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XVII. Jahrgang

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Erklärung des Staatssekretärs, der Bundesratkönne" sich nicht erklären, ehe das Hauö seinen Beschluß gefaßt, sei gänzlich falsch, denn der Bundesrat sei mehr als ein legis­lativer Körper, er sei ein Stück Reichsregierung, und wenn etwa der Bundesrat sich nicht erklären wolle zur Sache, weshalb es dann der Reichskanzler nicht thue, der sei doch sonst nicht so zurückhaltend gewesen; wo denn die preußische Regierung sei, auf deren Initiative doch damals das Gesetz erlassen sei? Das Schweigen sei sehr beredt und könne aufgefaßt werden als Beweis, daß die Annahme des An­trages nicht unangenehm sein würde. Das Zentrum suche seine Position durch diesen Antrag zu stärken und gerade die Stärkung dieser Position sei der wirklichen Herbei­führung des Friedens gefährlich. Merkwürdig sei es doch, daß heute niemand Kulturkämpfer sein wolle, niemand wolle dabei gewesen sein, jeder suche sich weit vom Schüsse zu stellen. Sage man nun jemand, aber damals hast Du doch dafür gestimmt, dann sagt er: ja, das ist wahr, aber im Stillen habe ich doch immer nein gesagt! (Heiterkeit.) Ich weiß nicht, wie hoch Sie mich als Kulturkämpfer schätzen. (Rufe im Zentrum: Sehr hoch!) Ich will mich den Konsequenzen meiner damaligen Abstimmung nicht ent­ziehen, sondern nehme noch heute die Verantwortung dafür auf mich; das unterscheidet mich von meinen Freunden. Ich will die Revision der Maigesetze, verlange aber zu sehen, wohin dieselbe zielt, und nicht den ersten Schritt thun, ohne zu wissen, wohin er mich führt. Deshalb stimme ich gegen den Antrag.

Abg. Liebknecht: Dieselben Gründe, welche für Ab­schaffung des Gesetzes vom 4. Mai 1874 sprächen, sprechen auch für die Aufhebung sämtlicher anderen Ausnahmegesetze; deshalb habe seine Partei beabsichtigt, ein Amendement ein­zubringen, welches den Antrag auf diese alle ausdehnt; leider seien sie aber an der Geschäfts-Ordnung gescheitert.

Abg. Frhr. v. Hammer st ein: Der Grund, der mich zwingt, das Wort zu ergreifen, ist der, daß ich den ab­weichenden Standpunkt motivieren muß, den einige meiner Freunde vom Standpunkte des Abgeordneten von Kleist- Retzow einnehmen. Auch ich muß konstatieren, daß nie­mand heute den Kulturkampf gemacht haben will, gestern Abg. Virchow nicht, heute Abg. Hänel nicht. Ja, das ist richtig, gemacht haben sie ihn nicht, den Kulturkampf, wohl aber vergiftet. (Sehr richtig.) Ihre Schuld ist, daß der von der Regierung bona fides unternommen Kampf sich gestaltete zu einem Kampfe gegen alles Christliche, was in der Kirche enthalten ist. Heute will nun niemand mehr den Grundsatz aufrecht erhalten, der so recht eigentlich das Stigma der Kulturkämpfer war:erst vollständige Unter­werfung unter die Gesetze." Ich habe diesen Grundsatz nie gehabt, es scheint mir aber, als wenn Sie zu weit­gehend im Gedanken der Parität, zu wenig auf die Indi­vidualität der Kirchen Rücksicht nehmen. Abg. Virchow

