Einzelbild herunterladen
 

JRorfiura, Sonntag, 18. Dezember 1881

Ar 2»ti

XVI. Jabtflana

tilg

OtechkUchk Jcitmiii

irter

MI

the voi

k. ägel leit.

-k.

urg,

44.

In vorzüglicher Weise tritt darauf der Abg. Schroeder (Lippstadt) dem Abg. Bamberger entgegen, erklärend, daß er dem Abg. Leuschner denn doch noch mehr glaube, als dem Abg. Bamberger, da ersterer seit 25 Jahren theoretisch und praktisch mit dieser Frage in Verbindung stehe. Hierauf tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr. Tagesordnung: Präsidentenwahl und Rest der heutigen Tagesordnung rc. Schluß 5 Vs Uhr.

Die heutige 18. Sitzung des deutschen Reichstages bot ein ruhigeres Bild als die letzte Nachtsitzung dar. Auf der Tagesordnung stand zunächst der mündliche Bericht der Kommission für den ReichShauShaltS-Etat über die derselben zur Vorberatung überwiesenen Etats - Positionen für die Verwaltung des RcichsheereS. Die Kommission hatte be­antragt, die Position für ein« Unterosfizierschule in Neu- Breisach und für die Palastkaserne in Trier zu streichen, und der Referent Abg. Frhr. von Maltzahn-Gültz

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae IHuftrirtea Sanvtaasblatt hZTTZ

------ SV. W tart 11. «.«««-- 1« MM 8 Uta! 60 Ä

Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet. vrß*

hatte diesen Antrag zu befürworten. Während Abg. Staats­minister v. G o ß l e r für die letztere Position eingetreten, der Kriegsminister v. K a m e k e die Bewilligung der For­derung für die Unteroffizierschule in Neu-Breisach empfohlen und der Abg. v. T r e i t s ch k e in warmen Worten vom politischen Gesichtspunkte auS sich in gleichem Sinne aus­gesprochen , die Abgg. Hermes (Parchin), Dr. 91 ee und v. Benda dagegen für den Kommissionsantrag das Wort ergriffen hatten, schilderte Abg. Graf Mo ltke, wie notwendig es sei, in Elsaß - Lothringen gerade die Jugend zu gewinnen zu suchen, gleichzeitig die politische Seite der Angelegenheit betonend. Aber nur die Mitglieder der deutsch- konservativen Fraktion erhoben sich bei der Abstimmung für die Forderung der Regierung; vor der Abstimmung hatte noch der Abg. Büchtemann für die Streichung der Position gesprochen. Es folgte der Bericht der Budgetkommission über derselben zur Vorberatung überwiesene Teile des Etats der Reichs - Post- und Telegraphen - Verwaltung und des Etats der Reichsdruckerei. An der Debatte beteiligten sich außer dem Referenten die Abgg. Dr. Lingens, Stötzel, S o n n e m a n n und B ü ch t e m a n n, sowie der Staats­sekretär des Reichspostamts Dr. Stephan und einige Bundesratskommissare. Auch der Abg. v. Benda findet noch zu einigen Auslassungen über die Position für das Postgebäudc in Erfurt Gelegenheit. Diese Position wurde abgelehnt. Die Position für ein Postgebäudc in Lübeck wird, entgegen den Beschlüssen der Budgetkommission, nach kurzes Debatte bewilligt; im übrigen genehmigt das Haus die KommissionL-Anträge. Es folgt die Beratung des der Budgetkommission überwiesenen Teils des ReichShauöhalts- Etats: Zölle und Verbrauchssteuern. Nach einer ausführ­licheren Begründung deS Referenten, Abg. v. Wedelt- Malchow, legt in längerer Rede der Abg. Leuschner klar, welch großen Nutzen das Schutzzoll - System uns gebracht und wie unter dem Schutzzoll die Löhne gestiegen sind. Er giebt zahlreiche statistische Daten und beweist durch dieselben, daß die entgegenstehcnden Behauptungen der Fortschrittspartei der Wahrheit entbehren und angesichts dieser Ziffern in nichts zerfallen müssen. Abg. Dr. Bam­berg e r nimmt die Freihandelspolitik in Schutz und tritt den Ausführnngen des Vorredners entgegen, wird aber vom Bundesratstisch aus, und zwar vom Direktor im Rcichs- schatzamt Burchard, auf das Hinfällige seiner De­duktionen aufmerksam gemacht und gründlich widerlegt. Ferner wendet sich der Staatssekretär des Innern von B o e t t i ch e r gegen den Abg. Bamberger wegen seiner Ausführungen bezüglich der Reskripte des preußischen Handels­ministers an die Handelskammern von Grüneberg und Danzig. Redner schildert genau die wahrheitswidrigen Be­richte der genannten Handelskammern und betrachtet eS als Pflicht des vorgesetzten Ministers, derartigen, mit der Wahr­heit in Widerspruch stehenden Berichten ein Ziel zu setzen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, den 16. Dezember.

