3H(ir6urfl, Sonnabend, 24. Dezember 1881.
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atr* Auf das mit dem 1. Januar 1882 beginnende Quartals - Abonnement der
Hartmann schüttelte das Haupt.
„Wir wollen jedoch nicht darüber streiten," sagte er in iz heiterem Tone, „Sie müssen ja als Bruder Esmeralda xr kennen, ich aber meine nicht zu irren, wenn ich —*
i wir die Postbestellung so zeitig als möglich zu machen, imstande zu sein, unseren verehrten Lesern vollständige
Zeitung alles aufbieten, ihre Leser durch Zuverlässigkeit, Raschheit und Vielseitigkeit zu bedienen.
Anzeigen finden bei deni sehr erheblich gewachsenen Leserkreis eine stets wirksame Verbreitung und werden zu dem billigen Preise von nur 10 Pfg. pro Zeile berechnet.
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[o®ie d.Annoncen-Bureaux o. Th- Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; (raasenstein u. Vogler in ssranlfurt a. itil., Berlin, Leipzig, Köln re.; Rudolf Sosse in Berlin, Frank- furt a. Di. re.
Die Wähle« und die Beamten.
Zu diesem im Reichstag angeregten Thema äußert sich die „Prov.-Corresp." in folgender Weise:
Eine der schwierigsten und zugleich wichtigsten Fragen, über die Stellung der Beamten im Verfassungsstaat, besonders bei Wahlen, ist neulich auf Anlaß der letzten Wahlbewegung im Reichstage wieder zur Sprache gekommen, und die Erklärungen, welche der Minister des Innern hierbei abgegeben hat, scheinen in der liberalen Partei ein gewisses Befremden und e nige Aufregung hervorgerufen zu haben. Die Frage kann hier nicht in einer euch nur annähernd erschöpfenden Weise behandelt werden; vielleicht giebt es für dieselbe keine ganz zutreffende staatsrechtliche Lösung, so wenig wie für das Königtum nach deutschen Begriffen gegenüber dem parlamentarischen Staat. Das Beste wird jederzeit das richtige Gefühl, der Takt der Beamtin dabei lhun müssen, und es werden immer nur gewisse leitenre Grundsätze darüber aufzustellen sein, welche in demselben Grade schärfer zur Anwendung kommen müssen, als einerseits der Gegensatz der Parteien gegen die Regierung leidenschaftlicher hervortritt, und andererseits der König selbst sich unumwunden für das Streben und Trachten der Regierung erklärt hat, wie es im vorliegenden Falle durch die bekannte Allerhöchste Botschaft geschehen ist. Hiervon ausgehend, wird man die Worte des Ministers des Innern über die Stellung der Beamten bei den Wahlen nicht so befremdlich finden.
Unzweifelhafte Voraussetzung ist allerdings für den Minister, daß die jeweilige Regierung, so lange eben der
Exemplare liefern zu können. Gleichzeitig machen wir dar- aiif aufmerksam, daß der Nr. 1 deö neuen Jahrgangs ein Kaudkalender, der auch den deutschen Portotarif enthält,
welche dies bei den letzten Wahlen gethan haben, nicht bloß deS Dankes und der Anerkennung der Regierung, sondern daß sie auch deS Dankes des Königs gewiß seien.
Diese Erwähnung des Königs scheint die Gegner der Regierung besonders erregt zu haben, und eS wurde alsbald der Vorwurf der sogenannten „parlamentarischen" Lehre erneut, der Minister habe die erhabene Person des Monarchen in den leidenschaftlichen Wahlkamps gezogen, er habe für die gefährdete Negierungspolitik den Schild der Person deS Monarchen für sich in Anspruch genommen.
Es ist dasselbe Verhalten, welches sich seit der Botschaft immer erneuert: eS ist bei der angeblichen größten Ehrfurcht gegen die Monarchie doch eine thatsächliche Verleugnung des Königs. Durch seine Botschaft wollte er seine persönliche Uebereinstimmung mit der Politik seiner Minister kund thun, aber seine „parlamentarischen" Lehrer wollen eS nicht hören, „ein König — sagen sie — habe keine Meinung" ; durch den Minister dankt er denen, welche bei dm Wahlen seine Politik unterstützt haben, — doch das darf nicht sein, denn ein „parlamentarischer" König muß über den Parteien stehen.
