Marburg, Sonnabend, 29. Oktober 1881
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Versammlung sei der Beweis erbracht, daß weder die Ge- werbckammer noch die Mehrzahl der Gewerbetreibenden Anhänger der Wirtschaftspolitik des Fürsten Bismarck und folglich auch nicht Förderer der Kandidatur des Herrn von Kufferow feien; konstatiert sei nur in jener Versammlung , daß der juristische Konsulent der Gewerbekammer die Wahl des Herrn v. Kusserow begünstige. Diesen Insinuationen gegenüber muß um der Wahrheit willen auf das bestimmteste hervorgehoben werden, daß jene .große" Versammlung aus etwa 200 Personen bestand, von denen noch nicht einmal der vierte Teil Gewerbetreibende waren. Da nur alle diejenigen geladen waren, welche die Kandidatur Meiers unterstützen wollten, so ist in dieser Versammlung unwiderleglich bewiesen worden, daß die überwiegende Mehrheit unserer Gewerbetreibenden zu Herrn von Kusserow hält. Die sogenannten Liberalen stehen bekanntlich auch hier mit der Mehrheit auf gespanntem Fuße, und Flunkereien zu machen gehört zu ihrem täglichen Geschäft. Daß auch der Konsulent der Kammer, Herr Dr. Johs. Jacobi, ein Vertreter der wirtschaftspolitischen Reform und also ein Gegner des antinationalen und antifreiheitlichen Manchestertums ist, braucht nicht verschwiegen zu werden. Wohl ihm, daß er's ist! Der bremer Gewerbestand kann sich wahrlich Glück wünschen, einen solchen Ratgeber zu besitzen, welcher nicht nur die gewerblichen Interessen Bremens zu hüten und zu fördern versteht, sondern auch auf die politische Bildung unserer Handwerker, von der Herr v. Kusserow in seiner Wahl- rede sagte, daß dieselbe eine Reife bekunde, wie er sie in keiner anderen Stadt angetroffen habe, wesentlichen Einfluß hat.
Offenbach, 25. Oktober. Der Prozeß der Stadt Offenbach und der benachbarten Gemeinden gegen den preußischen FiskuS wegen Heranziehung der Hanau-Bebraer Eisenbahn zu den Gemeindeumlagen ist in letzter Instanz dahin entschieden worden, daß die Erkenntniffe des Kreisausschusses und Provinzialausschusses, welche die Bahn für steuerpflichtig erklärten, zu bestätigen seien. Die oberste Instanz ging mit den vorderen Instanzen davon aus, daß sich die im Staatsvertrag über den Bahnbau zwischen Hessen und Preußen bedungene Befreiung der Steuern nur auf die staatlichen Abgaben beziehen könne, womit auch die Wortfassung des Vertrags übereinstimmt. Es handelt sich dabei um einen Betrag von 11 000 M. jährlich mit Rückwirkung.
Karlsruhe, 27. Oktbr. Die „Karlsruher Zeitung" dementiert die Nachricht von der Verlobung des Erbgroß- herzogs mit der Prinzessin Hilda von Nassau.
