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JRarBurg, Dienstag, 1. November 1881
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Ei« gläuzeuder Wahlsieg
ist von uns erfochten. Die konservativen Stimmen weisen un Mehr von 2500 auf. Die ländliche Bevöl- !:rung hat in richtiger Würdigung ihrer eigenen Jn- lcressen den Ausschlag gegeben, während die städtische sich vie gewöhnlich den Großsprechereien der liberalen Phrasen zugänglich gezeigt hat. Daß die Majorität auf konserva- livcr Seite eine so überwiegende geworden, verdanken wir der energischen Haltung unserer katholischen Bevölke- nmg. Bedeutungsvoll ist die Wahl durch die Zusammensetzung unserer Gegner. Die erbittertsten Feinde und Agita- loren gegen die Konservativen waren die Juden — wie in ganz Deutschland, so in unfern Wahlkreise, und wir nehmen von dieser Verbindung der Juden mit der Fort- chrittspartei Akt, sie wird mehr als olles übrige der Bevölkerung die Augen öffnen. Ausgesprochene Gegner mit wenigen Ausnahmen waren die Aerzte und Apotheker als die Anhänger der materialistischen Weltanschauung und dann die entschieden Liberalen. Die ganze Gegnerschaft galt mehr dem christlichen als dem politischen Standpunkt der Konservativen. Daö hat die Abstimmung bewiesen, daß wir uns nicht den gemäßigten Liberalen gegenüber befanden, leider haben dieselben von der Wahlschlacht sich fern gehalten. Wir können nicht erwarten, daß ticselben in das konservative Lager übergehen — aber sie sollten ihre Parleistcllung nicht aufgeben, und als Partei sich mit uns zu verständigen suchen. Unsre Parteigenossen sollen sich überzeugen, daß es eine falsche und der Stellung tc8 Kandidaten nicht ziemende Maßnahme ist, durch persönliche Besuche von Haus zu Haus und persönliche Agitation aller Orten zu wirken I Mit fliegenden Fahnen und offenem Vistr haben wir die Wahlsehlacht geschlagen und den Sieg errungen — in treuer Arbeit zu deL deutschen Volkes Ehre und Nutzen wollen wir ihn ausbeuten!
Deutsches Reich.
Berlin, 29. Oktbr. Bis jetzt sind 326 Wahlen bekannt, davon: Konservative 28, Freikonservative 14, Centrum 78, Nationalliberale 25, Sezesstonisten 28, Fort
schritt 30, Volkspartei 6, Polen 11, Protestler, Parti- kularisten 17, Stichwahlen 89. — Die „Nordd. Allgem. 3t0-" schreibt zu den Wahlen: „In den beiden Landkreisen Berlins, Niederbarnim und Teltow Beßkow-Charlottenburg, sind die bisherigen fortschrittlichen Vertreter, Dr. Mendel und Herr Wöllmer, unterlegen und die konservativen Kandidaten Herr Lohren und Prinz Handjery gewählt. Diese Niederlage des Fortschritts vor den Thoren Berlins ist ein Faktum, das wohl im Zusammenhang mit den Wahlen in Berlin selbst etwas näher ins Auge gefaßt zu werden verdient. Die Konservativen in Berlin fassen künftige Erfolge fest ins Auge. Dabei werden sie nicht umhin können, Mißgriffe und Mängel, welche in der jetzigen Campagne zutage getreten sind, sich selber einzugestehen, um deren Wiederholung zu vermeiden. Man wird bei der Wahl der aufzustellenden Kandidaten mit größerer Berücksichtigung der sozialen Beziehungen und sorgfältiger Schonung politischer Nuancierungen verfahren, und die hervorragenden Konservativen im Lande werden die Berliner Wahlagitation nicht sich selber überlaffen, sondern — wie das lediglich im Anfänge der diesmaligen Wahlcampagne geschah — auch im Verlaufe derselben künftig die Kraft parlamentarischer Autoritäten in das Gefecht führen." — Der „Reichsbote" ist mehr als unzufrieden über den bisherigen Ausfall der Reichstagswahlen und schreibt: „Die fortschrittlichen Flugblätter mit ihren falschen Zahlen haben im Bunde mit der fortschrittlichen Presse ihre Wirkung gethan. Wäre man im Lande mit eben solcher Energie wie in Berlin der Fortschrittspartei entgegengetreten und hätte man überall dasselbe Banner entrollt: soziale Reform und sittlich-religiöse Erneuerung unseres Volkslebens, so würden sicherlich die Wahlen besser ausgefallen sein; denn wenn in Berlin für die konservative Sozialreform 47000 Stimmen zur Bekämpfung der Fortschrittspartei und für die soziale Politik res Reichskanzlers gewonnen wurden — dreimal so viel als 1878 für die Konservativen stimmten —, so hätten bei gleich energischer Thätigkeit im Reiche sicherlich an den meisten Orten verhältnismäßig eben so viele gewonnen werden können, und der Sieg für konservative Reformpolitik wäre unzweifelhaft gewesen. Daß unser Volk dieser Partei der ödesten, unfruchtbarsten Opposition noch so viele Stimmen zuwenden kann, ist ein trauriger Beweis von der Verwirrung und Verirrung deö poetischen Urteils in Deutschland." —Die „Kreuzztg." bemerkt: „Die Mittel- Parteien werden aus den Wahlen geschwächt hervorgehen, das kann man nach den vorliegenden Resultaten schon sicher vermuten. Ebenso ergiebt sich heute schon, daß den weiter links stehenden Parteien eine Verstärkung zufällt; ob den Deutsch-Konservativen ein solcher Zuwachs zuteil werden wird, das muß heute noch dahingestellt bleiben." — Wie man hört, wird die lange erwartete Aenderung des Gym- nasial-Lehrplanes zu Ostern k. I. teilweise ins Leben treten.
