Marburg, Dienstag, 17. Januar 1882.
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Sie machen mir Cäcilien zur Spielerin." — „Ich, wie " w?" „Eine Erzspielerin ist sie geworden. Ich glaube gar,
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Zwei Jahre nach dem eben geschUderten Ereignisse wohnte ich einem der Subskriptionsbälle im Berliner Opernhause bei. ES war eine glanzende Festlichkeit, die aber trotz alledem in folge deS steifen Zeremoniells etwas Eintöniges hatte. ES war gegen Mitternacht, als mich einige Bekannte aufforderten, mit ihnen den Sal zu ver- laffen, um in dem behaglichen Heim des Einen eine Partie Whist zu spielen. Es sollte das erstemal sein, daß ich seit der letzten Partie auf dem Schlöffe bei Ossegg wieder zu den Karten griff. AIS ich mich eben zum Aufbruch rüstete, trat ein junger Gardehauptmann in der kleidsamen Jn- terimöuniform auf mich zu und begrüßte mich mit ausgesuchter Höflichkeit. Das Gesicht kam mir bekannt vor und doch konnte ich mich nicht entsinnen, wo ich ihm zuletzt be-
Careau-König.
Novelle von Friedrich Rüffer. (Schluß statt Fortsetzung.)
mit den deutschen Nordseehäfen alsbald in Angriff nehmen und zu diesem Ende noch in der bevorstehenden Session eine bezügliche Vorlage Ihnen zugehen lassen zu können.
Nachdem es zur lebhaften Befriedigung der Regierung Sr. Majestät möglich geworden ist, in mehreren katholischen Bistümern eine geordnete Verwaltung wieder herzustellen, sowie dringenden Notständen auf dem Gebiete der Seelsorge Abhülfe zu gewähren, auch der Thätigkeit der krankenpflegenden Genossenschaften Erweiterung und Erleichterung zu verschaffen, wird Ihnen im weiteren Verfolg der im Interesse der katholischen Bevölkerung angcbahnten friedlichen Gestaltung der kirchenpolitischen Verhältnisse eine Vorlage unterbreitet werden, welche daL Gesetz vom 14. Juli 1880, soweit es mit dem Beginn dieses Jahres außer Wirksamkeit getreten ist, wieder in Kraft zu setzen und zugleich in wichtigen Punkten zu erweitern bestimmt ist. Die freundlichen Beziehungen zu dem gegenwärtigen Oberhaupte der katholischen Kirche setzen unö in die Lage, dem geschäftlichen Bedürfnisse durch Wiederanknüpfung deS diplomatischen Verkehrs mit der römischen Kurie Rechnung zu tragen. Die Mittel hierfür werden von Ihnen erbeten.
Die Ihnen zugehenden Entwürfe einer KreiS- und Provinzialordnung für die Provinz Hannover bekunden den unveränderten Willen der Staatsregierung, die mit dem Erlasse der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 begonnene und durch die späteren Organisationögesetze weiter entwickelte Verwaltungsreform vermöge schrittweiser Ausdehnung auf das gesamte Staatsgebiet unter gleichzeitiger Berücksichtigung des aus einer mehrjährigen Erfahrung sich ergebenden Revisionsbedürfnisscs ihrem Abschlüsse entgegenzuführen.
Meine Herren! Die beiden Häuser deS Landtags sind voraussichtlich zum letztenmal in der gegenwärtigen Gesetzgebungsperiode versammelt. Mögen Ihre Beratungen, getragen von dem Geist der Treue und Hingebung für das Vaterland, gesegnet und für die sittlichen und materiellen Interessen deS Volkes erfolgreich sein.
Im Auftrage Sr. Majestät des Kaiser« und Königs erkläre ich den Landtag für eröffnet."
Nach der Verlesung brachte der Präsident vom Herrenhaus, der Herzog von Ratibor, ein Hoch auf den König aus.
