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Marburg, Sonnabend, 21. Januar 1882.

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--77I,-nt täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen Berlage „JllustrirteS EonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Erscheint lag m o bezogen 2*/t Ölart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Biart 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Buchdruaere,- z g */♦ 'güt ber Expedition zu ertheilcndc Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

Vom Reichstag.

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, gfjre der Arbeiter und Beamten, daß auch sie an derselben Llrtbschi' , to> ..Arbeitsvieh" versichert werden.

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P t tilie eifrigst beschäftigt und man sehe einer neuen Vorlage Vllr" seitens derselben binnen kurzem entgegen. Die Antragsteller

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hallen freilich den Versicherungszwang, wenn auch unter anderem Namen, jetzt selbst accepliert; aber ein notwendiges Korrelat des Versicherungszwanges seien öffentliche Ver­sicherungsanstalten, die eine Gewähr dafür bieten, daß die Emschädiaung unter allen Umständen auch wirklich erfolge. Bon den Kautelen, welche der Entwurf im § 10 bezüglich der Aklien-Verstcherungsanstalten enthält, weist der Redner nach, daß sie nicht als genügend zu erachten feien. Die von dem Entwürfe vorgeschlagene Institution des Unfall­kommissars würde zur Abkürzung des VcrfahreS keineswegs beitragen. Hoffentlich werde es mit dem zu erwartenden neuen Regierungsentwurse gelingen, auf gründ korporativer

Genossenschaften die große soziale Frage zu lösen. Der von den Liberalen vorgelegte Entwurf sei dazu nicht ge­eignet, daher unannehmbar. (Bravo.)

Abg. Kayser betont gegenüber den gestrigen Aus­führungen des Abg. Hirsch, daß die Inangriffnahme der Reform des Haflpflichtgesetzes keineswegs als ein Verdienst der Liberalen anzusehen sei, sondern lediglich dem Fürsten- Reichskanzler gebühre. Jene hätten zur Zeit ihrer Herr­schaft von 1873—78 in dieser Beziehung gar nichts gethan. Die Sozialdemokraten können daö Prinzip der Privat- Verstcherungsgesellschaften des vorliegenden Antrages ebenso wenig für richtig anerkennen, wie der Vorredner. Bezüglich der zu schützenden Kategorien enthalte der liberale Entwurf allerdings einen Fortschritt zum Besseren. Auch einige andere Punkte seien als Verbesserung anzuerkennen. Aber der Herr BundeSbevollmächtigte Lohmann habe darin voll­ständig recht, daß der Entwurf über eine Reihe der wich- tigsten Punkte gar nichts Positives enthalte. ES sei zwar anzuerkennen, daß die Vorlage die Prämie allein dem Unter­nehmer auferlege, er ziehe aber den Staatszuschuß vor. Des Abg. Lasker Auffassung, daß die Fabrikgesetzgebung nicht international geregelt werden könne, sei falsch; frage man doch bei Abschluß von Handelsverträgen auch nicht nach der Verschiedenheit der einzelnen Staaten. Die von verschiedenen Seiten zutage tretenden Bestrebungen, den Ar­beitern zu hellen, nähmen seine Freunde mit Befriedigung auf, diese Erscheinung könnte sie aber nicht abhalten, von ihren berechtigten sozialen Forderungen abzustehen.

Abg. Dr. Windthorst erkennt in der Vorlage einen schätzenswerten Beweis des Entgegenkommens der Liberalen; der Entwurf hätte indes fehr erhebliche Mängel, wie das von verschiedenen Seiten bereits hervorgehoben. Dies würde ihn an sich nicht abhalten, in eine kommissarische Beratung desselben einzutreten; inzwischen stehe zum Früh­jahr ein Regierungsentwurf in Aussicht, in den gewiß dasjenige aus der Vorlage ausgenommen werde, was brauch­bar und zweckmäßig sei, und hoffentlich werbe eie Regierung sich mit der Einigung dieses hochwichtigen Entwurfes beeilen.