In der 17. Sitzung des deutschen Reichstages, welche gestern Abend 8 Uhr begann und gegen 12*/2 Uhr nachts ihr Ende erreichte, wurde die Debatte über den Antrag Hänel und Genossen, betreffend die letzten Reichstagswahlen, fortgesetzt. Nach einigen Ausführungen des Abgeordneten von Komierowski wendet sich der württembergische Abg. Freiherr v. Wöllwarth gegen das Treiben der Linken, welches nur darauf hinauslaufe, den Reichskanzler zu verdächtigen. Unter solchen Verhältnissen sei die Ehre, Mitglied des deutschen Reichstages zu sein, sehr gering. Nach ihm ergriff der Abg. von Bennigsen daö Wort, um sich gegen die Ausführungen des Hrn. Ministers von P u t t k a m e r in der Tagessitzung auszusprechen, wurde jedoch von letzterem sehr energisch und gründlich widerlegt. Naldern sodann noch der Abg. Eugen Richter in seiner bekannten Weise gegen Regierung, Landräte und Konservative gepoltert, hielt der Abg. Stöcker eine meisterhafte, die unlautere fortschrittliche Wahlagitation sehr eingehend schilvernde Rede. Ein Schlußantrag wurde wiederholt abgelehnt und sprachen ferner die Abgg. Westphal und Mommsen, sowie der Staatsminister v. P u t t k a m e r. In dem dann folgenden Schlußwort des Abg. Dr. Virchow wird derselbe wiederholt aus­fallend gegen den Abg. Stöcker und den Minister von Putlkamer, sodaß der Präsident seine Ausdrucksweise mehr­fach rügen muß. In einer persönlichen Bemerkung erklärte der Abg. Freiherr v. Minnigerode infolge einer seitens des Abg. Virchow hierzu gegebenen Veranlassung:Die von der Fortschrittspartei erstrebte Parlamentsherrschaft ist der Tod der Monarchie!" Nachdem der Abg. Dr Virch ow den seiner Partei gemachten Vorwurf abzuwenden gesucht hatte, bemerkte der Abg. Freiherr v. Minnigerode: Meine Autorität steht gegen die Autorität deS Abg. Virchow!" Als in dieser unbequmen Situation der Abg. Richter (Hagen) in einer ihm nicht znsteheuden persön­lichen Bemerkung den für die Fortschrittspartei überaus ungünstigen Schlußeindruck verwischen wollte, wurde er vom Präsidenten niedergeklingelt. Der Antrag wurde schließlich einstimmig angenommen und die Sitzung, wie erwähnt, nachts 12V2 Uhr geschlossen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 16. Dez. Seitdem die Transportverhält­nisse und der Wagenmangel auf den Rheinisch-Westfälischen Eisenbahnen bei den Verhandlungen des Ausschusses und der Generalkonferenz dec Handelskammern, landwirtschaft­lichen Vereine und wirtschaftlichen Korporationen Rhein­land-Westfalens mit den rheinisch-westfälischen Eisenbahnen zur öffentlichen Erörterung gelangt sind, sind manche über­triebene Anschauungen üver Ursachen und Umfang der Un­regelmäßigkeit in der Güterbeförderung auf ihr richtiges Maß zurückgeführt worden. Gleichwohl tauchen von Zeit zu Zeit in der Presse, in Zirkularen von Kohlenhändlern und bei anderen Gelegenheiten Nachrichten über die Ueber- füllung einzelner Bahnstrecken und Bahnhöfe und eine in­folge dessen cingetreteue Verminderung der Leistungen der Eisenbahnen auf, welche sich mit der Wirklichkeit nicht im Einklänge befinden. Eine vollständige Widerlegung dieser Angaben würde nur durch ein ausführliches Eingehen auf die Betriebsverhältniffc der Eisenbahnen möglich sein, welche indessen den meisten so fern liegen, daß eine Aufklärung schwerlich erfolgen würde. Um wenigstens einigermaßen ein Bild über die wirklichen Lüftungen der Eisenbahnen zu geben, sei nur die Statistik der Wagengestellung im Monat November der letzten drei Jahre und zwar nach Ladungen von 5000Kilogr. erwädnt. Danach ist die Zahl der durchschnittlich pro Arbeitstag gestellten Wagen von 13067 im Jahre 1879 auf 14246 im Jahre 1880 und auf 15150 im Jahre 1881 gewachsen. Der Staats­sekretär des Reichs-Postamts hat unterm 13. d. M. eine Verfügung erlassen, welche davon ausgeht, daß nach neueren Wahrnehmungen einzelne Beamte in amtlichen Berichten und B.scheiden ihren Namen so schreiben, baß die Unter­schrift ihnen selbst zwar als Ausdruck desselben gelten mag, für andere indessen unverständlich bleibt. Unter Bezug­nahme auf die durch Verfügung vom 15. Juni 1878 er­gangene Mahnung, sich einer deutlichen Namensunterschrift zu befleißigen, werden die Beamten eindringlich aufgefor­dert, ihren Namen stets so zu schreiben, daß er auf den ersten Blick geläufig gelesen werden kann. Es stellt sich jetzt heraus, daß die Gerüchte über Helgoland, welche bereits dementiert sind, lediglich auö einer Publikation über den Nord-Ostseekanal in derDeutschen Revue" entstanden sind,

