Nr 1.
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3Rar6urg, Sonntag, 1. Januar 1882. " TTDi A ’x
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a.M.;JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Buchdruckerei) bezogen 8V. J* H" Deutsche Reiches 2 Mark 50®F6” gUL SSflTÄ’*1*
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Das verschwundene Kind.
Roman von Ewald A u g u st K ö n ig.
(Fortsetzung.)
„Dann, mein Freund, wird der Baron Sie öffentlich kompromittieren. Ec wird meiner Schwester die Sachlage Mitteilen und Esmeralda ist im Punkte der Ehre zu feinfühlend, als oaß sie nach solchen Mitteilungen noch Achtung vor Ihnen haben könnte!"
Hartmann war stehen geblieben, ftyr ruhte sein Blick auf dem jungen Manne, der das so ruhig und kalt gesagt hatte, als ob es sich um eine sehr geringfügige Sache handle.
„Zch werde Esmeralda sagen, daß der Baron im Jrr- tnm ist." erwiederte er, „ich werde ihr erklären, daß der Wechsel gefälscht sei —" P
»Und Sie können glauben, daß Esmeralda dieser Erklärung Glauben schenken wird?" fragte Pktro. „Ich Niderhole Ihnen, daß ich zugegen war, als Sie dem ^aron den Wechsel überreichte«, an meiner Aussage wird Smeralda nicht zweifeln."
\ »Sie würden also gegen mich zeugen?"
| »Ich müßte die Wahrheit sagen."
Lorenz Hartmann schüttelte den Kopf und stampfte mit em Fuß heftig auf den Boden.
„Ich werde der Polizei Anzeige von der HerauS- vrdcrung machen," sagte er, zitternd vor. Erregung.
; Pietro nahm seinen Hut und verbeugte sich.
„Wenn Sie durchaus sich kompromittieren wollen, so habe ich nichts dagegen einzuwenden," sagte er, „aber , breses Vorhaben zwingt mich, Ihnen die Freundschaft zu kundigen und die Verlobung mit Esmeralda zu lösen."
Wh* Für das 1. Quartal 1882 werden noch Bestellungen auf die
Oberhessische Zeitung
und deren Gratisbeilage -
Illustriertes Sonntagsblatt
von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen. —■ Soweit der Vorrat reicht, werden die erschienenen Nrn. mit dem Wandkalender von 1882 nachgeliefert.
Er wollte nach diesen Worten hinauSgchen, aber Hartmann vertrat ihm den Weg.
„Das kann Ihr Ernst nicht fein!" erwiderte er. „Und was Esmeralda betrifft, so haben Sie kein Recht, einen solchen Schritt in ihrem Namen zu thun."
„Ich habe nicht nur das Recht, sondern auch die Verpflichtung, für den guten Ruf meiner Schwester in die Schranken zu treten," sagte Pietro mit Ruhe.
„Also wollen Sie, daß ich mich von dem Baron tct- schießen lasse?"
„Das wäre ein unsinniges Verlangen!"
„Dennoch stellen Sie eö an mich!"
„Bewahre! Ich Hobe Ihnen allerdings gesagt, eö sei Ihre Pflicht und Ihre Ehre fordere es, die Herausforderung anzunehmen, aber es giebt darum doch noch einen Weg, dieser Notwendigkeit auszuweichen."
„Zeigen Sie ihn mir!"
„Erklären Sie sich bereit, den Wechsel zu honorieren Und bitten Sie den Baron um Entschuldigung, ich werde die Rolle des Vermittlers übernehmen. Das, mein Herr, ist der einzige Weg, der —"
„Den Wechsel, honorieren!" fnhr Hartmann auf. „Einen Wechsel, der —"
»Noch einmal, und zwar zum letzen Male, mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie dem Baron die Summe schulden," fuhr Pietro fort. „Ich begreife nicht, daß Sie sich dessen nicht mehr erinnern wollen oder können. Sie spielten an jenem Abend sehr hoch, Sie waren erregt und tranken hastig, und ehe wir auseinander gingen, gaben Sie dem Baron den Wechsel mit dem Versprechen, in den ersten Tagen Zahlung leisten zu wollen. Kommen Sie jetzt ihrm Verpflichtungen nach und bitten Sie um Ver-
Zum Reue« Jahre!
Noch wenige Stunden trennen uns von der Vollenduitz des Kreislaufs des Jahres 1881.
