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Jllarßurq, Sonntag, 11. Dezember 1881.
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. 1881.
Abg. Meyer (Jena) erklärt, daß die Nationalliberalen dem Entwurf sympathisch gegenüberstehen. Die vorgelesenen Fragpunkte würden allerdings wesentlich nichts anderes sein, als eine gewöhnliche Volkszählung mit besonderer Hervorhebung des Berufs. Ob da überhaupt Strafbestimmungen nötig seien, wäre zweifelhaft. Jedenfalls wären dieselben so, wie sie vorgeschlagen, nicht annehmbar. Eine Kommission von 14 Mitgliedern würde wohl genügen
Kommissar des Bundesrates Geh. Ober-Regierungsrat Bo cd rcker: Mit der Volkszählung von 1880 habe man bie Berufsstatistik nicht vereinigen können, da man das Formular nicht noch mehr habe komplizieren dürfen.
Nachdem noch eine Frage des Abg. Retter durch denselben Kommissar beantwortet, bespricht Abg. Dr. Hirsch, °b die Frage „Religion" in dem Formulare, welches der Staatssekretär verlesen, etwa dazu dienen solle, eine „Judenrevision" herbeizuführen, wie sie von einem Blatte gefordert sei im Anschluß an die Berufsstatistik. Die Behauptung der im vorigen Jahre gefallenen Aeußerung der genügenden statistischen Unterlage halte er aufrecht, sie rühre her vom Herrn Reichskanzler. Die Rechte habe das Interesse der kleinen Grundbesitzer nie vertreten.
Staatssekretär vr. v. Bötticher: Der Reichskanzler habe von Grundlagen, nicht von statistischen Grundlagen gesprochen. Die Rubrik Religion rechtfertige sich aus dem Beschlüsse des Kongresses der Statistiker zu St. Petersburg von 1872, daß bei jeder größeren statistischen Aufnahme diese Frage aufzunehmen sei.
Abg. Frhr. v. O w: Er wolle nicht dem Abg. Hirsch folgen. und hier eine Zolldebatte herbeiziehen, müsse aber protestieren, daß jener gesagt, man habe auf der rechten «eite die Interessen der kleinen Grundbesitzer nicht vertreten. .Abg. Dr. Reichensperger (Crefeld): Die Juden mowten doch nicht darüber erschrecken, daß vielleicht die aufzunehmende Statistik eine erhebliche Vermehrung derselben konstatieren könne, sie hätten ja die Verheißung, sich mehren zu sollen wie der Sand am Meere. Die Aufnahme der Position „Religion" rechtfertige sich gewiß; schon aus den Ausführungen des Staatssekretärs.
Abg. Direchlet sucht in seiner Eigenschaft als Kleingrundbesitzer nachzuweisen, daß die rechte Seite die Interessen des Kleingrundbesttzerö nicht wahrgenommen, wird aber zur Sache gerufen und meint, es lasse sich das ander Behandlung des Tabaks nachweisen.
„. darauf wird die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.
Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr.
Antrag Baumbach, Kontrole des Reichshaushaltes. Denkschriften über das Sozialistengesetz.
Schluß 4 Uhr.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux o. Tb- Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; gaasenstein u. Vogler in zranifurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Klosse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Das verschwundene Kind.
Roman von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Komm nicht so spät," sagte sie, indem sie dem jungen Herrn die Hand reichte, ich erwarte Dich in einer Stunde."
„Etwas länger könnte cs doch dauern," erwiederte der Herr.
„Aber ich bitte Dich, Pietro —"
„Sei unbesorgt, Esmeralda, ich finde keine Gefahr darin."
„Für Deine Gesundheit?"
„Auch dafür nicht, ich wiederhole Dir, Du kannst ganz ruhig sein."
Die Tänzerin stieg ein, der junge Herr schloß den Wagen, der im nächsten Augenblick von dannen fuhr.
Lorenz Hartmann aber kpnnte sich nicht länger bezwingen, die Eifersucht ließ ihn nicht ruhen; er schritt auf den jungen Mann zu.
„Darf ich mir erlauben, eine Frage an Sie zu richten?" sagte er.
Pietro blickte ihn befremdet an.
Dentschrr Reichstag.
Berlin, den 9. Dezember.
In der heutigen (13.) Plenarsitzung erhielt vor dem Eintritt in die Tagesordnung der Abg. Sonnemann das Wort, um infolge einer ihm zugegangenen Reklamation seine am 3. d. M. gemachten Aeußerungen über die Bismarck- Hütte richtig zu stellen.
Bei Erledigung des Gesetzentwurfs, betreffend die Kontrolle des Reichöhaushalts, sowie des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen, erinnerte Abg. v. Benda an die noch immer ausstehenden Gesetzentwürfe, betreffend die Bildung eines Rechnungshofes für das Reich, sowie die Aufstellung des Haushaltsetats für Elsaß-Lothringen.