Als Antragsteller erhält schließlich der Abg. Löwe das Wort. Die Frage sei materiell als geklärt anzusehen; ein Entwurf auö der Mitte des Hauses könne formell seiner Natur nach allen Ansprüchen nicht genügen. Die Vorwürfe deö Abg. Kayser, daß die Fortschrittspartei in den letzten zehn Jahren in diesen Dingen nichts gethan, seien unbegründet. Im übrigen rechtfertigt er unter ziem­licher Unaufmerksamkeit deS Hauses die Prinzipien dcS Entwurfs den vor gebrachten Einwänden gegenüber und tritt namentlich dafür ein, daß Aktienunternehmungen für die Unfallversicherung nicht von vornherein auszuschließen seien.

Nachdem der Antrag demnächst durch die formelle

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traf mit ihm zusammen. Wir hatten Beide das Hauö ver­lassen, nachdem die Signora den letzten Ton gesungen und ungefähr zu gleicher Zeit unsere Wagen bestiegen. Wir mußten auch Beide den Kutschern die gleiche Adresse an­gegeben haben, denn unmittelbar nach dem Conpö des Grasen rollte auch daS meine in den Hof deö Hotel de Rome, wo wie Ihr wißt, die göttliche Vera logiert. Als ich auSstieg, fragte eben der Graf den Portier, ob die Signora schon zu Hause sei. Dieser bejahte, doch ver­sicherte er ihm zugleich, die Signora werde ihn nicht em­pfangen, denn sie habe ausdrücklich befohlen, alle Besuche abzuweisen. „Bringen Sie der Dame nur meine Karte," sprach der Graf, „mit mir wird sie vielleicht eine Aus­nahme machen." Der Portier ging, kehrte jedoch nach wenigen Minuten mit dem Bescheide zurück, die Signora empfange Niemanden. Ich brauchte ja nun wohl nichts mehr zu fragen und bestieg daher meinen Wagen, um nach Hause zu fahren; doch noch im Fortfahren hörte ich den Grafen zu dem Portier sagen: „Weiß denn die Signora auch, daß es Graf Brandau ist, der ihr seine Aufwartung zu machen wünscht?„ Er muß also in irgend einer geheim­nisvollen Beziehung zu ihr stehen."

„Ich begreife daö nicht", erwiderte der junge Graf Felden. „Diese Vera ist doch erst seit drei Tagen hier und früher wußte kein Mensch etwas von ihr. In welcher Beziehung sollte also mein Vetter zu ihr stehen?"

„Nun, das kann man nicht wissen, Felden, Dein Vetter ist ja vor einigen Jahren viel auf Reisen gewesen, sollte er da nicht die schöne Italienerin kennen gelernt haben?"

„Lieber Kronau, rede keinen Unsinn. Wenn sie sich auch Signora Vera nennt, so ist sie noch lange keine Jta-

Ueberweisung an eine besondere Kommission von 21 Mit­gliedern erledigt war, setzte das Haus die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erhebung einer Berufs­statistik bei § 2 der KommifsiouSbeschlüsse fort, Dieser § wurde nach Empfehlung durch den Referenten Abg. Frei­herrn von G ö l e r ohne Debatte in der vorgeschlagenen Fassung genehmigt.

