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JUatßutfl, Freitag, 4. November 1881.
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Deutsches Reich.
** Berlin, 2. November. In neuerer Zeit sind dem Reichskanzler zahlreiche Eingaben von Innungen und einzeln stehenden Handwerkern, sowie eine mit mehreren tausend Unterschriften aus allen Teilen Deutschlands versehene Petiiion von Angehörigen des Blech- und Metallarbeiter- Gewerbes zugegangcn, in welchen lebhafte Klage über den von Tag zu Tag empfindlicher werdenden Schaden geführt wird, den die mit Weißblech-, Eisenblech- und Zinkblech- Waren aller Art hausierenden „Slovaken" oder „Rastl- binder" den seßhaften Handwerkern und den Ladenbesitzern zufügen. Dabei haben die Beschwerdesührer hervorgchobcn, daß von den sog. slovakischen Meistern sehr viele Knaben im schulpflichtigen Alter und noch nicht 21 Jahre alte Burschen zum hausieren verwandt und trotz der entgegenstehenden Vorschriften, seitens der Ortspolizeibehörden unbehelligt gelassen würden. Die Minister der Finanzen, des Handels und des Innern haben hieraus Anlaß genommen, die strenge Handhabung der von dem Bundesrat über den Gcwerbetrieb der Ausländer im Umherziehen erlassenen Bestimmungen, sowie der bezüglichen Ministerialerlasse in Erinnerung zu bringen. Insbesondere ist zu beachten, daß vor Erteilung des Legitimationsscheines an ausländische Hausierer zu prüfen ist, ob für den betreffenden Bezirk ein Bedürfnis vorhanden ist, solche Händler zuzulaffen und ob die Persönlichkeit der Hausierer und ihrer Begleiter den gesetzlichen Anforderungen entspricht, d. h. ob sie das 21. Lebensjahr überschritten haben. Andernfalls ist ihnen die Legitimation zu versagen, bis auf Weiteres auch denen, welche im Vorjahre einen solchen nicht erhalt n haben oder nur als Begleiter eines legitimierten Hausierers zugelasseu waren. In den Legitimativnsscheinen sind neben dem genauen Signalement des Gewerbetreibenden und der näheren Bezeichnung des Gewerbebetriebs auch die Namen, die Personalbeschreibungen und die Altersangaben der zugelassenen Begleiter aufzunehmen. Die Polizeibehörden und GenSdarmen sollen auf den Gewerbebetrieb der Slovaken ein besonders wachsames Auge haben. — Nach den Bestimmungen des amllichen Warenverzeichnisses zum Zolltarif sind die Dichtigkeitsgrade der der Zollbehandlung
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Besiegt!
Novelle von Leo Sonntag.
(Fortsetzung.)
„Kleine Schmeichelkatze", war die lächelnde Antwort, „Du meinst wohl, das ginge immer so! Nein, nein, diesmal bin ich ernstlich böse! Was hat eS denn nur wieder gegeben ?
„Gar nichts weiter, Tantchen, als daß der Herr Doktor einmal wieder den Schulmeister herauSgekchrt haben und daß ich mir dies nicht gefallen lasse."
„Er sagt aber doch, er habe Dich nur gebeten, ihn zu begleiten unb —"
„Und ich habe mich geweigert Ja, da hat der Herr Doktor ganz recht: ich habe mich geweigert, weil ich nicht daran gewöhnt bin, daß man so mit mir redet, wie er es gethan. Weißt Du, Tantchen", und sie schmiegte sich enger an die alte Dame, „wenn Du mir etwas sagst, dann thue ich eS gern, sehr gern, für Dich ginge ich durchs Feuer; aber Dein Herr Neffe glaubt immer, er müsse mich wie ein Schulkind behandeln und das — das ärgert mich und dann werde ich ungezogen."
„Wie ein Schulkind", warf die alte Dame ein „unb bestärkst ihn dadurch in seinem Glauben, Du seiest ein solches und nicht eine junge Dame, für die Du doch gerne gehalten sein möchtest. Ja", fügte sie ernster hinzu, „ich fange an, einzusehen, daß ich Dich verwöhnt habe unb daß es für Dich besser gewesen wäre, ich hätte Dich strenger behandelt."
„Nun, woher diese plötzliche Einsicht kommt, brauche ich wohl nicht erst zu fragen", meinte Else, „die hast Du doch auf jeden Fall dem Herrn Doktor zu verdanken!"