So liegt es in der Absicht, den Unterricht im Griechischen erst von Der Tertia (statt von der Quarta) beginnen zu lassen, so daß die Scheidung des Gymnasiums von der Realschule erster Ordnung von der Tertia beginnen würde. Demnächst soll in die Secunda eine wöchentliche Unterrichtsstunde in der Geographie und bei der mündlichen Abitu« rientenprüfung auch eine Prüfung im Französischen ein- gefügt werden. Eine Erweiterung des Unterrichts in der Mathematik dürfte gleichfalls erfolgen.
Hannover, 28. Oft. Die gestrige Reichstagswahl am hiesigen Orte hat im allgemeinen das Resultat gehabt, das wir glaubten Voraussagen zu können. Der welfische Kandidat, Geh. Oberregierungsrat BrüA, hat die weitaus meisten Stimmen erhalten, und wenn auch noch eine Stichwahl zwischen ihm und dem sozialdemokratischen Kandidaten stattfinden wird, so ist es doch keinem Zweifel unterworfen, daß er den endlichen Sieg erlangen wird. Trotzdem aber haben wir manche erfreuliche Thatsachen zu registrieren, die sich bei Gelegenheit der hiesigen Wahlen herauSgestellt haben. Zunächst erwähnen wir mit herzlicher Freude, daß der konservative Kandidat, Generallieutenant von Loebell, 400 Stimmen mehr auf sich vereinigt hat, als bei der letzten Reichstagswahl von den hiesigen Konservativen abgegeben wurden, und es beweist das um so mehr das immer weitere Umsichgreifen des konservativen Gedankens in Hannover, als eigentümlicher Weise die Wahlbeteiligung hier eine weit schwächere gewesen ist, al« vor drei Jahren und daher auch mancher Konservative seiner Wahlpflicht nicht Genüge geleistet haben wird. Sodann ist es ein sehr bedeutsames Zeichen für das allmähliche Umschlagen der hiesigen Stimmung, daß sich bei dem welfischen Kandidaten ein Minus von nicht weniger als 1200 Stimmen gegen die letzte Reichstagswahl herausgestellt hat, während noch ganz vor kurzem der „Hann Kourier" ein Anwachsen des Welfen- tums infolge des Auftretens der Deutschkonservativen glaubte konstatieren zu müssen. Endlich aber haben die National- liberalen nicht weniger als 2800 (Stimmen gegen da« Jahr 1878 verloren; ihr Kandidat hat deren nur 3250 auf sich vereinigt, und die Partei wird demnach hoffentlich recht bald hier zu völliger Bedeutungslosigkeit verurteilt sein. Wir haben also volle Ursache, mit großer Befriedigung auf den Ausgang der hiesigen Wahlen hinzublicken und recht hoffnungsfreudig der Zukunft entgegenzugehen.
Dresden, 28. Oktober. In Dresden ist der gestrige Wahltag nicht ohne erhebliche Ruhestörung vorübergegangen. Abends gegen 9 Uhr fand ein großer Auflauf auf dem Altmarkte vor dem Rathause statt. DaS Publikum ver- langte das Wahlergebnis kennen zu lernen. 120 Schutzleute rückten an, um die Menschenmassen zu zerstreuen. Sie mußten aber von der Waffe Gebrauch machen, da auf wiederholte Aufforderung der Platz nicht geräumt wurde. Mehrere Verhaftungen und Verwundungen kamen
Hohes Spiel.
Im Herbste 1855 fuhr ich mit einem Dampfer den Mississippi hinauf. Richter Jones und General Keim von Jtcabing, P., die ich in ihrer Heimat kennen gelernt hatte, waren an Bord.
„Tolle Sorte da unten aus Natchez", brummte der Kapitän, der uns an der Kajütentreppe begegnete, als wir eben hinuntersteigen wollten, „spielen verdammt hoch!"
