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Markurg, Freitag, 20. Januar 1882.

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Vom Reichstag.

Berlin, den 18. Januar.

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Der Reichstag genehmigte in seiner heutigen (28.) Plenarsitzung zunächst in erster und zweiter Beratung ohne Debatte den Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung eines Nachtrages zum Reichshaushaltsetat pro 1882/83, welcher ,ur Errichtung des ReichstagsgebäudeS eine erste Rate von 7775 000 Mark (aus den hierzu bereiten Fonds) fordert.

ES folgte die dritte Beratung des von dem Abgeord­neten Windthorst eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Aushebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874- Abg. Freiherr von Ow (Freudenstadt) nimmt zunächst daö Wort, um namens der deutschen Reichspartei zu konstatieren, daß der Abg. von Kardorff in der ersten

1 m N a m e n der Partei den Standpunkt derselben

vorliegenden Anträge, der direkt diesem Ziele zusteuere und der Kirche und ihren Dienern wieder die ihr gebührende Freiheit und Selbständigkeit schaffen wolle, zustimmen möge. Den Liberalen, welche durch ihre Zustimmung den Antrag unterstützt, sagt Redner seinen Dank, denn eS gehöre ein nicht zu verkennender moralischer Mut dazu, gegen die Mai­gesetze in dem gegenwärtigen Augenblick zu stimmen. Er hoffe, daß der Augenblick nicht fern sein werde, wo auch Herr von Kleist-Retzow und seine Freunde für die Besei­tigung der Maigesetze eintretcn werden. Die Diskussion ist hiermit geschloffen. § 1 wird in der Abstimmung mit der früheren Majorität angenommen. Bei § 2 erklärt Freiherr v. Minnigerode, daß auch gegenwärtig noch dieselben Gründe wie bei der ersten Lesung obwalten, gegen den 8 2 zu stimmen. Die 88 2 und 3 und schließlich das ganze Gesetz werden sodann mit der früheren Majorität definitiv angenommen. (Beifall im Zentrum.) Es folgte die

Erste Beratung des von den Abgg. Dr. Buhl und Genossen eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Ent­schädigung bei Unfällen und die Unfallversicherung der Arbeiter. Im Namen der Antragsteller nimmt daö Wort

vollkommen richtig dargelegt habe. Wenn die Partei jetzt von der abermaligen Einbringung eines Antrages auf

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motivierte Tagesordnung Abstand nehme, so geschehe daS nicht, weil sie in dieser Frage heute einen andern Stand­punkt einnehme, sondern aus UtilitätSgründen. Er, Redner, wie überhaupt die ganze würtembergiscke Bevölkerung hege nur den Wunsch, daß der Kulturkampf ein Ende nehme. Sie seien bereit, alle Mittel zur Anwendung zu bringen, die diesem Ziele zuführen; er könne aber unter den augen­blicklichen Umständen in dem Anträge Windthorst ein solches Mittel nicht erblicken. Abg. Reichensperger (Crefeld) wendet sich zunächst gegen die letztere Aeußerunq des Vor­redners, indem er den Wunsch ausspricht, daß derselbe, wenn wirklich in Würtemberg der Wunsch vorherrsche, den

