Marburg, Dienstag, 10. Januar 1882
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von Bismarck.
Berlin, den 4. Januar 1882 An das Staatsministerium.
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Änreiaen nimmt entgegen. die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux D Th- Dietrich u. Co. in «affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt ol; Saasenstein u. Vogler in Zrrmlfurt a. M., Berlin, Leipzig' Köln rc.; Rudolf Woffe in Berlin, Frank- furt a. Dl. rc-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d f Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Jan. Der Kaiser ließ nachstehendes Dankschreiben dem Magistrate in Berlin zugchen: „Es hat Mir große Freude gewährt, die Glückwünsche zu empfangen, welche Mir der Magistrat Meiner Haupt- und Restdenz-
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schöne Tänzerin von jenem Abend, die Tochter der Baronin von Artern wieder. Den letzten Zweifel benahm mir der Anblick einer weiblichen Gestalt, die etliche Schritte hinter dem ersten Paar aus dem Dickicht trat, Schreibtafel und Bleistift in der Hand. Es war die Baronin, wahrscheinlich eben beschäftigt, eine sublime Beschreibung der Gegend abzufassen. Nach hinlänglichen gegenseitigen Bezeugungen der Freude und des Erstaunens über dies unvermuthe e Wiedersehen, nach mehr als hinlänglicher Extase über die Schönheit und Erhabenheit der vor uns aus gebreiteten Landschaft und nach gehöriger Abmachung aller Höflichkeits- fragcn und Phrasen wollte ich nun auch etwas für mein Vergnügen thun und ersuchte die Baronin, mich Fräulein Cäcilie vorzustellen: „Fräulein ..........
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Der „Staats- und Reichs-Anzeiger" publiziert folgenden Allerhöchsten Erlaß:
Das Recht des Königs, die Regierung und die Politik Preußens nach Eigenem Ermessen zu leiten, ist durch die Verfassung eingeschränkt, aber nicht aufgehoben. Die Regierungsakte des Königs bedürfen der Gegenzeichnung eines Ministers und sind, wie dicö auch vor Erlaß der Verfassung geschah, von den Ministern des Königs zu vertreten, aber sie bleiben Negierungsakte des Königs, aus Dessen Entschließungen sie hervorgehen und der Seine Willensmeinung du'ch sie verfassungsmäßig ausdrückt. ES ist deshalb nicht zulässig und führt zur Verdunkelung der verfassungsmäßigen Königsrechte, wenn bereit Ausübung so dargestellt wird, als ob sie von den dafür verantwortlichen jedesmaligen Ministern, und nicht von dem Könige Selbst, ausginge. Die Verfassung Preußen« ist der Ausdruck der monarchischen Tradition dieses Landes, dessen Entwickelung auf den lebendigen Beziehungen seiner Könige zum Volke beruht. Diese Beziehungen lasten sich auf die vom Könige ernannten Minister nicht übertragen, denn sie knüpfen sich an die Person des Königs. Ihre Erhaltung ist eine staatliche Nothwendigkeit für Preußen. ES ist deshalb Mein Wille, daß sowohl in Preußen, wie in gesetzgebenden Körpern des Reichs, über Mein und Meiner Nachfolger verfassungsmäßiges Recht zur persönlichen Leitung der Politik Meiner Regierung kein Zweifel gelassen und der Meinung stets widersprochen werde, als ob die in Preußen jederzeit bestandene und durch Art. 43 der Verfastung ausgesprochene Unverletzlichkeit der Person des Königs oder die Nothwen- digkeit verantwortlicher Gegenzeichnung Meinen RegierungS- alten die Natur selbstständiger Königlicher Entschließungen benommen hätte. Es ist die Aufgabe Meiner Minister, Meine verfastungsmäßigen Rechte durch Verwahrungen gegen Zweifel und Verdunkelung zu vertreten; daS Gleiche erwarte Ich von allen Beamten, welche Mi» den Amtseid geleistet haben. Mir liegt eS fern, die Freiheit der Wahlen zu beeinträchtigen, aber für diejenigen Beamten, welche mit der Ausführung Meiner Regierungsakte betraut sind und deshalb ihres Dienstes nach dem DiSziplinargesetze enthoben werden können, erstreckt sich die durch den Diensteid beschworene Pflicht auf Vertretung der Politik Meiner Regierung auch bei den Wahlen. Die treue Erfüllung dieser Pflicht werde Ich mit Danke erkennen und von allen Beamten erwarten, daß sie sich im Hinblick auf ihren Eid der Treue von jeder Agitation gegen Meine Regierung auch bei den Wahlen fernhalten.
