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Marburg, Freitag, 28. Oktober 1881.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit , . , " ~ ~ ~ TTTT77".------------

Buchdruckerei) bezogen 21/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Modurch die Gfpeb111on («och'sche Mr in der Expedition zu ertheLe AuLunft ".e 9efPa(tene 3c,Ie 10*

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Italiens Annäherung an Oesterreich «ud Deutschlau-.

Am heutigen Tage erhält in der österreichischen Haupt­stadt Wien ein neues Friedensverhältnis seine Sanktion, denn kommt der König Humbert von Italien nach Wien, um mit dem Kaiser Franz Joses die schon längst geplante Zusammenkunft zu haben. Daß diese Monarchenbegegnung nickt nur ein Akt der Courtoisie, sondern ein Ereigniß von größter politischer Bedeutung ist, darüber kann nicht der geringste Zweifel bestehen, denn vor der Zusammenkunft des Königs Humbert mit dem Kaiser Franz Josef fanden mehrere Monate hindurch Verhandlungen zwischen den Kabinetten von Wien, Berlin und Rom statt und zum Gefolge des italienischen Königs zählen auch sein Premierminister DepretiS und sein Mi­nister des Auswärtigen, Mancini.

Die Klarlegung der Ursachen der Wiener Monarchen­zusammenkunft bedarf keiner tiefsinnigen Erörterungen, die­selbe bedeutet ohne Zweifel, daß der alte Antagonismus zwischen Italien und Oesterreich als ein überwundener Standpunkt betrachtet werden soll und Italien seinen An­schluß an den Friedensbund Oesterreichs und Deutschlands vollzieht. Es ist ziemlich leicht begreiflich, daß die italienischen Staatsmänner und der junge König Humbert zu der Ein­sicht kommen mußten, daß ein solider Friede und eine diesen Zweck förderliche Annäherung Italiens an die Friedens­politik der Kaisermächte das größle Heil sei, welches für lange Zeit hinaus dem italienischen Königreiche widerfahren konnte. Gewissermaßen einsam und verlassen war die Stellung Italiens inmitten der europäischen Großmächte geworden, denn die Beziehungen der alten Bundeögenossen- schaft Italiens mit Frankreich lockerten sich seit 1870 auch mehr und mehr und seit dem eroberungssüchtigen Vorgehen Frankreichs in Tunis, worauf Italien selbst berechtigte An­sprüche zu haben glaubte, sind die italienische und franzö­sische Nation sogar in eine unverkennbare Gegnerschaft ge­raten, eine Gegnerschaft, welche durch die Wutausbrüche zwischen Franzosen und Italienern in Marseille während des letzten Sommers neue Nahrung erhielt und ohne allen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th- Dietrich u. Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M-; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Ploffe in Berlin, Frank­furt a. DL rc.

Zweifel die Italiener den Franzosen entfremdet hat. Wenn nun aber Italien einsehen mußte, daß es bei Frankreich keine Stütze mehr finden konnte, so sahen die italienischen Diplomaten sich offenbar genötigt, sich Bündnis suchend an eine andere, Italien am nächsten stehende Großmacht zu wenden. Dies würde nun offenbar Deutschland gewesen sein, da aber zwischen dem deutschen Reiche und dem öster- reichifchen Kaiserstaate ein enges Freundschaftsverhältnis besteht, so konnte Deutschland einen Anschluß Italiens nicht annehmen, wenn Italien nicht auch gleichzeitig gesinnt war, sich mit Oesterreich vollständig zu versöhnen. Eine Aus­söhnung zwischen Oesterreich und Italien konnte aber un­möglich sehr schwer sein, denn Oesterreich begehrt nach keiner Rache an Italien für die an diesen Staat verlorene Lombardei und Venedig, und Italien, welches in den Jahren 1859, 1866 und 1870 mit fremder Hilfe die Lombardei, Venedig und Rom gewann, kann mit seinem derzeitigen Länderbesitz recht zufrieden sein und hat wenigstens keine zwingende Ursache, seine Grenzen noch weiter nach Oesterreich auSzudehnen. Auch heben wir an dieser Stelle noch besonders hervor, daß die Schreiereien derItalia irredenta" nach Triest und Welschtirol jedenfalls von den maßgebenden Kreisen Italiens nicht gebilligt wurden.