der Reden der Abgeordneten oder Lesen derselben im steno­graphischen Berichte, Verstecken des Kanzlers hinter die Kulisse des Bundesrats, Tabaksmonopol, Verlegung des Reichstags von Berlin, und nachdem der Präsident den Redner unter dem Beifall des Hauses aufgesordert, zur Sache zu kommen, erklärt Redner, solche polizeilichen Aus­nahmegesetze der Regierung nur dann lassen zu können, wenn dieselbe erkläre, sie gebrauche es noch, und beweise, daß sie es noch gebrauche. Deshalb stimme er für das Gesetz, stoße sich auch nicht daran, daß mit dem Anträge der Negierung ein Gefallen geschehe. Die Aufhebung des Gesetzes sei nicht mehr der erste Schritt, von dem der Abg. Hänel gesprochen, mit dem Juligesetze sei der erste Schritt bereits geschehen, man sei mitten drin in der Re­vision. Redner sucht sodann von seiner Partei den Vorwurf einer Vergrößerung des Kampfes abzuweisen und ihn dem Reichskanzler zuzuweisen, dessen Taktik falsch gewesen, die­selbe Taktik, die erst gegen Zentrum, und Sozialdemokraten vergeblich angewcndet, nun im letzten Wahlkampfe gegen die Fortschrittspartei angewendet, diese verdoppelt habe. Die Aufhebung dieses Spezialgesetzes lasse die übrige preußische Gesetzgebung ganz intakt. Man könne sehr gut damals dafür gestimmt haben und heute für Aufhebung sein, denn die Verhältnisse seien andere geworden und die Gesetze seien andere geworden, denn im Juli - Gesetz sei die Revision bereits eingetreten. Wenn noch ein Zweifel geblieben, wohin die Fortschrittspartei sich zu wenden habe, so sei durch den Erlaß des Kaisers vom 4. Januar jeder Zweifel beseitigt.

Carean-König.

Novelle von Friedrich Rüffer. (Fortsetzung.)

IV.

Deutscher Reichstag.

21. Plenarsitzung am 10. Januar 1882.

Daö Haus ist fast vollzählig besetzt, sämtliche Tribünen ^Am Tische des Bundesrates: Staatssekretär des Innern v Bötticher, der Finanzen Scholz, der Justiz Dr. v. Schel- ftna Direktor im Neichs-Schatzamte Burchard, Graf Lerchen- M-Köfering, Dr. Neid Hardt, Senator Dr. Versmann, ». Liebe, Geh. Reg.-Räte Weymann, Aschenborn re.

Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten.

Eingelretm sind in das Haus die Abg. Freiherr von und zu Brcnckeu, Dr. v. Papius und Grütering.

Das Haus genehmigt zunächst ohne Diskussion in dritter

^Beratung den Beschluß des Bundesrates, durch welchen Aalifabriken und Anstalten zum Imprägnieren von Holz

»rtckeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (S o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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schien gestern ebenso zu denken, er setzte aber hinzu, aber die Kirchen müssen ihre Dogmen nach der Gesetzgebung modeln. Wer solchen Anspruch stellt, wird freilich nicht zum Frieden mit irgend einer Kirche kommen können. Was der Abg. Hänel über eine Spaltung der konservativen Partei gesagt, ist nicht richtig. Wir sind alle einig über die Beurteilung dieses Gesetzes; nur halten die einen die Aufhebung für opportun, die anderen nicht. Erst durch die Zustimmung des Reichstages zum Anträge Windthorst wird dieses Gesetz ein wertvolles Kompensations - Objekt in der Hand der Regierung für die Verhandlung mit Rom. Die Regierung hat es dann frei in der Hand, zu entschei­den, ob sie daS Gesetz noch weiter braucht oder nicht. Ein Ausnahmegesetz hebt man doch auf, wenn man es nicht mehr gebraucht. In dem Charakter eines Ausnahmegesetzes ist die Hindeutung auf eine Aufhebung bereits gegeben, ich kann daher nur wünschen, daß die Annahme des An­trags mit möglichst großer Stimmenmehrheit erfolgt und daß dann die königl. preuß. Staatsregierung beim Bundes­rate Anträge stellen 'wird, die die Zustimmung des Bun­desrates zu der Aufhebung herbeizuführen geeignet sind. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Richter (Hagen). Rach einem langen Excurse

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etliche junge Herren nahmen um einen großen runden Tisch in der Mitte des Sales Platz und blätterten in den Zeitschriften. Einige griffen zum Bleistift und zeichneten, Andere standen am Fenster und skizzierten kleine Partien des Parks.