V Der Antrag Wiudthorst.
In der Presse wird der Antrag Wiudthorst, welcher, wie verlautet, am 11. Januar im Reichstage zur Beratung
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mählt ist?" Ich sah mich um, wo der junge Ehemann geblieben wäre, und ob er seine Gemahlin nicht begleitet hätte? „Kommen Sie," fuhr die Baronin fort, „ich will Sie meinem Schwiegersöhne vorstellen." Sie führte mich zu dem Greise und nannte mir mit großer Empfase seinen Namen. Er war von hohem Adel, General und noch gegenwärtig mit einem Commando begleitet, unermeßlich reich und durch viele vorzügliche Eigenschaften augezeichnet, worunter nur die eine, daß er es mit allen jenen Vorzügen bereits zu 67 Jahren gebracht hatte. Er trug ehrenvolle, noch nicht ganz verharrschte Narben. Von Zeit zu Zeit stellten sich Rheumatismus und Gicht mit ihrem gewöhnlichen Gefolge von Unmuth und Ungeduld ein. In gesunden Togen war der treffliche Mann auch ein heiterer und liebenswürdiger, nur brachte er leider unter zwölf Monaten kaum zwei in ungetrübtem Wohlsein hin.
(Fortsetzung folgt.)
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Antrags Wiudthorst die schwebender AuSgleichsverhand- lungen mit Rom zu stören und durch diese „Taktik" ihrem Herzensbedürfnisse, der Fortdauer des „Kulturkampfes" Befriedigung zu verschaffen.
Ohne Zweifel hat Herr Wiudthorst bei Stellung seines Antrages diese Wendung nicht vermutet, und hoffentlich geht er jetzt schon mit sich zu Rate, wie er dieser unliebsamen Bundesgenossenschaft auSweichen könnte.
Wenn die „Schief. Ztg." bezüglich deS Windthorstschen Antrages den Uebergang zur einfachen ober motivierten Tagesordnung empfiehlt, so wäre dies ja immerhin eine Erledigung desselben, gegen welche nichts einzuwenden ist. Aber noch weit erfreulicher als diese würde cs erscheinen, wenn der Antragsteller selbst mit Rücksicht auf die gerade jetzt so eifrig betriebenen Ausgleichsverhandlungen seinen Antrag zurückziehen und dadurch den Herren Richter und Genossen Gelegenheit geben würde, den Beweis zu liefern, ob es der Fortschrittspartei in der That mit der Beendigung deS „Kulturkampfes" Ernst ist.
ES ist heute selbstredend der Verlauf dieser Angelegenheit auch noch nicht annähernd mit Bestimmtheit vorauszusagen, aber im Interesse eines ungestörten Fortganges der Verhandlungen mit Rom würde es zweifellos liegen, wenn Herr Windthorst seinen Antrag — und wäre dies selbst erst am Ende der stattgehabten Beratung — zurückzöge. DaS Wohlwollen der Regierung für die katholischen Staatsbürger wird auch bei dieser Beratung sich in den Erklärungen vom BundeSratstische aus in nicht mißzuverstehender Weise kundgegeben, und diesem Wohlwollen gegenüber dürfte es nicht an der Zeit und am Platze sein, Anträge vom Hause angenommen zu sehen, welche der Regierung ihre zum Wohle der katholischen Bevölkerung unternommenen Schritte nur zu erschweren vermögen.