Das verschwundene Kind.

Roman von Ewald August König.

(Fortsetzung.)

Aber mein Gott, womit habe ich mich denn kompromit­tiert?" fragte Hartmann mit gedämpfter Stimme."

Sie flehen im Begriff, zu thun."

Wodurch?"

Dadurch, daß Sie Ihren Aerger zeigen! Spielen Sie ruhig weiter, forcieren Sie daS Spiel, ohne eine Miene zu verziehen, man erwartet das von Ihnen."

Glauben Sie wirklich?"

Natürlich, in diesen Kreisen hat daS Geld keinen

Werth!"

Einen Schein? Worüber?"

Eine Anerkennung der Schuld."

Erlauben Sie," schnitt der Baron in höflichem Tone ihm das Wort ab,Sie mißverstehen mich. Ich verlange diese Anerkennung nur für den immerhin möglichen Fall, daß Sie plötzlich sterben könnten. Sie werden begreifen, daß in diesem Falle Ihre Erben die Schuld nicht aner­kennen würden, wenn ich nicht den Beweis vorlegen kann, daß ich zu dieser Forderung berechtigt bin."

Hartmann fühlte, wie ihm das Blut in die Wangen schoß, eine glühende Röte übergoß sein Antlitz.

Aber er mußte doch zugeben, daß die Forderung deS Barons berechtigt war.

Ich werde Ihnen diesen Schein natürlich bei Zahlung deS Gelees sofort zurückgeben," nahm der Baron noch ein­mal das Wort.Auch genügen mir die wenigen Worte: Ich schulde dem Baron von Gemmern die Summe von 15 500 Thalern," einer weiteren Erklärung bedarf es nicht. Wenn Sie unter diese Worte ihren Namen schreiben, so genügt das vollkommen."