Der in der letzten LandtagS-Sesston unerledigt gebliebene Entwurf eines Gesetzes, nach welchem die aus dem Ertrage neuer oder erhöhter Reichssteuern an Preußen zu überweisenden Geldsummen zur Herabminderung der direkten Steuern und der Kommunal - Abgaben verwendet werden sollen, wird Ihnen wieder vorgelegt werden. Es sind in diesen Gesetzentwurf die Erleichterung der Volksschullasten unter Beseitigung des Schulgeldes und die Erhöhung der Beamtenbesoldungen als unmittelbare Verwendungszwecke mit ausgenommen worden.
Nachdem inzwischen das Reichsgesetz über die neu eingeführten Reichs - Stempelabgaben in Kraft getreten ist, wird über die aus den Erträgen derselben dem preußischen Staatshaushalte zufließenden Mittel zum ersten male Verfügung zu treffen sein.
In Verbindung mit dem vorbezeichneten Gesetzentwurf wird Ihnen ein fernerer Steuererlaß vorgeschlagen werden.
Auch in der bevorstehenden Session wird Ihre Mitwirkung auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens in hervorragendem Maße in Anspruch genommen werden. Ermutigt durch die schon bis jetzt erzielten günstigen Erfolge der Überführung mehrerer größerer Privat-Eisenbahnen in die Hände des Staats und bestärkt in der Ueberzeugung, daß die mit Ihrer Zustimmung verfolgte Durchführung des Staats-Eisenbahn-Systemö den Interessen des Landes in hohem Maße entspricht, ist die Regierung bemüht gewesen, dem Staate den Besitz einer weiteren Reihe wichtiger Privatbahnen zu sichern. Mit der Einfügung derselben in das Staats-Eisenbahnnetz werden sich die Vorteile einer einheitlichen Verwaltung in noch erhöhterm Maße für das Land nutzbar machen lassen. Durch die mit den Gesellschaften vereinbarten Verträge, welche Ihnen werden vorgelegt werden, ist zugleich die Bereitstellung der erforderlichen Geldmittel für die Herstellung neuer langersehnter Schienenwege wie für mehrere größere Beschaffungen und bauliche Anlagen erleichtert, welche der erfreulich wachsende Verkehr erheischt.
Die in der vorigen Session nicht erledigten Gesetzentwürfe, welche eine erhöhte Bürgschaft für den wirtschaftlichen und finanziellen Erfolg des Staats-Eisenbahnsystems bezwecken, werden Ihnen zur Beschlußfassung wiederum zugehen.
Von der unausgesetzten Fürsorge der Staatsregierung für die Verbesserung der Wasserstraßen wird die Anforderung weiterer beträchtlicher Mittel für die planmäßige Fortsetzung der Stromkorrektionen, wie eine Denkschrift über die planmäßige Regulierung mehrerer kleiner schiffbarer Flüsse, nicht minder eine Denkschrift über die gegenwärtige Lage der preußischen Kanalprojekte Zeugnis ablegen. Die Staatsregierung hegt die Hoffnung, den Bau der ersten großen Abteilung des Rhein-Weser-Elbc-KanalS zur Verbindung des rheinisch-westfälischen Jndustriebczirks
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen<Bmeaux von ®. 8. Daube u. Ge. in Frankfurt a. M.; Jtigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Vom Reichstage.
Die 25. Sitzung deö deutschen Reichstages vom 14. Januar wurde durch den Präsidenten von Levetzow nachmittags 2*/a Uhr eröffnet. Der erste Gegenstand der Tagesordnung, Beratung des schleunigen Antrages des Abg. Kayser (Freiberg) und Genossen, mußte verschoben werden, da der Druck des Berichtes der GeschäftSordnungS-Kommisston sich verzögert hat. Hierauf erstattet Abg. v. W e d e l l - Malchow den Bericht der Kommission für den ReichshauShalts- Eiat über den derselben wiederholt zur Beratung überwie-
5ür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 26 Bia. berechnet.
gegnct. Er nannte mir seinen Namen, eS war Heinrich Sofort entschuldigte ich mich bei meinen Freunden und folgte dem stattlichen Gardehauptmann in eins der anliegenden Gemächer. Wir ließen unS auf einem niedrigen Divan nieder und plauderten bei einer Flasche Röderer über die Vergangenheit.