rer Besichtigung Aufschluß erhält, Aufstellung gefunden haben. Neben dem Maschinenraum liegt die Farbholz- raSpelei, eine für die rationelle Fabrikation unumgänglich nötige Einrichtung. Die Güte vieler Tinten, deren an 50 verschiedene Sorten von der Beyer'schen Fabrik hcrgestellt werden, hängt nämlich von der reinen und unverfälschten Qualität gewiffer Farbhölzer ab, daher eS von hoher Wichtigkeit ist, unter eigener Aufsicht die Hölzer raspeln, fermentieren, extrahieren und die gewonnenen Auszüge kon­zentrieren zu lasten. Breite, mit Messern besetzte, eiserne Scheiben, welche sich mit großer Kraft und Schnelligkeit um sich selbst drehen, verwandeln hier vor unfern Augen daö eisenharte Holz in ein gröbliches Pulver, welches dann in die Fermentationsräume gelangt, um durch Begießen mit verdünnter Leimlösung in geeigneter Temperatur einer mehrwöchentlichen Gährung unterworfen zu werden. In der sich an diese Räume anschließenden hohen Halle, in welcher die Maffenextraktion der verschiedenen Sorten Roh­materialien vorgenommen wird, fallen zunächst die großen kugelförmigen Vaccumapparate auf, welche mit den zuvor besichtigten Luftpumpen und den dazu gehörigen Condcn- satoren in direkter Verbindung stehen. Diese Apparate, aus der rühmlichst bekannten Fabrik von Hallstroem in Nienburg, dienen sämtlich dazu, solche Stoffe, welche durch Kochen oder erhöhte Temperatur überhaupt an ihrem Farb­stoffgehalt verlieren würden, bei niederer Temperatur und im luftleeren Raum bis zu dem gewünschten Grade zu konzentrieren. Ferner befinden fich in diesem weiten Raum die gleichfalls aus starkem Kupfer geschmiedeten Extraktions­apparate, in denen die Gallen, Farbhölzer und andere Roh­materialien mittelst gespannter Dämpfe unter einem hohen Atmosphärendruck ausgesogen werden; ebenfalls kugelförmig

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin: W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

Der schwarze Sprudel.

(Schluß statt Fortsetzung.)

Unter diesen nach wissenschaftlichen Prinzipien unermüdlich für Verbesserung des so wichtigen schwarzen Naß thätigen Männern ist in erster Linie des Begründers eines in Deutschland und wohl sonst auch in seiner Art einzigen Etablissements, der Tintenfabrik von Ed. Beyer in Chemnitz zu gedenken. Eine 25jährige Thätigkeit, die den deutschen Namen auf diesem Gebiete weit über Land und Meer zu Ehren gebracht, zeugt von dem rastlosen Fleiß und der be­harrlichen Ausdauer Eduard BeyerS, der jahrelanger frucht­loser Anstrengungen nicht müde ward, um eine neue lebens­kräftige Industrie zu schaffen. Unter den weltbekannten Etablissements des industriereichen Chemnitz wird man nicht versäumen, die Beyer'sche Tintenfabrik aufzusuchen, welche, aus einem großen Hauptgebäude und drei Neben­gebäuden nebst- Kessel und Maschinenhaus bestehend, aus einem Waldpark bervorblickt. Tritt man in das Hauptge­bäude ein, so befindet man sich zunächst in dem Raum, in welchem die Wasserpumpen aufgestellt sind, die teils mit den im nahen Buchwald gelegenen, für diesen Zweck eigens gefaßten, sehr ergiebigen Quellen, teils mit dem tiefen, in Felsen getriebenen Brunnen in Verbindung stehen, um die Wassermassen, je nachdem hartes oder weiches Master ge­braucht wird, in die mächtigen, im obersten Stockwerk be­findlichen Reservoirs zu heben. Hier ist auch die durch alle Etagen führende Fahrstuhlcinrichtung für die täglich zu be­wältigenden Mengen Rohmaterials, fertiger Fabrikate, Flaschen, Kisten und Fässer. Der Weg führt nun in den Maschinenraum, in welchem außer der Dampfmaschine noch große Luftpumpen, über deren Verwendung man bei nähe-

