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JRarßurg, Freitag, 2. Dezember 1881.

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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v Th- Dietrich u. Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; tzaasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig. Köln rc-; Rudolf Möge in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

AnheUchr jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung vaselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilaae naür»H«

Buchdruckerei) bezogen 3/+ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Ws.(ejct.Lltene S?

Für tn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet. ' 9 ,P ä 10

B6F* Für den Monat Dezember werden Be­stellungen auf die

Oberhessische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt

von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, den 30. November.

'Zu der heutigen (6.) Plenarsitzung war der Reichs­kanzler Fürst v. Bismarck schon vor der Eröffnung im Saale anwesend. An Stelle des ausgeschiedenen Abg. Graf v. Kleist wurde durch Akklamation der Abg. Wichmann zum Schriftführer gewählt. Die Denkschrift über die Ausführung der Anleihegesetze wurde ohne Debatte erledigt.

Es folgte die Fortsetzung der zweiten Etatsberatung, und zwar zunächst die des Auswärtigen Amts. Abg. Dr. Virchow richtet an den Reichskanzler die Bitte, über die derzeitigen Beziehungen zu Rom möglichst Auskunft zu geben. Im Interesse des Landes sei volle Klarheit not­wendig.

Reichskanzler Fürst v. B i s m a r ck entgegnet, daß Ver­handlungen des Reiches mit Rom nicht stattfänden. Die konfessionellen Fragen gehörten nicht zu den im Art. 4 der Reichsvcrfasfung dem Reiche zugewiesenen Punkten. Es handle sich vielmehr um eine Angelegenheit Preußens, resp. noch anderer Bundesstaaten. Darüber aber hier Auskunft zu geben, wie die Verhandlungen mit Preußen ständen, halte er weder für wünschenswert noch nützlich. Im preu­ßischen Landtage würde er bereit sein, auf eine bezügliche Anfrage Auskunft zu geben. Inzwischen könne er mitteilen, daß im Interesse der katholischen Unterthanen in das nächste preußische Budget eine Position eingesetzt würde, welche für eine preußische Gesandtschaft in Rom bestimmt sei, um mit dem Papste wegen vielfacher persönlicher, lokaler und prin­zipieller Fragen in direkte Beziehung zu treten. Die frühere Aushebung der Gesandtschaft habe mit dem Kulturkampf keinen logischen Zusammenhang gehabt. Das Motiv der Verstimmung, aus welchem sie hervorgegangen, existiere heute nicht mehr. Wenn er heute eine preußische Ge­sandtschaft und keine deutsche für indiziert halte, so erfordere das allein die Logik der Thatsachen, nicht das Prinzip; dabei sei indes keineswegs ausgeschlossen, daß eine Gesamt­vertretung der katholischen Unterthanen mit Zustimmung der Bundesstaaten erstrebt werde. Im übrigen hoffe er, daß wir bei voller Aufrechterhaltung der Selbständigkeit

des Staats wieder zu einem erträglichen modus vivendi mit Rom gelangen werden.

Abg. Dr. Windthorst führte auö, daß, weiM die Verbindung wieder angeknüpft werden sollte, sie am besten da ausgenommen werde, wo sie abgebrochen worden ist, bei der Gesandtschaft. Er freue sich, daß die Absicht bestehe, die Verhältnisse der katholischen Staatsangehörigen wieder zu regeln. Wie der Abg. Virchow in diesem Bestreben etwas Bedenkliches finden könne, sei ihm unerfindlich. Das sei aber die Toleranz der Fortschrittspartei! Wollten die Herren (nach links) das Deutsche Reich fest begründen, so müßten sie den Kulturkampf beseitigen.

Abg. Dr. Virchow führt aus, daß die Freiheit, welche der Vorredner meine, mehr eine hierarchische, als eine religiöse sei; und das dürfte die Fortschrittspartei nicht ruhig mit ansehen. Die Fortschrittspartei habe früher den Reichskanzler unterstützt, weil sie geglaubt, er werde kon­sequenter sein und weiter gehen, als er schließlich gegangen; die weitere Auskunft müsse er allerdings dem preußischen Landtage Vorbehalten; sympathisch könnten ihm die Zustände jedenfalls nicht erscheinen.

Reichskanzler Fürst v. Bismarck giebt dem Vor­redner darin vollständig recht, daß es sich in dem Streit mit Rom wesentlich um politische Machtfragen handle, lieber konfessionelle Fragen würde er überhaupt solchen Kampf nicht geführt haben. Man werfe ihm aber auch hier wieder Inkonsequenz vor. Indes halte er dafür, daß der Kampf keine dauernde Institution sei, und daß man nicht weiter fechten dürfe, bloß um zu fechten. Wenn er vor die Entscheidung gestellt, zwischen der Annäherung an das Zentrum und die Fortschrittspartei zu wählen, so müsse er nach der politischen Lage als Staatsmann sich pflicht- mäßig für die erstere Alternative entscheiden. Diese Ent­scheidung berge jedenfalls wenn es überhaupt eins sei das kleinere Nebel. Denn staatsmännisch müßte das Zentrum als weniger gefährlich erachtet werden.