Nicht gehörte das scheidende Jahr zu denen, die durch Krieg und schwere Krankheiten die Völker beunruhigen, dennoch war eö aber für unser engeres Vaterland ein Jahr des Kampfes, denn gerüstet standen die Parteien ich Wahlkampfe, um die zu entsenden, die den Kampf für politische und soziale Rechte und Freiheiten ausnehmen sollen. Noch sind wir hierin keinen Schritt weiter gerückt. Den großen Plänen unseres Kaisers und seines Kanzlers steht ein großer Teil der Vertreter des Volkes ablchnckd und abwehrend gegenüber, ein anderer zaudernd und stur ein kleinerer, aber bestimmter Teil mit freudigem Ja! /
Wenn, wie jetzt wir von dem scheidenden Jahre Abschied nehmen, wir auch von den unvollendeten Kämpfen desselben Abschied zu nehmen imstande wären, wie freudig würde cs das deutsche Volk begrüßen, doch noch hat die Stunde hierzu nicht aeschlagen! Das aber sei unser erster Wunsch für das Neue Jahr, daß wir das große Ziel erreichen, auf daß gleich wie durch des Kaisers und die Stützen seiner Negierung Arbeit und Mühen Deutschland zu einer fricdcngebietcnden Weltmacht im äußeren gelangte, jetzt einen stetigen Frieden im innern erlange, und damst endlich segensreiche Zustände für Volk und Vaterland anbrech. n möchten.
Möge denn Gott Se. Majestät unfern teuren Kaiser auch in dem neuen Jahre gnädiglich behüten und in ungc- schwächter Kraft erhalten. Möge der Allmächtige auch unserer geliebten Kaiserin mit Seiner göttlichen Gnade nahe sein. Möge Er ferner die gesamte Kaiserliche und Königliche Familie mit Seinem Segen überschütten. Diesen Goltcsscgen wolle der himmlische Vater auch unserm verehrten Reichskanzler, dem Fürsten Bismarck, in reichem Maße zu teil werden lassen, desgleichen allen Ratgebern der Krone und den Parteien, die sich zur Verteidigung der unveräußerlichen Rechte der Krone und zur Unterstützung der wohlwollenden Absichten der Negierung die Hand reichen.
Dann wird es den Gegnern des inneren Friedens nicht gelingen, ihre verderblichen Pläne von Ersolg gekrönt zu sehen und trotz ihrer Agitation wird das Beste für das Volk sich Bahn brechen.
Wenn wir diesen Gruß bezüglich unserer politischen Lage unseren Lesern zum Jahreswechsel 1>arbringen, so sprechen wir zugleich den Wunsch aus, daß allen denen, welche von dem neuen Jahre eine günfligere Wendung ihres Geschickes erhoffen, diese Hoffnung in/Ersüllung gehen möge. Brachte das alte Jahr Freuden in manchen Familienkreis, so möge auch daö neue Jahr demselben ein frohes sein, und wo hier oder da daö nun von uns scheidende Jahr Trauer, tiefe Trauer mit sich brächte, da möge die göttliche Gnade das neue Jahr freudiger gestalten.
Mit diesem Wunsche begrüßen wir unsere Leser zum Jahreswechsel. !
Allen'Lesern ein herzliches: Prosit Neujahr! ■
Der Gotthardt - Tuuvel.
DaS neue Jahr führt sich mit einem Weltereignis, wie man wohl die Betriebs-Ucbergabe des Gotthardt-Tunnels nennen kann, ein; denn am ersten Ttzge desselben findet diese statt.
Welche Augen würden wohl die Soldaten Hannib'alS, Cäsars oder Napoleons machen, welche die Mühsale des Alpenübcrganges getragen, wenn sie sähen, wie bequem sich die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts das gemacht haben. Aber welche Riesenarbeit hat es auch gekostet, den Bergriesen zu durchbohren und die Eisenschienen durch seinen Leib zu legen. Nur mit Hilfe der in den Dienst des Menschen gestellten Dampfkräfte ist daö große Werk fertig geworden. Die von Menschenkraft geführte Hacke und Hammer wären hier ohnmächtig gewesen. Zur Vollendung dieser Riesenarbeiten mußten alle technischen Erfindungen der Neuzeit in Anwendung gebracht werden. Am 15. Oktober 1869 wurde zwischen Italien und der Schweiz der Vertrag zum Bau des Tunnels geschlossen, welchem Deutschland am 21. Oktober 1871 beitrat. Daö Baukapital war auf 187 Mill. Fr. festgesetzt, wovon die drei Staaten sich mit je 20, 20 und 45 Mill, aus Staatsmitteln beteiligten. Als Baufrist waren anfangs 9 Jahre festgesetzt, allein dieselbe mußte verlängert werden. Nunmehr steht aber das Werk vollendet da und die Probefahrt des technischen und Betriebs-Inspektors hat, wie aus Zürich gemeldet wird, zu allgemeiner Befriedigung stattgefunden. Die Fahrt dauerte bei vielem Aufenthalt drei Stunden und ergab die genaue Untersuchung des Gewölbes daö beste Zeugnis. Die Brücken bestanden die Probe gut. Die Betriebseröffnung ist für Neujahr unbedingt gesichert. So lautet die Nachricht aus Zürich und so wollen wir hoffen, daß sie sich im vollen Maße bestätigen und daö große Werk die praktische Probe bestehen und sich als ein gesegnetes für den Völkerverkehr erweisen möchte.