Die Kommission hat folgenden § 2a eingefügt: „Die vorliegenden Fragen dürfen sich, abgesehen von dem Per­sonen- und Familienstande und der Religion, nur auf die Berufsverhältnisse und sonstige regelmäßige Erwerbsthätig- keit beziehen. Jedes Eindringen in die Vermögens- und Einkommensverhältnisse ist ausgeschlossen. Staatssekretär deö Innern, v. Bötticher, hebt hervor, daß dieser §2a anscheinend daraus hervorgegangen sei, daß die BerufS- statistik zu Steuerveranlagungen benutzt werden könnte. Diese Absicht bestehe durchaus nicht. Er nehme im übrigen an, daß der Reichstag damit einverstanden sei, daß vor­kommenden Falls die Frage nach dem Viehstande und der Größe der Bodenfläche nicht als ein Eindringen in die Vermögenöverhältnisse zu betrachten sei. Andernfalls würde er sich gegen diesen § 2a erklären müssen. Abg. von Köller wünscht eine Rubrik aufgenommen zu sehen, wo­durch von der Ortsbehörde die Zahl der vom Richter als solchen erklärter Vagabunden festgestellt werde, da die Be­treffenden selbst sich schwerlich in ihrer wahren Qualität bezeichnen würden. Mit dem Vorbehalt des Herrn Staats­sekretärs bezüglich des Schlußsatzes in § 2a ist er voll­ständig einverstanden. Abg. Froh me hält eine genaue Aufnahme, betreffend die Hausindustrie, für notwendig, und wünscht festgestellt zu sehen, wie viel Betriebsunter­nehmer zugleich die technischen Leiter ihres Geschäfts seien. Das Eindringen in die Vermögens- und Einkommens- Verhältnisse prinzipiell auszuschließen, hält er nicht für richtig, wenn es auch aus praktischen Gründen vielleicht geboten sein möge. Durchaus notwendig sei eine genaue Lohnstatistik. Dem Vorredner entgegnet er, daß viele Vagabunden ehrliche Leute seien, denen es nur an Arbeit fehle. Abg. Dr. Franz hält eine Vaaabundenstatistik für uncurckführbar; eben so gut könne man eine Wucherer- statistik verlangen. Die Enquete über die Hausindustrie müsse auf andere Weise in die Wege geleitet werden. Die Erklärung des Herrn Staatssekretärs verstehe er dahin, daß man nicht auf einem Umwege etwa die Viehzählung wieder in daö Gesetz hineinbringen wollen wolle. Die Erklärung des Herrn Staatssekretärs, daß diese Statistik in keinem Falle zu Steuerveranlagungen benutzt werden solle, werde im Lande mit Beruhigung ausgenommen werden.

Paragraph 3 wird ohne Debatte angenommen. Zu § 4 (Strafbestimmungen für inkorrekte Angaben bet der Zählung) schlägt die Kommission vor, Geldstrafe bis zu --- - - — ----=7=— I I T- liencrin; ich halte sie sogar trotz ihrer Glutaugen für eine ganz gute Deutsche."

„Ja' wenn Du sie dafür hältst, Roden, dann muß sie eS wohl sein", lachte Graf Felden, „denn Du weist ja alles und irrst Dich nie."

„Ja, lache Du nur, die Geschichte mit dem Grafen Brandau ist doch in Richtigkeit, dafür bürgen mir meine eigenen Augen und Ohren. Ob er gestern Morgen noch einmal bei ihr gewesen und angenommen worden, wie man sich erzählt, kann ich nicht mit Bestimmtheit behaupten."

„Graf Brandaul" meldete in diesem Augenblicke der Kammerdiener des jungen Hausherrn, und schon stand auch der Angemeldete auf der Schwelle.

„Pardon, Felden, ich glaubte Dich allein, ich hätte sonst nicht gewagt zu so später Stunde hier einzudnngen."

„Bitte, lieber Brandau, komm nur näher, die Herren werden sich freuen, Deine Bekanntschaft zu machen. Lieute­nant v. Roden, Herr v. Kronau — mein Vetter, Graf Brandau."

„Ich hoffe, die Herren nicht zu stören," sprach der Gras und ließ sich In einem der kleinen Seffel nieder, die in dem behaglich eingerichteten Rauchzimmer umherstanden. „Sie schienen in lebhafter Unterhaltung begriffen, als ich eintrat; darf man wissen, um was es sich handelt?"

„Um was sonst, als um den neuen Stern am Theater­himmel, die Signora Vera," entgegnete Roden, wir stritten uns eben darüber, ob sie Italienerin oder Deutsche sei."

„Das kann ich Ihnen ganz genau sagen, Herr Lieute­nant, Signora Vera ist eine Deutsche."

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. M-; J.lgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

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“ ‘ 1 Abg. Ackermann betont, daß eS setzt nicht an der ^it fein könne, sich eingehend mit dem Entwürfe der Libe- talen zu beschäftigen. Die Regierung sei ja mit der Ma-

sNachdruck verboten)

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Novelle von Leo Sonntag.