Abg. Dr. Reichensperger (Crefeld) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Virchow. Es gebe freilich Männer der Wissenschaft, welche mit Stolz darauf Hinweisen, daß sie mit den altertümlichen Auffasiungen des Glaubens gebrochen haben und das Gewissen nur für eine physische Konfusion" ausgeben. Man bemühe sich, das Christentum abzuthun. Man sollte sich doch hüten, im Kulturkämpfe" so weit zu gehen, wie heute wieder der Abg. Virchow gethan.

Abg. Dr. Hänel konstatiert, daß nach der Erklärung des Herrn Reichskanzlers, der ein Eingehen auf die mate-- rielle Seite der Frage hier abgelehnt habe, die Debatte eigentlich ohne Zielpunkte sei. Den Kampf um des Kampfes willen wolle auch die Fortschrittspartei nicht; daß der Reichskanzler die Annäherung an das Zentrum vorziehe, fei eine That ache, die seil Jahr und Tag schon bekannt.

Im übrigen wendete er sich des Näheren gegen die Aus­führungen des letzten Vorredners.

Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck konstatiert, daß er sich in den Beziehungen zur Fortschrittspartei nie­mals geändert habe, da dieselbe sich stets zu ihm im Gegen­sätze befunden habe. Der Reichskanzler ging dann auf die Gründe der Umgestaltung seiner früheren Beziehungen zu den anderen Parteien ein. DieMajorität* als solche werde er nie anbeten. Im übrigen wiederholt er seine Forderung, die Verhandlungen sachlich zu führen und ihn nicht immer alsKugelfang" anzusehen.

Abg. v. K l e i st - R e tz 0 w betont, daß die Führer der Fortschrittspartei eine unsachliche Debatte anregen; er wolle sie dafür festnageln, wie man gewisse Tiere an die Scheu- nenthüren annagele. (Heiterkeit rechts und im Zentrum; links Unwillen, Rufe zur Ordnung! Der Präsident rügt den Ausdruck und ruft den Redner zur Ordnung.) Letzterer erklärt, daß er jenen Ausdruck rein bildlich gebraucht habe. Die Fortschrittspartei habe von jeher dem posi­tiven Christentum feindlich gegenüber gestanden. Dem Reichs­kanzler sei die Zivilehe wider seinen Willen von den Frak­tionen aufgedrängt. Die Konservativen würden mit Be­friedigung im Verein mit Dem Zentrum für die geistigen Güter der Nation wieder thätig fein. Die Konservativen glaubten an die gedeihliche Zukunft der deutschen Nation und würden, wenn sie die nötige Unterstützung von anderer Seite finden, auch den Sieg erringen.

Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck entgegnet zur faktischen Berichtigung, daß ihm die Zivilehe nicht durch die Fraktionen aufgedrängt sei. Er sei vielmehr dazu, während er krank gewesen, gedrängt durch die Erklärung seiner Kollegen im preußischen Staatsministerium, welche, im Falle er seine Unterschrift verweigere, ihre Entlastung in Aussicht gestellt hatten. Er hätte aber diese Eventualität damals geglaubt vermeiden zu müssen.

Abg. Dr. Virchow erwidert, der Reichskanzler habe allerdings niemals ein JntimitätsverhältniS mit der Fort­schrittspartei gehabt; er hätte indes bei seiner stüherrn Politik sehr oft die Unterstützung der Fortschrittspartei gern angenommen. Der Reichskanzler trage die Verantwortlich­keit auch für solche Regierungsmaßregeln, die er nur mit Widerstreben gebilligt. UebrigenS sei eS ein Irrtum, zu glauben, daß das deutsche Volk in seiner Majorität ein konservativ-klerikales Bündnis gutheißen werde!

Abg. Freiherr v. Minnigerode: Nicht durch Schuld der Konservativen werde schon 2 Stunden debat­tiert über Dinge, die der Abg. Virchow hineingetragen. Seine Partei schrecke nicht vor dem Ausdrucke Bündnis mit dem Zentrum zurück; die Fortschrittspartei habe aber gewiß keinen Grund, über Bündnisse zu reden, sie sollte nur an das ihrige mit der Volkspartei denken. Wenn die Fortschrittspartei von Toleranz rede, so meine sie damit

Das verschwundene Kind.

Roman von Ewald August K ö n ig.

(Fortsetzung.)

Ueber die Wiese schritt eine andere Gestalt dem Walde zu, sie blieb in der Nähe der Eichen stehen.

Bist Du's?" fragte das Weib, die Augen fest auf den Angekommenen geheftet.

Ich bin's", erwiderte Lorenz,aber glaubt nicht, daß Euere Drohungen mich eingeschüchtert haben."

Pah, wenn Du mich nicht fürchtetst, wärst Du nicht gekommen."

