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ffinrfiurg, Sonntag, 13. November 1881.

xvi. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th- Dietrich u. Co. in zkaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. Dl., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. Dl. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Ri>ilaa<> flZZZTZTZZZTT 7~7 7 TT T 777"

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>n der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Ma. berechnet. *

Fürst Bismarck.

Es darf nicht wunder nehmen, daß der Artikel der bezüglich der Absicht des Reichskanzlers, zurück­zutreten, überall große Sensation hervorgerufen, und dies in um so höherem Grade, als die halbamtliche „Provinz.- Korresp." von diesem Artikel in ausführlichster Weise Notiz genommen hat.

Trotz alledem wird man bei ruhiger Ueberlegung zu dem Schlüsse gelangen müssen, daß in dem gegenwärtigen Augenblicke der Reichskanzler unmöglich ernstlich seinen Rücktritt beabsichtigen kann und darf, denn wenn auch durch das Resultat der letzten Wahlen seine Widersacher im Reichs­tage gewachsen sein sollten, so wird dies doch durchaus nicht den eisernen, für daö Wohl des Landes so eifrig be­mühten Staalsmann veranlassen können, vor einer Koali­tion die Waffen zu strecken, deren wirkliche Macht im Reichs­tage noch gar nicht festgestellt ist und der er zu einer Zeit, als sie im preußischen Abgeordnetenhause sich in der über­wiegenden Majorität befand, den energischsten Widerstand entgegenzusetzen wußte.

Wenn dem gegenüber die Pessimisten den Einwand erheben, daß der Kanzler seit jener Zeit um viele Jahre älter geworden und es müde sei, den Undank und die Ver­leumdung länger zu tragen, so müßte eö nicht Fürst Bis­marck sein, an den diese trüben Erfahrungen herangetreten, wenn dieselben ihn nur irgendwie bestimmen könnten, vor diesem Undank, vor dieser niedrigen Verleumdungssucht seiner Gegner die Flinte ins Korn zu werfen.

Richten wir dock einen Blick auf die, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, „für und wider Bismarck" ab­gegebenen Stimmen, und wir müssen uns sagen, daß die Minoritäten so kolossale sind, daß man, wenn man noch dazu berückstcktigt, welche entsitzlichen Unwahrheiten, Ent­stellungen und Verleumdungen von fortschrittlicher Seite in den berüchtigten Flugblättern u. s. w. unter das Volk geschleudert wurden, unmöglich davon reden kann, daß durch das Wahlresultat die wahre Stimme des deutschen Volkes zum Ausdruck gelangt sei und daß der neu gewählte Reichs­tag diese Stimme repräsentiere.

Wenn je, so trifft bier gewiß Schillers Wort von der Mehrheit zu, daß sie der Unsinn ist und daß man die Stimmen wägen und nicht zählen solle. Und wenn unser großer Dichter in seinem Demetrius treffend weiter sagt:

„Der Staat muß untergehn früh oder spät,

Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet" — so glauben wir sicher, daß Fürst Bismarck noch Mittel und Wege zu finden wissen wird, um nicht durch eine unverständige Mehrheit die Existenz des so glorreich errich­teten Staates wieder aufs Spiel setzen zu lassen. Er wird dies um so leichter, als es ihm gewiß kein Geheimnis ge­blieben sein kann, auf welche Weise der fortgeschrittene

Das verschwundene Kind.

Roman von Ewald August König. ■ (Fortsetzung.,

Er stand jetzt vor ihr und reichte ihr die Hand und nachdem er sie leicht gedrückt hatte, zog er Constanze an sich und küßte sie auf die schwellenden Lippen.

»Endlich!" hauchte daö Mädchen. „Als die Knospen sick öffneten, hast Du mich verlassen und erst nachdem die Rosen verblüht sind, kommst Du zurück."

„Ich konnte nicht eher, Constanze," flüsterte er.

„Was hinderte Dich, Lorenz?"

„So Manches, was ich Dir nicht mitteile, weil Du es doch nicht verstehen würdest."

Constanze sah den Geliebten forschend in die dunkeln Augen, eine ernste Drohung spiegelte sich in ihrem Blick.

„Wenn Du mir untreu werden könntest!" sagte sie.

„Wie Du nur reden kannst, Constanze," antwortete er vorwurfsvoll.

„Wirst Du jetzt bei mir bleiben?"

„Nein, noch nicht."

Heftig stieß das Mädchen ihn zurück; ein flammender Blick traf ihn aus ihren Augen.

„Ist es noch nicht genug der Lüge," fragte sie in zürnender Aufwallung. „Du hast Deinen Schwur 'ge­brochen und an mir gehandelt wie ein Ehrloser —r"

„Constanze!" fiel der junge Mann ihr zürnend inö Wort. „Ist das Deine Liebe, Dein Vertrauen? Wenn Du mir nicht vertraust, kannst Du mich nicht lieben! Denkst Du, die Trennung von Dir schmerzt mich nicht?"

„So bleib bei mir!" sagte dos Mädchen in befehlen­dem Tone.

„Ich kann nicht."