„Sie ist göttlich, diese Vera! Eine hinreißend schöne Erscheinung und dazu diese bezaubernde Stimmei Kein Wunder, daß die ganze Residenz ihr zu Füßen liegt I"

„Und Du nicht am wenigsten; Roden. Es war ja heute Abend, als wolltest Du sie mit Deinen Blicken ver­schlingen. Es wundert mich nur, daß Du nicht versucht hast, ihr Deine Aufwartung zu machen."

„Du hast uns ja sogleich mit hierher geschleift und außerdem nimmt sie nach dem Theater keine Besuche an.

„Nicht nur nach dem Theater, sie empfängt überhaupt keine Herrenbesuche, habe ich mir erzählen lassen."

„O heilige Unschuld, Kronau, laß Dir doch das nicht weiß machen. Graf Brandau, der Vetter unseres liebens­würdigen Wirtes hier, ist gesehen worden, alS er zu ihr ging und er muß vorgelassen worden sein; denn erst nach einer halben Stunde sah man ihn wieder herauSkommen.

„Dieser Roden ist doch die reinste Cbronique scanda- leuse. Aber diese Behauptung kann doch nur auf Ver­leumdung beruhen; denn was sollte der ernste, fast finstere Graf Brandau bei der Sängerin?"

„Es ist allerdings unwahr cheinlich; doch daß diese Merkwürdige Vera selbst meinen ernsten Vetter wenigstens bezaubert hat, muß ich bestätigen; denn als sie vorgestern ble Norma sang, hat er fein Ange von ihr verwandt und «he die Vorstellung zu Ende war stürzte er aus bet Loge. Seitdem habe ich ihn nicht gesehen."

„Nun, ich kann Euch erzählen, wohin er an dem Abend stürzte," rief Lieutenant Roden triumphierend, „denn ich

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partizipieren und nicht wie „Arbeitsvieh" versichert werden. Demgemäß müßten sie auch an der Verwaltung der Ver­sicherungsanstalt teilnehmen. Nicht auf Gewinn spekulierende mvate Unternehmungen, sondern örtlich begrenzte, auf Gegenseitigkeit beruhende korporative Versicherungsanstalten müßten die Träger und Ausführer dieses humanen Ge­dankens sein. So könnten alle Klassen der Gesellschaft an ,1V „_v dem Werke der Unfallversicherung sich beteiligen. Der ebe-L» Redner schloß mit dem Wunsche, daß die deutsche Regie- Nmnmisch tung fortfahren werde mit der Humanisierung und Chri- jr zu befkf stianisierung ihrer inneren Politik, dann werde auch die 3 Kostens Hoffnung berechtigt sein, daß man den Polen, gegen die ein noch «seit Dezennien ein Ausrottungssystem geübt, endlich gerecht

Berlin, den 18. Januar.

__a . der heutigen (29.) Plenarsitzung des Reichstages " h, zunächst die erste Beratung des von dem Abgeordneten nnJ ubl und Genossen eingebrachten Antrages fortgesetzt. Ulli V mA SkarczynSki wies auf die allgemeinen

U _ ."Lien der Polen den kirchenpolitischen und sozialen -I A gegenüber hin und bezeichnet dann die Vorlage als ir feine Freunde unannehmbar, 1. weil dieselbe die ganze materielle Last den Unternehmern auferlege, 2. weil das mobile Kapital nicht herangezogen werde, 3. weil der Ar- * a .e Bl utrt von der Verwaltung der Versicherung ausgeschlossen, mngetr. , bm r hinreichende Garantie geboten werde für die wälun. Entschädigung. Der Redner bezeichnete es für einen der- mdiung.’: Zn Gesetzentwurf als ein unerläßliches, grundlegendes __ trimiv. daß an der Lösung des fraglichen humanen und »-----3 Gleich wirtschaftlichen Problems alle Klassen der Gesell-

10«» in einem gewissen, bestimmt bemessenen Verhältnisse . J ,- (nehmen. Außer dem Unternehmer, dem allerdings der l6neni Anteil an der Prämie zufallen müsse, verlange die

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