Durch die Mitteilung der „Provinzial-Correspondenz", daß dem preußischen Landtage in der bevorstehenden Session eine kirchenpolitische Vorlage gemacht werden wird, ist dem Abgeordneten Dr. Windthorst so zu sagen eine „gol- gene Brücke" gebaut, und ohne sich ober seine Partei in beit Schatten zu stellen, könnte er den Weg über dieselbe antreten.
Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, ob Herr Dr. Windthorst diesen Weg vorziehen ober Arm in Arm mit Herrn Eugen Richter den Reichstag in bie Schranken fordern wird.
Careau-König.
Novelle von Friedrich Rüffer.
(Fortsetzung.)
Eine hochgewachsene Frau von magerer, eckiger Natur, von stolzem und hartem Wesen trat dem Mädchen entgegen und sprach: „Cäcilie, wir wollen gehen." — „Gleich, Mama, man hat mich zwar eben zum Contre engagiert, ich werde aber danken." — „O nein," sprach bie Frau vom Hause, die eben dazu kam, „das kann ich unmöglich zugeben. Sie gönnen uns wenigstens noch ein Viertelstündchen, Frau von Artern." Als sie mich am Spieltisch erblickte, nahm sie mich bei der Hand und führte mich der neuen Bekanntschaft entgegen: „Frau Baronin Artern wünschte Sie kennen zu lernen, und es geschieht auf ihren Wunsch, daß ich Sie vorstelle." Die Zeremonie drohte langweilig zu werden. Aber ich berechnete, daß Cäcilie dabei Zeit für ihren Contretanz gewinnen würde, und eS freute mich, ihr gleich zu Beginn unserer Bekanntschaft, ehe sie noch etwas von dem neuen Freunde wußte, durch ein kleines Opfer einen Dienst zu erweisen. Ein Opfer war es wirklich. Die Baronin Artern war eine vornehme Frau, vom ältesten Adel, voll Stolz und hoher Präten- ivnen. Sie schrieb auch Bücher, die von ihren Bekannten ehr bewundert, aber nicht gelesen wurden. ES war ein ür alle Mal ausgemacht, Alles, waS die Baronin schreibe, ei religiös, monarchisch, sublim. Die Welt nahm eS auf Treu und Glauben, und kaum hatte der Verleger ein neue« Werk der Baronin augekündigt, so beeilte sich Jeder, ihr daS pflichtgemäße Compliment zu machen: Sublim 1 «onarchifch! religiös!
Die edle Frau führte die Unterhaltung mit solcher Ueberlegenheit, daß sie ganz allein sprach. Die Frau
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „UllnstrirteS Tonntaasblatt" bur* bi, Buchbrnckerei) bezogen SV. Lllark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 W(erd »efteüaewT-Sinn“te gesp?lt ne ffi10 & *
Für in bet Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet- S P 01 1U ■p'Ä' .
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gelangen soll, eifrig besprochen. Ein Teil der fortschrittlichen Preffe hebt hervor, daß ihre Partei mit der Annahme des Gesetzes vom 4. Mai 1874 einen Fehler begangen habe, und macht bereits kein Hehl daraus, daß die Majorität derselben für den Antrag stimmen werde. Ein anderer Teil will von diesem Antrag nichts wissen und meint, daß die Annahme desselben seitens der Fortschritts- Partei der größte Fehler sein würde. Die nationalliberale Presse und namentlich das Organ dcS Herrn v. Bennigsm, der „Hannov. Courier", bleibt dabei stehen, daß die Fortschrittspartei durch die Annahme des Antrages den ganzen „Kulturkampf" in frage stellen und die nächste Konsequenz dieser Annahme ein Preisgeben der ganzen Falkschen „Ausnahme-Gesetzgebung" sein würde.
Nach den zu verschiedenen Zeiten hervorgeiretenen Anzeichen zweifeln wir keineswegs daran, daß die Fortschritts- Partei aus „taktischen Gründen" diesmal sich für den Antrag Windthorst erklären wird, glauben aber kaum, daß der Antragsteller selbst über die sich ihm aufdrängende BundeSgenoffenschaft besonders erfreut sein dürfte.
