Narkura, Sonnabend, 17. Dezember 1881
XVI. ZhkMg
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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th- Dietrich n. Co. in Dassel und Hannover; Tb. Dietrich in Frankfurt a ’Di; c,aasenstein u. Bögler in Frankfurt a. BI., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Masse in Berlin, Frankfurt a. Ä. rc.
sondern auch dte politische Seite der Frage ins Gewicht falle, und daß im deutschen Botke keine Unzufriedenheit mit der Reichsgcsetzgcbung genährt werden darf.
Abg. Birkenmayer spricht für den vorliegenden Antrag vom Standpunkte der badischen Gerichtsverhältnisse.
Abg. Hartmann erklärt, daß die Deutsch-Konservativen mit dem Anträge Payer in der Sache einverstanden seien; die Form desselben hätten sie allerdings anders gewünscht, da dieselbe mit Ungrund die Annahme znlasse, als treffe die verbündeten Regierungen eine Schuld dafür, daß die früher beantragten Vorschläge nicht bereits ausgeführt seien. Diese formellen Bedenken treten indes hinter dem materiellen Einverständnis zurück, deshalb werden auch seine politischen Freunde für den Antrag stimmen.
Abg. Windthorst betont die Notwendigkeit des vom Centrum einstimmig gebilligten Antrages, um der Reichs- rcgierung einen sicheren Rückhalt gegen die Finanzministcr der Einzelstaatcn zu geben.
Der Antrag Payer wurde demnächst anscheinend einstimmig angenommen.
Es folgt die Beratung des fortschrittlich-sezessionistischen Antrages, die Wahlprüfungskommission zu beauftragen, dem Reichstage über die bei den letzten Wahlen hervorgelretenen Mängel des Wahlverfahrens, insbesondere in Rücksicht auf die Geheimhaltung und Unabhängigkeit der Wahlen und den hiernach als notwendig erscheinenden gesetzlichen unv reglementarischen Abänderungen Bericht zu erstatten. — Derselbe wurde vom Abg. D i r i ch l e t begründet, welcher auf dte früheren Debatten einging, die ein gleicher Antrag des Abg. Mendel s. Z. verursachte, und an welchen sich der Fürst Reichskanzler damals persönlich beteiligte. Der Partikularstaat Preußen nehme leider in diesen Verhältnissen eine hervorragende Stelle ein, und besonders sei es der Einfluß der Landräte, welcher ganz besonders bei den Wahlbeeinflussungen und Wahlungehörigkeiten ins Gewicht falle. Die Auffassung, welche ein großer Teil der preußischen Beamten von seinen Aufgaben bei den Wahlen habe, sei eine durchaus verkehrte. Zudem seien von mehr oder weniger, mitunter sogar von sehr autoritativer Seite mancherlei Versprechungen gemacht, um auf die Wahlin einzuwirken. Der Zweck des Antrages sei, ein gründliches Heilmittel gegen die bestehenden Uebelstäude zu schaffen, und keine Partei des Hauses sollte sich dem Anträge widersetzen, wenn auch gegenwärtig die Fortschrittspartei als die nächstbcteiligte erscheine. Der Redner sucht demnächst besonders dem Centrum und auch den Konservativen zu Gemüte zu führen, daß die Annahme deö Antrages auch in deren Interesse liege
Abg. Frhr. v. H e e r e m a u n (Vorsitzender der Wahlprüfungskommission) konstatiert, daß er nach den lang- jährigen Erfahrungen, die er als Mitglied der Wcchl- prüfungskommission gemacht, der Unterlage, dem Prinzipe
Das verschwundene Mud.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
Lorenz Hartmann zögerte, — die Summe war bedeutend und dabei unterlag es ja noch immer dem größten Zweifel, ob dieses Opfer ihn zum Ziele führen werde. Aber er durfte nun auch nicht mehr zurücktrcten, schon dieses Zögern warf ein schlechtes Licht auf seine finanziellen Verhältnisse und seine Freigeb gkeit, es konnte ihm als Geiz ausgelegt werden.
„Es ist wirklich kein Preis für diese prachtvollen Steine I" sagte Pietro mit einem lauernden Blick auf Hartmann, der einen schweren Seufzer nur halb unterdrücken konnte.
„Nehmen Sie den Schmuck, Sir werden dieses Opfer nicht bereuen."
Hartmann beauftragte den Juwelier, ihm am nächsten Morgen, da er eine so große Summe nicht bei sich führte, den Schmuck zuzuschicken, dann setzte er mit Pietro den Weg zum Spulklub fort.
Die Herren hatten das Spiel schon begonnen. Hartmann und Pietro wurden mit höflicher Freundlichkeit empfangen, und mancher dieser Herren gab über die Ankunft der beiden seine Freude zu erkennen.
Hartmann forderte Wein und nahm dem Baron gegenüber Platz, neben ihm ließ Pietro sich nieder.
Das Spiel nahm seinen Fortgang. Hartmann verlor auch an diesem Abend.
„Verdoppeln Sie die Einsätze," riet Pietro, „man muß das Glück zwingen, wenn es nicht nahen will."
