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Mr 279.

Marburg, Dienstag, 29. November 1881

XVI. ZahlM»

«n,eigen nimmt entgegen: kj- Expedition d. Blattes, löwied.i'lnnoncen-Bureaux 1 jb. Dietrich u. Co. in g'affel und Hannover; Th. Nrich in Frankfurt a.M.; gaasenstei" u. Vogler ,n 4rantsurt a. 11)1., Berlin, Azig. Mn ---; Rudolf Moffe 'n Berlin, Frank- *1,1 furt a. M. rc.

(Olii'iljil'Mir jritmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hei mansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntaaSblatt" durch die Expedition (Koch'schr Luchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. fexcl- Bestellgebühr.) Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Illustriertes Sonntagsblatt

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Zur Lage in Frankreich.

Die Nachricht des Gambettaschen BlattesParis", daß Gras Herbert "Bismarck nach London geschickt worden sei, um England von der Seite Frankreichs abzuziehen durch Versprechungen bezüglich her englischen Politik in Egypten, wird von demParis" aufrecht erhalten. Man glaubt, daß diese Mitteilungen des Blattes den Zweck hätten, das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland zu stören. Wie gestern bereits aus London berichtet wurde, hat dort der deutsche Botschafter, Graf Münster, mit dem fran­zösischen eine Unterredung gehabt und würde sich der letz­tere in einigen Tagen nach Paris begeben. Ob diese Nachrichten wohl mit einander Zusammenhängen? Daß Gambetta sich mit seiner Aktion blos auf die innere Politik beschränken werde, wie er General Chanzy gegenüber ge­sagt haben soll, wird wohl wenig geglaubt werden. Ver­gebens hat Gambetta nicht daö auswärtige Ministerium in die Hand genommen. Schon diese Thatsache beutt darauf hin, daß er auf diesem Gebiete seine eigentliche Politik machen will. Die innere Politik wird er verwen­den, um die nötige Stimmung im Volke für sich zu machen. Die französischen Botschafter würden schwerlich hre Entlassung eingereicht haben, wenn sie nicht die Ueber- zeugung hätten, daß jetzt eine andere auswärtige Politik gemacht werden würde, als die bisherige. Gambetta sucht alles, was noch einen eigenen Willen hat, zu unterdrücken. Seit Gambetta am Ruder ist, wird derKöln. Ztg." aus Paris geschrieben wagt kein politischer Mann, der nicht zur radikalen Opposition gehört, sich offen vernehmen zu lassen." In der Versammlung der republikanischen Mehrheit am 23. d. M. kam es zu keiner Bildung einer Gruppe, weil Gambetta cs Hintertreiben ließ, da er be­fürchtete, daß zum Präsidenten derselben ein Mann von eigenem Willen ernannt werden könne, welcher im stände wäre, der gesinnungslosen Mehrheit Weisungen zu er­teilen. DerTelegraph" erzählt,, anknüpfend an die Ernennung des Generals von Miribcl zum Chef des Generalstabes, folgende charakteristische Geschichte. Darnach hätte Gambetta vor einigen Monaten, als Miribel zum Tivisionsgeneral befördert werden sollte, diesem milteilcn

Das verschwundene Kind.

Roman von Ewald 3t u g u ft K ön ig.

(Fortsetzung.)

Auch zeugte die Lage der Leiche gegen den Selbstmord und bei genauer Nachforschung fand man jetzt hinter einem Baume die Fußfpurcn eines Menschen. Dieser Baum war kaum zehn Schritt von der Leiche entfernt, hinter ihm mußte der Mörder gestanden haben, und da die Spuren eines unbekleideten Fußes waren, so fand man hierin den Verdacht bestätigt, daß ein Mitglied der Zigeunerbande das Verbrechen begangen haben müsse.

Nun fand man auch noch in der Rocktasche Hartmanns den verhänqnißvollen Brief, der das Opfer in den Wald gelockt hatte.

Lorenz warf nur einen flüchtigen Blick auf diesen Brief.

Es ist dieselbe Handschrift," sagte er,dieselbe Hand bat auch den Bries geschrieben, der meiner Base den Tod brachte."

Und Sie glauben mit Sicherheit behaupten zu können, daß beide Briefe von den Zigeunern ausgegangen sind?" fragte der Untersuchungsrichter.

Gewiß der Inhalt beweist es ja."

Der Polizeikommissar zog die Brauen zusammen, ein dunkler Schatten glitt über sein Gesicht, er erinnerte sich unwillkürlich an die resultatlosen Verfolgungen, an den Acrger und die Sorgen, die ihm die Bande schon bereitet hatte.

