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Nr 7.
Marburg, Sonntag, 8. Januar 1882
xvii. Jahrgang
«n,eigen nimmt entgegen: ^Expedition d.Blattes, köwie d.Slnnoncen-Bure-mk n Th- Dietrich u. Co. m gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M; Nassenstein u. Vogler in Frankfurt a- M-, Berlin, E , Köln 2C.; Rudolf S in Berlin, Frank- * " furt a.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d f Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntaaSblatt" durch die (JröehiHnn Buchdruclerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 W (efc(. 8e|le0Ä) — 3AfertionSg"b” “r®fü* bie gesJt ne Zile 10 Pf» Für in der Expedition zu crthetlende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
T^°" Für das 1. Quartal 1882 werden noch Bestellungen auf die
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Die Einigkeit der „grotzen liberale» Partei".
Die „einige und geschlossene liberale Partei", von der fort und fort die Rede ist, scheint doch recht erhebliche grundsätzliche Gegensätze in sich zu vereinigen, welche zu jener Bezeichnung nicht recht passen wollen, schreibt die „Prov.-Corresp.":
Wenn die Einigkeit eine Bedeutung haben soll, müßte sich dieselbe zunächst auf die großen Grundfragen deS Staatslebens, wie auf die Stellung zu den Hauptfragen j,er Gegenwart, z. B. das Verhältnis deS Staats zur Kirche lfrstrecken. Aber von folcher Uebereinstimmung ist, wie aus neuerlichen Zwistigkeiten liberaler Blätter verschiedener Richtung hervorgeht, nicht im entferntesten die Rede.
Daß auch die offen republikanische süddeutsche VolkS- partei für die „große liberale Partei" in Anspruch genommen wird, geht aus den freundschaftlichen Erklärungen, die noch jüngst zwischen einem Führer jener Partei und einem der Fortschrittspartei gewechselt wurden, wie aus den parlamentarischen und außerparlamentarischen Beziehungen hervor, welche zwischen den einzelnen liberalen Gruppen angebahnt wurden. Aber jetzt hat sich zwischen dem Hauptblatt der süddeutschen demokratischen Fortschrittspartei und einem fortschrittlichen Berliner Blatte eine heftige Fehde ent« spönnen, und zwar nicht in einer untergeordneten Frage, sondern bezüglich der StaatSresorm, welche doch die Grundlage und Vorbedingung unseres ganzen politischen Daseins ist. Dieser Streit ist auch nicht neu und vom Zaune gebrochen, sondern er spielte schon in der Wahlbewegung eine Rolle. Wenn er sich jetzt wieder hervordrängt, darf er ivohl als ein wunder Punkt der vermeintlichen Gemeinschaft bezeichnet werden, welcher sich immer und immer wieder geltend machen muß.
ES wird noch unvergeffen sein, daß ein hervorragender Staatsmann im Sommer die Behauptung aussprach, daß die Fortschrittspartei im Herzen republikanisch gesinnt sei. In fortschrittlichen Blättern wurde dies mit dem größten Aufwande sittlicher Entrüstung in Abrede gestellt. DaS erwähnte demokratische Frankfurter Blatt erblickte tn dieser
Ableugnung nichts als politische Heuchelei und führte als Beweis für die republikanische Gesinnung der Fortschrittspartei ihr Streben nach parlamentarischer Herrschaft an. In einer der letzten ReichstagSsitzungen wurde der Fort- fchrittspartei das Zeugnis des Frankfurter Blattes vorgehalten, welches jedoch ein Vertreter des letzteren als Verleumdung bezeichnete. Hierauf führte das demokratische Blatt, sich auf frühere Auseinandersetzungen berufend, aus, daß „die preußische Monarchie mit dem Parlamentarismus schlechthin unvereinbar sei", und daß die Anhänger der Volkspartei eben „Republikaner seien, weil sie den Parlamentarismus offen und ehrlich erstreben". Das hindere sie aber nicht, „den Versuch des fortgeschrittenen Liberalismus, der Monarchie den Parlamentarismus zur Grundlage zu geben, in loyaler Weise zu unterstützen". Als Erkenntlichkeit für diese Unterstützung verlangte das demokratische Blatt, daß „die fortgeschrittenen Liberalen, wenn sie eingesehen haben werden, daß ihr Versuch unausführbar sei, offen zwischen Monarchie und Parlamentarismus wählen, und soweit sie sich für letzteren entscheiden, auch die Konsequenzen dieser Wahl ziehen, d. h. die republikanische Flagge aufhissen".