Hartmann schüttelte ärgerlich den Kopf.
„Spielen Sie nicht mehr?" fragte er.
„Meine Kasse ist erschöpft I"
Deutscher Reichstag.
Berlin, den 13. Dezember.
Die heutige (16.) Plenarsitzung wurde vom ersten Vizepräsidenten Freiherrn zu Frankenstein in Abwesenheit des für die heutige Sitzung entschuldigten Präsidenten von Levctzow nach '/il Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen eröffnet.
Der erste Gegenstand der Tagesordnung ist die Interpellation des Abg. Dr. Freiherrn v. Hertling, betreffend bie weitere Ausbildung der bestehenden Fabrikgesetzgebung. Auf die Frage des Präsidenten an die Reichsregierung, ob und wann die Beantwortung der Interpellation zu erwarten stehe, erklärt Staatssekretär des Innern v. Bötticher, daß, obwohl der Bundesrat sich über die vorliegende Interpellation noch nicht schlüssig gemacht habe, der Beantwortung bet Interpellation materielle Bedenken zwar nicht entgegenstehen werden, daß aber bei nahen Beziehungen, in welchen die Interpellation zu dem sozialpolitischen Programm der Reichsregierung stehe, der Herr Reichskanzler lebhaft wünsche, die Interpellation selbst beantwoiten zu können. Derselbe sei indes zu seinem lebhaften Bedauern durch Gesundheits- Verhältnisse verhindert, ter heutigen Sitzung beizuwohnen, hoffe aber, daß es ihm möglich sein werde, schon am nächsten Sonnabend die Interpellation beantworten zu können. Deshalb stelle er (der Staatssekretär des Innern) dem Hanse anheim, die Interpellation auf die Tagesordnung vom Sonnabend zu setzen. Der Reichstag ist damit einverstanden.
Es folgte die Beratung des Antrages des Abg.Payer, betr. die Ermäßigung der Gerichtsgebühren. Der Antragsteller gab einen historischen Abriß über die bisherigen bezüglichen Verhandlungen, betonte die Notwendigkeit der Beschleunigung einer Ermäßigung der Gerichtskosten und verwahrte sich ausdrücklich dagegen, daß mit seinem Anträge demagogische Zwecke verfolgt würden, es handele sich vielmehr lediglich um Beseitigung sachlicher Uebelständo. Einen materiellen Antrag aus der Mitte deö Hauses einzubringeii, sei unthunlich. Die Details müßten den Vorschlägen der Regierung überlassen bleiben.
Abg. Petersen knüpft an die letztere Bemerkung des Vorredners an und führt aus, daß die Initiative allerdings von der Reichsregierung ausgeheu müsse, daß es aber Sache des Reichstags fei, der Reichsregierung diejenigen Richtungen zu bezeichnen, nach welchen hin sich die Klagen der Bevölkerung besonders geltend machen. Als allgemeinen Gesichtspunkt betont der Redner, daß das fiskalische Interesse bei Normierung der Gcrichtskosten nicht maßgebend sein dürfe. Der Redner bezeichnet dann die einzelnen Punkte, welche zu Beschwerden Anlaß geben und die Wege, auf welchen die Abhilfe zu erstreben' sei, ohne für seine ziemlich eingehenden technisch-juristischen Ausführungen die besondere Aufmerksamkeit des Hauses sich verschaffen zu können. Der Redner betont schließlich, daß nicht bloß tic wirtschaftliche,
deö Antrages, nur zustimmen könne. Er mißbilligt in- diß nicht nur die Beeinflussung der Beamten, sondern auch besonders diejenige großer Privaten, und betont namentlich, daß die Geheimhaltung der Wahlen thatsächlich vielfach gefährdet sei. Die Einführung von Couverts würde dem nicht abhelfen; wünschenswert sei, Größe und Farbe der Wahlzettel gesetzlich zu bestimmen. Prinzipiell also stehe er dem Antrag sympatisch gegenüber, er halte ihn indeß zur Zeit nicht für opportun; man möge vielmehr den Abschluß der Arbeiten der jetzt übermäßig belasteten Wahlprüfungökommisston abwarten und den Antrag dann in nächster Session einbringen.
Abg. Rickert kann nicht begreifen, warum man den Antrag jetzt zurückziehen solle. Man möge event. eine zweite Wahlprüfungökommisston einsetzen. Besonders verantwortlich sei der erfreulicherweise im Bundesrat anwesende preußische Minister des Innern zu machen. Die Wahl- beeinflussungen seien stärker gewesen, als zur Konfliktszeit. (Wie erspruch). Der Herr Rei i Skanzler habe dem diesmaligen Wahlergebnis eine Deutung gegeben, die als richtig nicht anzuerkennen sei. Die amtliche Statistik des Reichskanzlers sei unrichtig; die Deutschkonservativen hätten nicht 120 000 Stimmen mehr als 1878 gehabt, sondern etwa einige und 30 000 Stimmen.