Man wird die Gendarmerie aufbieten müssen," sagte der Untersuchungsrichter,die ganze Gegend muß durch­sucht werden, wir dürfen den Mörder nicht entweichen

lassen, daß die Negierung bereit sei, daß sie aber im Hin­blick auf seine Haltung am 16. Mai verlangen müsse, daß er vorher bei ihr einen versöhnenden Schritt thue. Miribel ließ darauf antworten, er sei kein Gegner der Republik, er könne aber gerade jetzt, wo es sich um seine Beförderung handle, keinen Schritt thun, der den Anschein erwecken könne, daß es ihm dabei um ein persönliches Interesse zu thun sei. Als Miribel nun trotz dieser Weigerung zum Divisionsgeneral ernannt wurde,beeilte er sich, ins Palais Bourbon (Gambettas Wohnung) zu gehen, um dort die Erklärung seiner Hingabe und die Versicherung seiner Treue nicdcrzulegen."

Man sieht, Frankreich braucht sich nicht mehr vor einer Diktatur zu fürchten, steht schon mitten in dem Terro­rismus einer solchen. Und das ist die republikanische Volksrcgierung, das parlamentarische Regiment, wie es im Buche steht. Das ist die Freiheit, welche der Liberalismus, der ja überall auf parlamentarisches oder republikanisches Regiment losstenert, den Völkern bringt. Man vergleiche damit die Freiheit unserer deutschen königlichen Regierung Und da faselten die liberalen Blätter von einer Diktatur Bismarcks! Unsere deutschen demokratischen Zeitungen, malen die französischen Zustände immer wunderschön. Die Franks. Ztg." fucfct aller Well plausibel zu machen, daß Gambetta gar nicht an kriegerische Unternehmungen denken könne, weil er ja die Ausführung militärischer Reformen versprochen habe und deren Ausführung noch lange Zeit in Anspruch nehme. Ueberdies hätten die Franzosen 1870 den Krieg satt bekommen und seitdem die Segnungen des Friedens gespürt, sie sähen jetzt ihre blühenden Geschäfte und seien an ein gutes Leben gewöhnt, sie wüßten, daß ihnen der Krieg persönlich nur Entbehrung Elend und Strapazen bringt. Das hört sich alles ganz schön an, aber solche theoretische Erwägungen bedeuten für die thatsächlich: Wirklichkeit gar nichts Von diesem Gesichtspunkte auö sind die Kriege stets thörichte Unternehmungen gewesen, aber doch sind sic unternommen worden. Wenn Gambetta noch nichts in Europa unternimmt, so hindern ihn jeden­falls nicht die blühenden Geschäfte und die Furcht vor Strapatzen für seine Franzosen daran, sondern die That­sache , daß Frankreich politisch isoliert ist, während das übrige europäische Festland koaliert dasteht. In Italien und im Orient sieht man sehr trübe in di-' Zukunft. Nach einer Unterredung, welche Gambetta mit Charles Dilke gehabt, soll er gesagt haben, daß die Angelegenheiten in Kairo einen beunruhigenden Charakter annähmen und es unerläßlich sei, zu wissen, wie weit England im Ein­vernehmen mit Frankreich Vorgehen würde, um den Ein­fluß der Armee zu brechen.

Daraus schließt man, daß Frankr.ich nicht willens ist, Egypten England allein zu überlassen. Deshalb sind jetzt amt) die Engländer über Frankreich verstimmt. Zunächst lassen, die erfolglosen Nachforschungen in Bezug auf daö geraubte Kind haben uns ohnedies eine sehr unangenehme Schlappe gegeben! Ich begreife noch immer nicht, daß damals die Bande nicht gesunden wurde, sie kann doch nicht spurlos vom Erdboden verschwunden fein "

Der Kommissar zuckte die Achseln. Ihn ärgerte diese Schlappe am allermeisten, aber er wußte auch am besten, daß damals alles mögliche geschehen war, waö nur ge­schehen konnte.

Es wird auch diesmal wieder vergeblich sein," crwie- derte er.Wann ist der Mann erschossen worden, Herr Doktor?"

Gestern Abend," sagte der Arzt;die Leiche ist kalt und steif, der Tod muß bereits vor Mitternacht cinge- treten sein."

Da haben Sie's," wandte der Kommissar sich zu dem Richter.Der Mörder hat einen bedeutenden Vor­sprung, er wird ihn benutzt haben. Diese Zigeuner sind mit allen Hunden gehetzt, sie haben lange vorher ihre Pläne fertig; führen sie einen Plan aus, so wissen sie schon vor der Ausführung, wie sie sich am leichtesten und sichersten den Folgen entziehen. Ich werde zwar die Ver­folgung übernehmen, aber ich verspreche mir kein günstiges Resultat."

Lorenz protestierte mit aller Entschiedenheit gegen diese Besorgnis, er verlangte energische Verfolgung, Aufbietung der Gendarmerie und der gesammten in der Stadt garni- sonicrenden Kavallerie, er forderte es im Namen der Ge­rechtigkeit und des Ermordeten.

