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JRarBura, Sonntag, 4. Dezember 1881.

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endlich die Geduld, wenn er immer dieselben Reden höre. Abg. Richter (Hagen): Der Abg. Frhr. v. Minnigerode wäre ja so nahe an der Thüre, daß er ja hinau«gehm könne. Nach Schluß der Debatte bemerkte dann Abg. Frhr. v. Minnigerode persönlich: er erwarte von dem An­standsgefühl des Abg. Richter, daß ihm schon jetzt die Aeußerung leid thue, die er gebrauchte. Abg. Richter ent­gegnete, daß das erst der Fall sein könne, wenn auch der Abg. Frhr. v. Minnigerode seine erste Aeußerung bereue.

Zum Titel Reichs-Schulkommission erwidert auf die Ausführungen der Abgg. Schott und Reichensperger (Crefeld) Staatssekretär des Innern v. Bötticher, daß es nicht Aufgabe der Reichs-Schulkommission sei, die Vor­schriften für diejenigen Anstalten zu normieren, welche die Berechtigung zum einjährigen Militärdienste gewähren.

Beim Statistischen Amt begründet Abg. v. Göler den Wunsch um Ergänzung der Statistik durch Feststellung der wirtschaftlichen Lage des deutsches Bauernstandes. Abg, Dr. Hirsch bezeichnet bei aller Anerkennung der Leistungen des kaiserliche» statistischen Büreaus verschiedene Lücken in unserer Statistik. Freiherr von Ow (Freudenstadt) richtet an die Regierung die Bitte, auf eine Statistik der aus­ländischen Wertpapiere, bei welchen deutsches Kapital an­gelegt ist, gelegentlich der Abstempelung der Papiere bedacht zu sein. Staatssekretär des Innern von Bötticher entgeg­net, daß den Wünschen des Abg. Hirsch nach Möglichkeit Rechnung getragen werden solle. Abg. Dr. Perrot betont die Notwendigkeit einer genauen Sta istik über das Aktien- wescn, Abg. Sonnemann weist darauf hin, daß der An­trag des Abg. Freihcrrn von Ow zu spät komme. Abge­sehen davon wäre eine sichere Statistik auf diesem Wege, wie auch schon der Staatssekretär bemerkt hatte, nicht zu erieichen, weil viele ausländische Kapitalisten deutsche Pa­piere abstempeln ließen, umgekehrt deutsche Besitzer nicht. Abg. Windthorst weist dar mf hin, daß die mit der Sta­tistik verbundene Publizistik für viele Private auch ihre Bedenken habe. Abg. Kochhann (Landsberg) betont die Notwendigkeit einer Statistik des in ausländischen Papieren angelegten deutschen Kapitals, das, obwohl erst in den letzten 20 Jahren erworben auf 2000 Mill, zu schätzen sei, ein Beweis, daß die wirtschaftliche Lage nicht so schlecht sei, wie wohl behauptet. Die Erntestatistik sei am besten überhaupt erst nach der Ernte aufzunehmen, dann aber des Aeußersten zu beschleunigen. Regierungs-Kommissar Geh.« Rat Weymann erwidert, daß der Termin für die Aufnahme der Erntestatitik von den Bundesregierungen bestimmt werde. Nach kurzer Entgegnung des Abg. Kochhann wird dieser Gegenstand verlassen und der Etat des statistischen Amts bewilligt, ebenso ohne Diskussion der der Normal-Mchungs- Kommission mit 82 303 M.

Beim Gesundheitsamte, 124 950 Mark, fragt Ab­geordneter Buhl, ob die Regierung seinem früheren

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, iotDie d.Annoncen-Buteaux erüDtpfrtA ii. ßn. in

Deutscher Reichstag.

Berlin, den 2. Dezember.

Der Reichstag setzte in seiner heutigen (8.) Plenar- schung nach Erledigung einer geschäftlichen Angelegenheit bie EtatSberatung beim Etat des ReichSamts des In­nern fort.

Bei der Position für Uebcrwachung des AuswanderungS- wescns (18000 M.) richtete Abg. Lingens, wie früher wiederholt die Aufmerksamkeit des Hauses und der Reichs­regierung auf die überaus große Zunahme der Auswan­wanderer, sowie die notwendige Fürsorge für die Interessen beutschcr Auswanderer. Besonders fordert er die Unter­stützung des für die katholischen Auswanderer segensreich wirkenden Raphaelvereins, dessen Vertrauensmännern, im Gegensätze zu den Rhedereien anderer Häfen, deren Ver­halten nur Anerkennung verdiene, in Antwerpen kein Ent­gegenkommen bewiesen worden, devUnterstützung der Reichs- Negierung. Die Gründe für die Auswanderung seien die alten: soziale und wirtschaftliche Not und illusorische Hoffnungen von der transoceanischen Zukunft. Als eine Hauptursache aber trete der unselige Kulturkampf hinzu, dessen endliche Beseitigung auch von diesem Gesichtspunkte ms dringend geboten erscheine.

