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Hesse«-Nassau.

Marburg, 18. November. (Strafkammer.) Zur Verhandlung kamen folgende Fälle: 1) Der Schuhmacher Adam Haas und der Maurer Schrenk von Groß-Nopper« hausen, Kr. Ziegenhain, stehen unter der Anklage, im Sommer d. I. den Schreiner Christian Steinbrecher von da widerrechtlich zur Hergabe von zwei Steigen Eier und vier Flaschen Bier genötigt und dann mittelst gefährlicher Werkzeuge körperlich verletzt zu haben. Wie die Ange­klagten den Vorfall fchildern, muß man glauben, eö sei dies nur eine der so oft vorkommenden Schraubereien im WirtShause gewesen, um Jemanden zu veranlassen, etwas zum besten zu geben, da Steinbrecher vorher mit ihnen getrunken haben soll. Nach der Angabe des Steinbrecher aber haben die beiden Angeklagten ihn, der etwas ängstlich zu sein scheint, aufgefordert, etwas zum besten zu geben, und um dies zu bezwecken, habe Haas mit einem Messer herumflankiert, wodurch er so ängstlich geworden, daß er erst ein Kännchen, dann einen Schoppen Schnaps, sowie eine Steige und nochmals eine halbe Steige Eier gab, das Bier fei nicht getrunken worden, da der Wirt Feierabend geboten; nachdem er das Wirtshaus verlassen, seien ihm die beiden gefolgt und hätten ihn mißhandelt und mit Steinen geworfen. Weiter wird durch Zeugen konstatiert, daß Steinbrecher ein gutmütiger Mensch sei, der, wenn er Laune habe und animiert werde, gern etwas gebe, was sich die Angeklagten, indem sie wahrscheinlich auch auf seine Aengstlichkeit spekulierten, zu Nutzen machen wollten, da sie ihn später verfolgt, und nachdem er gefallen, mit Füßen getreten, auch später mit einem Stein in's Gesicht geworfen. Daß die Angeklagten durch Drohungen den Schnaps und die Eier erlangt, hält die Staatsanwaltschaft nicht für erwiesen, wohl aber sei erwiesen, daß die 4 Flaschen Bier durch Drohungen herausgepreßt werden sollten und daß sie dann den Steinbrecher auf dem Heimwege vorsätz­lich und gemeinschaftlich mißhandelt, daß auch Haas mit dem Steinwurf sich noch ausgezeichnet. Mit Rücksicht auf den im Wirtshause schon zu weit getriebenen Spaß, der nahe an Erpressung grenze, beantragt die Staatsanwalt­schaft gegen Schrenk eine Strafe von 1 Monat, gegen Haas eine solche von 3 Monat Gefängnis. Durch das Urteil des Gerichtshofs werden Schrenk auf 1 Monat, Haas auf 2 Monate ins Gefängnis geschickt. — 2) Tag­löhner Konrad Jungmann von Langenstein ist vom Schöffen­gericht zu 18 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er dem Feldhüter Löber, der mit dem Bürgermeister Mosebach die Aepfelernte auf der Halsdorfer Straße besichtigte und den Angeklagten, da er Aepfel abgeworfen, verfolgte, auf die Frage, wer noch dabei gewesen, geantwortet: „Gick Gack" (einem Spitznamen des Löber) und den Feldhüter außer­dem noch mit dessen eigenem Stock geprügelt und mit den Händen zerkratzt hat. Jungmann hat hiergegen appelliert und will sreigesprochen werden. Die heutige BeweiSauf« nähme liefert recht widersprechende Zeugenaussagen, nach einem Teil soll Löber den Jungmann zuerst geschlagen haben, nach dem andern Teil erst dann, als Jungmann Chausseesteine aufgegriffen und sich gegen Löber gewandt 4