Metz, 24. Okt. Die feierliche Einweihung unserer neuerbauten evangelischen Garnisonkirche fand gestern hier statt. Mit diesem Baue ist, wie die „Lothringer Zeitung" bemerkt, der wir auch den nachstehenden Festbericht aus
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Oktober. Die berliner klinische Wochenschrift bringt die wichtige Frage zur Sprache, ob es sich nicht empfehle, den Verkauf von Schwefelsäure zu Wirtschaftszwecken so einzurichtcn oder zu beschränken, daß sie nicht mehr als Vergiftungsmittel dienen kann. In Berlin dient nämlich zu den häufigsten Selbstmordmitteln namentlich des weiblichen Teils der Dienstboten die Vergiftung mit roher Schwefelsäure. Die Anwendung dieses fürchterlichsten Vergiftungsmittels ist eine „Spezialität Berlins" und die hier alljährlich beobachtete Vergiftungszahl wird annähernd weder in London noch Paris erreicht. Eine viel schwächere Verdünnung der Schwefelsäure, als sie jetzt in den Handel gelassen wird, wäre vor allen Dingen zu Wirtschaftszwecken und zum Verkaufe herzustellen. — Die „Ostdeutsche Presse" giebt in der neuesten Nummer ein Bild russischer Zustände, wie sie an den Genzen gewiß nicht zu den Seltenheiten gehören. Im Kreise Jnowrazlaw liegt hart an der russischen Grenze eine Ortschaft Krum- knie, mit einer langen und einer Grenzstraße, in welcher der Schmuggel blüht. Dort kaufte ein Bauer im Kruge Spiritus, Cigarren und noch andere Gegenstände zu einer Kind:aufe ein. Er benutzte, um rascher nach Hanse zu kommen, die Grenzstraße und wurde, obgleich er sich auf preußischem Boden befand, von russischen Grenzsoldaten gepackt, nach der russischen Grenzkammer geschleppt, wo er, nachdem ihm die Waren abgenommen waren, eingesperrt wurde, um nach Sluzce gebracht zu werden. Der Bauer beteuerte, daß er Preuße sei, diese Waren zur Kindtaufe eingekauft habe, seine Frau daheim sehr krank und auf seine Hülfe angewiesen sei, cö half alles nichts, In der Nacht gelang cs ihm indes, ein Fenster seines Kerkers zu erbrechen und zu entfliehen. Bei der preußischen Behörde reichte er nun Klage wegen Grenzverletzung ein, worauf am 19. d. M. eine aus dem Landrate Grafen Solms, dem Bezirkskommissar auö Strela, preußischerseits und einem Major und einem Hauptmann russtscherseitö bestehende Kommission in Krumknie zusammentrat und den
Der Humar im Reichstage.
(Fortsetzung.)
„Sollen wir denn etwa", fragt Dr. Braun — dem Manne folgen, der uns ein zweites Jena wünscht und prophezeit und uns rät, wir sollten den Militantmus abschaffen und dann wahrscheinlich wohl unfern Feinden in jener paradiesischen Auslüstung entgegentreten, die lediglich besteht in einem Feigenblatte und einer Friedenspfeife?"
Dr. Becker (Dortmund) meint zwar mit Recht, wo die Juristen unter sich debattiere, da finden die übrigen Leute in der Regel die Diskussion fürchterlich langweilig, — aber den Juristen, die unsere Sammlung bereichern, können * wir ruhig das Wort lassen, da sie genügend für Kurzweil sorgen. Salzmann erzählt: „Was den Strafprozeß anlangt (in Reuß älterer Linie), so besteht auch dort noch bis jetzt das geheime JnquisitionSverfahren mit Indizienbeweis; der Jnkulpat sitzt, wie es im Munde des Volkes heißt, auf Geständnis, und wenn der Jnkulpat sehr schweigsam ist, so sitzt er folglich sehr lange." — Dr. Braun meint: „Ein Mitglied also, welches etwa in der Verteidigung bundesgemäßcr Ansichten in der Form zu weit geht, das könnte also erstens exkludiert, zweitens — wenn nicht die Todesstrafe in Sachsen abgeschafft wäre — auch noch gehangen, und drittens für nicht wieder wählbar erklärt werden, — ich denke, das ist genug." — Das „Recht des Rindviehes" erörtert Graf Bethusy-Huc: „Sie haben, meine Herren, im Kriminalrecht den Grundsatz anerkannt, daß der Nachteil, mit welchem die Ausübung eines Verbrechens bedroht wird, nicht von dem Umstande abhängt, daß das Verbrechen wirklich zur Ausführung gekommen sei, sondern lediglich, daß alle Voraussetzungen der Ausübung, welche in der Person des präsumtiven Verbrechers liegen,
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will einmal annehmen Briefe, die nicht Geschäftsbriefe sind oder etwas Aehnliches, wir wollen einmal annehmen Liebesbriefe (Heiterkeit) das sind Sachen, die der allgemeinen Meinung nach keinen Wert haben, aber man wird doch nicht sagen können, daß sie wertlos sind." „DerWilddieb- stahl^, — sagt Herr von Wedemeyer, „ist einer der gefährlichsten Diebstähle, die es giebt, weil derselbe unendlich viel Anlaß zum Morden und dergleichen giebt."