„Teilweise ja, ich kann es nicht leugnen. Als ich Dich
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Detailpreis zwei sehr verschiedene Dinge, und der letztere wird durch eine solche Menge lokaler und sonstiger Einflüffe bedingt, daß ein nicht eben sehr hoher Zoll bei diesen Ein- Püffen kaum eine Rolle spielt. Allerdings ist es richtig daß in diesem Falle der Zoll, statt von den Konsumentm von den Detailliften bezw. den Vormännern derselben getragen werden muß; aber unter diesen ziemlich zahlreichen Händen verteilt der kleine Zoll sich derart, daß er kaum wahrzunehmen ist. Fürs Dritte endlich wird durch den Zoll die Spekulation an und für sich erschwert, unb muß daher bcr bis dahin maßgebend gewesene, die Preise diktierende Zwischenhändler Opfer bringen, um sein Geschäft auch fernerhin machen zu können. Mancher weniger leistungsfähige Zwischenhändler wird dies nicht können und sein Geschäft aufgeben müssen, und die Zahl dieser Klaffe von Geschäftsleuten wird sich also verringern. Die Uebng- bleibenden müssen, wenn auch nicht die ganze Last deS Zolles, so doch einen ansehnlichen Teil desselben tragen. Aas allen diesen Gründen kann eS sehr recht sein, daß ein Zoll dem Staate Geld einbringt und dem Konsumenten die Ware dennoch nicht verteuert. — Aber was nützt alsdann der Zoll dem Produzenten, dem er doch zu Gute kommen soll? fragt nun höhnisch der Freihändler. O ja, er kann ihm dennoch nützen, auch wenn durchaus keine Preiserhöhung eintritt; und wir haben ja in Obigem auch keineswegs bar» thun wollen, daß der Zoll die Preise nicht erhöhen könne und dürfe, sondern nur, daß er sie nicht erhöhen müsse. Aber selbst bann, wenn die Preise nicht steigen, ist der einheimische Produzent kraft des Zolles günstiger gestellt, als sei» ausländischer Konkurrent. Er ist freier geworden, von der internationalen Spekulation, er hat die Vorhand bekommen, während früher der Händler die Vorhand hatte, und es ist ihm eher ermöglicht, unter den für ihn zweckmäßigsten Umständen zu verkaufen. Jedenfalls ist er jetzt bei gleichen Preisen dem ausländischen Konkurrenten gegenüber im Vorteil, während er früher selbst in diesem Falle eher absichtlich zurückgesetzt wurde. DaS kann aber eine Sache von großem Werte fein unb spielt namentlich bei dem Produzenten des Landbaues eine bedeutende Rolle. Auch dieses gegnerische Argument ist also hinfällig."
Berlin, 2. Nov. In der am 1. November unter dem Vorsitze des Staatsministers v. Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde zunächst die Vorlage betreffend die allgemeine Rechnung über den Reichshaushalt für das Etatsjahr 1877/78, dem Ausschüsse für Rechnungswesen überwiesen. Sodann erfolgte Beschlußfassung über die Wiederbesetzung der erledigten Stelle eines Mitgliedes der auf Grund des § 26 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 gebildeten Reichskommisston. Auf die mündlichen Berichte der Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr wurde bekenne, wird er Dich nie wieder um eine Gefälligkeit bitten, Du müßtest Dich denn entschließen können, ihn um Verzeihung zu bitten —"
»Ich ihn um Verzeihung bitten!"
»Ach Else, das klang fast so trotzig, wie vorhin, und ich glaubte doch, Du habest Dein Unrecht eingesehen."
Das junge Mädchen antwortete nicht sogleich. Bei ihren letzten Worten, die sie in ziemlich heftigem Tone gesprochen, hatte sie sich von der Bank erhoben und kehrte jetzt der Geheimrätin den Rücken. Nach wenigen Sekunden wandte sie sich wieder um.
„Tantchen," sprach ste sanft, „Du sollst Dir keine Vorwürfe machen, ich gehe hin, um dem Herrn Doktor Abbitte zu thun." —
Dr. Arnold faß während besten drinnen im Zimmer, rauchte unb las bie Zeitung. Da hörte er hinter sich leise Schritte er roanbte sich um unb erblickte Else.
»Ah, mein Fräulein," redete er sie an, „Sie bereuen wohl Ihr unliebenSwürdiges Wesen unb kommen, sich bei bem Herrn Schulmeister zu entschuldigen?"
Daö roav-zu viel. Der Schritt, der das junge Mädchen so viel Uebettolnbung gekostet hatte, er wurde von ihm als etwas ganz Natürliches, SelbstverstänblicheS angenommen! Nein, ben Triumph konnte sie ihm nicht gönnen I
„Sie irren, Herr Doktor, ich bereue gar nichts. Aber die Taute hat mich gebeten, Ihr Lied zu begleiten unb ba ich ihr nie etwas abschlage, so bin ich gekommen, eS zu thun."
„Ich banke, mein Fräulein, doch bin ich augenblicklich nicht in der Stimmung zu fingen." Mit diesen Worten wandte er Else den Rücken und vertiefte sich wieder in seine Zeitung. (Forts, folgt.)
unterliegenden Mineralöle der Nr. 29 des Zolltarifs mittelst eines für Messungen dieser Art eingerichteten Aräometers festzustellen. Bei der erheblichen Wichtigkeit, welche die richtige Feststellung der Dichtigkeit für die Zollkasse und die Zollpflichtigen hat, erscheint cs angemeffen, daß zu diesen Messungen nut Aräometer benutzt werden, deren Richtigkeit unter öffentlicher Autorität geprüft und beglaubigt ist. Da jedoch Aräometer, welche die gedachte Dichtigkeitsgrade angeben, nach den geltenden Vorschriften nicht aichfähig sind, so haben die Zollstellen bisher unge- aichte Aräometer gebrauchen müssen. Es ist daher der Erlaß von Bestimmungen wünschenswert, wonach sämmt- liche derartige Aräometer durch die Normal - Aichungs- Kommission geprüft werden. Dem Bundesrat ist nunmehr der Entwurf solcher Bestimmungen vorgelegt worden.