DaS Berliner fortschrittliche Blatt verkennt nicht, daß mit jenen Ausführungen „kurz und bündig" prinzipiell und sachlich für Preußen und daS Deutsche Reich die Republik gefordert wird und daß „in loyaler Weise" hiermit die entschieden liberale Partei für Herstellung der Republik auSgenutzt werden soll. DaS fortschrittliche Blatt läßt den „Wert oder Unwert republikanischer Gesinnung" dahingestellt, wiederholt aber, daß die Fortschrittspartei „entschieden Protest dagegen erhebt, daß man ihr trotz ihres entschiedenen und lauten Bekenntnisses zur Monarchie republikanische Tendenzen und Gesinnungen unterschiebt".
Ein anderes fortschrittliches Blatt ereifert sich gleichfalls über den der Fortschrittspartei gemachten Vorwurf revolutionärer und republikanischer Bestrebungen, findet aber, daß die Republik heutzutage nicht mehr „als Schreckbild verwendet" werden könne; die Angst vor republikanischen Zuständen habe sich wesentlich abgeschwächt. Bei solcher Sachlage sei eö im Interesse der Monarchie besser, dem konstitutionellen System mit aller Treue und Aufrichtigkeit anzuhängen. Die Monarchie werde gefährdet, wenn dies nicht geschehe, da ja die Republik nicht mehr als ein so schlimmes Ding betrachtet werde.
Die Erörterungen über diese Frage dauern noch fort und werfen jedenfalls ein interessantes Licht auf die Einigkeit der „großen liberalen Partei". Inzwischen hat sich ein weiterer Zwist innerhalb der Fortschrittspartei in bezug auf die Stellung zur Kirchenpolitik herausgestellt. Die entschiedenere Richtung tritt, um ihren Gegensatz zu der Kirchenpolitik des Kanzlers zu bekunden, lebhaft für eine Unterstützung des Zentrums in seinem Bestreben nach Auf
hebung der in der Zeit des kirchlichen Kampfes erlassenen Gesetze ein und verlangt Unterwerfung unter die Parteidisziplin seitens derjenigen Richtung, welche davor warnt, „aus allgemeinen Freiheitsformcln heraus planlos und vorzeitig dem Andrängen des Zentrums nachzugeöen, ohne dadurch etwas anderes zu erreichen, als den Staat gegenüber der Kurie zu schwächen und die Kampfmittel des Zentrums zu verschärfen".
Dieser Zwiespalt innerhalb der Fortschrittspartei wird von dem anerkannten Organ der nationalliberalen Partei (in einem Artikel: Hie Richter, hie Hänell) beleuchtet und auf tiefere Ursachen zurückzuführen gesucht. ES komme in demselben ein seit langer Zeit in der Partei vorhandener Gegensatz zur Erscheinung, der jetzt nicht mehr zu verhüllen sei. Dieser Gegensatz habe in einer „grundsätzlichen Verschiedenheit der politischen Methode" seinen Grund. Der eine Führer, welcher der Sache des Liberalismus schon großen Schaden zugefügt, treibe Fraktionspolitik, der andere Staatspolitik. Die nativnalliberale Partei möge den Auffassungen des letzteren vielfach fern stehen, aber man könne sich eine Verständigung mit ihnen denken; mit der fortschrittlichen Fraktionspolitik sei aber eine Vereinbarung unmöglich.