So findet zu gunsten des europäischen Friedens die Annäherung Italiens an Oesterreich und Deutschland statt und dieses glückliche Resultat haben die beteiligten Staaten jedenfalls in erster Linie dem deutschen Reichskanzler zu verdanken, welcher mit bewunderungswerter Geschicklichkeit einen gewaltigen Friedensbund Deutschlands, Oesterreichs, Rußlands und Italiens hergestellt hat.

3C* Anfang November beginnt eine höchst span­nende Erzählung im Feuilleton des Blattes.

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Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; H «mansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

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Bremen.

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Der Humor im Reichstage.

Eine Sammlung humoristischer Aussprücke von Mit­gliedern des Reichstages ist an und für sich interessant, kann sich aber auch das Verdienst zusprechen, auf neuer Bahn erneutes Interesse an den Verhandlungen der gesetz­gebenden Körperschaft zu erwecken. Bei dem Aufeinander­platzen der Geister werden die schlagfertigsten Redner oft in die Enge getrieben und der zu Tage geförderte, oft un­freiwillige Humor ist ein Schatz, der wohl wert ist, nicht in den stenographischen Berichten begraben zu bleiben. Eine Sammlung, die bei ihrer rein chronologischen Anordnung etwas zu buntartig sich darstellt, ist von Anselmus FacetuS (Berlin, A. Schindler) veranstaltet und bietet reiche Blüten.

Der würdige Alterspräsident v. Frankenberg-LudwigSdorf debütiert an der Spitze mit der trefflichen geschäftlichen Mit- teilung:Meine Herren, die anwesenden Mitglieder sind in die Urne hineingeworfen. v. Vincke-Hagen bekundet seine Uebereinstimmung mit einem Redner mit den Worten: -»Ich denke darin genau wie er: ich befinde mich genau in der Lage, in der ich bin;" und Dr. Ellissen meinte: »Der Antrag dcö geehrten Abg. Zachariä hat entweder keine Bedeutung oder er hat eine Bedeutung.Graf Bethusy- Hue bemerkt;Ich weiß nicht, was mit den Mitgliedern ^nzufangen ist, die weder sitzen noch stehen wollend, eine Erklärung, daß sie bei der Abstimmung nicht mitgezählt sein wollten, abgegeben haben, da nach Alberti's Komplimcniir- vuch für parlamentarische Versammlungen keine dazwischen fügende Stellung angenommen werden kann." Dr. von schwarze gesteht unbefangen:Ich habe das Vergnügen, v wfnnem Herrn Korreferenten zu konstatieren, daß wir «te-Motive dieser Anträge, obgleich wir sie nicht kennen,

