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Anlaß gegeben. Man hat den Ministern vorgeworfen, daß ihre Aeußerungen unerhört seien, daß sie „Reaktion" treiben und neue Grundsätze zur Geltung bringen wollten. Und doch haben sie nur die natürlichen und verfassungsmäßigen Rechte der Krone gewahrt.

In diesem Widerstreit der Ansichten ist das persönliche Eingreifen deö Königs eine Thal. Der König hat vor allem das Auftreten seiner Minister gegen die neueren Ver­suche des Radikalismus, deur Geist der Verfassung eine andere Bedeutung beizulegen und die persönliche Stellung des Monarchen mit Anwendung staatsrechtlicher Spitzfindig­keiten zu verkleinern, mit feierlich ernsten Worten gebilligt und besonders auch ihre Auffassung von den Pflichten des Beamtentums bestätigt.

Der Erlaß des Königs ist eine feierliche Verwahrung gegen gewisse Vorkommnisse der neuesten Zeit, aus denen sich zum Schaden des Ansehens der Krone leicht ein par­lamentarisches Recht und ein konstitutioneller Brauch hätte entwickeln können.

In Preußen „herrscht und regiert" der König. Die Verfassung deö Reichs hat dieses Recht der Krone Preußens nur bestätigen wollen. Daß der König nur herrscht, aber nicht regiert, ist eine auf fremdem Boden erwachsene An­schauung. Dieser Lehre und den sich daraus ableitenden Irrtümern entgegenzutreten, ist Recht und Pflicht der Krone, wo und wann auch immer sich ihr Gelegenheit dazu bietet.

DaS Wort des Königs an daS Staatsministerium ist »ein vollkommen getreuer Ausfluß der preußischen Ver­fassungsurkunde"; es enthält keine Neuerung, wendet sich aber gegen Versuche, Neuerungen hcrbeizuführen über die zu Recht bestehende Verfassung hinaus. An den bestehen­den Verhältnissen nicht rütteln zu lassen, ist auch heute noch der Wille deS Monarchen wie vor zwanzig Jahren, wo des Königs Majestät vom Thron herab die Worte verkündete: „Niemals kann Ich zulassen, daß die fortschreitende Ent­faltung unseres inneren StaatölcbenS das Recht der Krone, die Macht und Sicherheit Preußens in Frage stelle oder gefährde". Und heute noch wie damals steht fest und unver­ändert daS Wort des Königs:

„Eö ist Meine Pflicht und Mein ernster Wille, der von Mir beschworenen Verfassung und den Rechten der Landesvcrtretung ihre volle Geltung zu sichern, in gleichem Maße aber auch die Rechte der Krone zu wahren und sie in der ungeschmälerten Kraft zu erhalten, welche für Preußen zur Erfüllung seines Berufs notwendig ist, und deren Schwächung dem Vatcrlandc zum Verderben gereichen würde."

Deutscher Reichstag.

Berlin, den 11. Januar.

In der heutigen (22.) Plenarsitzung deö Reichs­tages wurden zunächst verschiedene RcchnungLsachen in

dritter Beratung; ebenso eine Reihe von Petitionen, welche als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet er­achtet, im Sutcau nicdergclegt sind, ohne Diskussion erledigt.

