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JUarÖurq, Donnerstag, 10. November 1881

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Führer der Partei ganz verschiedenen Standpunkt einnehmen. Und so könnte es auch diesmal kommen.

Es ist ausgemacht, daß der neue Reichstag zunächst das Budget zu erledigen und erst in einer Frühjahrssession sich mit anderweitigen Vorlagen der Regierung zu befassen haben wird. In dieser Frühjahrssession wird der neue Reichstag die Probe zu bestehen haben, ob mit ihm eine gedeihliche Wirkung zu erzielen sein wird.

Wohl triumphiert die liberale Partei bereits bezüglich dieses Punktes, ja sie geht sogar so weit, ein Reichstags­präsidium mit Herrn v. Forckenbcck an der Spitze, als in Aussicht stehend zu proklamieren und wenn wir auch zu- gcstehen wollen, daß der Gesamtiiberalismuö alles aufbieten wird, seinen Männern den Sitz im Präsidium zu sichern, so ist doch auf das Zentrum hinzuweisen, in dessen Händen jedenfalls die Entscheidung hinsichtlich der Präsidentenwahl liegen wird. Stimmt das Zentrum auch im neuen Reichs tage wieder für einen Präsidenten aus der deutsch - konser­vativen Fraktion, so steht es außer aller Frage, daß dem Zentrum, wie bisher, die Besetzung des ersten Vizepräst- denten-Posten zufallen wird, und es muß sich dann zeigen, ob der extreme Liberalismus überhaupt einen Sitz im Prä­sidium des neuen Reichstages aufzuwcisen haben wird. Noch läßt sich in dieser Beziehung selbstverständlich nichts Defini­tives sagen; wenn man aber berücksichtigt, daß das Zentrum in der letzten Session auch aus der Mitte der Deutsch- Konservativen den ersten Präsidenten wählte, und sich selbst mit der ersten Vizeprästdcutenstellc begnügte, so will es uns doch scheinen, als hätten die Radikalen diesmal die Rech­nung ohne den Wirt gemacht.

Daß die Regierung für ihre wohlmeinenden Pläne auf eine kompakte Majorität verfügen muß, bedarf keines wei­teren Beweises, wenn man überhaupt nicht leugnen will, daß der Regierung eine größere Kenntnis aller jener Wege zusteht, auf denen sich die wirkliche Wohlfahrt des Volkes erreichen läßt. Wer sich dieser Erkenntnis verschließt, kennt den Lauf der Dinge nicht und verschließt Ohr und Herz der warnenden Stimme aller staatserhalteuden Elemente. Ist eine kompakte Majorität für die Negierung nicht her­zustellen, nun, so erscheint cs selbstredend, daß ein derartiges Parlament unmöglich von langer Dauer sein kann, und daß, falls es zu einer Auflösung desselben kommen muß, das deutsche Volk sich auch sagen wird, daß ein längeres Zusammenwirken der Regierung mit einem solchen Parla­mente vom Uebel sein würde.

Wir geben noch immer die Hoffnung nicht auf, daß es hierzu nicht kommen wird, glauben und hoffen vielmehr zuversichtlich, daß auch in diesem Neichotage die Pläne des Fürsten-Reichskanzlers auf die entschiedene Majorität des­selben zu rechnen haben werden. Es muß sich hier zeigen, ob man in der That auf linkSliberalcr Seite gewillt ist, dem Fürsten Bismarck in schroffer Opposition gegenüber zu treten, oder ob man seiner Erfahrung vertrauen und im neuen Reichstag dahin wirken will, vaß die wirtschast-

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ider. t. lchen.

Besiegt!

Novelle von Leo Sonntag.

(Schluß.)