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15 000 M., 15 000 M. weniger als im Vorjahre. Hin­sichtlich der letzteren ist zu bemerken, daß die 15 000 M. für die Herstellung des Anschlusses deS Reichsdruckerri- GrundstückeS an die städtische Kanalisation, sowie für einen Umbau des photographischen Ateliers gefordert werden. Dagegen enthielt der vorige Etat 30 000 M. zur Be­schaffung neuer Schriften. DasBerliner Tageblatt" brachte gestern die Nachricht, der Kaiser sei zeitiger aus Baden - Baden zurückgekehrt, als beabsichtigt gewesen, weil die Ankunft des Königs von Italien bevorstehe. Auf das gestrige Dementi bringt dieselbe Zeitung heute die Nachricht, es werde von dem Gesundheitszustände des Kaisers ab- hängen, ob der König von Italien komme oder nicht. Der Sachverhalt ist dagegen folgender: Eine Beschleunigung der Rückkehr des Kaisers hat nicht stattgefunden, vielmehr war die Abreise von Baden-Baden ursprünglich auf einen früheren Termin angesetzt worden. Der Gesundheitszustand deS Kaisers ist ein durchaus günstiger. Ein Besuch des Königs von Italien endlich ist bei der jetzigen Gelegenheit von An­fang an nicht beabsichtigt worden. Heute wird der Kaiser der Taufe des Kindes seines Adjutanten des Grafen Lehn­dorf als Pathe beiwohnen. Außer dem Kaiser sind Fürst Bismarck und Graf Moltke Taufpathen, von denen letzterer persönlich zu erscheinen beabsichtigt, während Fürst BiSmarck sich vertreten läßt. In denjenigen Strafanstalten, welche Einzelzellen und Wafferheizung haben, wird die durch das Zellensystem beabsichtigte gänzliche Trennung der Gefangenen häufig dadurch illusorisch gemacht, daß eS den Zellenbe­wohnern möglich ist, sich durch die Heizröhren nämlich zu verständigen. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, ist der Vorschlag gemacht und bei angestellten Versuchen als voll­ständig zweckentsprechend befunden worden, in den mit Wasserheizung versehenen Strafanstalten zur Verhinderung der mündlichen Verständigung zwischen den Zellennachbarn den unter jeder Zellenzwischenwand befindlichen Raum mit Schlackenwolle zu verpacken. Die GefängniSdirektionen sind mit entsprechender Weisung versehen. Im Anschluß an die Verfügung vom 3. Juni d. I. hat der Kultusminister den königl. Regierungen zu außerordentlichen Unterstützungen für Elementarlehrer und Lehrerinnen in der Zeit bis Ende März k. I. 48 000 M. zur Verfügung gestellt. Für die Verwendung sind die seither vorgeschriebenen Grundsätze maßgebend.

Berlin, 26. Oktbr. DieGermania" zufolge hat das Breslauer Domkapitel heute den Weihbischof Gleich zum Kapitelsvikar gewählt. AuS einer neulich in dem halbamtlichen Militär-Wochenblatt gemachten Andeutung will man schließen, daß der Entwurf eines Wehrsteuer­gesetzes nur zurückgelegt, aber keineswegs aufgegeben ist, und auch der Ausfall der Wahlen betreffs dieses Projekts von Einfluß sein werde. In der ersten Woche des kom­menden Monats treten bekanntlich die einbeorderten Rekru,

Einige Militaria dürften gleichfalls denkwürdig sein- Dr. Braun erinnert an den Ausspruch eines berühmten französischen Schriftstellers:Die Bajonnete sind für sehr viele Dinge vortreffliche Instrumente, aber sich darauf setzen, um darauf sitzen zu bleiben, daS geht nicht." Der Kriegsminister von Roon gesteht offen:Ich bin meiner Natur und meinem Amte nach auf das Begehrm angewiesen und der Finanzminister auf daS Verweigern." Dr. Götz, der einst behauptet, die Volksvertreter sind nicht die Einzigen, die heutzutage jeden Groschen umdrehen müffen, äußert: Bedenken Sie einfach, Frankreich hat vielleicht im Friedm 300000 Mann auf den Füßen; die notwendigste Folge für die Machtstellung Deutschlands wird sein, daß diese« mindestens ein noch größeres Heer auf dm Füßen habm muß; haben wir ein solches, so muß unser Nachbar wieder mehr Soldaten haben; macht der wieder mehr, so müffm auch wir wieder mehr haben. (Große Heiterkeit). Sie sehen, so ist die Schraube ohne Ende fertig trotz allen Lachens." Dagegen mahnt Stavenhagen:Wmn man in einem solchen Hellen Schlummer fortagitierm will, wie wir gethan haben vom Jahre 18151848, da kann man allerdings mit sehr wenigem auskommen, da kann man sich die Nachtmütze ruhig über die Ohrm ziehm." Dr. Braun nennt eine Schrift eine Abhandlung, die eine Glosse ist zu dem Diktum eines berühmten. Manne« Namen« Kausler in Ludwigsburg, welcher erklärte, die ganze Parole von Preußen bestehe darin:Steuer zahlen, Soldat sein und Maulhalten l" und würdig reiht sich daran eine Be- merkung Rössels:Bei vielen ist der Geldbeutel der em­pfindlichste Teil an ihren Körpern."