Darauf begründete Abg. R i t t i n g h a u s e n den von ihm cingcbrachten Antrag, betreffend die gesetzliche Regelung der im § 5 deö Wahlgesetzes vorbehaltenen Vermehrung der Mitglieder des Reichstags. Der Redner bleibt indeß bei seiner schwachen Stimme und der im Hause herrschen­den Unruhe im Zusammenhänge auf der Journalisten- Tribüne unverständlich. Für den Antrag spricht dann als Mitantragstellcr der Abg. Mayer (Württemberg); der­selbe betont als maßgebend für denselben einerseits, die statistische Vermehrung der Volkszahl, welche seit Emanation deö Wahlgesetzes cingetrctcn, andererseits die Notwendigkeit, den § 7 deö WahlrcglcmcntS strikte zur Anwendung zu bringen. Abg. Freiherr v. M i n n i g c r o d c gicbt zu, daß eine Verschiebung der Verhältnisse in einigen großen Zent­ren des Reichs cingctrcten sei, indeß liege noch kein Grund vor, schon sitzt mit einer allgemeinen Aenderung rcsp. Ver­mehrung der Wahlkreise vorzngehcn. Abg. Günther (Berlin) verkennt keineswegs, daß das deutsche Volk ein Recht auf Vermehrung der Wahlkreise habe, indeß sei der Antrag ein zweischneidiges Schwert. Seine Freunde hätten das Vertrauen zur Regierung nicht, um ihr zur Zeit die Ausführung dieses Antrages anhcimzugebeu. Taktische Gründe sprächen auch um so mehr für Ablehnung des­selben, als eine Bewilligung der Diäten vor der Hand nicht zu erwarten stehe. Abg. v. Bennigsen hält den Antrag insofern für wichtig, als die Reichötags-Baukom- missiou bei Bemessung der Räumlichkeiten den Gedanken desselben zu berücksichtigen haben werde. Die bezügliche Bestimmung des Wahlgesetzes habe übrigens nach seiner Entstehungsgeschichte nur die Bedeutung, daß jede Aende­rung nicht auf administrativem Wege, sondern lediglich durch Gesetz vorzunehmcn sei. Zu einer Aenderung und Vermehrung der Wahlbezirke seien ruhigere Zeiten abzu­warten, als die gegenwärtigen seien. Auch der Abg. Windth orst erklärt, daß seine Freunde für den Antrag zur Zeit nicht stimmen würden, obwohl gerade das Zen­trum durch die gegenwärtige Wahlgcometrie vielfach geschä­digt werde. Indeß sei heute die politische Lage zu einer bezüglichen Aenderung nicht geeignet. — Demnächst wird der Antrag gegen die Stimmen der Antragsteller (Sozial­demokraten und Volköpartci) abgclehut.

Es folgte die Berathung deö Antrages Windthorst. Der Antragsteller weist zunächst den Einwand, daß der Kirchenkonflikt nicht vor das Forum deö Reichstages ge­höre, mit Entschiedenheit zurück. Die kirchliche Frage durchdringe thatsächlich die ganze politische Lage, und das Deutsche Reich könne einer gedeihlichen Entwickelung nicht eher entgegen sehen, als nvcnn der bestehende unselige

nicht, waS haben die gnädige Frau für Gründe?" „Unsere Absicht war, Sie nur bis Teplitz zu begleiten. In dieser Gegend haben Sie ein Landgut und ein schönes Schloß, das wir noch nicht gesehen haben, da können wir bleiben, bis Sie von Karlsbad zurückkommen." — „Wie, Ihr wollt mich in Karlsbad allein lassen? Taö wäre was Schönes." — „Das habe ich nicht gesagt, vielmehr war ich entschlossen, die ganze Zeit über bei Ihnen zu bleiben, aber da Heinrich nun auch nach CarlLbad reist, so fehlt eö Ihnen ja nicht an Begleitung und Beistand und Sie bedürfen unsrer nicht mehr." — Der General konnte sich nicht länger halten, er sprang auf. „Waö", schrie er vor Zorn glühend, „hält man mich für einen Rekruten, daß man mir so mitspielt? Meint man, ich werde mich von einem Weibe, von einem unartigen Kinde an der Nase herumführen lassen? Sie werden mitreisin!" Cäcilie er­hob sicb, sie sprach mit fester Stimme, scheinbar kaltblütig: „Ich reise nicht mit." — „Warum nicht? Laß hören." — „Warum?" fragte sie gedehnt. Sie raffte allen Mut zu­sammen, sie überwand ihr Zittern und war auf Alles gefaßt, nur ihrer Pflicht gedenkend, erklärte sie mit halb erstickter, halb entschlossener Stimme: „Weil ich nicht will."

