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Marburg, Dienstag. 24. Januar 1882

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der-bentli-b-n 9t,irnn, cxirR^,»,a 77ZZ* * . . .. ,

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ung des Reichstages wurde lrger Anschlußfrage bei dem fortgesetzt. Im Gegensätze heute dessen Parteigenosse für die Vorlage ein, indem betonte, welche für die Ent- 11. So wie die Verhältnisse hätten sie der Konkurrenz iben können. Ganz bedeu- wendig geworden, und zu genden Opfern würde vom geringer Beitrag gefordert, it nicht einmal zum Nutzen il würde die Umgestaltung unten deutschen Handel und n Nutzen gereichen. Dem- er Vorlage zuzustimmen, offs (hamburgischer Wer­kte Steuern und Abgaben) Kommission in Anerkennung Freihafens Hamburgs nicht wie Hamburgs selbst liege, habe, daß der Freihafen in : zu erhalten wäre, weil

Einrichtung des deutschen Aufnahme der eigentlichen ki unerläßlich. Des Abg. mit einer belagerten Stadt ag sei aus freier Verein­fen. Zweifellos werde die nschluß erhebliche Vorteile er Geschäftswelt verspreche rer Thätigkeit. Dankbar

daß der Reichstag ihm e bewiesen; möge derselbe ie der Vorlage bethätigen.

8er«.

Novelle von Leo Sonntag.

(Fortsetzung.)

,Hätten Sie nicht Lust zur Bühne zu gehen?" fragte >ch endlich.

Bei dem Worte Bühne leuchtete es in ihren dunklen Augen auf, doch schüttelte sie den Kopf.

Ich kann den Vater nicht allein lasten," sprach sie, dmu er hat nur mich seit die Mutter tobt ist."

Ich gab ihr meine Adresse, indem ich ihr versprach, ich »olle ihr gern behülflich sein, wenn sie einmal ihre Ansicht ändern und sich doch der Bühne zuwenden wolle.

Sie nahm die Karte lächelnd entgegen.

nrtteiflcrt nimmt entgegen! die Expedition d. Blatics, sowie d.Annoncen-Bureaux o Tb- Dietrich u. Co. in »asset und Hannover; Tb. Dietrich in Frankfurt a.M>; s,aasenstein u- Vogler in Frantsurt a. M-, Berlin. Leipzig' Köln rc.; Rudolf Messe in Berlin, Frank- W furt a. M- rc.

um eine Kanzlerfrage handle, vielmehr stehe eine Angelegen­heit in frage, von deren Notwendigkeit und Nützlichkeit alle beteiligten Faktoren überzeugt seien. Ebenso weist er die Annahme des Vorredners zurück, daß jetzt keine dauernde Regelung der Sache beabsichtigt werde, sondern weitere Pressionen auf Hamburg zu erwarten stehen. Auch der Ftnanzminister nimmt die Kommission gegen die gestrigen Ausführungen ihres Vorsitzenden in Schutz: Fleiß und Gewissenhaftigkeit derselben finde auch in dem vorliegenden Kommissionsberichte ihren vollen Ausdruck. Demnächst widerlegt der Redner in eingehender Weise die materiellen Bedenken, die namentlich vom Abg. Bamberger geltend gemacht waren, und schließt mit der wiederholten Bitte, der Vorlage, die einem allgemeinen Interesse entspreche, die Zustimmung zu erteilen.

Abg. Dr. Windthorst spricht für die Genehmigung der Vorlage, zuerst namentlich von dem Gesichtspunkte, daß die Hamburger Kaufleute selbst die Sache am besten zu beurteilen verständen, und Hamburg, wenn man ihm den Rücken von -dem Vertrage freistellen sollte, denselben gewiß nicht accepticren würde. Aber auch der gesamte deutsche Handel würde gewinnen, wenn man diesen Gewinn auch nicht ziffermäßig erweisen könne. Dazu komme die politische,und volkswirtschaftliche Bedeutung des Anschlusses. Opfer für den Anschluß an den Zollverein wären auch früher in ähnlichen Fällen gebracht. Als besonderes Mo­ment falle ins Gewicht, daß durch diesen Vertrag gerade die Selbstständigkeit Hamburgs erhalten werde. Die Frei­hafenstellung würde aufrecht erhalten und besser festgelegt, als es durch Artikel 34 allein bisher geschehen, da ein Spezialvertrag hinzukomme. Die gestrige Erklärung des Herrn Finanzministers bezüglich der Resolution wäre aller­dings noch weitergehend, als sie in der Kommission ab­gegeben; zur allgemeinen Beruhigung wäre es indes wün­schenswert, daß der Herr Finanzminister erkläre, daß auch der Herr Reichskanzler mit der von ihm abgegebenen Er­klärung übereinstimme.

