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-Ularfnirq, Mittwoch, 9. November 1881

xvi. Zahrnaas

«rtieigen nimmt entgegen: Me Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureauz ,, Tb- Dietrich u. Co. ii Raffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a M Oaasenstein u. Vogler ii Srantfurt a. M-, Berlin p-jxzig, Köln rc.; Rudol, Moffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

ZkitllW.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonutagsblatt" durch die Expedition ($t o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/4 Atark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Die Stichwahlen

treffen in drei hessischen Kreisen die konservativen Kandi­daten wir kämpfen in Wolfhagen-Hofgeismar-Rinteln gegen die Nationalliberalen, in Kassel gegen die Fortschrittler, in Hanau - Gelnhausen gegen die Sozialdemokraten. Wie ncrdcn sich unsere Gegner untereinander vertragen und uns gegenüber bei der Stichwahl stellen? Darüber brauchen wir keinen Augenblick im Zweifel zu sein. Im ersten Wahl­kreise hat bereits der Herr Schullehrer a. D. Liebermann seine Getreuen zur Heercsfolge für den nationalliberalen Senator Schläger in Hannover aufgerufen. Eine ganz andre Frage ist es, ob die durch die fortschrittlichen Ver­lockungen seither irregeleiteten Landleute diesem Rufe folgen und gegen ihr eigen Fleisch und Blut gegen den Acker­mann Knobel wählen werden. Warten wir das abl In Kassel haben die Nationalliberalen, dankbar für den edcln Vorgang Liebermanns, ihre Parteigenossen aufgefordert, für den Fortfchriltler Schwarzenberg zu stimmen. Das haben die Nationalliberalen Kassels gethan, die Stadt der libe­ralen Helden, die großen Män ner unsrer frühem herrschenden Partei! Soweit ist es schon gekommen, daß sie als ein armes Häuflein hinter dem Triumphwagen des Fortschritts herziehen! Viel Vergnügen! aber reden wir doch von keiner nationalliberalen Partei in Hessen mehr! Den Todesstoß hat diese Partei sich selbst gegeben.

Und die Liberalen in Hanau? Sehen wir uns den Fall, wie sich die Liberalen bei einer Stichwahl zwischen Konservativen und Sozialdemokraten stellen, etwas näher an. Unsrevereinigten Liberalen" deklamierten vor der Wahl in ihrem Lciborgane, demTageblatt", über die s r e i h e i t s g e f ä h r l i ch e n" Bestrebungen Bismarcks 1 Ganz dasselbe, mit denselben Worten, thaten die Sozial­demokraten in ihrem Wahlaufrufe. Das konservative Wahl­komitee sagte in der für die Wähler hiesiger Stadt be­stimmten Ansprache, mit welcher die Wahlzettel verteilt wurden:die Liberalen haben in letzter Stunde die Maske abgeworfen und mit den Sozialdemokraten gegen diefrei- heitsgefährlichen Bestrebungen Bismarcks" ihr thörichtes Geschrei erhöbe n". Die Weisen desTageblatts" waren darüber sehr entrüstet undgingen über die Tollheit dieses Vorwurfes einfach hinweg." Und was thun nun die Herren Fortschrittler in Hanau? die doch auch zu denvereinigten Liberalen" ge= hören sie beschließen und fordern ihre Partei auf, mit den Socialdcmokraten für Herrn Frohme zu wählen! Der Gelehrte desTageblattes" wollte es ja abwarten, ob die Liberalen oderKonfervativen bei den Stichwahlen mit den Socialdemokroten stimmten da hat er ja das abgewarte e Exempel! und nun wird der Herr ja wohl dieTollheit" sich oder seinen geehrten

liberalen Parteigenossen in Hanau an den Kopf werfen können. Wir haben das von vornherein erkannt und rich­tig vorauSgesogt wir kennen diese Leute es besteht zwischen den vereinigten Liberalen und den Socialdcmokraten die Intimität gemeinschaftlicher Feindschaft gegen christliche Zucht, gegen geordnete Freiheit, gegen die Wirt­schaftspolitik der redlichen Arbeit Wir Konservativen in Hessen können stolz darauf sein, daß wir in drei Wahl­kreisen gesiegt haben, in dreien den Kampf gegen unsere Feinde mit fliegenden Fahnen und offenem Visier auf­nahmen. Schon dieser Kampf ist ein Sieg der Wahr­heit über die Lüge.

Ja, das deutsche Volk wird in seinem berechtigten Streben nach festen Grundlagen für feine Einheit siegen, trotz Liberalen und Socialdcmokraten. Der Bund dieser beiden gezen des Reiches Bestand wird auch dann nicht und vielleicht eben deßhalb nicht zu einem Siege führen, wenn wie die Wahlen erweisen der Partikularismus in den herrschenden Kreisen der süddeutschen Staaten sich als dritter Gegner im Bunde dazu gesellt. Wir wünschen denvereinigten Liberalen" Glück zu diesen Alliancen. Sage mir, mit wem Du gehst und ich sage Dir, wer Du bist!

Deutsches Reich.