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

»* Berlin, 26. Okt. Aus der ersten, am 20. Oktober gehaltenen Sitzung des Bundesrats ist noch folgendes nach, zutragen. Für mehrere erledigte Stellen bei den DiSzip- linarkammern fanden Ernennungeu statt, und zwar wurden ernannt für eine Stelle in Posen der Landgerichtsrat Wer- ncckc in Posen, für eine Stelle in Potsdam der Amtsrichter Knorr in Potsdam, für zwei Stellen in Stettin der Land- gerichtSrat Küster und der Regienings - Affessor Freiherr von Richthofen, für eine Stelle bei der Disziplinarkammer für Reichsbeamte in Straßburg i. E. der preußische Mili- tär-Jntendanturrat Walter in Straßburg, endlich für eine Stelle bei der Disziplinarkammer für elsaß - lothringische Beamte und Lehrer zu Metz der Landgerichtsrat Sohn in Saargemünd. Von den Entwürfen der Spezialetats des Reichshaushalts für 1882/83 liegt heute der Etat der Rcichsdruckerei vor. Die Einnahmen sind veranschlagt auf 3 255 120 M., 1620 M. mehr als im Vorjahre, die fortdauernden Ausgaben auf 2 203 880 M., 11900 M. mehr als im Vorjahre, die einmaligen Ausgaben auf doch billigen", und der Abg. Schraps bemerkt sogar:Ich habe den Antrag des Dr. Reincke mitunterzeichnet, werde für ihn stimmen und dessen ungeachtet sehr befriedigt sein, wenn der Reichstag ihn ablehnt." Dr. Lasker klagt: Der Gesetzentwurf (betreffend vertragsmäßige Zinsen) hat bereits das Schicksal gehabt, das er einmal zu Tode ge­schwiegen ist, das andere Mal zu Tode gesprochen wurde, ich möchte nicht, daß er heute zu Tode vertagt würde." Grausamer meint Herr Redecker:Ich bitte Sie, dem § 2 die Zustimmung, diese Maßregel (für räumliche Absperrung) auch auf Menschenkrankheiten auszudehnen, namentlich auf die Cholera, ich weiß nicht, ob es dabei nicht auch ein sicheres Schutzmittel wäre den ersten Cholerakranken totzu­schlagen, aber so weit sind wir noch nicht." Der Präsi­dent Dr. Simson macht folgende köstliche Bemerkung: Meine Herren, ich glaube eS empfiehlt sich, die einzelnen Materien für die Besprechung zu trennen; wir können doch nicht untereinander über das Unterrichtsw:sen, die Abdeckerei und die Lipp'schen Eigentümlichkeiten sprechen." Herr v. Benda hat dieallergrößte Achtung vor den Herren, die im Ausschuß sitzen, obgleich er nicht die Ehre hat, dieselben zu kennen", und Herr von Hennig erwidert Dr. Wehren- pfennig,daß er sehr wohl aburteilen kann über die Wichtig­keit von Amendements, die noch nicht gestellt sind, abzuur­teilen, ist der gescheuteste Mensch nicht imstande." Schließen wir diese kl inen geschäftlichen Bemerkungen mit einer Bitte Laskers:Ich bitte, sprechen Sie nicht so klein von diesem Parlamente. Erachten Sie es. nicht in Ihrem Interesse, anzufangen wie ein Redner (Freiherr von Varnbüler), er habe im Wagm nach Berlin von nichts anderem geträumt, als von Baumwolle, Taback, und ich glaube auch von Lumpen!"