Staatssekretär des Innern v. Bötticher erwidert auf die bezügliche Anfrage des Vorredners, daß die Vorlegung des Auswanderungsgesetzes, dessen Bearbeitung im Flusse, wohl für das Frühjahr in Aussicht zu nehmen sei. Bei der Zunahme der Auswan? crung werde doch nicht wohl gewürdigt, daß dieselbe nicht blos in Deutschland zunehme, sondern daß auch die nichtdeutsche Auswanderung wesent­lich im Steigen begriffen sei. In der Fürsorge für die Interessen der Auswanderer, die an sich gewiß sehr rühm­lich fei, könnte übrigens auch ein Anreiz zur Auswanderung gesunden werden. Jedenfalls sei cs die Aufgabe des Staats, seine Angehörigen zusammenzuhalten; die humanitären Be­strebungen für die Auswanderer aber müsse er Privaten überlassen.

Abg. Dr. R ö e konstatiert, daß cS in Hamburg keinen Kulturkampf gebe, dieser also auch die Auswanderung nicht veranlassen könne.

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Spott und Hohn?" wiederholte Constanze auffahrend. Bin ich nicht seine Gattin? Hat er mir nicht vor dem ganzen Stamm Treue geschworen und mich von Perez zum Weibe begehrt?"

Er meinte, bei uns komme das ja oft vor und ein Zigeunermädchen wisse sich über den Verlust ihrer Ehre zu trösten."

Das sagte er, mit denselben Worten?"

Ja, und um das Maß voll zu machen, bot er mir Geld an. Geld sollte Dich entschädigen für den Verlust der teuersten Güter, Geld bot er Dir für Liebe!"

Ein leiser Schrei entrang sich den Lippen des jungen Mädchens, und jäh blitzte die Glut des Zornes in ihren Augen auf.

Geld für Liebe!" sagte sie mit bebender Stimme.Er ist nicht würdig der Liebe eines Menschenherzenö, wie war es nur möglich, daß er in meinem Herzen die Liebe wecken konnte? Geld für Liebe! Schmach und Schande komme über ihn, daß er so ehrvergessen handeln konnte."

Er soll es bereuen," erwiederte die Alte dumpf.

Was willst Du thun?"

Noch weiß ich es nicht, aber eine Rache will ich nehmen"

Ueberlaß ihn seinem eigenenAGewissen?" fiel Con­stanze ihr ins Wort.ES wird einst doch erwachen und ihm Folterqualen bereiten. Ist denn gar keine Hoffnung, daß er sein Wort erfüllen wird?"

Nein, Constanze!"

Wenn er mich wiedersähe, vielleicht könnte er meinen Bitten und Vorwürfen nicht widerstehen!"

(Fortsetzung folgt.)

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Das verschwundene Kind.

Roman von Ewald 2t u g u ft König.

(Fortsetzung.)

Und was soll ich Constanze sagen?" fragte das Weib.

Lorenz wandte sich wieder M, er hatte sich schon einige Schritte entfernt.

Was Ihr mir gesagt habt," antwortete er.Ich solle sie nie Wiedersehen. Ich denke, das wird ihr vollständig genügen, wie cs mir genügt, sie verlangt ja auch die Trennung!"

Die alte Frau schwieg, Lorenz entfernte sich mit raschen Schritten.

Im Osten dämmerte der Tag, als das Weib ebenfalls aufbrach und in den Wald hineinging.

Ein verächtlicher Zug umgab ihre schmalen Lippen, Verachtung und glühender Haß spiegelten sich in ihrem welken Gesicht.

Langsam schritt sie durch den Wald, von Zeit zu Zeit blieb sie stehen, um zu horchen, sie kannte die Gefahren, die sie umringten.

Es war eine weite Wanderung, die alte Frau fühlte keine Ermüdung, sie schritt rüstig auf das Ziel ihrer Wan­derung zu.

Dieses Ziel lag an der anderen Seite des Waldes, es war ein kleines, halb verfallenes Haus, eine ärmliche Schänke, in die selten ein Gast einkehrte.

Der Besitzer dieses Hauses war früher selbst Mitglied einer Zigeunerbande gewesen, er hatte sich vor vielen Jahren hier niedergelassen und bei seinen bescheidenen Ansprüchen sein Auskommen gefunden.

Bei ihm fanden die vorbeiziehenden Zigeuner stets ein

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Bremen.