Finanzminister Bitter konstatiert darauf, daß er in­folge der gestrigen Verhandlungen mit dem Herrn Reichs­kanzler sich in Verbindung gesetzt und erklären könne, daß derselbe noch heute aus dem Standpunkte stehe, den er in dem Schreiben an den Herrn Hamburgischen Minister- residenten vom 27. Mai v. I. eingenommen. Er könne ferner hinzufügan, daß dieses Schreiben mit Allerhöchster Ermächtigung, ergangen sei. Damit würden gewiß alle Garantieeu für die dauernde Gestaltung der zu treffenden Einrichtungen gegeben, wenn auch dir Entschließung deS Bundesrats noch auöstehe.

Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird abgelehnt. Abg. Bamberger verteidigt seine gestrigen Ausführungen gegen mehrseitige Angriffe. Nachdem noch Abg. v. Mim nigerode für den Paragraphen 2 gesprochen, wird dig Ungefähr ein halbes Jahr dauerte unser Glück. Da kam ich eines Abends zu ihr, sie hatte am Morgen desselben Tages zum ersten Male eine kleine selbstständige Rolle probiert und war selig darüber gewesen wie groß war daher mein Erstaunen, sie in Thränen zu finden. Sesorgt fragte ich nach der Ursache. Anfänglich wich sie mir aus, doch es war nicht schwer den Grund ihrer Trauer zu ent­decken. Einige ihrer Kolleginnen, namentlich eine, der ich früher etwas auffallend den Hof gemacht und die sich nun zurückgesetzt fühlte, hatten ihr Verhältnis zu mir daö glaube mir Arthur, so unschuidig wie möglich war auf die gehässigste Weise in den Schmutz gezogen. Sie hatten sie gewarnt vor demschönen Grafen Brandau", wie man mich damals allgemein nannte, hatten ihm gesagt, er werde sie ins Elend stürzen und sie dann verlassen. Das arme Kind war unglücklich, sie hatte zwar nicht die Hälfte von dem verstanden, was man ihr gesagt, aber eines hatte man ihr klar gemacht: ihre Ehre war verloren und konnte nur durch eine Heirat mit mir gerettet werden.

Aber nicht wahr, Alfred, Du wirst mich heiraten?" schloß sie ihren Bericht und sah unter Thränen lächelnd zu mir auf. Ich stand starr. Heiraten!? daran hatte ich nicht im Entferntesten gedacht. Wie konnte ich, Graf Brandau, eine Choristin heiraten I Es war undenkbar. Sie sah mein Zögern.Alfred", rief sie angstvoll,sage, daß Du es willst. Ich zog sie zu mir auf da« Sopha und versuchte, ihr die Unmöglichkeit ihres Verlangens klar zu machen. Schweigend hörte sie mir zu und als ich endlich mit meinen Gründen zu Ende war, da sah sie mich mit einem todestraurigen Blick an und fragte leiie:Du liebst mich also nicht?"

(Fortsetzung folat)

Abg. Meier (Bremen) erklärt, daß er voll und ganz für die Vorlage sei. Sobald die allgemeine Meinung in Deutschland für den Anschluß laut geworven, dürften die Hansestädte sich diesem Verlangen nicht widersetzen, voraus­gesetzt, daß es ihnen nicht unmöglich gemacht werde, ihre Stellung im Welthandel aufrecht zu erhalten. Nach seiner Meinung sei mit der Vorlage diese Möglichkeit gesichert.

Abg. v. Kardorff spricht seine Befriedigung darüber aus, daß die Zeiten dahin, wo Herr Bamberger eine Au­torität für den Bundesrat gewesen. Der vorliegende Ver­trag enthalte allerdings nicht alles, was er wünschen möchte, aber es sei eben ein zweiseitiger Vertrag, und im übrigen schlage er die nationale Bedeutung desselben höher an, als den wirtschaftlichen Gewinn.

Abg. v. Kleist-Retzow betont, daß man abwarten könne, ob die düsteren Prophezeiungen deS Herrn Bam­berger in Erfüllung gehen. Jdealnationale Gesichtspunkte kenne dieser Herr nicht, der über die Arbeiten der Kom­mission spotte, bereit Vorsitzender er gewesen und die Ham­burger als furchtsame, charakterlose Leute darstelle, die ihr eigenes Interesse nicht einmal kannten, viel weniger dem Reichskanzler Widerstand zu leisten wagten. Der Redner beleuchtet bann eingehend die finanziell-wirtschaftlichen Vor­teile, welche die neue Gestaltung des Hamburger Freihafens mit sich bringen werde. Auch die wirtschaftlichen Gesichts­punkte könnten nur zu der Annahme der Vorlage führen.

