den Erlaß nötig gemacht. Das monarebisch gesinnte preußische Volk wolle dies persönliche Verhältniß zu seinem Könige sich nicht nehmen lassen. (Bravo.)
Abg. v. Bennigsen bemerkt, daß die heutige Rede des Fürsten-Reichskanzlerö nickt dazu dienen könne, die Verhandlungen des Hauses friedlicher zu gestalten. Die Erinnerung an die Konfliktszeit würde besser von beiden Seiten vermieden. Was der Erlaß enthalte, sei staats- recktlich unbestritten; da entstehe denn die Frage, ob eine thatsächliche Veranlassung Vorgelegen, die Stellung der Krone in dieser Form gegen Mißdeutungen zu schützen. In Preußen und ganz Deutschland wurzele erfreulicher Weise die monarchische Institution so fest, daß einzelne unpassende Aeußerungen in Versammlungen solchen Akt nicht rechtfertigen könnten. Dadurch werde der Schein erweckt, daß die Monarchie weniger mächtig sei, als es that- sächlich der Fall sei. Wenn eS im Reichstage getadelt sei, daß die Minister sich mit der Person des König« decken, so sei es geschehen, weil eS nach den für die Regierung ungünstigen Wahlen besonders zu mißbilligen sei. Durch die Auslegung, welche der Herr Ministerpräsident dem
breiten Strobhüten ihr Gesicht, um den zarten Teint nicht zu bräunen. Natürlich sollen sie nicht bei einer Hitze von 26 Grad im Schatten sich den Wirkungen der Sonnenstrahlen aussetzeu, aber daß da« ängstliche Bestreben, sich so viel wie möglich gegen da« belebende Sonnenlicht zu chützen, oft nachteilig auf die Gesundheit wirkt, ist eine feststehende Thatsache und wir wollen daher im Nachstehenden darlegen, daß der Einfluß des direkten Sonnenstrahl« namentlich für „Bleichgesichter" ein unersetzliche« Heilmittel ist. m
So weit die menschliche Kenntnis von dem Walten der Kräfte in der Natur reicht, ist die Existenz der gesamten organischen Welt zum mindesten ebenso abhängig von dem Lichte der Sonne al« von ihrer Wärme. Durch die Einwirkung de« Sonnenlickts wird nämlich in den grünen, lebenden Pflanzen unter Zerlegung von Kohlensäure und Wasser organische Materie gebileet, wobei der für alle lebenden Organismen so unbedingt nötige Sauerstoff frei wird. Dies ist aber der einzige bis jetzt bekannte Weg, auf dem überhaupt auf unserer Erdoberfläche organischer Stoff entsteht. Die wichtigste Nolle in diesem Bildung«- prozesse fällt nun dem grünen Farbstoffe der Pflanzen, dem sogenannten Chorophyll anheim, welches die Eigenschaft besitzt, die roten Strahlen deö Sonnenlichtes zu absorbieren und zur Bildung chemischer, organischer Verbindungen zu verarbeiten. Die Stelle deö Chlorophylls nimmt aber bei Menschen und Tieren der Blutfarbstoff ein und eS ist auch thatfächlich eine mächtige Einwirkung de« Sonnenlichte« auf den Blutfarbstoff nachgewiesen worden. Derselbe absorbiert die gelben und grünen Strahlen de« Sonnenlichtes und hierbei erwärmt sich das Blut, wie eS scheint, bei verschiedenem Grade. Indessen ist diese Einwirkung
iritte Beratung des Etats eingetreten.
Abg. Dr. Hänel bringt alSdann den königlichen Er- sß vom 4. Januar zur Sprache. Nachdem er die sor- _____-meßen Einwendungen gegen die Kompetenz des Reichstags tHctEcfdtigt und namentlich betont, daß in dem Erlaß selbst nadjlouf bie gesetzgebenden Körper hingewiesen, führt er auö, ii, so fcie er den qu. Erlaß beklage, nicht allein im Interesse der verlLmhrkn Machtfülle und der Hoheit der Krone selbst, sondern
Wch, weil der Erlaß für daö Verfahren, welches er decken igt zitlstlle, keine genügende verfassungsmäßige Rechtfertigung finde. wbraiMS entspreche der Verfassung nicht, wenn die Minister deS
[1 Königs zur Rechtfertigung von RegierungSmaßregeln sich ----- mit dem Willen deS König« decken. ,
(Während der Anösührungen diese« Redners erscheint m fit S'^kn 12 Uhr am Bundesratstische der Reichskanzler Fürst 8 . d. BiSmarck; an seiner Seite befinden sich der SlaatS-
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Y*. vor dem Eintritt in die Tagesordnung der Abg. mayer (Württemberg) daö Wort, um namens de« auf ier) lincr Reife abwesenden Abg. Sonnemann die Erklä- ung abzugeben, daß der in der Nr. 37 der „Nordd. Allg. » , 13 nach dem , Voltaire" abgedruckte Brief eines dcmo- ’lUl Aschen deutschen ReichStaaSabgeordneten an einen stan- Mchm radikalen Politiker, der mit „8." unterzeichnet, faßt von dem Abg. Sonnemann geschrieben sei. Derselbe )Qße überhaupt keinen ähnlichen Bries weder an den Herrn o. tapmiour, noch an irgend jemanden geschrieben. Er (der trg i Um) so wenig wie Herr Sonnemann wüßten freilich, ?. $t -on wem der Brief herrühre; jedenfalls sei der Verfasser ntech fließt e n Mitglied dcS gegenwärtigen Reichstag« und stehe ncht auf dem Programm der Volkspartei.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst der Bericht der Staatsschulden-Kommission und die Zusatzakte zur Schiff- —JaßttSafte für die Donaumündungen. Beide Gegenstände herMxrden ohne erhebliche Debatte erledigt und dann in die
JtoS-Ä ^ Dietrich ». in Ul und Hannover; Th. Älei'^u" Vogler in ,a,w rt a M-, Berlin. ““ fiöln ic.; Rudolf in Berlin,' Frank.
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—"7. . »Xu;* nullet an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS EouutagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'fche E"Nt wg> w » bx.ogen 8'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr.) — Infertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.
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