Kopsschüttelnd sah ihr die alte Dame nach.Ich glaube Lahrhaftlig, das Kind ist in Gustav verliebt I"

Else war unterdessen in den Garten gegangen. Hier saß sie nun in ihrer Lieblingslaube, in der sie dem Doktor gesagt, daß sie ihn hasse. Was war das nun? Warum wollten ihr die Worte nicht aus dem Kopf, die die Tante vorhin gesprochen.Ist er Dir doch gerade so gleichgültig, wie Du ihm." Sie war ihm also gleichgültig! Ja, na­türlich, sonst hätte er doch in seinem Briefe wenigstens einmal ihrer gedacht. Sie war eben seiner Beachtung gar nicht wert. Welches Interesse konnte auch sie, daö Kind, für ihn haben! Er verachtete sie, und sie nun ja, sie haßte ihn! Was konnte ihr also daran liegen, daß er sie ignorierte? Die Tante hatte ganz recht, es war völlig gleichgültig. , t .

f Zu diesem Endresultat war sie gekommen; aber trotz­dem" sie sich dies imtjter und immer wiederholte, wollte sich doch die alte Heiterkeit nicht wieder einstellen.

Die alte Dame, der dieser Seelenzustanv ihres Lieb­lings sehr zu Herzen ging, faßte endlich einen heroischen Entschluß.

Ich muß dem Jungen einmal schreiben, wie eS hier steht, und dieser Gedanke gedieh zur That.

Wer aber malt ihr freudiges Erstaunen, als sie auf ihr langes Schreiben folgende lakonische Antwort erhielt:

Liebe Tante, daß Else mich liebt, wußte ich längst,

wer ist dagegen blind? Aber vaß ich sie liebe, daö weiß ich erst, seit ich von Euch fort bin, seit ich ihre blitzenden Augen nicht mehr sehe, ihre trotzigen Worte nicht mehr höre. Verrate ihr jedoch nichts. Die kleine Festung soll sich von selbst ergeben und sie wird cs, verlaß Dich auf mich."

Die alte Dame hatte eine zu hohe Meinung von ihrem gelehrten Neffen, als vaß sie an seinen Worten hätte zweifeln können; sie wartete daher ruhig auf die Herbst­ferien, die mußten ja Ausklärung bringen.

Und endlich kam der Tag, der den Doktor bringen sollte; aber noch war keine Nachricht von ihm cingetroffen, zu welchem Zug man ihm den Wagen schicken sollte.

Die Damen saßen in der Laube, da kam der Postbote. Else eilte ihm entgegen. Richtig, es war der erwartete Brief. Rasch öffnete ihn die Rätin, überflog die wenigen Zeilen und rief:Er kommt nicht!"

Er kommt nicht!"

Und in den drei Worten lag eine ganze Offenbarung. Hätte die Rätin noch gezweifelt, jetzt hätte sie überzeugt fein müssen, wie es um das junge Mädchen stand. Liebend zog sie dasselbe an sich und Else ließ es willenlos geschehen.

Sage Kino, thut es Dir leid, daß er nicht kommt? Vertraue mir, cs wird Dich erleichtern!"

Und Else schlang die Arme um oen Hals der alten Dame und beichtete ihr alles. Wie sie sich zuerst über des Doktors Vernachlässigung geärgert, wie sie geglaubt, ihn zu Haffen, wie sie nach und nach gefühlt, daß sie ihn liebe; und wie sie gehofft, bei seinem Kommen wird eS ihr endlich gelingen, ihren Trotz zu überwinden, dies alles bekam die Rätin nach und nach zu hören.

Erscheint täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentliche» BeilageJllustrirteS SormtagSblatt durch die Expedition (K o ch sche W Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-

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Zeigen nimmt entgegen: ^Expedition d.Blattes, d.Ännoncen-Bureaw !^h. Dietrich u. Co. >i und Hannover; Th strich in Frankfurt ö.M ^senilem u- Vogler u ..»ntfurt a. M., Berlin Ä-jg, Köln rc.; Rudol, L in Berlin, Frank-

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Siehst Du Tantchen", schloß das junge Mädchen endlich,ick war lange mit mir selbst im Unklaren, ob ich ihn hasse oder liebe, bis Du mir sagtest, ich sei ihm gleichgültig; da wußte ich, daß ich ihn liebe!"