Abg. Richter (Hagen) findet, daß bei dieser Frage die Nationalitätsfrage mit Unrecht in den Vordergrund ge­stellt worden und führt, nachdem er sich gegen die Herren Schlutow und Meier (Bremen) persönlich gewendet, be­sonders aus, daß cs sich hier lediglich um eine Geldfrage handle und daß die 40 Millionen, die hier nutzlos ver­wendet werden sollten, zweckmäßigere Verwendung finden könnten. Der Vertreter Hamburgs habe sich gestern der Annahme der offerierten 40 Millionen gegenüber sehr kühl verhalten und sich lediglich auf den formalen Standpunkt gestellt. Der Vertreter des Hamburger Senats aber sei in seinen heutigen Ausführungen leider infolge nicht aus­reichenden Organs zum großen Teile unverständlich ge­blieben. Die ganze Frage sei nicht, wie behauptet werde, eine nationale, sondern nach seiner Ueberzeugung vielmehr sei die eigentliche treibende Kraft der Wille des Kanzlers, die Frage einer Kanzlerfrage! Ein späterer Kanzler würde daö ganze Unternehmen auch wieder beseitigen. Die Ham­burger Frage sei daher nicht bloß eine rein Hamburger, sondern stehe im Zusammenhänge mit dem ganzen System des Kanzlers, dem man hier prinzipiellen Widerstand ent­gegensetzen muffe, um weiteren ähnlichen Projekten Einhalt zu thun.

Bundesbevollmächtigter Finanzminister Bitter ver­wahrt die verbündeten Regierungen mit Entschiedenheit gegen die Unterstellung des Abg. Richter, daß er sich hier eine Woche dort blieb, so sah ich doch das reizende Mäd­chen nicht wieder.

In die Residenz zurückgekehrt, hatte ich bald im Strudel der großen Welt, in dem ich ja damals einer der eifrigsten Schwimmer war, die kleine Waldepisode vergessen.

Da kam eines Tages ein Brief von Veronika. Sie hatte ihren Vater plötzlich verloren und stand allein. Sie erinnerte mich an mein Versprechen, ihr behülflich sein zu wollen und bat mich, sie wissen zu lassen, welche Schritte sie zu thun habe, um in die Chorschule der Oper aufge­nommen zu werden, von der ich ihr gesprochen.

Ich ging sogleich zu Deinem Vater, Arthur, der ja damals Intendant war und erzählte ihm die Geschichte. Er versprach mir, wenn daö Mädchen wirklich eine so aus­nahmsweise Stimme habe, wie ich sie ihm schilderte, so wolle er sie unentgeldlich aufnehmen. Dies schrieb ich ihr und sie kam. Dein Vater prüfte sie, fand ihre Stimme herrlich und nahm sie sogleich auf. Und nun, Arthur, be­gann die glücklichste Zelt meines Lebens. Eie war ein Kind, so rein, so unschuldsvoll, sie wußte nichts von den Sitten der Welt, sie betrachtete mich als ihren Freund und vertraute mir. Ich durfte sie in das Theater begleiten, durfte sie abholen und bald verstand es sich von selbst, daß ich die Abende, an denen sie nicht in der Oper beschäftigt war, bet ihr zubrachte. SDieine Freunde neckten mich mit meiner neuen Eroberung, der hübschen Choristin, denn da Veronika nie unverschleiert über die Straße ging, so halte keiner eine Ahnung von ihrer strahlenden Schönheit. Wir sprachen nie ein Wort von Liebe und doch liebten wir uns, ohne daß wir uns selbst vielleicht darüber klar waren. Sie nannte mich Alfred und ich; sie Veronika, noch öfter aber Veilchen" zur Erinnrm^. an unsere erste Begegnung.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jligcrschc Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld- C- Schlotte in Bremen.

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Ich werbe wohl nie Gebrauch bavon machen; doch ich danke für den guten Willen. Ab, da kommt der Vater!" llnb sans fa$on ließ sie mich stehen und eilte dem alten

Förster entgegen. Ihn kannte ich wohl, den alten Weber, benn er stand im Dienste Hohensteins, doch hatte ich nie geahnt, daß er eine so schöne Tochter habe. Ich war im begriffe ihr nachzueilen, da trat Hohenstein auö einem Seitenpfad auf mich zu.

,Ah, auch schon der schönen Veronika auf der Spur!" Vetm, nef er lachend.Aber ich sage Dir, an der verschwendest Du Deine Kunst umsonst, die versteht eS gar nicht, wenn blau ihr die Kur machen will."

Das war auch gar nicht meine Absicht," entgegnete ärgerlich, denn eS schien mir eine Profanation, daS

*8ort Kurmachen überhaupt auf sie anzuwenden.

Unterdessen war Veronika mit ihrem Vater verschwun- ben, und es blieb mir nichts anderes übrig, als Hohenstein auf bas Schloß zu begleiten. Und obgleich ich noch über

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