der Abg. vr. Lasker, um die Prinzipien dieses Antrages darzulegen. Er verweist zunächst auf die Entstehung des Haftpflichtgesetzes vom Jahre 1871, das bald nach seiner praktischen Einführung schon zahlreiche Mängel aufge­wiesen, deren Beseitigung von den verschiedensten Seiten seither angestrebt worden. Das im vorigen Jahre vorge­legte Unfallversicherungsgesetz der Reichsregierung habe ebenfalls den Zweck verfolgt, diese Uebelstände zu beseitigen, habe aber dasselbe in ganz selbstständiger Form und unab­hängig von de» schon bestehenden gesetzlichen Bestimmungen des Haftpflichtgesetzes zu erreichen gesucht, während der gegenwärtig vorgelegte Gesetzentwurf an den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen anknüpfe und aus diesen heraus diejenigen Verbesserungen zu schaffen suche, welche zur Be­friedigung der allgemeinen Verhältnisse und der Bedürfnisse der Industrie für erforderlich erachtet würden. Zunächst sei in dem Gesetz bestimmt, daß auf der Basis des allge­meinen bürgerlichen Rechtes die Entschädigung von dem Unternehmer dem Arbeitgeber gezahlt werde an den Ar­beiter oder Beamten, der durch Unfall bei dem Betriebe bestimmter Unternehmungen getödet oder körperlich verletzt worden ist. Der Entwurf, welchen der Reichskanzler im verflossenen Jahre dem Reichstag vorgelegt habe, basierte namentlich auf dem Gedanken einer Staatsversicherung, während der gegenwärtige Gesetzentwurf davon Abstand nehme und namentlich auf dem Prinzip der Privatver­sicherung basiere, und eS nur dem Staat überlasse, die Normativbestimmungen festzusetzen, unter denen eine Ver­sicherungsanstalt zu diesem Vertriebe zuzulasten ist. Der Reichskanzler wollte seinen vorjährigen Plan gleichzeitig mit dem weitgreifenden Projekt verwirklichen, das gesamte Versicherungswesen zu verstaatlichen. Der Gesetzentwurf wolle also in Zukunft, nachdem die Normativbestimmungen festgesetzt, den Unfallversicherungsbetrieb den Versicherungs­gesellschaften überlasten, bis dahin aber dem Bundesrat die Entscheidung darüber überlassen, welche Gesellschaften zu diesem Betrieb zuzulassen. Die Antragsteller glauben in der Vorlage alle diejenigen Vorkehrungen getroffen zu haben, welche zur Sicherung der Arbeiter erforderlich seien in den Fällen des Unfalls und der Beschädigung, sowohl in allgemeiner Beziehung als auch in bezug auf die Ent­schädigung oer arbeitsunfähig gewordenen Arbeitnehmer, wie auch der Hinterbliebenen im Falle des Todes, sowohl was die Sicherheitsbestellung anlangt, als auch in bezug auf das weiter zu beobachtende Verfahren bei der Unter­suchung des Thatbestandes und der Feststellung der Ent­schädigung und Geltendmachung der Rechte. Er wolle zu­geben, daß diese Bestimmungen für Viele noch nicht ge­nügen, er glaube aber, daß die in dem Gesetze getroffenen Bestimmungen den Erfahrungen entsprechen, welche seither auf diesem Gebiete gemacht seien. Er glaube, daß die Antragsteller mit ihrem Anträge einem dringenden Be­

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dürfnis entsprochen hätten. Sie seien sich dessen vollstän­dig bewußt, daß sie mit der Vorlage nichts vollkommenes erzielt hätten, sie bettachten vielmehr ihren Antrag als eine Vorlage, die einer weiteren Entwickelung und Vervoll­kommnung fähig sei. Die Frage der Unfallversicherung, so schwierig sie an und für sich sei, sei dennoch lösbar. Ebenso sei auch die Frage der Jnvalidenversorgung der Arbeiter lösbar, wenn aber der Staat diese Lösung in die Hand nehmen wolle, so könnte er dadurch leicht erhebliches Unheil anrichten; sie könne nur in Form der Genossen­schaft geregelt werden, wenn die Arbeiter sich zu gemein­samen Gesellschaften für diesen Zweck vereinigen. Eine Regelung der Arbeiterfrage im internationalen Wege halte er für ganz unmöglich, sie könne nur auf nationalem Wege erzielt werden. Der Redner betont schließlich die Hoff­nung, daß. es auf dem vorgeschlagenen Wege gelingen werde, in der vorliegenden wichtigen Frage daö wünschens­werte Ziel zu erreichen.