** Berlin, 5. November. Der Etat für die Ver­waltung der Eifenbahnen auf das Etatsjahr 1882/83 veranschlagt die Einnahmen auf 40 083 700 M., 2 448 700 M. mehr als im Vorjahr. Alle einzelnen Positionen sind höher normiert, mit Ausnahme der Vergütung für Ucber- lassung von Bahnanlagen und für Leistungen zu Gunsten Dritter, welche 596400 M., 8200 M. weniger beträgt.. Die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr sind auf 1 002 300 M., 500,000 M. mehr veranschlagt, da die Frequenz im Personerverkehr, welche mehrere Jahre hindurch nachgelassen hatte, seit 1880/81 wieder im Steigen begriffen ist. Was den Güterverkehr betrifft, fo hat sich dieser noch mehr gehoben. Wenn aber auch eine noch weitere Steigerung erwartet werden darf, so ist doch zu be­rücksichtigen , daß die neuen Strecken sich für den Güter­verkehr in verschiedenen wichtigen Beziehungen als eigne Konkurrenz- und Abkürzungslinien darstellen. Es ist daher nur ein Mehr von 1537 000 M. angenommen. Die fortdauernden Ausgaben sind auf 27 397 300 M. gegen 26 595 600 M. veranschlagt, so daß sich ein Ueberschuß von 12 686 400 M., 1 647 000 M. mehr als im Vor­jahre ergicbt. Von den Ausgaben sind jedoch 2 070 890, M. als küftig wegfallend bezeichnet. Die einmaligen Ans- gaben sind auf 4400000 M. veranschlagt, 1011936 M. mehr. An diesem Mehr partizipirt eine Position, welche im vorigen Etat fehlt mit 1400000 M. als Restbetrag zur

Vermehrung der Betriebsmittel für die Reichs-Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen, wogegen der Restbetrag für die Um­gestaltung der Bahnhofsanlage bei Straßburg 500 000 M. weniger als im Vorjahre beträgt. Diese beiden Positionen werden jedoch aus der französischen Kriegskosten-Entschä­digung gedeckt. Zur Herstellung eines Verwaltungsgebäudes für die General-Direktion der Eisenbahnen in Straßburg und eines Dienstgcbäudes für die Betriebs- und Güter- Jnspektion daselbst ist die zweite Rate mit 100 000 M. gegen 500000 M. im Vorjahre in den Etat gestellt. Diese Position, sowie diejenige für den Bau der Eisenbahn von Teterchcn nach Diedenhofen, Restbetrag von 100000 Mark gegen 1114515 Mark im Vorjahre, werden aus der Anleihe gedeckt.

Berlin, 6. Nov. Der Kaiser ist gestern Abend wohl­behalten von der Jagd in der Schorfhaide zurückgekehrt und will nun noch mehreren Jagden, so namentlich im Letzlinger Forst, beiwohnen. Die Kaiserin gedenkt Ende d. M. hier einzutreffen. Es heißt, der Kaiser habe die Absicht, den neuen Reichstag persönlich zu eröffnen, Fürst Bismarck wolle der Eröffnung ebenfalls beiwohnen. Ob das geschehen wird, läßt sich zur Zeit noch nicht absehen. Die frühzeitige Eröffnung des Reichstages ist auf die Wünsche des Finanz Ministers zurückzuführen. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Vor den Wahlen zum Reichstage ist gegen das Tabaksmonopol vielfach in der Weise agitiert worden, daß das Gerücht ausgesprengt worden ist, der Preis der ge­ringsten Tabaksgattnng werde nach Einführung des Mono­pols nicht weniger als 5 Mark das Pfund betragen. Ins­besondere seitens der Tabaksladenbesitzer in Dörfern und kleineren Städten ist diese tendenziöse Unwahrheit unter denjenigen Wählern, die nicht gebildet genug waren, um den Kunstgriff zu durchschauen, kolportiert worden; der Ur­sprung dieser absichtlichen Entstellung ist freilich bei Ele­menten zu suchen, die auf einer höheren Bildungsstufe stehen: bei den Führern der Fortschrittspartei und den Ver­fassern ihrer Flugblätter zur Bethörung der Wähler. In­sofern diese Agitation sich nicht mit der Aufstellung dieser aus der Luft gegriffenen Behauptung begnügte, sondern auchBeweise" hierfür beizubringen vorgab, wurde auf das Beispiel Frankreichs verwiesen, wo allerdings der soge­nannte Korporalstabak zu 6 Franks das Pfund in den

Einzelverkauf gelangt; dieser selbe Tabak wird aber von

der französischen Regie beim Export für 3 Franks das

Pfund verkauft, bei welchem Preise auch außer der Er­

stattung der Herstellungskosten der landesübliche Gewinn erzielt wird. Die Differenz von 3 auf 6 Franks ist dem­nach nur eine auf den Tabak gelegte überaus hohe Steuer, die in Deutschland zu erheben selbstverständlich niemals be­absichtigt werden kann. Seitens der Vertreter der deutschen Reicksregicrung ist vielmehr wiederholt die Absicht ausge­sprochen worden, bei Einführung des Monopols den Tabak,

Besiegt!

Novelle von Leo Sonntag.

