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Marburg, Donnerstag, 12. Januar 1882.

xvii. Jahrgang

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Careau-König.

Novelle von Friedrich Rüffer.

(Fortsetzung.)

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V Ja», 5 Uhr.

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Marburg Jir. 44. 1882.

SO. e Loose

Deutscher Reichstag.

21. Plenarsitzung am 10. Januar 1882.

Haus und Tribünen sind gut besetzt.

Am Tische des Bundesrates: Staatssekretäre des Innern u Bo-ttich-r, der Justiz Dr. v. Schelling, Bevollmächtigte ,üm Bundesräte v. Lieb-, G.h. Ober-Neg.-Nat Lohmann, Nilter v. Xylander, Geh. Ober-Neg.-Nat Lödicker.

Präsident v. L e v e tz o w eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 25 Minuten.

Eingegangen ist alö Beilage die Zusammenstellung der Ergebnisse der Neiü.StagSwahlen vom 27. Oktober vorigen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.' Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Franlfuit a. M ; Jägerschc Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Diese Beschuldigung verdiene ich nicht, der Neffe meines Gemahls hat auf meine Achtung und Zuneigung Anfpiüche, welche ich nie auö den Augen fetzen kann." »Allerdings, Cäcilie," fiel hier die Baronin ein,Du mufet Dich freundlicher gegen Heinrich benehmen, schon Deinem Gemahl zu Liebe."Ich thue, was ich muß und waS ich für Recht finde, liebe Mutter," entgegnete Cäcilie im kältesten, entschiedendsten Tone.Ei so geh zum Kukuk!" platzte der General zornig heraus,hat man je so was gehört! Ich kenne sie schon: Zureden hilft bei ihr gar nichts. Und dabei ist sie erst 17 Jahre, et, ei, Frau Baronin, das verspricht waS Schönes für die Zukunft. Ich möchte wohl wissen, wie ste daS Mädchen erzogen haben."Meine Tochter," sprach die Baronin mit Würde,hat meine Schriften gelesen ..." »Hch das mein ich eben," fiel der alte Herr einHerr General", bemerkte sie etwa« empfindlich,Sie vergessen .... .Sie haben Recht, Frau Mama, ich vergesse, daß wir unser Diner versäumen. Sie werden verzeihen, mein Herr! dkit diesen Worten wendete er sich zu mir,wir haben da sbsn eine kleine häusliche Szene vor Ihnen au geführt, na,

7 ~ie werden doch ehrlich sein und uns nicht in Komödie sthen?" Damit ergriff er mich beim Arme und wieS mir bei der Tafel den Platz zu seiner Rechten an.

Beim Dessert langte noch ein Bries an. Der General ihn und schlug mit der Faust aus den Tisch.Ra, fehlte nur noch, der Heinrich ist verwundet!" Ich sah Mcilien leichenblaß werden.Ja, eine Wunde hat er be»

viächtigung nicht zu erteilen.

Abg. Richter (Hagen) bittet die Regierung, künftig den Reichstag mit solchen Anträgen zu verschonen, derselbe fei viel zu vornehm, um solche Genehmigung zu erteilen. Man sollte lieber, statt Anträge gegen solchen armen Sozial­demokraten zu stellen, diejenigen unter Verfolgung stellen, die in Berlin unter den Augen des Staatsanwaltes täglich den Rcichrtag beleidigen.

Staatssekretär des Innern v o n B o e 11 i ch e r: Die NkichSregierung habe die Pflicht, wenn die Staatsanwälte Verfolgungs-Anträge stellen, die Genehmigung des Reichs­tages nachzusuchcn, es geschehe das ohne Ansehung deS Parteistandpunktes des Blattes.

Abg. Richter (Hagen): Die Staatsanwälte seien eben keine unabhängigen Beamten, die müfeten thun, was ihnen von oben vorgesehricben würde. Der Reichstag stehe übrigens zu hoch, um durch solche Skribenden beleidigt werden zu können.'