Bundeskommissar Lohmann anerkennt eine wohl­wollende Tendenz des Antrages, aber der Antrag und seine Begründung ließen doch noch eine große Zahl ungelöster Fragen und unwiderlegter Bedenken zurück. Lohmann er­blickt in der Vorlegung des Antrages von liberaler Seite einen Beweis dafür, daß die in dem vorjährigen Entwürfe des Arbeitcrunfallgesetzes von der Regierung niedergelegten Anschauungen und Bestrebungen nicht auf unfruchtbaren Boden gefallen seien. Gleichwohl sei im ganzen die Materie noch nicht spruchreif, so dankbar man auch die Anregungen des Antrages begrüßen möge. Auch Abg. Sonnemann findet in dem Entwürfe eine Menge gesunder Gedanken, aber derselbe bleibe nach manchen Richtungen hin auf hal­bem Wege stehen, nach anderen Richtungen dagegen be­schreite derselbe überhaupt einen falschen Weg. Immerhin sei der Antrag ein günstiger Anfang zur Lösung, die frei­lich erst in einer folgenden Session möglich sein werde.

Abg. Buhl als Mitantragsteller tritt für die Detail­vorschläge seines Antrages ein. Abg. Richter (Meißen) ist gegen den Antrag und glaubt, daß die bezüglichen Pro­bleme nur auf dem Wege lösbar seien, welchen die vor­jährigen sozialpolitischen Vorlagen des Reichskanzlers ein» schlugen. Abg. Dr. Hirsch spricht für den Antrag. Die Debatte wird auf Donnerstag, 11 Uhr, vertagt und weiter auf die Tagesordnung gesetzt: Berufsstatistik und Ham­burger Zollanschluß.

Bom Landtag.

Berlin, 18. Januar.

Die heutige (3.) Sitzung des Abgeordneten­hauses wurde vom Präsidenten v. K ö l l e r um ll1/^ Uhr eröffnet. Der Bericht über die bisherige Ausführung deS 8 4 des Gesetzes, betreffend den Erwerb mehrerer Privat Eisenbahnen, vom 20. Dezember 1879 und des 8 5 de- s gebaut, um die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Eine einzige Menschenhand vermag diese riesigen Apparate leicht zu bewegen, füllen und entleeren. Eine lange, vielverzweigte kupferne Rohrleitung verbindet die in diesen Apparaten und den übrigen hier befindlichen Kesseln der verschiedensten Größen gewonnenen Flüssigkeiten mit jedem beliebigen der in den _ umfangreichen Kellereien aufgestellten Bottiche. Ohne diese praktische Einrichtung würde es gar nicht denk­bar erscheinen, eine solche umfangreiche Massenfabrikation mit so verhältnismäßig geringem Aufwand von Menschen­händen zu bewältigen.

Lenkt man nun die Schritte in das chemische Labora­torium, so befindet man sich in dem belebenden Mittel­punkt der Fabrik. Hier konzentriert sich die ganze Geistes­arbeit, denn hier gilt es, neben der Prüfung der neuein- getroffenen Rohprodukte, deren chemische Bestandteile fort­während variieren, und neben der Herstellung derjenigen chemischen Präparate, welche nur in kleinern Mengen Ver­wendung finden, die Fortschritte der Wissenschaft und bie Entdeckungen der Neuzeit für die Zwecke des Etabliste- ments zu verwerten, geeignetere Bereitungsarten ausfindig zu machen und auf alles das bedacht zu fein, was einen Stillstand im geistigen VorwärtSschreiten nicht auflommen läßt. Wer die anstrengende Thätigkeit beobachtet hat, welche in diesem Raum entfaltet wird und weiß, wieviel mühsame und zeitraubende Versuche nötig, um eine neue bessere Zusammensetzung ausfindig zu machen, daß es tausend und aber taufens Proben bedarf, wird hauptsäch­lich in diesem unermüdlichen Streben den Grund finden, welcher dem Etablissement seinen Weltruf verschafft hat. Die hier geübte Selbstkritik im Drang nach steter Ver- vollkommung läßt es auch begreifen, daß die Tintensabri-

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