„Erinnern Sie sich noch jenes CareaukönigS", frug mich Heinrich, „der am vorletzten Tage ihrer Anwesenheit auf dem Schlosse des Generals mir als Schiene um den verletzten Finger gebunden wurde?" — Ich bejahte die Frage. — „Dieses unscheinbare Kartenblatt hat mein häusliches Glück begründet". — „Aber wie wäre das möglich?" — „Ich hatte schon längst ein Rendezvous von Cäcilien begehrt, aber immer war es mir in entschiedenster Weise abgelehnt worden, an jenem Abend, als die Gäste sich zerstreut hatten, gewährte sie meine Bitte! Ich schilderte ihr meine Liebe, die tiefe Wahrheit meines Gefühls und beschwor sie, diesen hoffnungslosen Zustand meiner Neigung zu beenden. Ihre ganze Verteidigung beschränkte sich darauf, daß sie mir immer widerholte, sie sei die Gattin deS Generals, meines lieben Oheims, und würde nie und nimmer ihm die Treue brechen. Unter unserer Plauderei war der Morgen angebrochen. Ein Wagen fährt vor, ein langsamer schwerfälliger Schritt tönt die Treppe herauf. Bald daraus wird an CäcilienS Thür geklopft und die Stimme des Generals bietet ihr einen „Guten Morgen". Was thun ? Das Zimmer hatte nur einen Ausgang. Traf er uns zusammen, so mußte sein Argwohn das Schlimmste befürchten, CäcilienS makelloser Ruf wäre auf immer vernichtet gewesen. Rasch entschlossen warf ich den mich in freier Bewegung hemmenden Verband ab und sprang aus dem Fenster in den Garten. Es war ein gewagter Sprung,
Die Eröffnung des Preußische« Landtages.
Zm Weißen Saale deS Königlichen Schlosses zu Berlin wurde der Preußische Landtag am Sonnabend den 14. d. Ez durch tben Vizepräsidenten des Königlichen Staats- ministeriums und Minister des Innern, Herrn v. Putt- kamer, mit folgender Rede eröffnet:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern " deö Landtages!
Des Kaisers und Königs Majestät haben mich zu beauftragen geruht, den Landtag der Monarchie in Aller- höchstihrem Namen zu eröffnen.
Die Finanzlage des Staats zeigt gegen die Ergebnisse der letzten Jahre einen weiteren Fortschritt der Besserung. Das abgelaufcne Rechnungsjahr hat einen vorzugsweise aus der Verwaltung der verstaatlichten Eisenbahnen her- rührenden verfügbaren Ueberschuß von beinahe 29 Millionen Mark geliefert und die Ergebnisse der Betriebsverwaltungen, sowie die in andauerndem Steigen begriffenen Einnahmen aus den Reichssteuern lassen für daS künftige Jahr weitere Mehrcrträge erwarten.
jg Ungeachtet der gegcnübcrstehcnden Mehrausgaben, unter denen insbesondere eine nicht unerhebliche Erhöhung der Mairicularbciträge des Deutschen Reiches hervortritt, hat sich doch der Staatshaushalts-Etat für 1882/83 günstiger als für die drei vorhergehenden Jahre gestaltet.
Infolge dessen hat darauf Bedacht genommen werden
Um 10 Uhr des andern Morgens befand ich mich hiebet im Sale mit der Baronin, als zu unserer größten Ueberraschung der General eintrat und uns im muntersten Tone „Guten Morgen" entgegenrief. „Willkommen, Herr Schwiegersohn, entgegnete die Baronin. Wie sind Sie denn eingctroffen?" — „Ei, ich kam früh um 5 Uhr, das ganze Haus schlief noch." — „So?" „Und ich wollte Niemand aufwecken, stieg also gerade die Treppe hinauf an die Thüre meiner Frau, ste wollte erst gar nicht aufmachen, so war sie erschrocken. Und wie geht es Ihnen und aller Welt im Hause?" — „Alles wohlauf." — „Habt Ihr Euch auch die Zeit recht vertrieben?" — „Gestern Abend hatten wir Gesellschaft. Wir haben gespielt Whist, Boston ..." — „Apropos, Frau Schwiegermama, von dem Kartenspiel habe ich ein Wörtchen zu reden, ein ernstes.