Heinrich that einem kleinen Mädchen das neben ihm saß, den Gefallen, ihr die Figur eines Eremiten aus Kastanienholz zu schnitzen. Das Holz war sehr hart und bei einem zu raschen Drucke entfuhr daS scharfe englische Messer Heinrichs rechter Hand uno schnitt ihn in den Zeigefinger der Linken. Cäcilie schrie laut auf, und wurde bleich. Der Schnitt hatte nichts zu bedeuten,' aber er blutete anfangs stark. Im Nu waren alle Taschentücher der Damen ausgebreitet und wurden dem Verwundeten an- geboten. Der Schnitt war ziemlich tief in die beweglichste Stelle des Fingers eingedrungeu. Der Finger bewegte sich aus und ein und der Verband hielt keine halbe Minute. Halten Sie doch still" rief eine dem Patienten zu, Ei das ist leicht gesagt, meine Damen, aber es geht nicht."Er hat Recht sprach ich hinzutretend,so geht es nicht, man muß etwas Festes um den Kinger legen. Wie nennen es die Chirurgen?"Schienen", rief Heinrich lachend.Aber wo nehmen wir dergleichen her?" fragten die Damen.Das soll nicht schwer hatten," sagte ich, trat an den verlassenen Whisttisch und nahm eine Karte aus dem Spiel, es war der Kareau König, der mir in die Hände kam. Ich schob die zusammengerollte Karte über den Finger, die Damen schlangen einen Seiden- faden herum, der Apparat hielt, der Finger blieb in seiner Lage und die Schnittwunde konnte sich schließen.

(Fortsetzung folgt.)

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Rn,eigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, i «»wie d.Annoncen-Bureaux f. n Th. Dietrich u. Co. m -affet und Hannover; Th. AÄrich in Frankfurt a ffl; Senftem u. Vogler ,n 1 iantfurt a. M-, Berlin 1 s,wzig, Köln rc.; Rudolf S in Berlin, Frank- 2,1 " surr a. Ä--c.____________

trburg, !r. 44.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; G. Schlotte in

Bremen.

mit erhitztem Theröl in das Verzeichnis derjenigen gewerb­lichen Anlagen ausgenommen werden, welche einer beson­deren Genehmigung bedürfen.

Darauf wird in der gestern abgebrochenen ersten Be- fiuhmaä ratuiiß des Antrages Windthorst fortgefahren.

Abg. Dr. H ä n e l: Es sei immer mißlich, wenn jemand gegen seine Partei plaidieren muffe; die Spaltung inner­halb der Fortschrittspartei sei aber keineswegs so bedeutend, daß, wie dieProvinzial-Korrespoudenz" schreibe, von ihr eine Auflösung der großen liberalen Partei ansgeheu könnte. Eben so gut könnte man nach den Erklärungen der Abgg. Kardorff und v. Kleist - Retzow eine solche Auflösung der konservativen Partei verkündigen. Gegen den Abg. Payer müsse er konstatieren, daß das Gesetz damals durchaus nicht etwa in kulturkämpferischer Aufwallung erlassen sei, sondern daß die Fortschrittspartei damals mit sehr, nüchterner Er­wägung herangetreten sei. Der zweite Teil der Rede des .Abg. Payer sei spekulativ gewesen, in der Absicht, zu seiner Malz«P^tci so viel wie möglich vom Zentrum herüberzuziehen;

Spekulation sei aber falsch, denn wer wie die Volks- ' *'* gartet für Trennung der Schule von der Kirche fei, habe michts vom Zentrum zu hoffen. (Sehr richtig.) Nicht solche parteipolitischen Gründe, wie den Ahg. Payer, leiteten die Fortschrittspartei, sondern rein sachliche, wenn der eine Teil für den andern gegen den Antrag Windthorst stimmen werbe. Er halte dafür, daß dieses Gesetz in so untrenn­barem Zusammenhänge mit der preußischen Maigesetzgebung stehe, daß man es nicht gut aufheben könne, ehe in Preußen die Revision der Maigesetze herbeigesührt sei. Auch er sei für jene Revision, wolle sie aber am richtigen, am prin­zipiellen Punkte eingesetzt wissen. Außerdem sei ihm die Absicht des Antrages nicht klar, da er sehe, wie die ver­schiedensten Standpunkte sich mit dem Anträge verbänden, und da könne er nicht wissen, für welche weitere Politik er sich etwa mit diesem ersten Schritte engagiere. Die gestrige

machten ihr Piquet, die bejahrteren Damen wurden von der Baronin zum Boston engagiert, während Cäcilie die jüngeren Herren und Mävchen um sich versammelte und ihnen Pfänderspiele vorschlug. Das ward mit Jubel auf­genommen.