Das war dem General zu viel, und er wäre vielleicht wütend über sie hergefallen, hätte nicht ein leises Stöhnen aus einer entfernten Ecke deö Saales unsere Aufmerksamkeit in anspruch genommen. Heinrich befand fich unwohl und drohte umzustnken. Der Unmut deö alten Herrn wendete sich plötzlich von seiner Gattin auf seinen Neffen: „Ter alberne Junge, wie unvorsichtig, er schont sich gar nicht! Von dem langen Stehen wird die Wunde wieder aufge- brochrn sein. Ich hab'S ihm wohl gesagt, aber er fotzt

mir nicht, der heillose Junge. Cäcilie war emsig um den Kranken beschäftigt, rieb ihm die Schläfe und zeigte die rührendste Teilnahme. „Aw, sieh da", rief der General voller Freude, „er schlägt die Augen auf." Aber kaum war Heinrich wieder zu sich gekommen, so entfernte sich Cäcilie mit großer Hast.

Am Abend fand sich der General wieder mit Heinrich und mir zusammen. „Einen eisernen Kopf hat sie, daö kleine Weibchen. — „Wie", rief Heinrich, „sie kommt also nicht mit nach Carlöbad?" — „Nein, mein Sohn; wir Beide machen die Reise allein, und sie bleibt die Zeit über mit ihrer Mutter auf dem Schlosse bei Offegg."

Früh am andern Morgen war man reisefertig, alles Gepäck in Ordnung. Die gnädige Frau, sagte mir daö Kammermädchen, habe die Nacht kein Auge geschloffen. Die Wagen fuhren vor; die Baronin benutzte den Augen­blick, wo ich ihr zum Einsteigen die Hand reichte, mir leise und mit Emphase die Worte zu sagen: „Glauben Sie jetzt, mein Herr, daß Religion und Grundsätze das Herz gegen alle Gefahren schützen? Hatte ich Recht, zu sagen, daß es, mit Religion und Grundsätzen keine un­glückliche Ehe giebt?" Ich verneigte mich und dachte: aber Kämpfe gicbt es, unaussprechliche Leiden, und ich betrach­tete CäcilienS bleiches, verweintes Gesicht.

Wenige Stunden später verließ auch ich daS Städt­chen. Ich hatte dem General und der Baronin das Ver­sprechen geben müssen, sie auf ihrem Schlosse zu besuchen. Nach etwa 14 Tagen traf ich dort ein.

(Fortsetzung folgt.)

Marburg, Freitag, 13. Januar 1882

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De» Allerhöchste» Erlas; vom 4. d. M.

brudt die „Prov.-Korresp." an der Spitze ihrer neuesten Nummer ab mit den nachstehenden Ausführungen:

Noch einmal spricht des Königs Majestät in einer wichtigen Lebensfrage zu seinem Volke, und zwar geradezu über die Stellung der Krone in dem preußischen Ver­fassungsstaat. Nachdem der Monarch sich mittelst der Bot­schaft offen und deutlich zu der Politik seines Ministeriums bekannt hatte, nachdem aber in Reichstag und Preffe von neuem die „Frage" aufgeworfen worden, ob der König von Preußen noch daö Recht feiner persönlichen Meinung habe, schien eö ihm an der Zeit, die parlamentarischen Zwirnsfäden, mit welchen man seine Stellung einzuschränken und zu vernichten droht, durch einen kräftigen Hinweis auf den Beruf des Monarchen, wie er im Volksbewußtsein lebt, zu zerreißen. Unter dem Vorwand, daß seine Person unver­letzlich ist, und weil der Reichskanzler, beziehungsweise die Minister dem Parlament gegenüber die formale Verant­wortlichkeit für seine Negierungöakte tragen, soll nach liberal­radikaler Lehre ein persönliches Hervorlreten und eine per­sönliche Stellungnahme in den politischen Fragen ausgeschlossen sein und den Kaiser und König die Politik des Reichskanzlers und s.iner Minister gewissermaßen nichts angehen.