So sieht das Bild von der „Einigkeit" der „großen liberalen Partei" auö.
Der Regierung dcö monarchischen Preußen wird zugemutet, sich auf diese in sich zerfahrene und widerspruchsvolle Partei zu stützen.
Wochen - Ueversicht.
Es herrscht augenblicklich eine allgemeine politische Stille und wenn wir zunächst einen Blick auf unser eigenes Vaterland werfen, so ist es hier nur der Stand der Verhandlungen mit Rom, welcher einiges Interesse bietet. Daß dieselben von günstigem Erfolge begleitet find, ergiebt sich aus der Thatsache, daß in kürzester Zeit mehrere vacante Bischofsstühle wieder besetzt sind und daß eine solche Besetzung nun auch für die Diöcese Osnabrück demnächst Platz greifen soll, der voraussichtlich sehr bald die Ernennung eines Bischofs für Breslau folgen wird. Daß die liberale Presse viel ungereimtes Zeug über die Verhandlungen mit Rom in die Welt sendet, darf um so weniger Wunder nehmen, als cs derselben in der kirchenpolitischen Frage von jeher darum zu thun war, die Meinungen zu verwirren und die Absichten der Regierung so darzustellen, als sei von derselben „ein Gang nach Ca- noffa" beschlossen worden, weil eine solche Darstellung das beste Mittel bot, die Regierung in den Augen der Bevölkerung herabzusetzen. Auch andere Nachrichten werden zu diesem Zwecke aus der Luft gegriffen, so z. B. daß die Wiederherstellung der katholischen Abtheilung im Cultus- ministerium beabsichtigt werde, woran natürlich kein wahres
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Novelle von Friedrich Rüffer.
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Wenn der Leser auf einem glänzenden Balle zwei Mädchen sähe, jung, schön, reichgeschmückt, die in einem Winkel des Saales in ihre Plauderei so vertieft sind, daß ste den Tag ganz vergessen, würde ihn nicht eine lebhafte Reugier anwandeln, ihr Gespräch zu belauschen. Eine Unterhaltung, die man unter solchen Umständen dem Tanze dvrzieht, muß doch fürwahr sehr interessant sein. —
Dort am Kamine standen sie beide, gewiß nicht über 15 oder 16 Jahre alt, zwei reizende Kinder. Wie anmutig, wie lebhaft ihre Haltung und Geberde, wie naiv ihr Gesichtchen! und wie sie fröhlich sind, wie sie lachen, so ganz glücklich, so ohne Gedanken an die Zukunft, daß ich unwillkürlich desto lebhafter daran denken mußte. Die eine, die blond war und etwas älter schien, sprach leise und lebhaft zur andern, die ihr braunes Lockenköpfchen Ueigte und mit niedergeschlagenen Augen ein Bukett von weißen Camelicn in den Händen hin und her wendete. Offenbar wurde sie aufs Gcwiffen befragt und wollte nicht antworten. Eine Weile erhob ste das dunkelblaue, ausdrucksvolle Ange zu ihrer Gespielin und aus dem Blicke ms ich deutlich, sie sagte oder wollte sagen: „Ich schwöre Dir, liebe Freundin, ich begreife gar nicht, was Du da prichst.« Die Andere antwortete mit einem lauten Geiachter, das ich mir so übersetzte: Ach, ich glaube Dir'S doch nicht." — Offenbar hatte ich richtig gedeutet, ich ver- den Gang der Konversation, aber die Worte! dir
dem Augenblick präsentiert die Frau vom Hause
Auch nicht geträumt?