Bei Beratung deS Gesetzentwurfs, betr. die Erhebung einer Berufsstatistik, sowie die Vornahme einer Viehzählung im Jahre 1882 erhielt zuerst Abg. Ackermann das Wort. Er betonte zunächst, daß die Anhänger der von der Regierung geplanten Reformen diese Vorlage als einen ersten Schritt auf der einzuschlagenden Bahn betrachten, da so den srüheren Klagen über die mangelnde Statistik abgeholfen werde; aber auch den Gegnern der Sozialreform müsse cs lieb sein, das Material für die objektive Wahrheit zu erhalten. Die Vorlage sei demnach gar nicht vom einseitigen Parteistandpunkte zu beurteilen. Im einzelnen hätten seine Freunde allerdings auch wohl gewünscht, daß der Begriff „Berufsstatistik" näher bestimmt sei. Im übrigen würden sie, obwohl sie allerdings die Erledigung der Vorlage im Plenum für wohl thunlich halten, der kommissarischen Vorberatung sich nicht widersetzen.
Abg. Dr. Baumbach ist damit einverstanden, daß der Entwurf vom politischen Parteistandpunkt unabhängig sei. Das Bedenkliche an der Vorlage sei indes, daß eS sich hier um eine Zwangsstatistik handle und nicht bloß Geld-, sondern Haftstrafe festgesetzt werde, und das für Fragen, die noch nicht einmal bekannt seien. Die geforderte charte blanche könne man dem Bundesrat unmöglich geben. Er beantragt die Ueberweisung an eine Kommission von 21 Mitgliedern.
Regierungökommissar Geh. Rat Bödicker konstatiert, daß jedenfalls wissenschaftlich feststehe, was unter „Beruf" zu verstehen sei. Der Erfolg der Statistik dürfe nicht von dem bösen Willen oder dem Unverstände einzelner abhängig fein; der Verschleppung müsse vorgebeugt werden. DaS sei allein der Zweck des § 4 der Vorlage. Eine ganz gleiche Befugnis sei übrigens dem Bundesrat auch schon früher, namentlich betreffs der Warenstatistik eingeräumt.
Abg. Frhr. v. H e r t l i n g erklärt, daß seine Freunde der Vorlage sympathisch gegenüberstehen. Er wünscht indes, daß der Begriff Bern sstatistik auch in der Vorlage festgestellt werde. Auch ihm erscheint die kommissarische Beratung durchaus erforderlich, da die Befugnisse und Aufgaben des Gesetzes nach verschiedenen Richtungen präzisiert werden
„Mit wem habe ich die Ehre?" erwiederte er.
„DaS thut nichts zur Sache."
„Nun denn, so fragen Sie."
„Ich wünsche zu wissen, in welchen Beziehungen Sie Fräulein Constanzi stehen."
Pietro lächelte ironisch.
„Ich könnte Ihnen darauf dieselbe ausweichende Antwort geben," sagte er, „ich könnte Sie fragen, was Sie ju dieser Frage berechtigt?"
„Ja, das könnten Sie, aber ich würde Ihnen auf diese »rage wahrscheinlich keine Antwort geben."
sich eine Weile fest an, wie wenn der eine in den Mienen beä anbern lesen wollte, ob er ihm auch vertrauen bfirfe.
„Wenn es Ihnen genehm ist, trinken wir, um biefe Stintbe zu feiern, ein Glas Wein mit einander," sagte -ßietro und Lorenz Hartmann pflichtete sofort diesem Vorschläge bei.
Arm in Arm wanderten sie weiter; Pietro wollte seinen Freund in eine ihm bekannte Weinschenke führen, die er nicht genug loben konnte.
»Ich kenne das Haus nicht," sagte Hartmann, „und ich glaube, wir thun besser, wenn wir in den Klub gehen; wir finden da schon ein gemütliches Plätzchen, wo wir ungestört plaudern können."
"Dieser Klub ist eine geschlossene Gesellschaft?« fragte Pietro. „Ich liebe die geschlossenen Gesellschaften nicht, man ist da beschränkt, an Verhältniffe gebunden —"
„Der Fremde nicht."
"Urlauben Sie, der Fremde kann sich nach meiner Ansicht in diesen Kreisen nicht heimisch fühlen."
„Nun, wie Sie wollen," sagte Hartmann, ich füge mich Ihrem Wunsche." 1 H
Pietro schien das ganz in bet Ordnung zu finden, er protestierte nicht einmal gegen diese Opferwilligkeit.
„Sie werden sich in der Schenke gewiß heimisch fühlen," sagte er, und Hartmann fand nichts auffallendes darin, daß der junge Mann, der nach seinem eigenen Geständnis erst am Mittag dieses Tages in der Residenz angekommen war, schon so genaue Lokalkenntnisse hatte.
Und in der That mußte er gestehen, daß es ein recht vertrauliches Stübchen war, in welches Pietro ihn führte.
(Fortsetzung folgt.)
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müßten. Das Zentrum hofft, daß das Ergebnis der statistischen Aufnahmen überhaupt darüber Aufschluß geben werde, wo ein direktes Eingreifen des Staats erforderlich, uno wo man die Einzelnen resp. Korporationen sich selbst überlassen könne.