Dieser Zigeuner kann noch nicht weit entfernt sein," sagte cr mit wachsender Erregtheit,ein Reiter muß ihn binnen sechs Stunden überholt haben, und wenn man

hat Gambetta noch seinen Krieg in Tunis. Ob aber die schwülen Wetterwolken, welche über dem Orient hängen, nicht auch auf andere Punkte sich entladen werten? Die Unruhen in Dalmatien scheinen jedenfalls bedeutender zu sein, als die österreichischen offiziösen Nachrichten sie bar- zustellen suchen. Wie eine reife Birne hängt die orien­talische Frage, d. h. das endgiltigc Schicksal der Türkei, am Baume, ein geringer Windstoß kann sie herunterreißen. Welche Hände sic dann erhaschen und in welche Teile sie geteilt werden wird, das ist bann bie große Frage.

Eine weitere Illustration der französischen Zustände bietet folgende Depesche: Beim Empfang des Personals des Kultusdepartcments sprach sich der Minister Bert da­hin aus, daß nicht die religiösen Doktrinen die Angelegen­heit deö Ministeriums seien, fondern die Ucberwachung der Befolgung der Gesetze, welche die Beziehungen zwischen Kirche und Staat regeln. Die Regierung wolle die strikte Ausführung des Konkordats.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Nov. Der Kaiser hatte iu vergangener Nacht einen ununterbrochenen, erquickenden Schlaf, stand kurz nach 8 Uhr auf, nahm im Laufe des Vormittags wieder die regelmäßigen Vorträge entgegen, erteilte dann * einige Audienzen und arbeitete hierauf mit dem Kriegs­minister und dem Chef des Militärkabinetts. DerReichs­anzeiger" meldet: Der Kaiser brachte die beiden letzten Tage vollkommen schmerzfrei, die Nächte in ruhigem Schlafe zu. Der Kräftczustand erfordert jedoch noch Schonung. Der Kaiser ist dadurch genötigt, voraussichtlich noch einige Tage das Zimmer zu hüten. DerReichsanzesgel" ver­öffentlicht einen Erlaß des Reichskanzlers vom 23. November an die Handelskammer zu Grün-berg. Derselbe konstatiert, daß der Jahresbericht der Handelskammer für 1880 that- sächliche Angaben enthalte, welche im Vergleiche zu früheren Jahresberichten die Annahme einer inzwischen eingetretenen günstigeren Gestaltung der dortigen gewerblichen Verhältnisse rechtfertigten; so vermehrte sich danach der Eisenbahn-Güter­verkehr, der Personen-Verkehr, der Briefverkehr, der Tele« grammvcrkehr und er Bankverkehr. Es besserten sich die Lohnvcrhältnissc und erhöhten sich bie Spareinlagen wc'entlich. Demgegenüber müsse cs den Reichskanzler in hohem Grade befremden, daß die Handelskammer in der Einleitung ihres JabresbcrichteS für 1880 über eine völlige, aussichtslose Geschäftsstockung klage und dafür den Beweis schuldig bleibe. Der Erlaß erinnert schließlich daran, daß cS die gesetzliche Bestimmung der Handelskammer sei, bie Gesamt- intercssen der Handel- und Gewerbetreibenden wahrzunehmen und bie Bchörben in bet Förbcrung bes Hanbels und der Gewerbe durch thatsächliche Mitteilungen zu unterstützen. Dieser Bestimmung entspreche die Handelskammer nicht,

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allenthalben die Polizei aufbietet, so kann es wirklich nicht sckwer fein, den Burschen, der ohnedies schon durch seine äußere Erscheinung Aufsehen erregt, einzufangen. Ich lasse die Gründe Ihrer Besorgnis nicht gelten,". fuhr er, sich zu dem Kommisiar wendend, fort,Sie gebieten dem Einzelnen gegenüber über Kräfte, die"

Mein lieber Herr, es ist sehr leicht, darüber zu ur­teilen," fiel ihm der Kommissar ärgerlich ins Wort,aber in der Regel sind das schiefe Urteile, die sich nur auf falsche Voraussetzungen und einseitige Anschauungen stützen. Was geschehen kann, das sou und wird ge­schehen, aber ich wiederhole Ihnen, ich bezweifle den gün­stigen Erfolg." _

Damit nahm er von Lorenz Abschied, um in die Stadt zurückzukchren und die Verfolgung deö Mörders zu beginnen, und für Lorenz begann nun auch eine ebenso mühevolle als traurige Arbeit.

Die Leiche mußte in das Landhaus gebracht und alles nötige zur Beerdigung des jungen, so früh dahingerafften Ehepaars besorgt werden, dies nahm zwei volle Tage in Anspruch und in der Dämmerung dieses zweiten Tages wurden die Leichen unter den Rasen gebettet.

Lorenz kehrte in trüber Stimmung vom Friedhöfe heim, diese auf' einander folgenden entsetzlichen Ereigniffe hatten sein Gemüt erschüttert, seine Kräfte waren erschöpft, Leib und Seele sehnten sich nach Ruhe.

Aber daheim in der Villa seines Vetters fand er aber­mals Gerichtsbeamte, sic kamen, um die Hinterlassenschaft des Verstorbenen ben Erben sicher zu stellen, die Papiere zu versiegeln und nach einem Testament zu forschen.

(Fortsetzung folgt.)