Liberalismus bei den letzten Wahlen einen Teil der Bevöl­kerung düpiert hat und wie dieser Liberalismus auf jene Klasse derselben seine ganzen demagogischen Künste anzu­wenden wußte, die ihm — um auch hier Schillers Worte zu gebrauchen — für Brot und Stiefel ihre Stimme ver­kaufen mußte.

Unbestritten lebt im größten Teil des deutschen Volles die innigste Dankbarkeit fort für die Großthaten, die Fürst Bismarck für dos Gedeihen dieses Volkes, für seine Größe, Macht und Ehre vollführt hat, und wenn es nun vorüber­gehend dem demagogischen Gegner auch gelungen sein sollte, im Parlamente einige Sitze mehr als bisher zu erringen, wird darum die verständige Mehrheit dem das Wohl des Vaterlandes stets im Auge haltenden Reichskanzler ihre Unterstützung entziehen und seinen Reformplänen sich feind­lich gegenüberstellen?

Gewiß nicht, und wenn jemals die Energie des Fürsten Bismarck im parlamentarischen Kampfe geboten war, so in dem bevorstehenden, gegenüber den vereinigten Sezesstonisten und Fortschrittlern.

Wohl wissen wir, daß menschliche Kraft nicht ewig dauern kann, daß der beständige Kampf aufreibt und daß er eiserne Naturen erfordert. Aber Fürst Bismarck hat fick stets, wo es das Wohl des Vaterlandes erforderte, als eine solche eiserne Natur erwiesen und im Kampfe gegen die kurzsichtigen Weissagungen und beispiellosen Ueberhebungen seiner fortschrittlichen Gegner hat er stets den Sieg davongetragen. Was die Fortschrittspartei bisher als verderbenbringend in der Politik Bismarcks bezeichnete, hat dem deutschen Volke stets zum größten Segen gereicht und das Unheil, welches sie als aus der Bismarck'schen Politik sicher hervorgchend prophezeite, ist niemals einge­troffen. Stets ist es anders gekommen, als der fortschritt­liche Liberalismus weissagte. Und vor diesem falschen Propheten sollte ein Mann wie Fürst Bismarck fahnen­flüchtig werden ? Er sollte demselben den innigsten Herzens­wunsch erfüllen und ihm das Feld zu weiterer demagogischer Agitation, zu weiterer Maulwurfsarbcit an dem Ruin des deutschen Reiches überlassen?!

Unmöglich! rufen wir, und: Unmöglich hallt eö zurück aus allen patriotisch fühlenden Kreisen. Mag der Kampf auch noch ernster werden, er muß auSgefochlen werden und darf nicht eher ruhen, bis die Verführer des deutschen Volkes niedergeworfen sind.

In solchem Kampfe aber darf Fürst Bismarck auf die besten Mitstreiter aus dem deutschen Volke zählen. Größer als je wird er dastehen nach dem endlichen Siege über diese Gegner, deren Waffen Unwahrheit, Verläumdung und Undank sind, und sein Lebensabend wird dann durch das schöne Bewußtsein verherrlicht werden, baß sein dereinstiges Wort: „J’y suis, j’y fester dem deutschen Volke und Vaterlande zum Segensworte geworden ist.

»Wer verbietet es Dir? Bist Du nicht Dein eigener Herr? Und hast Du mir nicht gelobt, bei mir zu bleiben als mein Gatte? Hast Du nicht schon in der zweiten Woche mich verlassen? O, ich hätt's voraussehen können, warum glaubte ich Dir? Die Sitten und Gebräuche unseres Volkes sind Dir fremd, Du bist nicht gewöhnt an die Entbehrungen, die wir täglich ertragen müssen, Du kannst es nicht bei uns aushalten. Und Deine Liebe war ja auch weiter nichts als ein Rausch —"

„Constanze!" rief die alte Frau warnend.

„Laßt sie!" bat Lorenz in heiterem Tone, „ich sehe sie gern in dieser Aufwallung. Sie weiß selbst, daß alle diese Vorwürfe unger-cht sind —"

„Ungereckt?" fuhr da- Mädchen auf. „Kannst Du beweisen, daß sie ungerecht sind? Tu kannst es nur dadurch daß Du hier bleibst und Dein Versprechen hältst."

Lorenz schüttelte ablehnend den Kopf.

„Ich muß mit Euch darüber reden," wandte er sich zu der alten Frau, „Ihr sollt meine Gründe hören und urteilen, Kommt!"

„Mir schenkst Du kein Vertrauen?" rief das Mädchen mtrüstet.

»Doch, Constanze aber eS ist bester, wenn Du dies nicht erfährst."

„Geheimnistc!" erwiderte Constanze und wieder traf ihn ein flammender Blick.

„Lorenz, hörst Du den Donner rollen? Hörst Du die gewaltige Stimme deS großen Geistes, welcher über unS schwebt?"

Sie ha te seinen Arm ergriffen, den ihre kleine Hand krampfhaft umklammerte. Sie sah ihm scharf, durchdringend in die Augen, während sie die andere Hand erhob.

Deutsches Reich.