Wägung gelte für das Gebiet der Zoll- und Steuergesetz­gebung. Der Kaiser habe im gründe kein eigentliches Interesse an der Frage, ob Schutzzoll oder Freihandel. Wenn die Mehrheit der Bevölkerung eS vorziehe, die unab­weisbaren Staatslastcn direkt aufzubringen, so würden für die Fälle des Bedürfnisses die Steigerung der Einkommen-, Klassen- und Gewerbesteuer ebenso, wie die Besteuerung des Tabaks mit oder ohne Monopol in Vorschlag gebracht werden können. — Dasselbe Blatt schreibt: „Der Kaiser wählte die bisher nicht übliche Form der Botschaft für die Eröffnung des Reichstages, um kund zu thun, daß es nicht bloß die Absicht der Negierung ist, die Bahn der sozial­politischen Reformen zu beschreiten. Bis zum gestrigen Morgen beabsichtigte der Kaiser, den Reichstag persönlich zu eröffnen: ein leichtes, gleichwohl eine größere Anstrengung ausschließendes Unwohlsein verhinderte ihn, die Absicht aus­zuführen. Durch die persönliche Eröffnung wollte der Kaiser fcierlichst dokumentieren, daß er die Ergreifung der Initia­tive zur Lösung der aus der sozialen Entwickelung ent­stehenden wirtschaftspolitischen Fragen als unveräußerlichen Teil der Aufgabe des Kaisers betrachtet wissen will und dieses kaiserliche Recht mit fester Hand auszuüben ent­schlossen ist. Der Kaiser findet für das hohe Ziel, welches er der eigenen Arbeit und der Arbeit des Reichstages ge­steckt hat, ein glänzendes und ermutigendes Beispiel in den ruhmreichen inneren Reformen seiner Vorfahren." Der Artikel erinnert an die Befreiung der Leibeigenen durch Friedrich Wilhelm III. und sagt, Kaiser Wilhelm wolle die Lage der Armen und Schwachen der Gegenwart bessern. „Wie Friedrich Wilhelm III. in Stein und Hardenberg getreue und weise Gehilfen für die unvergänglichen Refor­men gefunden, hat der Kaiser durch die gestrige Botschaft kundgethan, daß er seinen jetzigen Ratgebern und ersten Dienern vollstes Vertrauen zur richtigen Durchführung der von ihm bezeichneten Reformpläne schenkt. In letzterem Sinne ist die kaiserliche Botschaft zugleich eine tategorische Widerlegung der Parteifiktion, welche zw schen dem Kaiser und der Negierung einen Gegensatz aufzustcllen beflissen ist. Die Botschaft enthält das Programm des Kaisers, durch dcsien Kundgebung ein Hauch der Empfindung zieht, daß der 85jährige Monarch nicht darauf rechnet, die Pläne noch selbst bis zum Ende durchführen zu können, jedenfalls aber entschlossen ist, seinen Willen, und wenn eö sein letzter Wille ist, feierlich zu konstatieren."

Deutsches Reich.