Staatsstkretär des Innern v. B o e t t i ch e r: Wenn

- Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung __des Beschlusses des Bundesrat-S, betreffend die Aufnahme Kalifabriken und Anstalten zum Imprägnieren von Holz Bctannt« mit erhitzten Therölen in das in dem § 16 der Gewerbe- '_"v j ordnung enthaltene Verzeichnis der gewerblichen Anlagen, ieöenuni welche einer besonderen Genehmigung bedürfen.

Verfassungsmäßig unterliegen derartige Beschlüsse des BundeSrals der nachträglichen Genehmigung des nachfol­genden Reichstags. Diese wird in erster, und zweiter Be­ratung ohne Diskussion erteilt.

ES folgt der mündliche Bericht der Kommission für die Geschäftsordnung, betreffend das Schreiben des Reichs­kanzlers vom 1. Dezember 1881 wegen Erteilung der Er­mächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung der Verbreiter eines im 2. mittelfränkifchen Wahlbezirke (Fürth-Erlangen) beschlagnahmten, in der Schweiz gedrucktenFlugblattes zur Erzielung einer volkstümlichen ReichStagöwahl" wegen Beleidigung des Reichstages.

Die GeschäftsordnungS - Kommission beantragt durch ihren Referenten Abg. Schröder (Wittenberg) diese Er-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrlrteS TonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2*/4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) JnserlionSgebühr für die gespaltene geile 10 Pfn.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

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Wetzlar

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geordneter in Dresden beschlossen hätte, sich, um das Sy­stem BiSmarck ju stürzen, gegen die Socialrefonnpläne strikte ablehnend zu verhalten. Er habe die Elktärung abzugeben, dafe an der ganzen Notiz kein wahres Wort sei; seine Freunde würden die Vorlagen deS Fürsten Bis­marck abwarten, sie sachlich prüfen, ilnd wenn sie dann tauglich erschienen, sie annehmen. Redner wendet sich sodann gegen jede SomitagSarbeit, sowie Frauen- und Kinderarbeit. WaS die Einschränkung der Arbeitszeit männlicher Arbeiter angehe, io f t er für zehnstündigen Normal-Arbeitstag, teile die Bedenken des Kanzlers und Richters g'gen solches Normal nicht, sondern meine, die Freiheit der Fabriken müsse eingeschränkt werden zum Wohle der Gesamtheit, daß sie tie Arbeiter nicht mehr so aus- beuten könnten, alö bisher. Das Koalitionsrecht könne dagegen nicht Helsen; vor dem Ausnahmegesitze habe man schon kein Koalitionörecht gehabt, jetzt sei gar nichts davon übrig fli-blieben. Merkwürdiger Weise lasse die Berliner Polizeibehörde auch jetzt Arbeitei Versammlungen zu, die sich mit Gewerbe-Angelegenheiten beschäftigen, während man z. B. in Baiern jede Arbciterversammlnng verbiete. Statt Normalarbeitstag sollte man besser Maximalarbeitötag setzen; dazu müßte aber notwendig ein Minimal-Arbeits- lohn treten. Ucbrigenö seien die socialdemokralischen Wahlen keine Proteste gegen die Socialpläne des Kanzlers, viel eher feien sie Pioteste gegen daö Manchesterwesen. Aber die Arbeitermassen hätten auch noch kein großes Vertrauen zu der Regierung wegen deS Ausnahmegesetzes und seiner Handhabung, aber erfreut seien sie dock', dafe die Negierung daran denke, eine kleine Abschlagszahlung zu leisten. Di- Industrie Deutschlands, die sich' bereit erklärt hab-, für die Socialreform Opfer zu bringen, sei im Stande, auch durch Herabsetzung der Arbeitszeit ein Opfer au ihrem Verdienste zu bringen.

