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Ittarßurq, Mittwoch, 23. November 1881.
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«nieigeu nimmt entgegen: bic Expedition d. Blattes, i0®ie d.Annoncen-Bureaux L Th. Dietrich u- Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Oaafcnftcin u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M ; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld- C. Schlotte in Bremen.
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Die Präsidentenwahl im Reichstage.
Bei der Präsidenten vahl des Reichstages hat sich die Gruppierung fv gebildet, wie wir es nach den uns gewordenen Informationen vermuteten. Die Hoffnung der liberalen Presse, daß es entweder zu einer liberalen oder zu gar keiner Mehrheit kommen werde, hat sich nicht erfüllt: die Präsidentenwahl hat bewiesen, daß es eine Majorität der Rechten gießt, der eine Minorität der Linken gegenüber steht. Mit 193 gegen 148 Stimmen standen sich beide bei der Wahl des Präsidenten gegenüber. Das ist eine sichere Mehrheit, falls die Freikonservativmi nicht wieder abtrünnig werden. Möge die Präsidentenwahl von guter Vorbedeutung für die nachfolgenden Arbeiten dcs Reichstages sein. Liberale Blätter verbreiten zwar die Nachricht, eS würden dem Reichstage keine sozialpolitischen Vorlagen gemacht werden, die Absicht deS Reichskanzlers gehe auf eine Auflösung des Reichstages hinaus. Das glauben wir nicht — jedenfalls würde er das nicht eher 11)1111, als bis vor den Augen des Volkes der tatsächliche Beweis geliefert wäre, daß für die sozialen Reformen im Reichstage keine Mehrheit zu finden wäre. Ulli das konstatieren zu können, müssen aber dock erst derartige Vorlagen gemacht werden. — Sollte die Auflösung nötig werden, bann würde eS sich empfehlen, die Kaiserliche Botschaft in großen Plakaten in allen Ortschaften, an öffentlichen Gebäuden und auf Plätzen anschlagen zu lassen, damit jedermann ohne die liberale Bekrittelung die herrlichen epochemachenden Worte des Kaisers lesen kann ES wäre gut gewesen, wenn das auch jetzt schon geschehen wäre. Die außergewöhnliche Bedeutung der Botschaft hätte eine solche außergewöhnliche Maßregel vollkommen gerechtfertigt. Am meisten verschnupft hat eS die liberale Presse, daß in der Botschaft von den sittlichen Grundlagen des christlichen Volkslebens geredet wird. Das veranlaßt die „Nat-Ztg.", die Botschaft und ihre Politik mit der StistungSurkunde der heiligen Alliance in Vergleich zu bringen und ihr ein gleiches Ende vorauszusagen. Sobald jemand nur das Wort christlich auf die Lippen nimmt, stellt sich die ganze liberale Presse — einige uneingeweihte und blos nachdruckende Provinzialblätter vielleicht ausgenommen — gegen ihn in Position.
ES hilft auch nichts, wenn die Geltendmachung deS Christentums in der allereiufachsten Weise geschieht. ES ist doch gewiß allgemein genug gehalten, wenn in der Botschaft auf die sittlichen Grundlagen des christlichen Volkslebens hingewiesen wird — aber das genügt der „Nat.- Ztg.", dagegen auszurufen: „wir sind überzeugt, daß ein Staat deS 19. Jah rhunderts nicht gedeihen kann, wenn man ihn mit dem Geiste des Vatikans und eines starren Orthodoxismus erfüllen wird " — Wir führen dieses Beispiel zur Belehrung für alle die an, welche glauben, durch
Das verschwundene Kind.
Roman von Ewald 21 u g u ft Kön ig.
(Fortsetzung.)
Wie dabei der Mutter des KindeS zu Mute war, läßt sich leicht begreifen.
Sie hatte sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß sie ihr Kind nicht wiedersehen »erbe, aber daS Mutterherz hielt trotzdem an der Hoffnung fest, daß dieser Gedanke nichts weiter sei, als eine unbegründete Ahnung.
Schmerz, Gram und Verzweiflung rüttelten an dem schwachen Leben, es konnte nicht lange mehr währen, dann mußte der Faden reißen.
Sie sprach selten noch einige Worte, meist saß sie brütend in ihrem Sessel, auf jedes Geräusch achtend, beim Klange einer fremden Stimme ober dem Schall hastiger Schritte emporfahrenb in der Hoffnung, nun die heißersehnte Nachricht zu erhalten.
Auch daS Gemüt Hartmanns war umdüstert, seine Thatkraft war gebrochen, was sollte er jetzt noch thun? Er hatte jede Hoffnung verloren. Wenn et selbst sich auf den Weg hätte machen können, um sein Kind zu suchen, so würde er keinen Augenblick gezögert haben, eS zu thun; aber durste er unter den obwaltenden Verhältnissen seine Fran verlassen?