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von allen Post - Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

Abg. Meier (Bremen) betont, daß der Hauptgrund für die Auswanderung lediglich die große Blüte in den Vereinigten Staaten und das leichte Fortkommen derjenigen Leute sei, die arbeiten wollen. Kulturkampf einerseits und Verteuerung der Lebensmittel andererseits könnten höchstens in einzelnen Ausnahmen dabei von Einwirkung sein. Ein Auswanderungsgesetz hält auch dieser Redner für durchaus nötig. Die Auswanderung fei an sich gewiß zu bedauern; indeß entstehe doch die Frage, wie sich in Deutschland bei. seinem großen Bevölkerungsüberschuß die Verhältnisse ge­stalten würden, wenn die freie Auswanderung beschränkt würde.

Abg. Dr. K a p p spricht sich in Uebereinstimmung mit dem Abg. Lingens sehr anerkennend für die deutschen Aus- mandcrungshäsen aus, und fordert auch den Schutz des Reiches für die über Antwerpen auswanderndcn Deutschen. In den sehr verschiedenartigen Gründen für die Auswan­derung weicht er indes van der Ansicht des Abg. Lingens durchaus ab. Schon Seneca habe die Gründe der Aus­wanderung erörtert; dieselben seien also sehr alt. Im allge­meinen werde man das Volk am besten dadurch im Lande zurückhalten, daß man demselben den freiesten Spielraum gewähre und ihm das Leben angenehm mache. In Amerika finde der Auswanderer alte Kultur, ein gutes Schulsystem, teure Arbeit, billiges Land und freie Bewegung. Der neue Gesetzentwurf dürie nicht von dem Geiste des Polizeistaats, sondern von humanen und ethischen Rücksichten selbst für diejenigen getragen fein, die dem Vaterland den Rücken kehren. Dadurch würden auch nicht bloß materielle Vor­teile, sondern namentlich moralische Eroberungen gemacht. Abg. Marcard stimmt dem Abg. Lingens darin bei, daß ein wesentlicher Grund der Auswanderung im Kulturkämpfe zu erkennen sei, während Abg. Schwarz (Württemberg) ihn auf die Tendenz der wirtschaftlichen Gesetzgebung zurück­führt. Abg. Frohme glaubt einen Hauptgrund der Aus- wanderuug in dem Sozialistengesetz zu finden; das nationale Rechtsbewußtscin sei durch den Kulturkampf und das Sozia­listengesetz gleich sehr erschüttert. Abg. Leuschncr (Eisleben) wies darauf hin, daß die Zölle in Amerika höher seien, als bei uns. Abg. Lingens widerlegt die ihm gemachten Einwendungen. Abg. Dr. Hirsch erkennt eine wesentliche Veranlassung der Auswanderung, abgesehen von Zöllen auf nötige Lebensrnittel, in der Erhöhung der Tabakssteuer (Widerspruch) Abg. Frhr. v. Minuigerode hebt hervor, gaß die Answanderungsziffern gegenwärtig höher erscheinen, als sie absolut sind, da die Auswandrung seit einer Reihe von Jahren abgencmmen habe. Abg. Leuschncr bestreitet, daß der Getreidezoll ein Motiv der Auswanderung sei. Abg. Richter (Hagen) meint, daß vielerlei Gründe zu­sammenwirkten, welche auch dem geduldigsten Deutschen den Aufenthalt verleiden müßten. Darauf entgegnet Abg. Frhr. v. Minnigerode: Auch dem geduldigsten Abgeordneten reiße

Obdach und einen Imbiß, er erinnerte sich gern seiner Vergangenheit, und eben deshalb war es ihm lieb, wenn Gäste kamen, mit denen er sich über die alten Zeiten und das damalige freie Leben seiner Stammesgen offen unter­halten konnte.

Die alte Frau und Constanze hatten bei ihm Aufnahme und ein sicheres Versteck gefunden, in feinem Haufe waren sie vor den Verfolgungen der Polizei geschützt. In einem cngcn, niedrigen Zimmer, welches dicht unter dem Dach dieser Hütte lag, erwartete Constanze die Rückkehr der alten Frau.

Den Kopf auf den Arm gestützt, saß sic an dem kleinen Tische, ihr flammender Blick heftete sich auf das verzerrte Gesicht der Eintretenden.

Er ist nicht gekommen!" sagte sie tief aufseufzend.

Doch, er ist gekommen!" erwiderte die Alte mit hei­serer Stimme,aber es wäre mir lieber, ich hätte ihn nicht gesehen."

Er will seinen Schwur nicht erfüllen?"

Nein."

Hast Du ihn an sein Versprechen, seinen Eid nicht erinnert?"

Ich habe vergeblich versucht, die Stimme seines Ge­wissens zu wecken. Er ist reich geworden, und reiche Leute haben ein Herz von Stein."

Das braune Mädchen zuckte zusammen, als ob eine Schlange sie gebissen habe.

HFt Du ihm nicht gesagt, daß ick ohne ihn nicht leben könne?" sagte sie.Sagtest Du ihm nicht, daß er mir die Ehre zurückgeben müßte?"

WaS half es," entgegnete die Alte.Spott und Hohn war feine Antwort."

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