Sicherlich würde Herr Windthorst besser gethan haben, seinen Antrag nicht zu stellen, denn auch ihm ist es nicht verschlossen geblieben, mit welchem Eifer man an maßgebender Stelle für die Beilegung des kirchlichen Streites seit längerer Zeit thätig ist. Die im Gange befindlichen Ausgleichs-Verhandlungen durch Stellung von Anträgen, welch letzteren unmöglich förderlich fein können, zu durchkreuzen, scheint uns nicht oer richtige Weg zu fein, um endlich den langersehnten Frieden herbeizuführen, und wenn die Fortschrittspartei heute sich bereit zeigt, mit Herrn Windthorst durch Dick und Dünn zu gehen, nachdem sie bisher nach bester Kraft „Kulturkampf" getrieben, so ist der Preis, den sie bisher in Aussicht genommen hat, zweifellos ein so hoher, daß höchstwahrscheinlich Herrn Wiudthorst selbst noch über denselben in nicht allzulanger Zeit „die Haare zu berge stehen" dürften.
Man hat früher behauptet, daß eS hervorragenden Mitgliedern des Zentrums nur darum zu thun sei, den sogenannten „Kulturkampf" nicht zu Ende gehen zu lassen; doch haben wir derartigen Behauptungen stets nur geringen Glauben beimessen wollen, da ja das Interesse der katholischen Bevölkerung auf das Dringendste die Beendigung des schwebenden Streites erfordert. Kampfbereit hat aber in dieser Beziehung stets der Liberalismus da- gestanden, und nie hat man auf der ganzen Linie — von der Fraktion Bennigsen bis zur Partei Sonnemann — daß ernstliche Bestreben wahrgenommen, die „Kultur- paukerei" endlich einmal ruhen zu lassen.
Wenn also heute die Fortschrittspartei in ihrer Majorität sich Plötzlich den Anschein giebt, als fei es ihr um die Beendigung des Kirchenstreites zu thun, so kann sie dabei nur den Zweck im Auge haben, durch die Annahme des
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Baronin war so gnäoig und sprach von meinen Werken, ich von den ihrigen, uno beiläufig von ihrem Besten, denn daS war unstreitig ihre Tochter. Das Gespräch zog sich derartig in die Länge, daß Cäcilie zu zwei Contretänzen Zeit behielt. Das gute Kind war sehr erfreut und ich nahm ihr anmuthigcö Lächeln als einen unverdienten Dank hin. Sie wußte freilich nicht, daß ich ihr schon für eine kleine dramatische Scene verpflichtet war. Indem ich ihr nachsah, dachte ich: Wie glücklich der Gatte, den sie erwählt. Und ich wünschte ihr alles Glück auf Erden.
II.
Den ganzen Sommer und Winter sah ich Cäcilie nicht, ich komme fast gar nicht mehr auf den Ball. Im nächsten Frühjahr begegnete mir allerhand Verdruß. Zur Herstellung meiner Laune reiste ich nach den österreichischen Bädern, zunächst nach Teplitz.
In Gesellschaft eines Freundes hatte ich von dort einen Ausflug unternommen und mich eben auf der grünen Rafenborde eines Teiches unter hohen, überhängenden Fichten behaglich hingestreckt und erfrischte mein Auge an dem Anblick des silberklaren Wafferspiegels. Zch plauderte gerade mit meinem Freunde über die Reize der lieblichen Gegend, ba unterbrach das Geräusch nahe kommender Schritte unsere Unterhaltung; wir bekamen Gesellschaft. Ein IGreiS von ziemlich stattlicher militärischer Haltung tarn heran, gestützt auf den Arm eines jungen Mädchen», und rief in verdrießlichem Tone: „Aber Du gehst mir zu rasch, so komme ich nicht nach." Ich wendete mich um und siehe da, an dem zarten und schlanken Wuchs der jungen Dame, an ihrem anmuthigen Gang und bald auch an dem freundlichen und lieblichen Gesicht erkannte ich die