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3t t. 306. . . JHarBurg, Sonnabend, 31. Dezember 1881.
XVI. Jahrgang
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th. Dietrich u. Co- in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M ; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Mosse in Berlin, Frankfurt a. DL rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M-; Jtigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirles Sormtaasblatt" durch die Ervedition tK o ck'sck« Buchdruckerel) bezogen 2 /♦ Mark, durch bie BostLmter des Deutschen N-iches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Insertionsgebüh/für di- gespaltene Zeile 10 W.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet. “ *
38E* Wir machen darauf aufmerksam, daß mit der Nr. 5 des nächsten Jahrgangs unseres Blattes die Nr. 1 des „Illustrierten Somttagsblattes" an unsere verehrten auswärtigen Leser zur Versendung kommt, in hiesiger Stadt erfolgt die Ausgabe mit Nr. 7.
Mit der Nr. j unseres Blattes wird ein Wandkalender für 1882 ausgegeben.
Um die Beilagen rechtzeitig zu erhalten, sowie überhaupt, um in den Besitz vollständiger Exemplare zu gelangen, bitten wir die Bestellungen bei der Post schleunigst machen zu wollen.
Die Exped. der „Oberhess. Ztg".
Vom Lande.
Nachdem die Erwartung, daß im Reichstage bei der Debatte über die Wahlen die technischen und geschäftlichen Mängel des Wallverfahrens, welche sich bei der Prüfung der Wahlen ergeben haben, zur Sprache gebracht würden, sich als eine irrtümliche erwiesen hat, dürfte es nicht unzeitgemäß sein, auf einige dieser Mängel in der Presse wenigstens mal hinzudeuten, um die Anregung zur Abhülfe für die Zukunft zu geben.
Eine Menge von Beschwerden gegen daö Wahlverfahren gipfeln in dem Vorwurfe, daß die Wahlvorstände die Formalitäten nicht genauer beobachtet haben, daß sie die Wahlzeit nicht vollständig inne gehalten, nicht ständig im Wahl- lekale anwesend gewesen seien u. dgl.
Die Abweichungen von den reglementarischen Bestimmungen sind, wo sie vorgekommen, nicht zu rechtfertigen, und die Beamten, welche sie verschuldet haben, verdienen Tadel. Aber es fragt sich doch doch, wenn man bemerkt, daß dergleichen Unregelmäßigkeiten widerholt und in vielen Orten vorkommen, ob nicht in den reglementarischen Vorschriften für die Wahl, d. h. also im Wahlreglement Anforderungen an den Wahlvorstand gestellt werden, welche derselbe nur schwer und mit Opfern erfüllen kann.
Dies ist in Wirklichkeit der Fall. Das Wahlreglement ist für große Städte oder sonst zahlreich bevölkerte Wahlbezirke, nicht aber für fttine Landgemeinden mit nur wenig Wählern berechnet.
Der Hauptmangel desselben liegt in der Bestimmung, daß die Wahl von Morgens 10 bis Abends 6 dauern muß. Man gehe nur hinaus in eine Landgemeinde, und dies ist die überwiegende Zahl, in der 20, 30 ja auch 100 Wähler wohnen, und sehe sich dort den Verlauf der Wahl mal an. In einer bedauernswerten langweiligen Situation verbringt solch ein ländlicher Wahlvorstand den ganzen Tag; wie viel Zeit versä wendet'derselbe unnütz, wenn er acht Stunden lang, vor der Wahlurne sitzen muß, einer kleinen Anzahl Wähler wegen, die ihr Wahlrecht recht gut in einer halben Stunde ausüben könnten und die auch faktisch ge-
Das verschwundene Kind.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Waö haben S'e mit dem Baron?" fragte der letztere, als er die Thüre kaum hinter sich geschlossen hatte. „Herr v. Gemmern ist wü end, Sie haben ihn beleidigt!"
„Daran trägt er s lbst die Schuld!"
„Er wohl nicht —"
„Kennen Sie die Sachlage?"
„Ja," erwiderte der Italiener. „Der Baron hat sie mir mitgeteilt." '
„Natürlich in seiner Weise."
„Ich glaube, der Wahrheit gemäß. ES handelt sich um einen Wechsel, den Sie dem Baron vor acht Tagen übergeben haben, um eine Spielschuld zu decken."
„Dieser Wechsel ist falsch 1"
„Herr Hartmann!"
„Ich widerhole es, ich habe ihn nicht ausgestellt."
„Also beschuldigen Sie den Baron der Fälschung!" sagte Pietro in ernstem, warnendem Tone. „Sie haben in der Aufregung nicht bedacht, welche Folgen die Beschuldigung für Sie haben muß —"
„Wie kann ich eine Schuld anerkennen, die ich nicht gemacht habe?" fuhr Hartmann entrüstet auf. „Ich schulde dem Baron keinen Heller, wie kann er sich unterstehen, diese Forderung geltend zu machen?"
„Mein lieber Freund, erlauben Sie, daß ich Ihnen ins Wort falle, um Sie eines Besteren zu belehren," sagte der junge Mann. „Ich war zugegen, als Sie dem Baron den Wechsel überreichten."