uns zum Frühstück. Ich beobachtete Heinrich und Cäcilie, ste schienen einander gleichgültig, fremd, aller Vertranlich- keit fern, wie gestern beim Spiel. Aber um wieviel schärfer war jetzt mein Auge! Was las ich Alles aus diesen vier Augen, die einander mieden?
Wir standen vom Tische auf. Die Baronin war einige Schritte hinter den Anderen zurückgeblieben. „Gnädige Frau," fragte ich ernst, „darf ich ferner glauben, daß es mit Moral und moralischen Grundsätzen keine Gefahr bei ungleichen Verbindungen giebt?" — Schweigen Sie!" winkte sie mir zu, „der General!" Eben trat er zu unS heran mit lachender Miene. „Nun, Herr Poet, hat sich die Reise verlohnt? Ein hübsches Sujet gefunden?" — „O ja und ein recht pikandeS obendrein!" — „Was wird'S werden? Darf ich wissen? ein Lustspiel?" — „Diemal nicht, Herr General, aber eine Novelle."
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fie legt Tag und Nacht die Karten nicht aus der Hand. Sehen Sie nur — und dabei lachte er laut auf — was '4 da in ihrem Boudoir gefunden habe, eine Karte, einen zusammengerollten Careaukönig. Ist daS nicht drollig. Ich 8 Tarti zwang mich, um die Wette mit ihm zu lachen, damit er Nicht auf die Bestürzung der Baronin merken möchte. In dem Augenblick kam Heinrich herunter, seinen Oheim M begrüßen, wenige Minuten später Cäcilie. Wir setzten
ÄHSÄ: löwied Ülnnoncen-Bureaux *cng:t). Dietrich u. Co. m und Hannover; Tb. Äch in Frankfurt a M.; rlnfenftein u. Vogler NI a. M-, Berlin.
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können, den auf fast allen Gebieten der Staatsverwaltung hervorgetretenen Bedürfnissen in ausgiebiger Weise Befriedigung zu verschaffen. Wenn Ihnen deffenungeachtet noch die Aufnahme einer Anleihe von mäßigem Betrage . borgeschlagen wird, so geschieht dies in der Absicht kräftigerer Entwickelung der wirtschaftlichen Interessen des Staats, x 11 R insbesondere durch Förderung productiver Anlagen und
f .7" Die Staatsregierung muß zu ihrem Bedauern darauf ißlH/f) /verzichten, die von ihr als dringend erkannte allgemeine Aufbesserung der Beamten-Besoldungen schon im nächsten Etatsjahre zu verwirklichen; sie wird aber ernstlich darauf bedacht sein, die hierzu erforderlichen, nicht unerheblichen Mittel dem Staatshaushalte zuzuführen, und giebt sich der Hoffnung hin, daß die weitere Ausbildung des Systems der indirekten Steuern im Wege der Reichsgesetzgebung die baldige Erfüllung auch dieser Wünsche möglich machen werde.
.. Unter lauter Lust und Heiterkeit kam die elfte Stunde öl Krau, man griff zu den Wachsstöcken, wünschte sich gute Rächt und trennte sich.
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> w« Neben dem Staatshaushalts-Etat werden Ihnen Gesetz- ___®Fttt’ürfe zugehen, welche in Aussicht nehmen, die Lage der en «Hinterbliebenen unmittelbarer Staatsbeamten in Ueberein- ßerstraW^u'ung mit der im vorigen Jahre erfolgten gesetzlichen —I—Regelung dieses Gegenstandes im Reiche sicherer und aus- kabiue« kömmlicher zu gestalten und die Verhältnisse der nach langer bermieii Dienstzeit in den Ruhestand zu versetzenden Beamten günstiger affe 212t als bisher zu regeln.