Die parlamentarischen Kundgebungen ließen erkennen, daß der radikale Liberalismus die Zeit für gekommen er­achtet, die alten Bestrebungen nach Erweiterung der Rechte und der Macht deö Parlaments zu erneuern und zu ver­wirklichen. Die Wortführer des fortschrittlichen Liberalismus stellten sich dabei auf den Standpunkt, als ob in Preußen und Deutschland der „wahre KonstitutionalismuS", unter welchem man ohne weiteres die „parlamentarische Regie­rung", d. h. die Herrschaft der Parteien, versteht, bestehe, und als ob derselbe vor Beeinträchtigungen und Einschrän­kungen geschützt werden müsse. Es entspricht dies völlig

• den Bestrebungen, auf dem Wege beständigen Brauchs und xlangsamer Gewöhnung Grundsätze einzuführen, welche in dem Geist der Verfassung selbst gar keinen Anhalt und keinerlei Berechtigung finden, die sich aber in anderen Ländern eingebürgert haben, wo die Krone, wie einst Herr v. Bismarck sagte, nur „einen rein ornamentalen Schmuck deö Verfassungsgebäudes bildet und als ein toter Maschinen­teil in den Mechanismus deS parlamentarischen Regiments , eingefügt ist".

' Gegen die Auffassungen und Absichten ist von den Mi­nistern des Königs die große Bedeutung des monarchischen Prinzips und der monarchischen Politik, wie auch der Segen, welcher auö der Macht und Lebenskraft der Krone für Preußen und Deutschland hervorgegangen ist, hervorgehoben worden; ihre Erklärungen haben jedoch nur zu neuen An­griffen, welche sich auf parteiische Auslegungen verfassungs­mäßiger Bestimmungen und staatsrechtlicher Begriffe stützten,

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Careau-König.

Novelle vou Friedrich Rüffer.

(Fortsetzung.)

Kaum ist Heinrich den Doktor gewahr geworden, so eilte er mit großer Freundlichkeit auf ihn zu: „Ach, Sie sind da?" unn reichte ihm die Hand, „meine Damen, lieber Oheim, dieser Herr ist mein AeSkulap, ich verdanke ihm mein Leben, und ich hoffe Teplitz wird meine Ge­ne ung vollenden. Nicht war, Doktor? Sie haben es mir ja verordnet." Der Doktor brachte stotternd einige Worte vor und empfahl sich eiligst. Der General setzte sich be­haglich in den Lehnsessel zurecht, Heinrich lehnte aufrecht am Kamin und lächelte zuweilen aus seligem Herzen. Die Baronin, fast unbeweglich vor Schreck, glühend vor Unwillen, wollte reden und fand nicht den Mut. Cäcilie war erblaßt, sie saß in tiefem Sinnen, das Haupt in die Hand gestützt. Ich betrachtete die stumme Szene und fand sie meisterhaft.

Der erste Laut, der sich wieder vernehmen ließ, kam vom General. Er summte eine Lieblings-Melodie in den 8art. „Nun, wie stehts, meine Damen," rief er, nachdem er mit seiner Romanze fertig war, „morgen geht die Reise fort, dann wollen wir einen Monat lang in Karlsbad Hausen. Alle blieben stumm aber aus Heinrichs Augen blitzte ein Strahl der Freude. „Wie weit bist Du mit Deinen Bagagen, „Cäcilie?" frug der General weiter, „die Hauben, die Hüte, die Schachteln, ist alles in Bereitschaft?" Cäcilie rang sichtlich nach Mut: „Es ist alles sür Ihre Abreise besorgt," sprach sie mit gedämpfter Stimme. — „Für meine Abreise, was fällt Dir denn ein, reisen wir denn nicht alle -flammen." — „Nein, mein Herr." — „Na, warum denn

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Anzeigen nimmt entgegen : die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux L Th. Dietrich u. Co. m o’nffef und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; Haasenstein u. Bogle,-in Frankfurt a- M-, Berlin, Lew ig . Köln k.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- 3,111 furt a. M. zc.

zu b ein n Niidch zu z« Jahr, ipediti

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtes SonntaaSblatt» durck hi, ßrhohitin» Buchdruekerei) bezogen 8*/4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl.Bestellgebühr.) Ä " ffK*1*

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