Bundeskommiffar Minister von P u t t k a m e r erklärt, er stehe auf dem Standpunkte des Abg. von Heeremann und sei der Ansicht, daß der Antrag verfrüht sei. Am Eingänge der Legislaturperiode, wo Anträge der Wahlkommission im Hause noch kaum diskutiert worden seien, sei der Antrag nicht angebracht. Mehr Bedeutung habe der Antrag als Angriff auf bie preußische Regierung. Im preußischen Lant tage sei er zur Diskussion über den Antrag mit dem Abg. Rickert bereit, er zweifle aber an der Legitimation der Liberalen zu dieser sittlichen Entrüstung. Die Verantwortung für die Haltung der „Prov. - Korr." übernehme er; die Heftigkeit, mit der sie den Wahlkampf geführt habe, werde übertroffen durch den Ton, in welchem die Regierung ongegtiffcn worden sei. Der Minister illustriert dies an dem Beispiele, wie Professor Mommsen die Regierung angegriffen hat. Er erinnere daran, daß die Fortschrittspartei im Wahlkreise Hanau - Gelnhausen den Sozialdemokraten als das kleinere Nebel zur Wahl empfohlen habe gegenüber einem Christlich - Sozialen. Der Minister fährt fori: Die Regierung ist keine Parteiregierung, sie sorgt für die Allgemeinheit und wenn sie Unterstützung durch die Beamten verlangt, so ist dies wohl zu unterscheiden von einer unberechtigten Wahlbeeinflussung. Die Beamten, welche bei der letzten Wöchl die Regierung innerhalb des Gesetzes unterstützt haben, sind des Dankes der Regierung gewiß. (Bravo, rechts.)
Abg. von Schöningh hält das Verfahren der Beamten in der W-hlagitation für im' ganzen korrekt und
„Wenn dies das einzige Hindernis ist, so kann dies leicht gehoben werden," sagte der Baron von Gemmern. „Wieviel wünschen Sie?"
„Sie sind sehr freundlich," erwiderte Pietro verlegen, „aber ich weiß nicht, ob ich Ihr gütiges Anerbieten annehmen darf."
„Und weshalb nicht?"
„Sie kennen mich nichtI"
„Pah, Sie sind der Freund des Herrn Hartmann und Herr Hartmann hat bei jedem Bankier einen unbeschränkte» Kredit."
„Wissen Sie das so bestimmt?" fragte Hartmann geschmeichelt.
„Die ganze Stadt weiß eS! Also, wieviel wünschen Sie, Herr Constanzi?"
„Vierhundert Thaler," erwiederte Pietro.
„Hier sind sie."
„Ich danke Ihnen, wenn Sie einen Schuldschein wünschen, so —”
„Keineswegs, es ist unnötig. Fahren wir fort."
Hartmann verlor noch immer, der Aerger darüber zeigte sich deutlich in seinen finsteren Zügen.
„Verdoppeln Sie doch den Einsatz!" rief Pietro noch einmal.
Hartmann nahm die letzten Banknoten aus seinem Portefeuille.
»Ich fitze nun auch auf dem Trocknen," erwiederte er.
„Fortuna hat mir den Rücken gewandt."
„Glück in der Liebe und Unglück im Spiele," scherzte Pietro.
„Das Unglück nimmt einen zu großen Umfang an!"
„Ah bah — bei dem unbeschränkten Kredit, den Sie genießen —*
„Erlauben Sie, mein Freund, das ist eine Redensart, auf die man keinen Wert legen darf."
„Wenn Sie eine Anleihe machen wollen, so steht meine Kasse zur Verfügung," sagte der Baron.
„Unbeschränkt?" fragte Pietro.
„Ja, unbeschränlt."
„Da hören Sie's!" wandte Pietro sich zu Hartmann. „Ist das nicht ein Fingerzeig des Glücks?"
Baron v. Gemmern schob ein Packet Banknoten über den Tisch.
„Nehmen Sie," sagte er, „es sind 1000 Thaler."
„Setzen Sie die ganze Summe!" riet Pietro.
Hartmann war verwirrt, er wußte nicht mehr, was er thun sollte.
„Bitte, entschließen Sie sich," drängte der Baron. „Wollen Sie die Summe einsetzen?"
„Ja," erwiederte Hartmann, ter in diesem Augenblick keinen klaren Gedanken fassen konnte.
„Sehr wohl, bet Einsatz ist freilich hoch, aber ich halte ihn"
Die Blicke aller ruhten mit erwartungsvoller Spannung auf den Karten, eine halbe Minute verstrich — das Geld wanderte in die Kasse des Barons zurück.
Hartmann. athmete tief auf, es wollte ihm nicht gelingen, die drückende Last von der Seele zu wälzen.
„Spielen Sie weiter," flüsterte Pietro, den Mut dürfen Sie nicht verlieren. Und vor allen Dingen bedenken Sie, in welcher Gesellschaft wir uns befinden. Wenn Esmeralda es erführe, daß Sie in diesem Kreise sich kompromittiert hätten, so dürsten Sie niemals auf Erwiederung Ihrer Liebe rechnen." (Fortsetzung folgt)
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae h„r* hi»
Buchdruckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl BestV Äene ®10 Ä *M
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.