Der europäische Norden rückt durch diese neue Dampfstraße mit seinem Verkehr dicht an die Gestade des Mittelmeeres heran. Zunächst wird die neue Straße den Verkehr mit Italien viel lebhafter gestalten, und daö wird für Deutschland sicherlich von großer und, wir wollen hoffen, segensreicher Bedeutung sein. Um nur auf eins hinzuweisen, so bezieht Italien seinen Bedarf an Eisen und Eisenwaren, der jährlich 100000 Tonnen beträgt, fast ausschließlich auS England. Eö ist mit Sicherheit anzunehmen, daß durchs die Gotthardtbahn in Zukunst auch unsere deutsche Eisenindustrie an dieser Lieferung beteiligt werden wiro. Bedeutungsvoller aber noch als der Handelsverkehr mit Italien erscheint die Aussicht auf den erleichterten Verkehr mit dem Orient, mit den großen Küstenländern des Miltel- meereS, mit Asien, insbesondere Indien, China, Japan und Australien. Hoffentlich gelingt es der deutschen Negierung, die Schweiz, welch- nun das Mittelglied der neuen Verbindungskctte bildet, in recht freundschaftliche Verbindung mit Deutschland zu bringen und sie von den früher von uns so oft bemerkten Begünstigungen Frankreichs, namentlich in Beziehung auf das Eisenbahnwesen, abzubringen. Zu seiner vollen Bedeutung wird der Gotthardttunnel erst gelangen, wenn auf beiden Seiten die Zufahrtsbahnen fertig sind, was erst in einigen Monaten der Fall sein wird; aber immerhin ist die Hauptsache gcthan, wenn der Tunnel selbst am Neujahrstage 1882 dem Volke übergeben ist. Erst die Zukunft wird die Bedeutung dieses Ereignisses recht zu würdigen wissen, wenn die Folgen dieser neuen Welt-Verkehrsstraße sichtbar vor allen Augen liegen. Wir wollen hoffen, daß dieselben für unser Vaterland stets segensreiche sein werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Dez. Der „Ncichsanzeigcr" bestätigt, daß der Finanzminister am 27. Dezember bestimmt hat, der Steuererlaß solle im Etatsjahre 1882/83 und ebenso biö auf weiteres auch in den folgenden ElatSjahren für die Monate Juli, August und September staltfinden. — Der „Neichöanzeigcr" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 29. Dezember, wonach neue Ausbrüche der Rinderpest im Regierungsbezirke Liegnitz nicht stattge- funden haben. Dagegen wurde ein Gehöft in Niederhermsdorf (Regierungsbezirk BreSlau) neu ergriffen. Die Gesamtzahl ter erkrankten und getöteten Tiere im Regierungsbezirke Breslau beträgt: 99 Stück Rindvieh und 7 Ziegen, im Regierungsbezirke Liegnitz: 39 Stück Rindvieh, 2 Schafe und 6 Ziegen. — Der aus Nom von seiner Mission hierher zurückgekchrte Unterstaatssekretär im auswärtigen Amte, Dr. Busch, hat dem Kaiser und Kronprinz über die mit dem Staatssekretär Jacobini gepflogenen Unterhandlungen Bericht erstattet. An die Rückkehr dcS Unterstaatssekrctärs zeihung, so wird der Baron sich beruhigen und Esmeralda erfährt keine Silbe davon."
Wieder durchmaß Lorenz Hartmann mit großen Schritten daö Zimmer, eö war ihm nicht möglich, seiner Aufregung Herr zu werden.
„Ich habe kein Geld!" sagte er endlich barsch zu dem jungen Manne.
„Ah — um so schlimmer für Sie! erwiderte Pietro ruhig, indem sein stechender Blick jede Bewegung Hartmanns beobachtete.
„Was wollen Sie damit sagen?"
„Herr von Gemmern wird sich schwerlich mit einer solchen Antwort auf seine gerechte Forderung zufrieden geben und —"
»Lieber Himmel, wenn ich kein Geld habe, kann ich auch nicht zahlen", sagte Hartmann, dessen Erregung aufs Aeußerste gestiegen war.
„Aber Sie müssen zahlen, Sie hören ja, daß die Schuld bewiesen wird, der Richter muß Sie zur Zahlung verurteilen und was haben Sie dann? Geben Sie Ihrem Schuldner das Geld, lösen Sie den Wechsel ein, ehe Esmeralda Kenntnis davon erhält und brechen Sie dann mit diesem Manne, wenn Sie wirklich glauben, daß er Si übervorteilt habe!"
„Sie hören, daß ich es nicht kann," sagte Harimann ungeduldig.
„Wirklich nicht?"
„Nein."
„So wären Sie verarmt, ruiniert?"
(Fortsetzung folgt.)