**■ Berlin, 18. Nov. Es sind wiederholt Zweifel ent­standen, in weicher Weise Eintragungen über das Ableben ungetaufter Kinder tu die Sterberegister zu bewirken sind. Di ser Gegenstand wird seine Regelung nicht füglich unter Zugrundelegung irgend welcher partikularrechtlicher Vor­schriften finden können, welche sich auf die Frage beziehen: in welcher Religion ein verstorbenes Kind zu erziehen ge­wesen sein würde. Die Standesbeamten sind nicht dazu berufen, über die Zweifel zu befinden, die hierüber in ein­zelnen Fällen leicht entstehen können. Der Regel nach, und wenn nicht ganz besondere Gründe vorliegen, um an der Nichtigkeit der Anzeige zu zweifeln, wird der Standes­beamte die Eintragung der Religion verstorbener Kinder, wie Erwachsener, nach den Angaben des Anzeigenden zu bewirken haben, unter Umständen also auch dahin, daß der Verstorbene keiner oder noch keiner Neligionsgemeinschast angehört habe. Wird die Anzeige aber ausdrücklich dahin erstattet, oder ergiebt die ausnahmsweise veranlaßte bezüg­liche Untersuchung, daß das verstorbene Kind christlicher Eltern ungctauft verstorben sei, so wird in ähnlicher Weise zu verfahren sein, wie wenn aus anderen Gründen (z. B. weil die gesamten Verhältnisse des Verstorbenen unbekannt waren) die Möglichkeit einer Ausfüllung der betreffenden Stelle des Vordrucks überhaupt nicht gegeben ist. Es wird sich alsdann aber empfehlen, bei Durchstreichung des offenen Raumes vor vem Worte „Religion", durch einen Zusatz am Schlüsse der Eintraguni, etwa dahin: „verstorben sei, und zwar ungetanft", den Grund der Durchstreichung be­merklich zu machen. — Der Provinzial-Landtag für West­falen wird voraussichtlich zum 4 Dezember berufen werden.— Zur Statistik des deutschen Reichs, herausgegeben vom Kaiserlichen Statistischen Amt, ist jetzt der „Warenverkehr des deutschen Zollgebiets mit dem Auslande im Jahre 1880, I'. Teil, 1. und 2. Abschnitt" erschienen. Der erste Teil enthält den Warenverkehr nach den einzelnen Warengattungen, sowie Vereolungsverkehr, der vorliegende 2. Teil enthält in Abteilung 1 den Warenverkehr nach den Ländern der Herkunft bezw. Bestimmung und nach den Grenzstrccken des Eingangs und Ausgangs. Die zweite unter der Presse befindli' e Abteilung wird den Seeverkehr in den wichtigeren Sechafcnplätze des Zollgebiets und in den Zollausschlüssen behandeln. Um Anhaltspunkte zur Beurteilung des Wertes des Warenverkehrs mit den einzelnen Herkun ts- bezw. Be­stimmungsländern zu gewinnen, sind den in dem ersten Abschnitt des vorliegenden Bandes enthaltenen Uebersichten des Warenverkehrs nach den einzelnen Ländern der Her­kunft bezw. Bestimmung Weitsberechnungen beigesügt. Den­selben haben indes nicht für die einzelnen Länder gesonderte Wertschätzungen zum Grunde gelegt werden können, man war vielmehr ans die zur Berechnung des Wertes der ge samten Einfuhr und Ausfuhr deS deutschen Zollgebiets schätzungsweise ermittelter Einheitspreise der einzelnen Waren­gattungen angewiesen. Die Anwendung dieser für alle Be­zugs- und Absatzländer gleichen Werttaxen führt bei den lokalen Preisschwankungen und der qualitativen Verschie­denheit der mit den einzelnen Ländern gehandelten Waren notwendig zu mannigfachen unsicheren Rechnungs-Ergebnissen. Immerhin werden diese Wertscrmittelungen, wenn auch nicht bei "beit einzelnen Warenartikeln, so doch in den Haupt- zahlcn ein annähernd richtiges Bild deS Wertes deö Waren Verkehrs mit jedem einzelnen Lande geben.

Berlin, 18, Nov. Der Kaiser empfing heute Vor­mittag mehrere Generäle, sowie eine Deputation des rhei­nischen rittetbürtigen Adels, unternahm sodann in der Mittagsstunde eine Spazierfahrt und wird nachmittags den Kardinal v. Hohenlohe empfangen. — Die „N. Allg. Ztg." bezeichnet die Meldungen verschiedener Blätter, liberaler wie konservativer, als ob zwischen dem Kaiser und dem Reichs­kanzler irgendwelche Differenzen bestanden hätten, welche erst durch wiederholte Vorträge ausgeglichen worden wären, als durchweg aus der Luft gegriffen. Der Kaiser habe mit dem Reichskanzler erwogen, welche Stellung angesichts des auf­fälligen Wahlergebnisses einzunehmen sein werde; diese Erwägung habe den Kaiser zu dem Beschlüsse gefühlt, die Opposition aufzufordern, daß sie sich nicht nur negativ, sondern auch positiv an der Leitung der Geschäfte beteilige. Bei diesem Versuche werde cs sich zeigen, ob das Wahl­ergebnis der Ausdruck der Abneigung des Volkes gegen die soziale Reform sei, zu welcher sich der Kaiser in den verschiedenen Thronreden bekannt habe. Bestehe eine solche Abneigung, und zwar bewußt und dauernd, so dürften weitere Schritte nach dem Grundsätze, daß Wohlthaten nicht aufgedrungen werden dürfen, unterbleiben. Die gleiche Er-

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Ausland.

