JUatßucg, Dienstag, 15. November 1881.
Nr 267
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöckentliLen «»irnn» rv—___. ~ “ " . .. _ “----------
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Tb- Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in FLanksurtaM ; Haasenstein u- Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf ijjtoffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
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Haupt,
Das verschwundene Kind.
Roman von Ewald 21 u g u ft K ön ig.
(Fortsetzung.)
Die Beiden kehrten zu dem Mädchen zurück, Lorenz zeigte eine heitere Miene, die alte Frau aber war ernst und schweigsam.
„Constanze, ich muß scheiden," sagte er, indem er das Mädchen in seine Arme schloß, „ober nicht lange wird die Trennung währen. Frage sie, die Mutter Deines Stammes, ob diese Scheidung ein Grund sei, mir zu mißtrauen, sie kennt meine Absichten und meine Pläne."
Das Mädchen blickte fragend die alte Frau an, die ernst und nachdrücklich das Haupt schüttelte.
„Ich werde bald wieder bei Dir sein," fuhr er fort, niemals werde ich vergessen, was ich Dir gelobt habe, denn so lange ich lebe, schlägt mein Herz nur für Dich."
„Wehe Dir, wenn es anders wärel" sagte Constanze mit bebender Stimme. „Wann darf ich Dich erwarten?"
„Noch ehe das Laub von den Bäumen fällt, bin ich bei Dir."
,Um immer bei mir zu bleiben?"
„Ja."
„Laß ihn gehen," sagte die Alte, „er wird wiederkommen."
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Sie sah ihn forschend an, er blieb ruhig und heiter und in diesem Augenblicke lag nichts in seinem Gesicht, das
stattgefunden hat, sind unseres Erachtens besondere „Gewerbekammern" erforderlich, die nach Bedürfnis in einen Konnex mit bestehenden oder neu zu schaffenden Handelskammern gebracht werden können. Besonders wichtigen Industriezweigen wäre in den Handelskammern eine Spezialvertretung von bestimmter Minimalstärke zuzuweisen. Wo gewisse Industriezweige ganz oder teilweise kleingewerblich betrieben werden, da ist auch hierauf Rücksicht zu nehmen, und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß überhaupt die Einrichtung mancher Gewerbekammern eine solche sein könnte, um denselben die Vertretung sowohl der Hand» merklichen als der grobindustriellen Interessen zuweisen zu können. In ter Regel aber würden die Gcwerbe- kauimern nur den Großbetrieb repräsentieren. Es erscheint denkbar, daß eine besondere Vertretung der Industrie-Arbeiter hergestellt und in organische Verbindung mit der Gewerbekammer gebracht werden könnte; jedenfalls würden die sozialen Verhältnisse mit zu den Aufgaben derselben gehören und wäre hierauf schon bei der Organisation Rücksicht zu nehmen. Mit dem Handel aber würde die Gewerbekammer an und für sich nichts zu thun haben, und solchen Personen, deren Interessen zwiespältig sind, würde es unbenommen bleiben, dieselben auch zwiespältig zur Geltung zu bringen.
Beständen einmal allenthalben solche Gewerbekammern, so würde es nicht ferner möglich sein, daß widerwillige Kaufleute sogar in ganz industriellen Bezirken die Industriellen selbst kaum zu Worte kommen lassen, und vaß eine einseitige Jnteressen-Vertretung sich als eine beiderseitige oder gar allgemeine ausgiebt. Schon die moralische Kräftigung aber, welche für die Vertretung gewerblicher Interessen hieraus zu schöpfen wäre, ist nicht zu unterschätzen. Daß im übrigen die deutsche Industrie sich ihrer Vertretung zu bedienen wissen würde, bezweifeln wir nicht.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. 8. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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lädchensl ihr Mißtrauen hätte einflößen können.
„Bist Du dessen gewiß?" fragte das Mävchen.
„Ich bin's. Er ist an uns gekettet mit Banden, die er nicht zerreißen kann und die nur noch fester geknüpft sa.___, werden sollen, er kann sich nicht mehr befreien. Und wenn
er wieder kommt, dann wird er reich sein —"
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Nov. Der Kaiser ist von seiner neulichen Unpäßlichkeit völlig hergestellt, nimmt alle Vorträge entgegen und hat überhaupt in den Regierungsgeschäften keine Unterbrechung eintreten lassen. Ungemein bekümmert ist der Kaiser über die Erkrankung des Großherzogs von Baden, über deren Verlauf leider die Nachrichten noch immer besorgniserregend lauten. — Fürst Bismarck ist heute Nachmittag 6 Uhr, von Varzin kommend, in Begleitung seiner Gemahlin, seines Sohnes Herbert und des Geheimen Regierungsrats Rottenburg wieder hier eingetroffen und auf dem Bahnhofe von seinem Sohne Wilhelm und seinem Schwiegersöhne Grafen Rantzau empfangen worden. Die Nachricht verschicoener Blätter, daß der Reichskanzler hier nur wenige Tage verweilen und sich schon im Laufe der
„Was soll mir das Gold?" fiel das Mädchen ihr in die Rede. „Ich verlange nur Liebe von ihm, für mich hat das Gold keinen Zauber."