(Fortsetzung statt Schluß)

Ach, dummes Zeug! Ich wollte wirklich, Ihr ließet diese Geschichten! Seid Ihr doch Beide liebe gute Men­schen, warum könnt Ihr nicht in Frieden mit einander leben?"

Ja, liebste Tante, ich weiß eS wahrhaftig nicht, da mußt Du Fräulein Else fragen."

Die aber war unterdessen verschwunden. Während der wenigen Tage, die der Doktor noch dablieb, herrschte ein förmlicher Kriegszustand zwischen den beiden jungen Leuten, und als am letzten Tage der Wagen vor der Thür stand, der den Doktor an die Bahn bringen sollte, da war Else nirgends zu finden.

Ja Tante, ich kann nicht länger warten. Bestelle dem Fäulein meine Grüße und sage Ihr, ich freute mich sehr auf das Wiedersehen in den Herbstferien. Adieu, liebe Tante, lebe recht wohl!"

Und er sprang in den Wagen, der auch sogleich davon rollte.

Oben aber, in dem Zimmer das er bewohnt hatte, schob eine kleine Hand leise den Vorhang bei Seite, und ein paar thränenfeuchte Augen schauten dem davonrollcndcn Wagen nach.

Als Else eine Stunde später bei der Tante erschien, fragte diese in fast erzürntem Tone:

Aber Else, was bedeutet das, daß Du Gustav abreisen läßt, ohne ihm Adieu zu sagen!"

Wenn es dem Herrn Doktor der Mühe wert gewesen wäre, von mir Abschied zu nehmen, so hätte er mich ja aussuchen können!"

Aber Kind, er konnte nicht, er hätte ja den Zug ver­säumt."

Nun, dann hätte er ja mit einem anderen fahren können!"

Nein, Else, daS ist wirklich zu kindisch!" rief bie alte Dame, jetzt ernstlich böse.Wie kannst Du nur einem Manne zumuten, den Zug zu versäumen, weil eS Dir nicht gefällig ist, ihm Adieu zu sagen?

Ja, natürlichkindisch". Ich wußte es ja, Tantchen, daß Du Dich von dem Herrn Doktor anstccken lassen würdest. Es ist doch wirklich zu arg! Konnte et denn nicht damit zufrieden sein, daß er mir das Leben ver­bittert, müße er auch noch Dich gegen mich einnehmen?"

Bei diesen Worten brach das junge Mädchen in bitteres Schluchzen aus und nur mit Mühe gelang es der Rätin, sic wieder zu beruhigen.

Von diesem Tage jedoch war Else wie umgewandelt. Ihr heiteres Lachen, ihr fröhlicher Gesang tönte nicht mehr durch das Haus und nur selten vermochte die Tante sie zu bewegen, sich ans Klavier zu setzen. Dann aber spielte sic so traurige Weisen, daß der alten Dame fast die Thränen in die Augen traten.

Was das Kind nur haben mag?" dachte sie.Sie ist so ernst geworden, daß man sie fast gar nicht mehr kennt. Ich begreife sie nicht."

So vergingen einige Tage. Da kam ein Brief von dem Doktor. Else war gerade im Garten, als der Postbote kam, und brachte ihn der Tante.

Tantchen, ein Brief von Deinem liebenswürdigen Neffen!" rief ste. Voller Freude nahm ihn die Rätin ent­gegen und ungeduldig wartete das junge Mädchen, bis die Brille aufgesetzt, der Brief geöffnet und langsam und be­

dächtig gelesen war. Ob er sich wohl entschuldigen würde, daß er ohne Abschied von ihr gegangen?

Endlich faltete die alte Dame den Brief wieder zu­sammen. Erwartungsvoll blickte Else auf sie hin.Nun?" klang es zögernd von ihren Lippen.

Was denn, Kind?"

Läßt er mir nichts sagen?"

Dir? Was soll er Dir zu sagen haben? Willst Du Dich auch noch brieflich mit ihm zanken?"

WaS er mir zu sagen haben soll? Entschuldigt er sich nicht, daß er fortgegangen, ohne mit Adieu zu sagen?"

Nein, et erwähnt das gar nicht."

Erwähnt er mich überhaupt nicht?"

Ich glaube nicht."

Schickt er mir sticht einmal einen Gruß?"

Die Rätin entfaltete den Brief wieder und ebenso lang­sam wie vorhin, las sie ihn noch einmal durch.

Nun?"

Kein Gruß für Dich. Dein Name ist gar nicht genannt."

.Gar nicht?"

Das klang so tief traurig, so bitter enttäuscht, daß die alte Dame ihre Pflegetochter erstaunt ansah. Sollte Else ? doch nein, das war nicht möglich. Und doch

Was kann Dir daran liegen, Kind? Ist et Dir doch gerade so gleichgültig, wie Du ihm."

8Gleichgülttg! Mit ist er nicht gleichgültig! Ich - ich _ hasse ihn ja!" rief Else, aber der Ton war nicht so zuversichtlich, wie vor wenigen Tagen, und als sie die forschenden Blicke der Geheimetätin auf sich gerichtet sah, da eilte sie aus dem Zimmer.

(Schluß folgt.)