Wie«, 18. Nov. Die heutigen Morgenblätter be­sprechen die bei Eröffnung des deutschen Reichstages ver­lesene kaiserliche Botschaft. Das „Fremdenblatt" findet in derselben nichts, was von irgend einer Partei als eine ihr gemachte Konzession zu deuten wäre. Aus der Thron­rede spreche die Ucberzcugung, daß die deutsche Nation in ihrer inneren Entwickelung an einem wichtigen Wende­punkte angelangt sei. Die Friedensbotschaft der Thronrede werde überall aus's freudigste begrüßt werden, ganz be­sonders warm in Oesterreich-Ungarn, das die Bemühungen Deutschlands auf Bewahrung des Friedens seit Jahren treu und rückhaltslos unterstütze. — Die „Presse" sagt: „Die Botschaft markiert in gewiffer Weise das Ende einer Kri­sis, indem sie die völlige Uebereinstimmung des Kaisers mit der gesamten inneren Politik des Kanzlers kundgiebt. Die Bedeutung der ernsten Friedensworte am Beginne der neuen Aera in Frankreich springt klar in die Augen. Niemals lauteten die oeutschen Thronreden bezüglich deS Dreikaiserbündnisses so zuversichtlich und bestimmt." — Die „Wiener Allgemeine Zeitung" ersieht aus der Kaiser­lichen Botschaft, daß Fürst Bismarck neuerdings mit Energie, ja mit gesteigerter Begeisterung in den Kampf für seine ökonomischen Pläne eintrete, und bezeichn! den Passus über die auswärtigen Angelegenheiten als wohl- thuend. — Die „Neue freie Presse" sagt: „Die Thron­rede ist ein Meisterstück in Form und Fassung und der feierliche Ernst derselben entspricht völlig dem großen Problem; die Thronrede wird ein denkwürdiges historisches Aktenstück bleiben; die Art, wie sie die Neformpläne unter die höhere Idee der allgemeinen Wohlfahrt rückt und über die getrübte Atmosphäre der Parteileidenschaft hinweghebt, wirkt versöhnlicher als durch irgend welche beschwichtigende Phrase geschehen könnte. Wollen die Liberalen nicht der unfruchtbaren Verneinung geziehen werden, so müssen sie der genialen Initiative deS Fürsten Bismarck folgen, denn die Entwürfe des Reichskanzlers haben mit überraschendem Scharfblicke die wunden Stellen der heutigen Gesellschaft herausgesunden. In den Worten: „Frei von reakttonären

An-eigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureau L Tb- Dietrich u. Co. i o‘afiel und Hannover; Tl jietrid) in Frankfurt aM haasenstein u. Vogler i Frankfurt a. M., Berlir p,ipiig, Köln rc.; Rudol, «Hoffe in Berlin, Frank- $ furt a. M. rc.

Hintergedanken" liegt eine frohe Verheißung." — Die „Deutsche Zeitung" bezeichnet die Thronrede gleichfalls als eine Staatsschrift von sittlichem Ernste und historischer Be­deutung. Die Welt habe an die friedlichen Versicherungen Deutschlands zu glauben gelernt. — Das „N. W. Tgbl." sagt: „Die Kaiserliche Botschaft richtet sich auch an die künftigen Geschlechter; das Vermächtnis des Kaisers und des Fürsten Bismarck enthält Glaubensartikel, an denen die deutsche Politik für ewige Zeiten festhalten soll. Die von so erhabener Stelle vorgetragenen Prinzipien müssen zündend auf alle wirken, welche an die Ideale der Bot­schaft glauben. FriedenSverstcherungen in so solenner Form wurden fast niemals erteilt. — Nachdem zwischen beiden Delegationen bezüglich des Budgets Uebereinstimmung er­zielt worden ist, hielt die österreichische Delegation ihre Schlußsitzung; in derselben dankte der Kriegsminister im Auftrage des Kaisers für die Opferwilligkeit der Dele­gation. Der Vorsitzende der Delegation v. Schmerling dankte der Regierung und sprach die Hoffnung auf fer­nere Erhaltung deS Friedens aus.

Loudon, 18. Nov. Am Mittwoch Abend erschienen mehrere Individuen im Zweigpostamte von Hattongarden in London, drehten das Gas ab und bemächtigten sich der Beutel mit eingeschriebenen Briefen, welche Diamanten im Werte von 80000 Pfd. Sterl-, adressiert an verschiedene Diamantenhändler auf dem Festlande, enthielten. Die Diebe sind noch unentdeckt.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „UllukrirteS SonntaaSblatt" durch die Ervedition Buchdrucker-!) bezogen 8'/. Mark, durch di- Postäntter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg.t-xcl. MettÄ) - SHoSJeWK g-palten- £ W Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft uud Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a.M.;Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

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