Ich finde in diesem Verlangen nichts, was sie ver­letzen könnte!" sagte Pietro.Sie würden unter denselben Verhältnissen dasselbe fordern."

Geben Sie mir Papier," versetzte Hartmann sich ge­waltsam bemeisternd.

Ein Blättchen aus Ihrem Portefeuille genügt mir," erwiederte der Baron.

Hartmann holte hastig das Portefeuille aus seiner Tasche und schrieb fieberhaft die verlangten Zeilen nieder.

Der Baron legte den Zettel in seine Brieftasche, Pietro und Hrrtmann erhoben sich. (Fortsetzung folgt.)

zu Kai ;br. 18 on Pol! !ager.

fflber.

achtvollii

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v Th- Dietrich u- Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; ,wasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig- Köln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

T-ilt.*

100

101 i

101 I' 10011

101 102! 11

66* <

77i '

95 i '

103 991

32 ' 73» 3«

3011 -

101 ' 237* 1

1241 - 103 &

ark.

cheleWii n=Satoii) irk.

- Schuld

großker«!

stk. 8.

11 12.

Ihnen Revanche in genügender Weise gegeben, ich sehne mich nach Ruhe."

Hartmann strich mit dem seidenen Taschentuch über die naffe Stirn. ,

Es ist schon spät," erwiederte er mit einem verwirrten Blick auf das Fenster,merkwürdig, wie rasch die Zeit vergangen ist."

Mir scheint, cS wird schon sehr früb," sagte Pietro ironisch.Meine Schwester hat mich wieder vergeblich er­wartet."

Machen wir unsere Rechnung," nahm der Baron daS Wort, indem er ein Portefeuille öffnete,cs ist der Ordnung wegen."

Natürlich!" sagte Hartmann.Ich habe keine Notizen gemacht"

Dann muffen Sie sich auf meine Notizen verlaffen."

Ich werde nicht den leisesten Zweifel in ihre Richtig­keit setzen."

Der Baron rechnete; Pietro schnitt langsam die Spitze von einer Cigarre und zündete sie an, Lorenz Hartmann trank hastig sein Glas aus.

Fünfzehntausend fünfhundert Thaler," sagte der Baron endlich.

Hartmann nickte. Der Schweiß stand in großen Tropfen auf seiner Stirn.

Ich werde Ihnen daS Geld schicken," sagte er.

Wollen Sie nicht die Rechnung prüfen?"

Nein, nein, ich sagte schon, daß ich nicht den leisesten

Zweifel darein setze."

Gut," erwiederte der Baron,Sie werden gewiß auch die Güte haben, Herr Hartmann, mir einen kleinen Schein auszustellen."

femahlk, inte| achslich M- m m(38

ap-hei

?

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Citronh

Hartmann dachte an Esmeralda, als er den Baron bat, ihm nochmals seine Kaffe zur Verfügung zu stellen, er hielt den Gedanken an sic fest und erblime nur ihr Bild, während er weiter spielte.

Ein erzwungenes Lächeln umspielte seine Lippen, aber das Zittern der Hände, die unstäten Blicke und die drohend gefurchte Stirn ließen nur zu deutlich erkennen, daß dieses Lächeln eine Maske war.

Die meisten Herren betellgten sich nicht mehr an dem Spiel, um so leidenschaftlicher aber war daS Spiel Hart- « mannö geworden.

Er setzte immer höhere Summen ein und dazwischen trank er mit Fieberhaft.

Die Mitglieder deö Klubs entfernten sich, nur Pietro, Hartmann und der Baron blieben noch und spielten weiter.

Der Tag graute bereits, als der Baron die Karten niederlegte.

Sie können sich nicht beklagen," sagte er,ich habe

irt

Lovsc uni innfl w [3751 ral-Tedi