Mitspielern
mir eine Whistkarte. Ich habe kein Glück im Whist, ich spiele sehr schlecht, ich verliere und kann doch nicht davon lasten. ES ist eine unglückliche Liebe, und die ist dauerhafter Natur. Diesmal traf sich'ö über die Maßen glücklich: unser Spieltisch stand nahe am Kamin, und das Los wies mir meinen Platz so nahe an, daß nur die Lehne meines Stuhls zwischen mir und den beiden Plauderinnen war. Sie achteten aber gar nicht auf uns. Für Mädchen ihres Alters, wo cS andere junge Mädchen giebt, und Blumen, Brillanten, glänzende Toiletten, Tänzer, Courmacher, Cavaliere — waS stellen da vier Whistspieler vor? Gar nichts, vier Stühle um einen Tisch; sie sind für diese gar nicht vorhanden.
„Wirklich, liebe Cäcilie, hast Tu noch gar nicht daran
„Zu dienen, ich habe." — „Nun so geben Sie zu." — „Entschuldigen Sie, ich beobachtete — oder vielmehr ich kombinierte, ich rechnete, welche Blätter schon heraus wären." Und über dem verwünschten Intermezzo waren mir die ganzen Sätze aus der Konversation hinter meinem Rücken verloren gegangen. — „Ob ich ihn lieben würde, warum denn nicht? wenn cs sich träfe?" — „Wenn es sich träfe? O nein, daS ist die Hauptsache." — „Woher weißt Du daS?" — „Sichst Du, und darum darf er nicht viel älter sein, als ich, und meine Neigungen muß er haben; meine Fehler zum Teil wohl auch, dann ist er nachsichtiger. Und seine verzeihe ich ihm alle int Voraus, wenn er mich nur recht lieb hat, und mich allein." — „Meine Tante sagt, das ist nicht möglich." — „Warum denn nicht? Ich würde ihm ja so gut fein . ' . — „Du bist nicht klug. Und
wenn er aufhört, Dich zu lieben?" — „DaS lhut nichts, ich würde ihm doch gut bleiben, es würde mich grämen, aber gut blicbeich ihm doch." — „Was machen Sie," rief mein Partner, „Sie bringen uns um drei Stiche. Ich zeige Ihnen deutlich, daß ich Coeur renoncicre, und Sie bringen es nicht nach." — Was es schadet? Ich hatte die Hand voll kleiner Atouts, die alle auf Ihre großen gefallen sind." — „Das thut ja nichts." — „Freilich macht eS etwas aus, die Herren kommen auf 10." — „Ach so, entschuldigen Sie. Ich mache übrigens kein Hehl daraus, daß ich "stümperhaft spiele. Ich bedaure sehr, daß ich Sie in Verlust bringe." Im Herzen verwünschte ich ihn, denn was wollte fein Verlust gegen den meinigen sagen! Das Ende der Unterredung war mir entgangen, die beiden Mädchen entfernten sich. Die Eine interessierte mich ungemein, ich folgte ihr mit den Augen, getraute mich aber nicht, bei den
„Meinst Du denn, ich habe Zeit zum Träumen? Ich schlafe viel zu fest." — „Und die Mutter hat Dir auch noch nichts gesagt?" — „Kein Wort." — „ES wird schon kommen; siehst Du, ich habe schon zwei Partieen ausgeschlagen." — „Warum hast Du sie denn auSgeschlagen?" — „Weil sie nicht Vermögen genug hatten; mein Gatte muß reich sein, sehr reich. Und Deiner — „Meiner? Jung muß er sein, ein gutes Herz haben und einen regen Geist." — „Ach, geh' mir, regen Geist I Wer hat den heutzutage nicht? Ich sage Dir, meiner muß eine hohe Stelle bei Hofe einnehmen ... da werde ich vorgestellt . . . ." — „Und weiter wünschest Du nichts?" — „O ja, doch. Denke Dir nur, was werde ich da für Toilette machen." — „Aber wie kannst Du daran denken? Heiratest Du denn um der Toilette willen?" — Woran soll ich denn sonst denken? — „Au Deinen Mann . . . ." — Haben Sie kein Treffe, mein Herr?" rief mir mein Partner zu. —
gedacht?" — „Niemals."