*• Berlin. 11. Nov. Der Kaiser hat wegen eines leichten Unwohlseins durch Verdauungsstörung und bei dem ungünstigen Wetter die Reise zur Jagd bei Springe auf­gegeben. — Seitdem die „Post" angekündigt hat, daß der Reichskanzler nach seiner bald erfolgenden Rückkehr nach Berlin dem Kaiser über die künftige Gestaltung der Re­gierung Vortrag zu halten beabsichtige, hat, wie sich vor­aussehen ließ, die Konjekturalpolitik einen üppigen Boden gefunden. Daß außerdeutsche Blätter hierbei jede sichere Fährte verlieren, wie eö beispielsweise der Wiener „Preste" in ihrem Leitartikel vom 10. November begegnet, kann gerade nicht wunder nehmen. Wohl aber darf man er­staunen, daß die „Nat.-Ztg." sich diesen Artikel telegra­phieren läßt mit der Bemerkung, daß er diplomatisch in­spiriert sei. Einheimische Blätter sind auf den sonderbaren Gedanken verfallen, die Meldung, daß der Kaiser den Reichstag in Person zu eröffnen beabsichtige, beweise, daß er mit dem Reichskanzler neuerdings in Meinungsdifferenzen sich befinde. Man meint, da der Reichskanzler mit dem Ausgang der Wahlen nicht zufrieden, so würde der Kaiser, wenn er diese Meinung teile, den Reichstag nicht eröffnen. In Wahrheit beruht jedoch der Beschluß des Kaisers auf der Bitte des gesamten Staatsministeriums, und wie man das Resultat der Reichstagswahlen auch betrachten möge, so kann man doch nicht behaupten, daß eine oppositionelle Majorität gegen die Wirtschaftspolitik der Reichs-Regierung in den Reichstag bis jetzt gesendet worden sei. Die Voll­ziehung der Stichwahlen ist zwar noch nicht abgeschlossen, das Zentrum aber und die beiden konservativen Fraktionen, welche jetzt bereits die Zahl von 170 Stimmen überschreiten, und selbst einzelne Liberalen, sind Anhänger der neuen Wirtschaftspolitik. — Der Bundesrat hat heute Nachmittag wieder eine Plenarsitzung abgehalten, in welcher nur Be- richte der Ausschüsse über Etatsvorlagen auf der Tages­ordnung standen. — Den königlichen Konsistorien hat der Kultusminister zur Beachtung mitgeteilt, daß nach einer Verfügung des General - Direktors der Steuern vom 31. Mai v. I. Feuervcrsicherungs - Policen als einseitige Verträge stempelfrei sind, wenn dem Versicherten Stempel­freiheit zusteht.

Berlin, 11. Nov. Wie die „Kreuzztg." meint, wird Fürst Bismarck „eine konstitutionelle Konsequenz der letzten Wahlen ziehen, indem er dem Kaiser seine Demission zu Füßen legt; aber er thut es eben in der Weise, wie er den Konstitutionalismus auffaßt, d. h. in monarchischem Sinne, indem er den Kaiser als Richter anruft zwischen seiner Auffassung und derjenigen der liberalen Partei. Für uns ist es nicht zweifelhaft, daß der Kanzler, sobald der Kaiser sich für die Richtung der Politik entschieden hat, welche Fürst Bismarck jetz, für notwendig hält, eben auf

„Bei diesem allmächtigen Geiste hast Du mir geschworen, mick zu lieben und wir treu zu bleiben. Sein Fluch wird Dich vernichten, wenn es ein Meineid war."

Diese in ernstem, drohenden Tone gesprochenen Worte machten einen gewaltigen Eindruck auf den jungen Mann; starr blickte er eine Weile das Mädchen an, dann schlug er verwirrt die Augen nieder, wie ein auf frischer That ertappter Verbrecher, der angesichts der vorliegenden Beweise nichts zu leugnen wagt.

„Er hat Dir Treue geschworen, er wird dm Schwur halten," sagte die Alte mit scharfer Betonung; „nur quäle ihn nickt mit Deinem Mißtrauen! Kommt, ich will hören, was Ihr mir zu sagen habt."

Sie schritt ins Gebüsch hinein, Lorenz folgte ihr und der glühmde Blick Constanze's folgte den Beiden.

Was sie mit einander sprachen, verstand das junge Mädchen nicht; sie sah nur, daß es eine lebhafte Unter­haltung war.

Lorenz schien der Alten einen Vorschlag zu machen, den diese nicht billigte, er sprach eifriger, sie hörte ihn schweigend an, die klugen, durchdringenden Augen unverwandt auf ihn geheftet.

Dann richtete sie mehrere Fragen an ihn, er gab ihr Antwort, sie ging nun näher aus seinen Vorschlag ein und zuletzt schien sie ganz mit ihm einverstanden zu sein.

Tie Unterredung hatte fast eine halbe Stunde in Anspruch genommen und da« Gewitter inzwischen sich ganz entloben.

Es regnete nicht mehr, nur dann und wann noch hörte man das dumpfe Rollen des Donners in weiter Ferne.

(Fortsetzung folgt.)