Die Landwirtschaft bietet dem Humor ein reiches Feld. „Meint Herr Wagner vielleicht, der verschuldete Grundbesitz sitze nur auf der rechten Seite?" fragt erregt Herr Lasker. „Wenn diese Behauptungen wahr wären" — ruft Herr v. Wedemeyer, — „so sind unsere Beamten entweder Panduren , oder die Bevölkerung besteht aus Hammeln." Miquel erzählt, es sei ihm vorgekommen, daß Personen in einer Gemeinde absichtlich uneheliche Kinder zeugten, und erst dann wurden sie von der Gemeinde, da diese glaubte, die Sache schade doch nichts mehr, zur Verheiratung zugelassen. Braun meint: „Wenn bk Heiratsverweigerungen in Mecklenburg, wie Graf v. Bassewitz sagt, gesunde Zustände sind, so muß ich gestehen, ich ziehe die Krankheit vor." — „Wir leben aber in einem Staate, wo die Polizei vorn und hinten und in der Mitte ist-, jagte Dr. von Schweitzer. „Es wurde der Zweifel laut", sagt Dr. Stephani, „ob die Tierärzte Aerzte seien, darauf wurde in der Kommission der Ausdruck gebraucht, so gut die Schweißhunde Hunde seien, seien auch die Tierärzte Aerzte." — „Das Schnapstrinken ist eine wahre Plage für die menschliche Gesellschaft", meinte Bratz. Dr. Becker bemerkt dazu: „Die Ortsschulzen sind zu Dutzenden Schankwirte. Es ist angeblich unstatthaft, daß in der Nähe von Kirchm Wirtshäuser konzessioniert werden." (Schluß folgt.)
Thatort in Augenschein nahm. Der russische Major, welcher dem Bauer sofort den Schadenersatz bar auszahlte, versprach, daß solche Ungebührlichkeiten nicht mehr vorkommen sollten und die beteiligten russischen Grenzsoldaten exemplarisch bestraft werden würden. Ob dem Unwesen übrigens gesteuert werden wird, bleibt dennoch sehr fraglich. Der Vorfall hat sich um die Mitte Juni d. I. ereignet und die Abhülfe ist somit erst nach über 4 Monaten eingetreten.