Abg. Dr. Hirsch führt aus, daß mit der Vorlage nur eine alte Forderung der Fortschrittspartei erfüllt werde; sie stände also derselben sicherlich nicht feindlich gegenüber. Dagegen spricht er sich mit Entschiedenheit gegen die Strafbestimmungen des § 4 aus. Der Vergleich mit der Warenstatistik treffe nicht zu, weil es sich dabei um eine Defraudation von Reichssteuer gehandelt. Auch gegen die vorgeschlagene Verteilung der Aufnahmearbeiten hat er Bedenken; das Nähere behält er indes der Kommissionsberatung vor.. Die Fortschrittspartei sei im übrigen überzeugt, daß eine zuverlässige Statistik am besten geeignet sei, die unklaren sozialen Reformpläne als unerfüllbar erscheinen zu lasten.
Staatssekretär des Innern v. Bötticher Protestiert, auf eine Bemerkung des letzten Vorredners bezugnehmend, dagegen, daß bie Reichsregierung in voriger Session erklärt haben soll, baß ihr bas jetzt geforderte statistische Material damals schon vorgelegen habe. Demnächst weist er das Bedenken zurück, daß die Berufsstatistik dazu benutzt werden möchte, in die individuellen Verhältnisse allzusehr einzugreifen, und daß dieselbe zur Grundlage bet Besteuerung gemacht werben könnte. Der Herr Staatssekretär teilt zugleich bas vom statistischen Amt bes Reichs vorgeschlagene Aufnahmeformular mit. Die Strafbestimmungen des § 4 seien durchaus gerechtfertigt; die Analogie mit der Strafbestimmung bei bet statistischen Gebühr treffe vollstänbig zu, ba es sich auch hierbei um keine Steuer handele. Außerdem wären auch in anderen Ländern solche Strafbestimmungen bei statistischen Aufnahmen in Aussicht genommen. Gesetzliche Strafbestimmungen seien immerhin zweckmäßiger, als bie Anspruchnahme polizeilicher Hülfsmittel. Das verlesene Formular enthält namentlich folgenbe Punkte: Taufnamen, Familiennamen, Verwandtschaft oder Stellung zum Haushaltvorstand, Geschlecht, Alter, Familienstand, Religion, Beruf (genaue Bezeichnung des Hauptberufszweigs), Stellung un Hauptberuf (geschäftliches, Arbeits- ober Dienstverhält- nt«), vormaliger Beruf, bei Witwen Hauptberuf bes (letzten) Mannes. v '
Abg. Frhr. v. Ow (Freudenstabt) bedauert, daß mit der Volkszählung von 1880 nicht gleichzeitig eine allgemeine B:rufsstatistik verbunden gewesen sei. Die fortwährenden statistischen Aufnahmen erregten die Unzufriedenheit der Bevölkerung, welche von der Opposition ausgebeutet würde. Im 8 4 würde die Straffestsetzung bis 30 Mark (statt 100 Mark) auSreichen. Wenn die qu. Statistik den von ihr erwarteten Zweck erreichen solle, würden die mitgeteilten Punkte nicht genügen.
„Gut, dann werde ich auch nicht antworten," sagte der junge Herr.
«Wenn Sie es nicht thun, dann —"
„Dann?" fragte Pietro, als Hartmann stockte.
„Dann, mein Herr, werfen Sie einen Flecken auf bie Ehre der Dame," sagte Hartmann mit sehr scharfer Betonung.
E „Das ist meine Ansicht nichts"
«Nun wohl, bann antworten Sie mir frei unb offen." „Die Dame ist meine Schwester!"
Lorenz Hartmann athmete auf, wie wenn ihm eine schwere Last von bet Seele genommen wäre.
«Ist bas wirklich bie Wahrheit?" fragte er.
„Wenn Sic mir keinen Glauben schenken wollen, dann ist es Ihnen ja ganz unbenommen, bie Dame selbst zu fragen." 0
Der Blick Hartmanns ruhte fors: enb auf bem hübschen intelligenten Gesicht bes jungen Mannes.
„Sie wären bet Bruber Esmeralbas?" sagte er gedankenvoll. „Ich habe Sie gestern unb heule nicht gesehen —"
„Ich bin erst heute Mittag von einer Reise wieder zurückgekehrt."
„Und Sie werden nun hier bleiben?"
Ja, so lange meine Schwester hier weilen wird."
Lorenz Hartmann reichte ihm die Hand.
„Lasten Sie unS Freundschaft schließen", sagte er, „ich biete Ihnen die meinige an und werde mich, glücklich schätzen, wenn Sie dieselbe annehmen."
„Und wenn ich Ihnen meine Freundschaft dafür anbieten darf —"
„Sie erzeigen mir dadurch eine große Ehre."
Die Heiden schüttelten einander die Hände und blickttn
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. 3)1. ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertaaen Breis für das nimrfnf m ^„“777-------------——---- ---------—
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