Durfte er ihr die Augen von fremden Händen zudrücken lassen, diese lieben treuen Augen, in denen er das Glück seines LebenS gesucht und gesunden hatte? Die Pflicht des VaterS befahl ihm, daS Kind zu suchen, und die Pflicht des Gatten fesselte ihn an daS Sterbelager seiner Frau; welcher Stimme sollte er jetzt noch gehorchen ?
ein möglichst verblaßtes und liberal angehauchtes Christentum könnten sie sich die Gunst des Liberalismus erwerben, und sei demselben nur das Christentum der Orthodoxen so verhaßt. Der Liberalismus läßt sich die kirchlichen Mittel- Parteien und Protestantenvereinler so lange gern gefallen, alö sie ihm helfen, das wirkliche Christentum zu bekämpfen, sobald aber diese Parteien einmal positiv vorgehen und auch nur noch einen Schatten von Christentum ernstlich geltend machen wollten, bann hat die Freundschaft ein Ende! lieber Tabaksmonopol und Zölle läßt der Liberalismus mit sich reden — aber sobald man von einem christlichen Volksleben redet, da tritt et in Opposition. Hat er ja doch seit Jahrzehnten alles aufgebeten, das Volksleben zu entchristllcken durch CivUehe, Simultan» schule, ReligivnSloserklätung deö Staats, durch die Juden- Emanzipation und durch die fanatische Bekämp ung jeder Geltendmachung christlicher Anschauungen — und im Hinblick auf die Macht deö Liberalismus ruft die „National- Zeitung" gegenüber der Kaiserlichen Botschaft aus: „Dem Zug der liberalen Jdeeen, der durch Europa geht, sich widersetzen zu wollen, ist eine Aufgabe, welche die Kraft deS größten Staatsmannes übersteigt." Noch vor wenigen Jahren konnte die „Nat.-Ztg." das sagen; aber seit die liberalen Jdeeen in allen Staaten durch die aus ihnen erwachsenen verderblichen Folgen Bankerott gemacht haben, ist das anders geworden. Der Liberalismus wehrt sich zwar in seiner Presse verzweifelt gegen diese Erkenntnis und sucht das Volk durch die unwahrscheinlichsten Lüaen und Entstellungen hinter« Licht zu führen; allein eine Sache, welche solche Lügen zu Hilfe nehmen muß, um sich zu halten — ist verloren: Was find die liberalen Jdeeen? Es sind die Jdeeen deS Naturalismus, welche alle menschlichen Verhältnisse, also auch die wirtschaftlichen und sozialen, lediglich auf die sogenannten Naturgesetze stellen und die Geltendmachung christlich-sittlicher Grundsätze und Anschauungen zurückweisen. Die praktische Folge davon ist, daß die Selbstsucht und die Genußsucht als die alleinig berechtigten Triebfedern deö wirtschaftlichen LebenS gelten; die nächste Folge ist, daß die Arbeit und der Arbeiter nur als eine Ware im großen Konkurrenzkämpfe behandelt wird, eine Ware, deren Preis das konkurrierende Kapital durch den Freihandel nach Belieben herunterbrücken kann — kurzum ble Geltenbmachung der naturalistischen Grundsätze an stelle der christlichen im sozialen Leben bedeutet Unterdrückung der wirtschaftlich Schwächeren, also der Aermeren, der Arbeiter, der Handwerker, der Bauern zu gunsten derer, welche mit barem Gelde arbeiten. Tiefe falsche naturalistische Leh-c ruiniert die Völker und Staaten, weil das Wohl aller Völker und Staaten auf dem Gedeihen der produktiven Arbeit, auf dem Wohl der arbeitenden Volksklassen beruht. Alle europäischen Staaten sind an einem Punkte angekommen, wo sie erkennen: so kannS
Er meinte oft, er muffe laut aufschreien, um dem gequälten Herzen Luft zu machen, aber war es nicht auch seine Pflicht, stark zu bleiben, um wenigstens äußerlich ruhig zu scheinen, um seiner Gattin nicht den letzten Rest ihrer Hoffnung zu rauben.
ES waren entsetzliche Tage und Nächte für ihn und mit jeder Stunde erlosch auch für ihn der Stern der Hoffnung immer mehr und mehr.
Aber gerade in diesen schweren Tagen empfanden beide, wie segensreich für sie die Freundschaft des Vetters Lorenz war.
Lorenz war unermüdlich. Er ging täglich mehrmals in die Stadt, um sich zu erkundigen, ob Nachrichten einge- troffey wären, mit der Büchse auf der Schulter durchstreifte er selbst die Umgegend nicht am Tage allein, sondern auch bei Nacht.
Er engagierte einen Trupp mutiger Männer und machte mit ihnen Strelfzüge und wenn alle die Hoffnung v rloren, er hielt an ihr fest und von ihm hörten die unglücklichen Eltern manches Wort des Trostes.
Aber alle diese Bemühungen, alle Opfer, die an Zeit und Geld gebracht wurden, waren vergebens, das Kind blieb verschwunden und von der Bande wurde keine Spur gefunden.