Breslau, 26. Okt. An der heutigen Festtafel in der alten Börse nahmen 150 aktive und inaktive Offiziere Teil. Se. K. K. Hoheit der Kronprinz brachten den Toast auf Se. Majestät den Kaiser, als obersten Kriegsherrn aus. Auf eine Ansprache des Obersten v. Meer- scheidt-Hüllessem, Kommandeur des 11. Infanterieregiments erwiderte der Kronprinz: „An dem heutigen Tage gebührt es sich wohl, an das Andenken Derjenigen zu erinnern, die nicht mehr unter uns weilen. Bei dem Regiments- Appell habe ich bereits heute Vormittag an den erhabenen Augenblick zurückgedacht, wo ich das Regiment übernahm, habe ich bereits den Lebenden meinen Dank abgestattet. Laßt uns heute auch Derer gedenken, welche nicht mehr im Regiment dienen, aber viele Jahre demselben ihre Kräfte geopfert haben. ES sind inzwischen bedeutungsvolle Zeiten verflossen, welche scheinbar flüchtig vorübergegangen sind; es waren Zeiten, die Niemand ahnen konnte. Dem Regimente war es beschieden, vom Norden Deutsch- landsjbiS zum Süden Frankreichs vorzudringen. Ich erinnere nur an den 17. August 1870, wo ich mit dem Kaiser über das Schlachtfeld ritt, überall, wo wir hinblickten, sahen wir Elfer liegen. Das Regiment hat mitgefochten in den größten Kämpfen, welche entscheidend waren und hat sonach mit zur Erwerbung der Krone des Kaiserreichs beigetragen. Ich sage nicht zu viel, wenn ich heute das 11. Regiment das Meinige nenne — als ich es übernahm, war es stur nicht vergönnt, dies zu sagen — doch heute erkenne ich mein Regiment wieder und kann mit Sto'z behaupten, daß cs mein Regiment ist. Das 2. schlesische Grenadier-Regiment Nr. 11, eö lebe hoch!" — Dieser Toast Sr. K. K Hoheit rief stürmische Begeisterung hervor, -r Der Kronprinz verließ um 5 V» Uhr den Saal, um nach Heinrichsau zu fahren. Die früheren Offiziere überreichten dem Regiment heute nur eine Adresse, da das Bild Sr. Majestät des Kaisers noch nicht fertiggestellt ist.
Minden, 27. Oktober. Gegen 4 Uhr ist der Pulver, schuppen auf Fort B. In die Luft geflogen; ein Pionieroffizier und ein Fähnrich, die dienstlich dort anwesend waren, wurden unter den Trümmern begraben.
Breme«, 24. Oktober. Der „National-Zeitung" wird von ihrem hiesigen bekannten Korrespondenten mitgeteilt, durch eine große im Gewerbehause stattgefundene wirklich vorhanden waren. Haben Sie diesen Grundsatz für die vom Gesetz angedrohten Nachteile festgehalten, so bitte ich, die Vorteile doch mit demselben Maße messen zu wollen und zu erwägen, daß ein Stück Rindvieh, welches nach der Anzeige an der Rinderpest fällt, in seiner Person sowohl, als in der seines Herrn Besitzers alle diejenigen Voraussetzungen auf das Schlagendste als vorhanden nachweist, welche es berechtigten, totgeschlagen zu werden. Es hat ein jus quaestionum, totgeschlagen zu werden, und daß dies wirklich der Fall war, durch seinen freiwilligen Hmtritt bewiesen." — Dr. Braun widerspricht dem Grundsatz, daß in der Welt alles mit einem Stempel behaftet sein müsse; „denn wenn man dies einmal aufstellt, so muß man auch die Haustiere und Menschen mit einem Stempel versehen; wir kommen dann zu dem Grundsatz, der in dem Fürstentum Monaco gehandhabt wird, wo sogar Maulesel mit der Stempeltaxe behaftet sind, und über sie ein Civil- standsregister geführt wird, wie man es für Menschen dort nicht führt. Man beruft sich nun auf Hamburg, da sei der Schlußzettel besteuert mit der Stempeltaxe; das ist richtig die Scklußzettel sind in Hamburg gesetzlich besteuert, aber es giebt dort keine mehr." — Dr. Friedenthal erzählt: „Ich hatte einen Freund, der verpachtete eine Wir^ *'hle und schloß einen Vertrag von 72 Paragraphen, und im 73. sagte er: Uebrigens sind die Koutraheuden an vorstehende Bestimmungen nicht gebunden." — Dr. Ewald erklärt: „Es ist ein schöner Gedanke, daß alle die Strafen, die in einem ganzen Volke gelten, schön geordnet werden," — und meint später: „Gewalt ist immer etwas Rohes." — Der Justizminister Dr. Leonhardt erläutert: „Es giebt viele Sachen, die keinen vermögensrcchtlichen Wert haben, aber dennoch ein großes Interesse für den Inhaber. Ich