Aber, — Gott sei Dank — wir haben keinen „parlamentarischen" König, wir haben unseren preußischen und deutschen König auf gründ unserer Verfassung und Geschichte. Die jetzigen Minister aber verstecken sich keineswegs hinter dem Schild des Kaisers, sie bekämpfen ihre Widersacher mit ihren eigenen blanken und scharfen Waffen; nur trennen und scheiden lassen sie sich nicht von ihrem Kaiser, so lange er selbst zu ihnen stehen will.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Dez. Die Ernennung des Herrn von Radowitz zum Botschafter in Konstantinopel, desgleichen dir definitive Bestallung des Grafen Hatzfeldt zum Staatssekretär des auswärtigen Amtes ist demnächst zu erwarten. Gerüchtweise verlautet, daß der Botschafter von Keudell dm Botschafter von Hohenlohe in Paris ersetzen solle. — Von den ausgewählten Reden des Fürsten von Bismarck, gebalten in den ;obren 1862—1881, die m t einer biographischen Skizze, sowie erläuternden Einleitungen und Anmerkungen und einem Anhang (enthaltend Reden des Abg. von Bismarck'Schöichausen aus den Jahren 1847—1852) — im Verlage von Friedr. Kortkampf (Buchhandlung für Staatswissenschaften und Geschichte) erschienen, gehen uns soeben die Schlußhefte (4 und 5 des III. Bandes) zu, nachdem vor einiger Zeit das 3. (Schluß-) Heft des II. Bandes, welches die Reden ans den Jahren 1871—1877 umfaßt), sowie vom III. Bande Heft 1 bis 3 erschienen waren. Dieser III. Band enthält die Reden des Fürsten- Reichskanzlers von 1878—1881 und zwar fast ohne Ausnahme, da nur sehr wenige wegen untergeordneterem allgemeinen Interesses in dieser Sammlung fehlen durften. Alle
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Monarch sie mit seinem Vertrauen beehrt, die Regierung deS Königs ist und von den Beamten alle die Rücksichten in.Anspruch zu nehmen berechtigt ist, welche sie dieser schuldig sind. Hieran zweifeln oder einen Zweifel zulassen, hieße die Stellung selbst erschüttern, welche das Vertrauen des Königs ihnen angewiesen hat. Es giebt bei uns wohl einen König, welcher über den Parteien steht, insofern er allen seinen Untertanen, ohne Unterschied der Parteifarbe, seine Gerechtigkeit, seine Milde zu Teil werden läßt, aber er steht nicht in dem Sinne über den Parteien, daß es ihm gleichgültig wäre, ob die von ihm gebilligte und genehmigte Politik feiner Regierung oder das Gegenteil bei Wahlen zur Geltung gelangte.
Daß nun die Stellung der königlichen Beamten bei den Wahlen eine andere ist, als die jedes sonstigen Staatsbürgers, ei kennen auch die Gegner an: derjenige Abgeordnete, welcher nach allgemeiner liberaler Ansicht die Frage vorzugsweise staatsmännisch behandelt hat, mußte ohne Weiteres zugestehen, daß die amtliche Stellung eines Beamten ihm eine große Schranke in bezug auf die Ausübung des Wahlrechts auferlege: „Wenn eine politische Verantwortlichkeit geführt werden soll, fügte er. hinzu, fo kann der Minister nicht dulden, daß die ihm nachgesetzten Beamten in tendenziöser Weise der Politik der Regierung entgegentreten."
Die Beamten haben eben, abgesehen von der allgemeinen. Stellung als Staatsbürger, welche die Verfassung ihnen zuweist, einen besonderen Eid geleistet, dem Könige untertänig, treu und gehorsam zu sein. Auf Grund dieses Eides kann der Minister allerdings verlangen, daß die Beamten nicht gerade feindlich gegen die Regierung auftreten.
Damit aber sind die Pflichten der Beamten überhaupt und besonders der politischen Beamten nicht erschöpft. Daß letztere eine besondere Stellung einnehmen, ist ausdrücklich auch von jenem Redner anerkannt worden, indem er auf die Bestimmungen hinwieS, „die eine ganze Reihe von Be- amtenfategorieen unter die Disponibilität stellen". Er hat andererseits anerkannt, daß der Minister feine Verantwortlichkeit nur auSüben kann durch die ihm Nachgeordneten Beamten.
Daraus, sollte man glauben, ergiebt sich von selbst, was der Minister als die von der Regierung geübte Wahl Politik aussprach, die Erwartung nämlich, daß diejenigen Beamten, in deren Händen wesentlich die politische Vertretung der Staatsgewalt liegt, wenn und insoweit sie überhaupt ihre Rechte al« Wähler und Staatsbürger auSüben, die Regierung unterstützen, Er betonte noch ausdrücklich, daß sie dies nicht etwa mit Einsetzung deS unmittelbaren Gewichts ihres Amts thun sollen, also nicht durch Versprechen von Vorteilen, nicht durch Androhung von Nachteilen.
Der Minister fugte hinzu, daß diejenigen Beamten,
„Ich weiß, was Sie sagen wollen," fiel Pietro ihm "ins Wort, „ich wiederhole Ihnen, Sie täuschen sich. Esmeralda ist im Herzen nicht so ruhig, wie sie es zu sein scheint."
„Und weshalb nicht, was könnte ihre Heiterkeit wohl trüben?"