„Schmähe das Gold nicht," sagte die Alte ernst. „Gold ist Macht, und vor dm Mächtigen kriecht jeder im Staube."
„Mögen die Narren und Thoren das thun, ich nie und nimmermehr!"
»Auch Du — auch Du, Kind!" fuhr die alte Frau fort, und ihre eisige Ruhe bildete einen scharfen Gegensatz zu der fieberhaften Erregtheit des Mädchens, /gerne erst ben Zauber kennen, den das Gold auf jedes Menschenherz übt auch Du wirst Dich seiner Macht beugtzn."
„Nie!" sagte Constanze noch einmal, /dann schlug sie mit der vollen Glut ihrer aufwallenden Leidenschaft ihre Arme um den Hals des jungen Mannes. „Wenn ich nur Dich habe!" flüsterte sie und ihr glühender Atem streifte seine Wange, „nur Dich, dann habe ich A'ches 1 Nur wo Du bist, duften die Blumen süß und kein Stern leuchtet mir so herrlich wie Deine Augen. Sorcn^, wenn ich Dich habe dann habe ich Die ganze Welt, u;Ub keinen schönem Tod wußte ich, als in Deinen Armen zu sterben. Wirst Du mir reu bleiben?"
»Ewig, süßes Herz!" T'cwiederte Lorenz leise, ihre Küffe erwiedemd. „Rönnen,.kleine Augen lügen?"
»Nein, nein, ^ glaube Dir."
„Und nun *5ß mich gehen," bat er, ihren Armen sich entwindend, bcttj Abend ist angebrochen und ich habe noch einen weiten Wege,"
„Bleibe bis morgen bei Deinem Weibe," flehte das Mädchen mit inniger Liebe zu ihm aufschaumd.
„Ich darf nicht." <
nächsten nach Friedrichsrnh begeben werde, beruht auf einer Verkennung der Verhältnisse. Der Fürst wird vielmehr, um nur die wichtigsten Fragen, die der Erledigung harren, zur Entscheidung zu bringen, zum mindesten einige Wochen in Berlin bleiben müssen. — Die am 11. November unter dem Vorsitze des Staatsministerö v. Bötticher abgehaltene Plenarsitzung des Bundesrats war der Etatsberatung gewidmet. Auf die Berichte der Ausschüsse wurden die Entwürfe des Etats für 1882/83 der Verwaltung des Reichs- Heeres, des allgemeinen Pensionsfonds, des Jnvalidenfonds, sowie der Reichs - Post- und Telegraphenverwaltung mit wenigen, nicht wesentlichen Abänderungen genehmigt. Zum Schluffe legte der Vorsitzende einige Eingaben vor, welche den Ausschüssen überwiesen wurden. — Seltqi ist der deutschen Armee von Seiten eines auswärtigen Generals em so rückhaltloses Lob zu teil geworden, so schreibt der Londoner Korrespondent der „Köln. Ztg.", wie von Sir Frederik Roberts, der als Militärvertreter jüngst die Herbstmanöver in Hannover und Schleswig - Holstein mitmachte. Die deutsche Armee ist ihm die vollendetste und leichtbeweglichste Kampfmaschine, welche die Welt bis jetzt gesehen hat. Ein Einblick in bereit Verwaltung und Verwendung erschien ihm als ein wahres Wunder. Die Art und Weise, wie ein Armeekorps in einer einzigen Nacht mobil gemacht werden kann, scheint ihm fast unglaublich, und doch ist es wahr, denn alles ist militärisch eingerichtet und zugeschnitten in diesem Staate. Eisenbahnbeamten, Telegraphlsten und andere im Kriege verwendbare Beamten find Soldaten; die Pferde von Privatleuten find schon im voraus auf die Armee verteilt; im Büreau des Generalstabs liegen schon sie Briefe an die verschiedenen Departements bereit; kurzum alles ist zum Kriege unmittelbar bereit. Ein ganz besonderes Lob spendet Sir F. Roberts auch den preußischen Offizieren. Da er der berühmte Sieger von Kandahar ist und den großen Marsch von Kabul nach Kandahar auö- führte, so hat seine Anerkennung einen vielfachen Wert; indes wird er trotzdem keine Nachahmung preußischer Heeres- einrichtungen in England zu Wege bringen können. — Die „Nationalzeitung" schreibt: „Sollte es in der That die Absicht sein, das Wahlergebnis dem Kaiser als eine Entscheidung zu gunsten einer Politik der Zugeständnisse an den Vatikan darzustellen, so wiederholen wir, daß dies eine der Wahrheit widersprechende Darstellung wäre." — Die „Kreuzzeitung" schreibt: „Obgleich wir etwas Näheres über die Entwickelung der sogenannten Kanzlerkrisis zu- verlässig nicht ermittelt haben, glauben wir doch der Hoffnung, daß Fürst Bismarck dem Reichs- und Staatsdienst erhalten bleiben wird, auch heute mit Bestimmtheit Ausdruck geben zu dürfen." — Die „Post" schreibt: „Die gegenwärtige Situation gestatte nur die zwei Alternativen: Regieren mit einer konservativ-klerikalen Mehrheit, oder ruhiges Abwarten, bis die Wogen der oppositionellen Be-
„Auch das willst Du nicht!"