„Können Sie das mit voller Sicherheit behaupten?"
wöhnlich fast alle zu einer bestimmten Zeit zur Wahl kommen, die ihnen allen ihres Berufes wegen die allein bequeme ist. Wenn in diesen Fällen dec Wahlvorstand ungeduldig wird, des vergeblichen Wärters müde, die Wahl früher schließt, oder in der sicheren Annahme, daß kein Wähler früher kommt, sie erst Mittags beginnt, oder eine Pause macht, und im Vertrauen auf seine Leute während derselben die Urne ohne Aussicht läßt, so liegt die Schuld doch lediglich an dem für ländliche Verhältnisse nicht zuge- schnittenen Wahlreglement.
In ländlichen Kreisen mit kleinen Gemeinden würde man allgemein eine Aenderung des Wahlreglements in dieser Richtung mit Freuden begrüßen, und sämtliche Dorfbehörden würden in ihrer Wahllast wesentlich erleichtert werden. In einem Wahlbezirke, wo z. B. nach der Haupt- wähl noch eine Stichwahl und dann noch eine Nachwahl erforderlich gewesen, kostet die Wahl dem Dorfvorstande ganze drei Tage, die er mit den in den Wahlvorstaad be- rufencn Bauern in dem Wahllokale absitzen müßte.
Sollte es nicht möglich sein, im Reglement für die Dauer der Wahl den Behörden oder Organ n der Selbstverwaltung Spielraum zu lassen, und sollten Bedenken obwalten, die Wahlstunden auf Vorschlag der Gemeindebehörden von der Kreisbehörde bestimmen zu lassen? Hierbei könnte auf die jedesmaligen Verhältnisse Rücksicht genommen und den Wählern oft die Ausübung des Wahlrechtes trotz Abkürzung der Wahlzeit leichter gemacht werden, als es ihnen das Reglement mit achtstündiger Mahlzeit macht. In einer Gemeinde z. B., aus welcher die Wähler Morgens nach auswärts zur Arbeit gehen und erst gegen Abend heimkehren, kann die Wahlstunde von 6 — 7 Uhr Abends wohl erwünscht fein, während in einer anderen die Morgenstunde von 8 —10 Uhr die geeignetste wäre. Beide Stunden kennt das jetzige Reglement nicht. Durch Aenderung des Wahlreglements könnte hier manches Gute geschaffen werden.
Wenn an Stelle der erregten Debatten über die Beeinflussung der Wahlen durch Beamte diese und ähnliche Wünsche im Reichstage zur Sprache gebracht und durch Abgeordnete aus allen Teilen des Reichs die gemachten Erfahrungen vcrgetragen würden, würde damit für das Land etwas Ersprießliches angeregt sein. Aber so sachliche Debatten sind nicht nach dem Wunsche der Herren, welche die Wahlkämpfe auch in den Reichstag hineintragen wollen und durch ihre Reden stets neue Erregung in die weitesten Schichten der Bevölkerung zu bringen bemüht sind.
Deutsches Reich.
** Berlin, 29. Dez. Die zuletzt verflossenen beiden Rechnungsjahre waren ebenso, wie die diesen vorangegangenen Jahre, sowohl der preußischen Landwirtschaft im allgemeinen,
„Ich kann es beschwören.
„ES ist unmöglich I"
„Sie wissen es nicht mehr, weil Sie an jenem Abend zu viel getrunken hatten!"
Hartmann blieb in der Mitte deS Zimmers stehen und blickte den jungen Mann betroffen an. Er konnte zwar nicht glauben, daß dies wirklich der Fall gewesen sein sollte, aber eS war doch immerhin möglich und wenn es Wahrheit war, bann allerdings hatte er den Baron schwer und tief beleidigt.
„Ich erinnere mich auch dessen nicht," sagte er.
„So glauben Sie auch mir nicht?"
„Wie könnte ich eine so große Schuld ganz und gar vergessen hoben? Nein, es kann nicht sein, es muß auf einem Irrtum beruhen."
„Nun wohl," erwiederte Pietro, „wenn Sie dabei beharren, so werden Sie Ihre Rechnung mit dem Leben ab« schließen können, Herr v. Gemmern ist entschlossen, die ihm wiederfahrere Beleidigung zu rächen."
„Was will er noch?" wallte Hartman auf.
„Vor allen Dingen Genugthung!"
„Er soll mich verklagen!"
„Erlauben Sie, dos wirb erst später kommen. Vor allen Dingen verlangt der Herr Baron Genugthuung, — ich sage Ihnen das noch einmal."
Wieder blickte Hartmann ben jungen Mann betroffen an.
„Genugthuung?" fragte er. „Drücken Sie sich beut» kicher aus."
„Haben Sie es noch nicht erraten?" Herr v. Gemmern läßt Sie fordern."