„Laßt unS hinuntergehen und zuschauen I" erwiederte Richter JoneS.
Wir kamen in den Salon und trafen dort vier Herren an einem Tische sitzend, um welche sich eine Masse Zuschauer gruppiert hatten, und da erstere die „hohen Spieler" waren, gruppierten wir uns dazu.
Das Spiel war „Poker" und das Geld ging mit fabelhafter Geschwindigkeit von einer Hand in die andere. Einer der Spielenden, ein Mann in den mittleren Jahren, dessen Gesicht nur allzudeutlich zeigte, wie tief die unselige Leidenschaft in ihm wurzelte — er war ein Baumwollenpflanzer, wie ich bald erfuhr — setzte eben seinen letzten Dollar gegen die Karte des Gegners. Jener legte vier Könige auf gegen seine vier Damen. Er war „fertig" und stand auf, als wollte er den Tisch verlassen.
„Sind Sie auSgebeutelt, Colonel?" fragte der andere.
„Bis auf den letzten Picayune."
„Geben Sie mir ihre Note ich borge Ihnen."
„Nein," versetzte barsch der Pflanzer, „ich kann es noch ander« machen. He, Pomp!"
„Hier Master!" antwortete ein alter Neger aus dem Hintergründe.
„Bring' das Mädel und den Jungen her, die ich in
Natchez kaufte! Warten Sie einen Augenblick mit dem Spielt meine Herren, ich verschaffe mir Geld."
Der Alte ging und kam bald mit dem Mädel und dem Jungen zurück. Das „Mädel" war ein stattliches Mulattenweib von etwa 35 Jahren. Der Junge war ihr Sohn. Er mochte wohl 12 Jahre alt fein und hatte eine auffallend hellere Gesichtsfarbe, als die Mutter.
Der Pflanzer stand wieder auf.
„Hier, ©entfernen, haben Sie ein Mädel und ihr Junges dabei, wie man sich kein besseres Gespann wünschen kann. Kosten mich 800 Dollars. Wer Riebt 600?"
„Ver aufen Sie sie auch einzeln?" fragte Jemand.
„Wird nicht angehen, Herr. DaS Mädel bat geschworen, daß sie sich umbringt, wenn man ihr den Jungen fortnimmt, und ihr vorhergehender Besitzer sagte: „DaS ist Eine, die Wort hält!" Aber sehen Sie nicht, daß das Weib mehr wert ist, als ich für das Paar verlange? Also, wer giebt mir 600 dafür?"
Der Pflanzer wartete eine Minute umsonst auf Antwort, bann sagte er:
»Ich muß Geld haben, also — Würfel her! 20 Dollar Einsatz und 30 Anteile. Raus mit der Münze, wer zuerst setzt, wirft zuerst!"
Große Aufregung folgte. Die drei Spieler am Tische nahmen zuerst je drei Chancen. Dann wurden die Zuschauer warm und 20 Anteile wurden verkauft, so schnell nur der Pflanzer das Geld einkassieren und die Namen notieren konnte. Dann stockte eS ein wenig. Der Eigentümer nahm nun selbst 2 Loose, bann feine drei Tischgenossen noch je eins mehr. Dasselbe thaten endlich drei der Umstehenden.
„Noch zwei Chancen, ©entfernen!"
General Keim flüsterste dem Richter etwas ins Ohr, trat an den Tisch und warf zwei Zehn - Dollarstücke darauf.
„Name, bitte 1*
„Unnötig, Herr. Schreiben Sie eS für die Frau an.*
„Was? Das Mädel selber?"
„Gewiß, geben Sie ihr eine Chance."
„All right! Eins für Ninette. Und nun —"
»Das für den Jungen", sagte ruhig Richter JoneS und legte zwanzig Dollars hin.
„Gut! Bravo!" rief der Besitzer der auSzuwürfelnden Preise. „Eins für Tommy, und damit sind wir fertig. Wo ist der Kapitän?"
„Hier."
„Kapitän, haben Sie wohl Formulare zur Hand für derlei Geschäfte?"
„3a."
„Wollen Sie dann die Güte haben, einen Kaufbrief für die Beiden, Ninette und Tommy auszufüllen und Platz für den Namen des Gewinners lasten? — Schön! — Nun los, meine Herren!"
Unterbeffen hatte man die Würfel gebracht und da» Spiel begann. Jede Chance berechtigte zu dreimaligem Werfen.
Unter den ersten zehn war fechSunddreißig die höchste Zahl, die elfte zweiundvierzig. Dann folgten wieder niedrigere bis zum einunbzwanzigsten, der neunundvierzig warf.
Die Versammlung befand sich in gewaltiger Aufregung. Neunundvierzig war schwer zu überbieten. Der kleinste mögliche Wurf war neun, bet höchste, neun Sechsen, vierundfünfzig, die Durchschnittszahl einunddreißig und ein halb.