„Habe G duld, die nächsten Tage werden Dir Alles erklären I Lebe wohl, auf Wiedersehen."
Er küßte sie noch einmal auf die Lippen, dann ging er rasch von dannen; es schien, daß auch ihm der Abschied schwer -fiel.
Nur noch einmal blickte er sich um, als er mitten auf der Wiese war. Das braune Zigeunermädchen stand noch immer am Waldessaum und sah ihm nach; erst als er ihren Blicken entschwunden war, kehrte sie in den Wald zurück, die Seele von bangen Ahnungen erfüllt.
2. Kapitel.
„Wo Lorenz nur bleiben mag!" sagte Theodor Hartmann zu seiner Gattin, als das Dienstmädchen eben die brennende Lampe gebracht hatte.
Es war ein elegant und geschmackvoll eingerichtetes Zimmer in einem kleinen von duftenden Gärten umgebenen Landhause in der Nähe der Stadt, und die beiden Personen, die in dem Zimmer wellten, entbehrten wohl nur Eins, um ganz glücklich zu sein und gar keinen Wunsch mehr zu hegen.
Dieses Eine war die Gesundheit der jungen, blaffm Frau, die am halbgeöffneten Fenster im Sessel saß, und welche mit sichtbarem Entzücken die balsamisch gewürzte Lust einsog.
Auf den ersten Blick mußte man erkennen, daß die junge Frau sehr leidend war, denn die verräterische Röte auf ihren Wangen bewies es; menschliches Wiffen konnte derselben vielleicht das Leben nur noch sehr kurze Zeit erhalten. (Fortsetzung folgt.)
Zur Frage der Gewerbekammern.
Die „D. V.-C." brachte vor einigen Tagen den nachstehenden Artikel, dem wir des allgemeinen Interesses wegen hier eine Stelle geben: Einen vergleichsweise unscheinbaren, aber keineswegs unwichtigen Ring in der Kette, welche das internationale Manchestertum um unser öffentliches Leben gelegt hat, bildet die einseitige Vertretung des Handels (und zwar fast ausschließlich des Großhandels) in den Handelskammern. Schon zu verschiedenen Malen ist darauf hingewiesen worden, daß die Vertretung der Industrie in diesen Körperschaften aus mancherlei Gründen eine durchaus ungenügende ist, und auch da. wo sie an und für sich vielleicht ausreichend wäre, doch nicht: so zu Worte kommt, wie sie es wohl beanspruchen dürste; ebenso haben wir schon mehrfach hervorgehoben, bafr es allerdings gemeinsame Handels- und Gewerbe-Interessen gießt, und daß nichts im Wege stehen würde, in solchen Fällen das gemeinsame Interesse auch gemeinsam wahrzunehmen, daß aber auch zahlreiche Verhältnisse obwalten, in denen die beiderseitigen Interessen einander widerstreiten, und es unmöglich zweckmäßig sein kann, auch für bitfe Fälle die Fiction der Gemeinsamkeit aufrechtzuerhaltefi. Das Kleingewerbe ist vollends, von den baierischen, sächsischen und hanseatischen Gewerbekammern abgesehen (in denen wieder die Interessen der Großindustrie nicht genügend zum Ausdruck kommen), völlig unvertreten, und ist, wenn qs sich hierüber beschwerte, in unseren parlamentarischen Körperschaften stets auf seine „Innungen" verwiesen roorMn. Der ganze gegenwärtige Zu stand der Jnteressen-Vertretung von Handel und Gewerbe ist ein ungesunder, und er w rd nicht erquicklicher dadurch, daß auch die äußere Organisation der Handelskammern nach keiner Seite hin den an sie zu stellenden Anforderungen entspricht. ]
Gutem Vernehmen nach werden gegenwärtig in Rr- gierungskreisen wieder Beratungen über diese Angelegenheit gepflogen, und wir glauben, die Großindustrie sollte einen solchen Anlaß nicht vorübergeben lassen. Zwar sollen die erwähnten Beratungen hauptsächlich den sog. „Handwerkerkammern" gelten, aber da es noch zweifelhaft ist, ob man nicht die Frage der Handwerkerkammern durch die in dem Junuugsgesctz vorgesehenen „Innungs-Ausschüsse" als erledigt betrachten oder es doch in diesem Betreff für erforderlich halten wird, erst die Resultate des Innungs-Gesetzes abzuwarten, und da immerhin das Bedürfnis nach Gewerbekammern auch von mancherlei nichlkleingewerblichen Ge-! sichtspuukten aus in letzter Zeit vielfach hervorgetreten ist, so sollte die Großindustrie immerhin die Gelegenheit ergreifen, um ihre bezüglichen Interessen wahrzunehmen. Unseres Erachtens kann es kaum zweifelhaft sein, welches^ die Stellung der Großindustrie zu dieser Frage sein muß.— Uebcrall. da, wo eine erhebliche industrielle Entwickelung