Abg. Stöcker: Tie Forderung einer internationalen Arbeitö-Gefetzgebnng sei ihm sehr sympathisch, die Zeit der internationalen Handelsverträge sei vorüber. Di- Arbeiter - Schutzgesetzgrbung muffe international werden, damit die ProdnktionL-Bedingnngeu sich ariögl-ichen. Vor­redner habe das System Bismarck mit dem System Nichter- Hänel gleich gestellt, das sei nicht richtig; die Anschauungen, die daö Hauö erst gestern vom Abg. Ricktcr gehört, be­wiesen das am besten. Letzterer habe gestern gerügt, dafe der Kaiser gestern hier vom Kanzler wieder in die Debatte gezogen; bei diesen socialen Fragen sei doch gar nicht zu v-rwtlnd-rn, dafe daö geschehen, nachdem der Kaiser sich an die Sp tz- gestellt, um die falsche Gesetzgebung von länger als zehn Jahren zu korrigieren. Ganz unberechtigt sei Richters Berufen auf Stein; Stein und Richter feien ideell Antipoden, Stein halle den Staat für eine sittliche, religiöse Institution, stütz- sich auf das Gemeindeprinzip, Richter hingegen auf das Parlamentsprinzip. Stein stehe

und ein junger Arzt in den Sal trat, beu ich von Berlin her kannte und der gleichfalls eist vor wenig Tagen hier eingetroffen war.

Wie Militärs beständig von ihren Kompagnien und Autoren von ihren Büchern sprechen, so Aerzte von ihren Kranken. Man kann ihnen das nicht verwehren. So sing denn unser junger Doktor alsbald von allerhand wunder­baren und seltsamen Euren zu erzählen an. Unter Anderm berichtete er, man habe ihn neulich zu einem jungen Mann gerufen, der im Duell eine gefährliche Wunde mit dem Degen erhalten habe.Bedeutend," sagte er,war die Verletzung allerdings, abit auch von ganz unerklärlicher Beschaffenheit. Die Waffe war nicht gerade in den Leib, aber auch nicht von unten nach eben eingedrungen, sondern von oben hinein in die Brust und abwärts. Der Patient selbst war indefe von sehr hohem Wuchs und sein Gegner hätte, um ihm einen solchen Stofe beiznbriugen, noch ein gut Teil hoher, mindestens ein Riese von 8 oder gar 10 Fuß sein müssen. Ich schöpfte Ver acht und setzte dem Verwundeten mit Gründen und Fragen so lange zu, bis er mir gestand, er selber habe sich den Stich mit dem Degen in die Brust versetzt. Und wissen Sie, warum et das ihat? Raten Sie einmal, ob:t nein, Sie können es unmöglich erraten, cS ist gar zu unsinnig! Er wollte einen Vorwand haben, nach Teplitz zu gehen, er beschwor mich, ihm Teplitz zu verordnen, und ich liefe mich nicht lange bitten, denn that ihm wirklich Not."

In dem Augenblicke tritt der General zur Thüre ein, auf beu Arm stines Adjutanten gelehnt.

(Fortsetzung folgt.)

der Reichstag so hoch stehe, wie Abg. Richter behaupte, so sollte et billiger Weise auch über die Beleidigungen der Presse hinwegseheu können, ohne sich beleidigt zu fühlen, dafe die Staatsanwälte in einzelnen Fällen keine Strafan-, träge stellten.

Abgg. vr. Braun und Richter behaupten will­kürliches Vorgehen der Staatsanwälte.

Abg. Saro tritt dem entgegen, indem er das Vor­gehen eines Staatsanwalts rechtfertigt, über den sich Abg. Braun beschwert hatte.

Staatssekretär v. B o e 11 i ch c r bestreitet prinzipiell, dafe willkürlich vorgegangen werde, oder vorzugehen befohlen fei; man solle doch erst den Jnstanzenzug erschöpfen, ehe man hier Beschwerden vorbringe, die Mitglieder der Reichs­regierung konnten ohne Aktenmaterial auf Einz-lbeschwerd-n sich hier nicht verteidigen.

Abg. Dr. SaSfer und Richter (Hagen) greifen nun in heftigster Weise einzelne Berliner Staatsanwälte an, weil dieselben angeblich nur aus politischen Motiven Ver­folgungen einleiteten oder nicht.