Es stand in den Sternen geschrieben, daß Cäcilie mir jedesmal beim Whist Unglück bringen sollte. Ich dachte nur an sie, ich gab mehr auf das fröhliche Spiel, wobei sie den Vorsitz führte, als auf die Karten Acht, und machte Fehler über Fehler. Mein Partner mag über die Whist- spieler aus der Stadt schön die Achseln gezuckt haben. Heinrich hielt sich abseits, es fanden sich aber bald ein paar junge Damen, die den hübschen Adjutanten herbeiholten; halb freiwillig, halb gezwungen nahm er unter den Spielen­den Platz, aber so weit als möglich von Cäcilien, suchte auch bei den Strafen, die er zu verordnen oder zu voll­ziehen hatte, immer so einzurichten, daß er sich ihr nicht zu nahem brauchte. Aber der Zufall spielt mit aller menschlichen Vorsicht, und einmal fand Cäcilie sich durch das Spielgesetz verurteilt, ihren Neffen zu küffen. Sie erhob sich . . . in dem Augenblicke stach ich meinem Partner eine Coeur-Acht weg, die schon den Stich gemacht hatte, er räusperte sich und rückte ungeduldig mit dem Stuhl ... ich war nur Auge für die junge Frau, die mit ruhigen Schritten, freundlich und unbefangen, vor Heinrich hintrat und ihm die rosigen Wangen zum Kusse bot. Er herührte sie leise mit den Lippen; er wurde nicht rot, nicht blaß; er verlor die Besinnung nicht, kurz, nichts von Allem geschah, was ich erwartet hatte.Er ist fürwahr ein Held," dachte ich, ich wußte nicht, ob ich ihn mehr bewundern oder be­dauern sollte.

Alle Pfänder warm eingelöst. Die Mädchen und

aram .Bres 'hl Za »erzen litten.

8. D

Als ich anlangte, wurde ich von der Baronin und ihrer Tochter überaus freundlich willkommen geheißen. Der General war noch nicht von Karlsbad zurück. Man denke sich daher mein Erstaunen, als ich, in den Sal ein- ttetenb, Heinrich gewahr wurde, der auf dem Sopha faß, und die Zeitung las. Die Baronin merkte meine Ver­wunderung:Der General," sagte sie mir halblaut,hat ihn voranSgeschickt, um Nachrichten von Cäcilien einzuholen äUe unter der Zeit sehr krank gewesen ist." Ich gab meinen Anteil und meine Besorgnis zu erlernen.Es hat glücklickerweise nichts zu sagen," fuhr sie fort,Cäcilie be­findet sich bereits viel besser. Der General schreibt uns übrigens seit einer Woche, er werde kommen; er hat aus- «A drücklich verlangt, daß Heinrich im Schlosse wohnen soll." Also verweilt Heinrich bereits seit einer Woche hier?" Die Baronin erriet meine Gedanken:Ihre Besorgnis, fugte sie,ist unbegründet;ich dächte, Sie müßten meine Tochter besser kennen."

Am Abend fand sich viel Besuch im Schlosse ein,, die ganze vornehme Gesellschaft aus der Umgegend. Cäcilie machte die Honneurs mit unvergleichlicher Anmut und be­wegte sich so leicht, so lebhaft unter ihren Gästen, als läge ihr gar kein Kummer auf dem Herzen; zuvorkommend und verbindlich gegen Jedermann, außer Heinrich, dem sie nur von Zeit zu Zeit wegen der Unordnung der Spieltische Unige Anweisungen zuflüsterte. Mich setzte man mit drei Beamten zum Whist, die anderen allen Herren