„Sie würden es nicht glauben, wenn ich Ihnen sage, daß eS Sorgen sind."
„Sorgen?" fragte Hartmann erstaunt. „Unmöglich. Was fehlt denn eigentlich am Glücke dieses reizenden Geschöpfes ? Hat sie nicht alles, was ihr Herz nur begehren kann? Hat sie nicht Liebe, Ruhm, Anerkennung und —" - „Und Schulden!" warf Pieto ein.
„Schulden?"
„So fagte ich. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt, mein Freund, und ich glaube Ihnen schon gesagt zu haben, daß unsere Eltern fein, bedeutendes Vermögen hinterließen."
Hartmann nickte zustimmend.
„Sie sagten mir, es sei ein kleiner Rest des früheren Vermögens gewesen —"
„Ja wohl, und dieser Rest reichte eben hin zur AuS- blldung Esmeraldas und zur Bestreitung ihrer Bedürfniffe bis zu ihrem Engagement. Das Honorar, welches die Theater-Intendanz ihr zahlt, ist verhältnismäßig unbedeutend und daS Leben kostet viel Geld."
J£)et Blick Hartmanns schweifte durch das elegante Gemach. Freilich, ein solches Leben kostete enormes Geld, das ließ sich nicht leugnen!
„Nun könnte Esmeralda, wie so manche ihrer Kmist- genosiinnen, mit leichter Mühe einen Krösus finden, der gern bereit wäre, die Rolle eines Mäcen zu übernehmen,
Das verschwundene Kind.
Roman von Ewal d August König. ■ * (Fortsetzung.)
Er konnte und durfte diese Bitte nicht zurückweisen, tr ahnte ja auch nicht, daß ihre süßen Blicke und ihr bezauberndes Lächeln nur eine Maske waren, die ihn täuschen und betrügen sollte. Er sah auch nicht den halb spöttischen, halb verächtlichen Blick, der ihre Lippen umzuckte, als sie in den Wagen stieg, er war überglücklich in dem Bewußtsein, sie seine Braut nennen zu dürfen.
Er war mit Pietro allein zurück geblieben, er dankte dem Letzteren mit warmen und herzlichen Worten für seine Fürsprache.
„Ich sagte Ihnen ja, daß Esmeralda Ihnen daS Jawort geben werde," erwiederte der junge Mann, „ich wußte das längst und deshalb spottete ich über Ihre Eifersucht."
„Und trotzdem diese kalte Ruhe!" sagte Hartmann mit leisem Vorwurf.
„Glauben Sie denn wirklich, Esmeralda sek ruhig gewesen?"
„Gewiß, ich hätte ja blind sein müsien, um eS nicht M bemerken."
„Esmeralda versteht es, sich zu beherrschen,"' entgegnete Pietro achselzuckend.
„Was wollen Sie damit sagen?"
„Daß sie nicht so ruhig war und ist, wie Sie vielleicht glauben."
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Bremen.
aber Sie kennen ja die Festigkeit ihrer Grundsätze, die Charakterstärke dieses tugendhaften, engelreinen Wesens. Keine Schätze der Erde könnten sie bewegen, Unschuld und Ehre preiszugeben; sie verachtet die Männer, die mit unlauteren Absichten sich een Frauen nähern. Wenn Sie dies alles berücksichtigen, dann werden Sie den Druck, der auf ihrem Herzen ruht, erklärlich finden."
Die Mitteilung halte auf Hartmann einen überraschenden Eindruck gemacht; wie hätte er auch ahnen können, daß alle diese Pracht nur Blendwerk war I
Was nun ? Durch die Verlobung mit Esmeralda hatte er die Verpflichtung übernommen, für sie zu sorgen, und dazu gehörte auch die Tilgung ihrer Schulden, er durfte nicht dulden, daß dieser Druck auf ihr ruhen blieb.
„Wie hoch belaufen sich denn ihre Schulden?" fragte er nach einer Pause.
„Sie sind bedeutend," erwiederte Pietro ausweichend.
„Ich wünsche die Summe zu wissen."
„Zwanzigtausend Thaler werden zum mindesten nötig sein."
Hartmann erschrak, er mußte sich gewaltsam bezwingen, um wenigstens äußerlich nur seine Ruhe zu bewahren. Das war allerdings eine sehr bedeutende Summe und unwillkürlich berechnete er mit Blitzesschnelle, was seine Freundschaft mit diesem Gefchwisterpaar ihm schon gekostet hatte.
Wenn das so fort ging, bann war er bald selbst ein armer Mann, auch das größte Vermögen konnte erschöpft werden, und fo groß,war sein Vermögen nicht mehr.
„Zwanzigtausend Thaler?" wiederholte er, ohne seine Bestürzung zu verhehlen. „Aber bann begreife ich nicht, daß Sie sich nicht etwas einschränken."
(Fortsetzung folgt)
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