Abg. Saro tritt dieser Beschuldigung mit dem Hin­weise entgegen, dafe, falls je einmal ein Staatsanwalt einen Fehler machen sollte, in höherer Instanz gewiß Remedur eintreten würde.

Abg. Freiherr v. Minnigerode protestiert gegen den Mißbrauch der parlamentarischen Redefreiheit, hochacht­bare und hochangesehene Beamte hier in solcher Weise an­zugreifen.

Abg. Richter, der Vorredner sei doch nicht Präsident des Hauses, wie er dazu komme, die Redefreiheit einfchränken zu wollen.

Abg. Freiherr v. M i n n i g e r o d e: Ausschreitungen entgegenzutreteu habe jedes Mitglied das Recht und werde er sich das nicht nehmen lasten. .

Abg. Saro fragt, weshalb man gerade die Staats­anwälte hier angreife und nicht ihre vorgesetzte Instanz, die Oberlandesgerichte, deren Pflicht bei der angeblichen Pflichtverletzung durch die Ergreifung der Remedur fein würde.

Darauf wird nach dem Anträge der Geschäftsordnungs- Kommission die Genehmigung nicht erteilt.

AIS dritter Gegenstand der Tagesordnung folgt nunmehr die Fortsetzung der Besprechung der Interpellation H-rtling.

Abg. Ebert: Die konservative Partei sei mit den gestern vorn Reichskanzler entwickelten Anschauungen ein­verstanden. Sonntags- und Frauenarbeit seien einzn- schränken; ein Normalarbeitstag, wie er in der Schweiz etwa eingeführt, sei für unsere Verhältnisse ungeeignet. Die EinzelauSsührungen deS Redners bleiben bei der großen Unruhe des Hauses auf der Tribüne unverständlich.

Abg. Grillenberger tritt zunächst der Preßnach­richt entgegen, dafe eine Konferenz focialdemokralifchcr Ab­kommen, einen Degenstich. Na, eS ist weiter keine Gefahr dabei, es geht schon wieder besser. Der Doktor hat ihm Teplitz verordnet, er kommt unS nach, morgen ist er dann hier."

Mit gespannter Erwartung sah ich dem nächsten Morgen entgegen. Um 10 Uhr hörte man einen Wagen vorfahren. Heinrich entstieg demselben, trat in den Salon, umarmte seinen Onkel mit Herzlichkeit und grüfete die beiden Damen mit Ehrerbietung. Er schien mir !'5 Jahre alt zu sein, war grofe und schlank gebaut, kurz, er konnte mit vollem Recht ein schöner, junger Mann heifeen. Heute sah er bleich und etwas leidend ans. Tie Ermüdung von der Reise und vielleicht eine Aufregung noch anderer Art hatte ihn erschöpft, und seine Wunde fing wieder an zu schmerzen. Ich beobachtete ihn und Cäcilien mit der größten Aufmerksamkeit. Sie verriet in ihren Mienen, in ihrem Benehmen nicht die geringste Bewegung, begegnete dem jungen Mann mit wohlwollender Höflichkeit und er­kundigte sich teilnahmsvoll nach seinem Befinden. Heinrichs Rührung hingegen war auf seinem offenen und ehrlichen Gesichte deutlich zu lesen und er hatte die größte Mühe, sie niederzukämpfen.

Am nächsten Vormittage eS war der letzte Tag vor unserer Abreise nach Karlsbad befand ich mich mit Cäcilien und ihrer Mutter im Salon, während der Gene­ral mit Heinrich auf feinem Zimmer arbeitete. Die Baronin schrieb, Cäcilie safe am Flügel und spielte eine rasch, muntere Melodie. Sie spielte mit Lust und glän­zender Fertigkeit. Nein, dachte ich, mit einer unglücklichen Liebe im Herzen spielt man keine solche Baritationcn und am wenigsten spielt man sie gut. Sie liebt ihn nicht.

Ich sann noch darüber nach, als die Thüre sich öffnete

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