Vier Wochen waren seit dem Verschwinden des Kindes verflossen, der Arzt hatte Hartmann darauf vorbereitet, daß die Kranke nun in den nächsten Tagen scheiden werde. Ernst und schweigsam saß der von Vielen wegen seines Reichtum« beneidete und doch so arme Mann feinem Vetter gegenüber, der matte Schein der Lampe ließ fein Antlitz noch bleicher erscheinen.
nicht weiter gehen, das naturalistisch maiichesterlich-liberale System zersetzt alle Völker ES mobilisiert alles, macht alles zur Ware, nicht blos Grund und Boden, Geld und Arbeit, sondern auch die Regierung und Verwaltung der Staaten: parlamentarisches Regiment mit wechselnden MehrhcitSministerien und Beamtenwechsel bis zum Feldhüter — das ist das Ziel der liberalen Jdeeen. Die liberalen Zeitungen wissen es sehr wohl, daß der Kampf der Zeit im gründe genommen ein Kampf zwischen christlicher und naturalistischer Weltanschauung ist, nur unsere irre geleiteten Volksmassen, welche liberal und christlich zugleich fein wollen, sehen daS noch nicht ein uns die liberalen Blätter suchen deshalb auch diesen Gegensatz soviel alS möglich zu verdecken, indem sie statt naturalistischer Weltanschauung immer von Wissenschaft, Fortschritt und Aufklärung reden, während doch jeder Gebildete weiß, daß die naturalistische Weltanschauung eine Reaktion deS alten Heidentums gegen das Christentum ist. Sie wissen zu gut, daß, sobald sie die Karten klar auflegen, sie ihr Spiel verloren haben. Nur bei besonderen Gelegenheiten fallen sie aus der Rolle, wie die „Nat.-Ztg." und baS „Berk. Tagebl." der Kaiserlichen Botschaft gegenüber. Möchten ble nachfolgenben ReichStagsverhaublnngen es allem Volke klar werden lasten, um was es sich handelt, daß der Liberalismus keineswegs der Fortschritt, sondern der Rückschritt und ble Starrheit des Beharrens bei einer längst als fassch erkannten Wirtschaftspolitik ist.
Deutsches Reich.
*» Berlin, 21. Nov. Der Bundesrat hält am Dienstag nachmittags 2 Uhr wieder eine Plenarsitzung. Auf der Tagesordnung steht eine Mitteilung über die erfolgte Ueber- weifung von Vorlagen an die AuSsii üffe, ein Antrag Preußens betr. die Anwendung des § 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie und die Ernennung von Kommissionen zur Beratung von Vorlagen im Reichstage. — Dem Bundesrat sind mehrere auf Elsaß Lothringen bezügliche Vorlagen gemacht worden: zunächst ein Gesetzeutwur f, betreffend die Feststellung res Landeshaushalts Etats für 1882 83, sodann ein Gesetzentwurf, betr. die Gerichtskosten und die Gebühren der Gerichtsvollzieher, endlich ein Gesetzentwurf, betr. die Befähigung zum Amte eines Notars. Der zweitgenannte Gesetzentwurf bezweckt die Ausdehnung des Gesetzes vom 29. Juni 1881, durch welches daS GerichtS- kosterigesetz .mb die Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher eine Abänderung erfahren haben, auch auf Elsaß-Lothrrngen. Der dritte Gesetzentwurf will die Vorschriften über die Befähigung zum Amte eines Notars, abweichend von dem 8 16 des Gesetz. S vom 14. Juli 1871, dahin erleichtern, daß außer den zum Richteramt Be ähigken zu dem Amte
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„Es ist alles vergeblich," sagte er, „ich habe jede Hoffnung verloren. Der erste Fehler war, daß die Behörde so großen Lärm schlug, dadurch wurden die Zigeuner gewarnt, sie konnten ihre Maßregeln treffen, meinst Du nicht auch?"
Wie aus einem schweren Traume erwachend blickte Lorenz den Vetter an.
„Du magst Recht haben," erwiderte er, „eS wäre vielleicht klüger gewesen, wenn wir die Nachforschungen in aller Stille betrieben hätten. Aber der gute Rat kommt In der Regel, wenn eS zu spät ist. Bei alledem kann ich nicht begreifen, daß die Bande so spurlos verschwunden sein soll —"
„Sie hat sich getrennt —*
„So hätte man doch die einzelnen kleinen Banden entdecken müssen 1"
„Man hat ja einzelne Personen gesehen, man will auch daS Kind bemerkt haben, aber ich glaube nicht daran. In solchen Fällen finden sich immer schlechte Subjekte, die das Unglück anderer für ihre eigenen Zwecke auszubeuten suchen, vielleicht dachten diese Personen, ich würde sie für ihre Mitteilungen belohnen. Wer weiß, wie die Sache zusammenhängt 1 Ich glaube, daS Kind ist längst tot."
„So darf man nicht reden, Theodor I"
„ES ist meine Ueberjeugung.“
„Deine Fran hofft noch immer und es ist Deine Pflicht, ihr diese Hoffnung bis zum letzten Augenblick zu erhalten."
lieber daS bleiche Antlitz deS jungen Mannes glitt ein schmerzlicher Zug.
„Glaubst Du, daß ich diese Pflicht nicht erkenne?"
moieberte er. „Du ahnst nicht, wie unsäglich schwer e»