Höre ich recht?" fragte da eine Männerstimme.

Else wandte sich rasch um und stand wie mit Purpur übergossen, denn der Doktor stand vor ihr.

Ja hier bin ich. Und meine List ist gelungen, die Festung hat sich ergeben. Else, glaubst Du noch, daß Du mir gleichgültig bist?"

Sie sah in seine strahlenden Augen.Nein", flüsterte sie dann leise.

Er trat näher und schlang seinen Arm um sie.Und jetzt", bat er,sage mir noch einmal, was der Zufall mit vorhin offenbarte, sag es mit hier, wo Du mir ewigen Haß geschworen."

Sie blickte zu ihm auf. Leise, aber ihm deutlich vernehmbar klang eS von ihren Lippen:Ich liebe Dich!"

Else, meine Else!"

Sie lag in seinen Armen, und die Rätin, die gar nicht wußte, wie ihr geschehen, weinte heiße Freuden« thränen. Lange sprachen die drei glücklichen kein Wort, da endlich sah der Doktor seine kleine Braut lächelnd an:

Else," sprach er,jetzt mußt Du aber alle meine Lieder begleiten."

Gern", versetzte sie leise errötend,die Liebe hat mei­nen Trotz besiegt."

V Ter neue Reichstag.

Es darf nicht Wunder nehmen, daß die Physiognomie teg neuen Reichstages das allgemeinste Interesse in An­spruch nimmt, doch muß cs in der That gar eigentümlich scheinen, daß die Fortschrittler und Secesstonisten noch immer auf denerrungenen Wahlsieg" pochen und durch« auS nickt zu der Erkenntnis gelangen wollen, daß sie in Wahrheit bis zu dieser Stunde sehr wenig, oder eigentlich aar nichts erreicht haben.

Je größer ihr Siegesjubel, desto geringer erscheinen uns ihre praktischen Wahlresultate, und wenn sie uns auch tmch Zahlen zu beweisen suchen, wie viel Sitze der Fort­schritt und die Secession gewonnen haben, so bleibt doch immerhin abzuwägen, welcher Art derSieg" ist, den die radikalen Parteien sich jetzt zuschreiben.

Fest steht, daß die gemäßigten Fraktionen ihren bis­herigen Besitzstand rcduciert sehen, und daß der linke Flügel des Plenums im neuen Reichstage, der linke Flügel der Liberalen überhaupt, einen Zuwachs erfahren hat.

Was aber folgt aus dieser Thatsache?

Zweifellos haben wir in dem Wahlresultat in erster Linie ein politisches Motiv zu erblicken und wenn un­bestritten ist, daß der linke Flügel der Liberalen Alles in Bewegung gesetzt hat, um die Stimmen der Wähler für seine Kandidaten in die Wahlurne gelegt zu sehen, so ist aber auch eben so unumstößlich wahr, daß wir, wenn 'der gesamte Liberalismus nach den beendigten Stichwahlen überhaupt einen Zuwachs zu verzeichnen haben sollte, die­ses Resultat lediglich auf die politische Seite des stattge- habtcn Wahlkampfes zu schreiben haben werden.

Wir werden das Wahlresultat in diesem Falle ties be­klagen müssen, wenn wir uns angesichts ser Aufgaben, welche dem neuen Reichstage obliegen werden, nicht mit der Tbatsache trösten dürften, daß dem letzteren Vorlagen poli­tischer Natur wohl kaum, oder doch nur in sehr geringem Maße zugehen werden, daß der neue Reichstag aber in erster Linie sich mit wirtschaftlichen Fragen zu befchäftigen haben wird.

Angesichts dieser Thatsache will eS uns nicht recht be­greiflich erscheinen, wie man auf Seite der Linköliberaleu den Mut besitzt, heute schon in die Siegestrompete zu stoße», renn bisher hat cs in allen politischen Parteien Männer gegeben, die, abgesehen von ihrer politischen Partei­farbe, der Wirtschaftspolitik des Fürsten Bismarck ihre volle Unterstützung angedeihen zu lassen sich bemüht zeigten.