Hartmann trat erschreckt zurück — daran hatte er nicht im Traume gedacht.
wie auch speziell der Domänen-Verwaltung, Welche seit dem 1. April 1879 mit dem landwirtschaftlichen Ministerium vereinigt ist, nicht günstig. Der mittelmäßige Ausfall der Ernte und der Umstand, daß in den scchöziger Jahren die Pachtgelder für Domänen - Vorwerke in zahlreichen Fällen eine über die Ertragösähigkeit hinauSgehende Höhe erreicht hatten, haben neben anderen Kalamitäten zu- sammengewirt, um die Lage vieler Domänenpächter zu gefährden und einen Teil derfelben dem Vermögensverfalle entgegenzuführen. Die Folgen der Mißstände haben sich in besonders auffallenbem Maße bei der im Jahre 1880 stattgehabtcn Neuverpachtung von Domänen bemerkbar gemacht, indem in diesem Jahre unter 35 zur Verpachtung ausgebotenen Domänen für 17 der bisherige Pachtzins nicht wieder erreicht wurde. Auch die Kauflust hat sich in den letzten Jahren wenig rege gezeigt. Es haben sich zahlreiche Fälle wiederholt, in denen für zum Verkaufe ausgebotene fiskalische Grundstücke die Kaufgelder-Minima nicht erreicht wurden. Am Schluffe deS letzten Rechnungsjahres waren vorhanden 1085 Domänen - Vorwerke mit einem Areal von 340 275 Hektaren und einem jährlichen Pacht- Erträge von 13 074 541 M. Da am Schluffe des EtatS- jahreö 1878/79 1098 Domänen mit einem Areal von 341172 Hektaren und einem jährlichen Pachtertrage von 12 823 230 M. vorhanden waren, so ist bie Zahl der Vorwerke um 13 mit 897 Hektaren heruntcrgegangen, der jährliche Pachtertrag aber um 251311 M. erhöbt. Während der beiden Berichtsjahre sind 76 Domänen, für welche bisher ein Pachtzins von 1 209 898 M. gezahlt worden, zur ander- weiten Verpachtung gestellt. Der dafür erlangte neue Pachtzins von 1396 218 M. ergiebt ein Mehr von jährlich 186 320 Mark. 29 Domänen haben ben bisherigen Pachtzins nicht wieder gebracht. An den Mindererträgen sind, mit Ausnahme der Provinz Sachsen, fast die sämtlichen Provinzen der Monarchie, in denen überhaupt Domänen belegen sind, und ganz besonders der Regierungsbezirk Potsdam, beteiligt. Dem Minderertrage der 29 Domänen mit zusammen 92715 M. steht ein Mehrertrag der übrigen 47 neu verpachteten Domänen mit 279 035 M. gegenüber. Die Pachteinnahmen find überhaupt ununterbrochen im Steigen begriffen. Der Gesamtertrag der Domänen, der 1850 durchschnittlich pro Hektar 14,10 Mark betrug, ist 1860 auf 18,15 M., 1870 auf 29,63 Mark, 1880 auf 38,16 M. und 1881 auf 38,42 M. gestiegen. Dieses nicht ungünstige Resultat ist wesentlich auch der Sorgfalt zuzuschreiben, welche seit langer Zeit der Melio- rierung der Domänen, namentlich durch Ausführung von Dränierungen, Anlegung von Schutzwerken, Verbesserung und Vermehrung der Gebäude u. s. w. zugewendet werben ist. — Außer den Domänen-Vorwerken gehören noch der Domänen-Verwaltung verschiedene andere fiskalische Grundstücke an, eine große Anzahl von Schlössern, Gebäuden
„Fordern? Mich? fragte er bestürzt.
„Auf Pistolen —"
„Ist er toll geworden?"
„Ein guter Schütze ist er," sagte Pietro gleichgültig, ich möchte Ihnen deshalb raten, Ihre Angelegenheiten zu ordnen."
Hartmann ging wieder mit großen Schritten auf und nieder. Daß die Sache diese Wendung nehmen könnte, hatte er nicht geahnt.
„Der Baron hat mich gebeten, ihm zu secundieren," nahm Pietro wieder das Wort. „Sie werden also für einen Sekundanten Sorge tragen müssen. Und da Sie dabei beharren, daß der Wechsel gefälscht sei, so kann von einer friedlichen Aussöhnung keine Rede mehr sein. Sie werden also die Güte haben, Ort und Stunde zu bestimmen, für bie Pistolen wirb ber Herr von Gemmern sorgen."
„Aber mein Gott —"
„Fünfzehn Schritt Distance mit Verrücken um Schritt — wenn Sie es aber vorziehen, über bas Taschentuch, so wirb der Herr Baron Ihnen gern darin entgegenkommen."
„Ich glaube wahrhaftig, Sie sind toll!" sagte Hartmann mit wachsendem Entsetzen. „Was berechtigt denn den Baron zu dieser Forderung?"
„Seine beleidigte Ehre!" entgegnete Pietro ernst. „Jeder Mann von Ehre würbe an seiner Stelle eben' hanbeln."
„Und wenn ich mich nun weigere, diese Ford anzunehmen?"
(Fortsetzung