— In einem Artikel: „Die Verteuerung der Preise durch die Zölle" läßt die „D. V. C." sich in folgender Weise vernehmen: „Das anfangs vornehme, dann erbitterte Festhalten der fortschrittlich freihändlerischen Presse an der Behauptung, alle Preise mit Zoll belegter Ware fliegen mindestens um die Höhe des Zolles, hat wenigstens die eine erfreuliche Folge gehabt, daß diese Behauptung von den verschiedensten Gesichtspunkten aus auf die Wahrheit geprüft worden ist. Als das Resultat dieser Untersuchungen muß eö von jedem unbefangenen Beurteiler bezeichnet werden, daß allermindestens der Beweis dafür, die eben charakterisierte Wirkung trete mit Notwendigkeit ober auch nur mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein, nicht zu erbringen ist. Nicht allein vom Parteistandpunkte aus ist dies an den mannigfaltigsten praktischen Beispielen nachge- wiesen worden, sondern auch unbefangene, sogar eher dem Freihandel zugeneigte Männer der Wissenschaft, sind zu dem gleichen Ergebnisse gelangt, und alles Toben der Gegner, alles Gerede von der Selbstverständlichkeit ihrer Aufstellung rc. fällt jetzt auf sie selbst zurück. — Wie erklärt sich nun diese, auf den ersten Blick ja allerdings frappierende Erscheinung? Aus drei Ursachen. Fürs erste bleibt (allerdings nur bei denjenigen Artikeln, welche im eigenen Lande in hinlänglicher Menge produziert werden) doch immer die Konkurrenz innerhalb der inländischen Produzenten inkraft, und diese müssen an Zahl schon sehr gering unb in sehr enger Vernndung mit einander fein, um durch Verabredungen diese gegenseitige Konkurrenz wirkungslos machen zu können. Der entscheidende Punkt für die Preisbildung wird also nicht in bem Preise des betreffenden Auslands« Produkts plus Zoll, sondern in ben Herstellungskosten des Jnlandsproonkts liegen: wo diese höher sind, als der Gesamtpreis des Auslandsprodukts, da ist allerdings das letz- tere maßgebend, aber damit ist keineswegs gesagt, daß der Preis des Jnlandsprodukts sich stets auf der Höhe halten muß, zu welcher trotz Zoll das Auslandsprodukt noch geliefert werden kann. Fürs Zweite sind Großhandels- und vor zehn Jahren als teures Vermächtnis meiner liebsten Jugendfreundin zu mir nahm, als Du mir in dem verödeten Haufe entgegenkamst, in bem ich so viele frohe Stunden verlebt unb in Deiner kindlichen Weise zu mir sagtest: Tante Rätin, die Mama ist fort unb kommt nie, nie mehr roieber, aber ste hat gesagt, Du würbest meine Mama fein. Wirst Du mich auch lieb haben? — ba h ütest Du mein Herz mit Sturm- genommen unb ich gelobte mit, Dir eine Mutter zu fein, bie Dich Deine eigene vergessen lassen würde. Unb ich habe mir redlich Mühe gegeben, ich habe Dich geliebt, wie mein eigenes Kind; und bennoch fürchte ich, ich habe meine Pflicht nicht gethan; ja, Else, ich hätte strenger sein müssen." Unb bie alte Dame seufzte tief auf.
„O Tantchen", tief Else aus, „wie kannst Du nur so etwas sagen! Du hättest nicht Deine Pflicht gethan! Keine Mutter hätte sich mehr Mühe mit mir Trotzkopf geben können, unb wenn ich nicht so geworben bin, wie ich sollte, so bin nur ich daran schuld, nicht Du, liebste beste Tante."
„Nun, wir mögen wohl beide Schuld fein, Else; aber wenn ich gefehlt Else, so habe ich eS nur aus übergroßer Liebe gethan. Doch waS auch schuld sein mag Kind, bleiben kann es nicht so, das habe ich eingesehen. So wie Du Dich heute gegen meinen Neffen betragen, daS möchte ich nicht noch einmal erleben."
„Tante," — in Elsens braunen Augen glänzte es feucht, — „Tante, ich — ich weiß, daß es Unrecht von mir war, aber ich konnte wirklich nichts dafür, er hat das Talent, mich zu reizen! Ich will aber in Zukunft versuchen, höflicher zu sein."
„Ich fürchte Kind, dazu ist es zu spät; so rote ich Gustav
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