Die Disciplin der mehr links neigenden Parteien ist allerdings als so unerschütterlich bekannt, daß man kaum annehmen könnte, man habe auf jener Seite Persönlich­keiten in den Reichstag wähtcn lassen, die nicht unbedingt der Parole:Wider Bismarck" folgen werden, aber wir dürfen doch auch nickt unerwähnt lassen, daß oft genug einzelne Mitglieder einer politischen Partei, sobald es sich um wirtschaftliche Fragen handelt, einen mit bezug auf die

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; G. Schlotte in Bremen.

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liehen Reforrnpläue des hochverdienten Mannes endlich den Sieg erringen.__

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Nov. DiePost" enthält einen Aufsehen machenden Artikel, welcher sagt: Fürst Biömarck beabsich­tige, im Laufe der Woche hierher zurückzukehren und dem Kaiser angesichts des Wahlergebnisses über die zukünftige Gestaltung der Regierung Vortrag zu halten. DiePost" hört, der Kanzler habe geäußert, er sei müde, das Stich­blatt für alle Bosheit, Niederträchtigkeit, Verleumdung und neidi che Verdächtigung zu sein, welche eine Bevölkerung von 45 Millionen ablag re. Am Schluffe des Artikels heißt: Nach den Grundsätzen des Parlamentarismus würde die Majorität die Nachfolge des Kanzlers über­nehmen müssen; indessen die Fortschrittspartei und das Centrum könnten wohl gemeinsam opponieren, aber nicht gemeinsam regieren. Bei der Unmöglichkeit, Preußen monarchisch und dennoch nach den Grundsätzen der Fort­schrittspartei zu regieren, könne der Nachfolger des Kanz­lers bei der Wahl zwischen Centrum und Fortschrittspartei sich nur zu gunsten des Centrums entscheiden und unter Mitwirkung der katholischen Partei eine regierungsfähige Majorität zu bilden suchen. Der langjährige Kampf deS Fürsten Bismarck mit dem Centrum lasse hierzu andere, sei: her an den Kämpfen unbete ligte Personen geeigneter erscheinen als den Fürsten Bismarck, der jenen Kampf, gestützt auf die frühere große nationalliberale Partei, glaubte führen zu können, ihn aber aufgeben mußte, weil ihn nach dem Mißlingen der Verhandlungen mit dem Abgeordneten von Bennigsen die liberale Partei im Stiche ließ. Nach­dem diese Partei die Führung an radikalere Elemente ver­loren, ist der Weg, welcher der Regierung bis 1877 vor­schwebte, ungangbar geworden. Für die neuen Wege aber dürfte die Verantwortlichkeit besser an einen Staatsmann übergehen, welcher die Antizedentien des Reichskanzlers nicht hat. Wir haben schon Veranlassung genommen, bezüg­lich einer angeblichen Aeußerung dcö Kronprinzen über Berliner Pastoren, welche Böcke schießen", neben derN. Pr. Ztg " zu konstatieren, daß die darüber in den Blättern enthaltene Mitteilung auf Unwahrheit beruht. Wenn jetzt dieMagdeb. Zig.", von welcher jene Mitteilung ausging, letztere aufrecht halten zu müssen meint, so können wir nur wiederholt erklären, daß dieselbe nach an maßgebender Stelle eingezogener Erkundigung völlig erfunden ist. Auf den gegenwärtig tagenden Provinzial-Synoden giebt sich seitens der verschwindenden oppositionellen Minorität offenbar daö Bestreden kund, die Verhandlungen durch allerlei Nörge­leien, Form- und Geschäftsorduungsfragen rc. zu verschlep­pen, so daß man den Eindruck gewinnt, als sei von ge­wisser Seite die Parole ausgegeben worden, durch der­artige Zeitverschwendung definitive Beschlüsse zu verhindern oder doch aufzuhalten. Hoffentlich wird es der überwie­genden Majorität der strenggläubigen Synodalen gelingen,