Ich sollte Euch fürchten? Ihr dürft ja nicht wagen, Euch sehen zu lassen, die Polizei verfolgt Euch und wenn sie Euch findet, dann macht sie kurzen Prozeß mich Euch!"

Und wem haben wir das Alles zu danken?" fragte das Weib mit scharfer Betonung.Deiner Niederträch­tigkeit, Deiner Lüge und dem Leichtsinn, mit dem wir Dir vertrauten. Damals, als Du nuferen Spuren folgtest und nicht abließest von unserer lieblichen Constanze, bis sie Dein Weib wurde vor Gott und den Menschen, damals flosten die Worte wie Honig von Deiner glatten Zunge, und wenn auch Einzelne unseres Stammes Dir nicht trauten, so hattest Du doch die Mehrzahl für Dich und Du wurdest in den Bund ausgenommen."

Was soll das Alles?" fragte Lorenz ungeduldig.

Ich erinnere Dich daran, um Dir zu beweisen, wie undankbar Du gewesen bist und welche schwere Schuld Du auf Dich geladen hast. Constanze und Perez zweifelten längst an Dir, aber ich vertraute Dir noch immer. Wehe Air, daß ich es that!"

Schwatzt keinen Unsinn!".

Ich weiß, was ich sage, meine Worte sind wohl über­legt, Du verlangtest von mir den Raub des Kindes"

Was kümmert es Dich?" fiel Lorenz ihr hastig in's Wort. Was kümmert eS Dich?"

Ich will das Kind"

Morden möchtest Du es auch, wie Du seine Eltern gemordet hast!"

Weib!" fuhr Lorenz auf.

Die Alte hatte sich erhoben, drohend stand sie dem jungen Mann gegenüber.

Zurück!" sagte sie warnend.Vor dem Mörder sehe ich mich vor! Damals sagtest Du mir, eS handle sich nur um das Kind, und ich glaubte Dir, ich ließ das Kind holen und schickte Dir die Briefe , die Du haben wolltest. ES war ein Bubenstück, aber ich ahnte es nicht, ich war ein willenloses Werkzeug in Deiner Hand. Und was thatest Du? Auf uns wälztest Du die Schuld, auf uns hetztest Du die Polizei, die uns auseinandertrieb und nirgend Ruhe gönnte. Viele von uns sind den Strapazen erlegen, man hat auf uns gefchosten, wie auf wilde Thiere und manchen der unfrigen verwundet, man hat uns gezwun­gen, das Meer zwischen uns und unsere Verfolger zu legen."

Weshalb seid Ihr zurückgeblieben?" höhnte Lorenz.

Um Dich zu beobachten."

Ah dazu seid Ihr geschaffen, im Spioniren habt Ihr stet« viel geleistet. Aber ich rate Euch gut, macht, daß Ihr ebenfalls das Meer zwischen Euch und Eure Verfolger legt, die Polizei hat ihr besonderes Augenmerk auf die alten Zigeunerweiber gerichtet. Und Ihr seid ein solches Prachtexemplar, dem man die Hexe schon auf eine Stunde weit ansieht, deshalb hütet Euch vor der Polizei."

Und das sagst Du mir?"

Weshalb nicht?"

Elender! Und wenn nun die Polizei mich verhaftete, weist Du, was ich ihr dann sagen würde? Ich würde ihr berichten, was ich vor einigen Abenden hier gesehen habe"

Ihr? rief Lorenz bestürzt;daß Euch der Teufel hole l" Nicht wahr, das habt Ihr nicht geahnt? Ah, Ihr seid ein Teufel in Menfchengestalt, ein feiger grausamer Mörder, weshalb solltet Ihr noch vor einem Meineid zurückschrecken? Ihr habt Euer Ziel erreicht, Ihr seid ein reicher Mann geworden, aber wenn daS Gericht wüßte, wodurch Ihr es geworden, dann würdet Ihr auf dem Schaffst enden."

So geht hin und sagt es den Beamten," spottete Lorenz,wir wollen dann sehen, welches Zeugnis mehr gilt, das Euere oder das Meinige. Geht und beschwört, Ihr hättet es gesehen, ich bezweifle sehr, daß sie Euch glauben werden."

Ja, Du hast die Stirne, frech zu leugnen," sagte daS Weib, aber wenn ich wollte, würde Dein Leugnen Dich nicht retten."

Weshalb wollt Ihr es nicht?"

Weil ich es nicht will," entgegnete die Alte scharf, das mag Dir genügen. Wir waren zu dumm, wir glaubten Dir einen Gefallen zu erzeigen und bemerkten zu spät, daß wir in eine Falle gegangen waren, die Du uns gestellt hattest. In dieser Falle sollten wir verderben und Du hast es fertig gebracht, diß unser Stamm zersprengt und vertrieben wurde. Du stehst uns mächttg gegmüber, auf Deiner Seite ist die Macht und der Schein de» Rechtes, und die Macht, die hinter Dir steht, muß un» erdrücken."

Gut, wenn Ihr das einseht." (Fortsetzung folgt.)