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Marburg, Donnerstag, 27. Oktober 1881.

XVI. ZtthWSg

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux o Tb- Dietrich u. Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M ; Laasenstein u. Vogler in Srantfurt a. M., Berlin, Leipzig- Köln rc.; Rudolf Masse m Berlin, Frank­furt a. M. rc.

GcheMk Zifitiniß.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalibendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition lKo ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

®ßgs““ Für die Monate November und Dezember werden Bestellungen auf die

Oberhefsische Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sountagsblatt

von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.

Anfang November beginnt eine höchst span­nende Erzählung im Feuilleton des Blattes.

Der Wahltag

ist erschienen. Der Worte sind genug gewechselt — nun laßt uns Thatcn sehen!

Mitbürger! Wir legen jedem Einzelnen es drin­gend ans Herz, heute, an dem Wahltage, seine Stimme abzugeben, sich Alle auf den Kandidaten der konservativen Partei zu vereinigen und Herrn Professor Arnold zu wählen.

Nehmen wir uns ein Beispiel an den Gegnern, welche ohne Unterschied ihrer Parteischattierung zusammengehen und wählen.

Worum cs sich bei dieser Wahl handelt, das ist jetzt, wo die Liberalen in letzter Stunde die Maske abgeworscn und mit den Sozialdemokraten gegen die „freiheits­gefährlichen Bestrebungen Bismarcks" ihr thörichtcs Geschrei erheben, niemanden mehr zweifelhaft. Es ist der Bestand unsere- wouarchiscben Staates, der Friede im Innern, die Wohlfahrt aller Staatsangeh^^ £<>n j« geordneter Freiheit, die wir gegen demokratische Herrschergelüste pa-iamentarisebrr Streber und eitler Thoren verteidigen. Wir wollen dem Baterlaude sei­ne« größten L-raatsmaun, den Fürsten Bis­marck, erhalten, Len seine Gegner nun zum dritten- male in unerhörter Weise anfeinden, heute heißt cs: wer nicht für uns ist, ist wider uns! Darum thue jeder deutsche Mann am Wahltage seine Schuldigkeit! — Unbekümmert um die Hindernisse, welche man unseren Wählern in hiesiger Stadt bereitet, unbeirrt dadurch, daß man einen Wahlbezirk in ein entlegenes Wahllokal ver­weist, ungeniert durch die zum weitaus größten Teile aus unseren lautesten politischen Gegnern gebildeten Wahlvorstände wollen wir das höchste politische Recht aus­üben, welches dem deutschen Volke zusteht, — wir wollen Mann für Mann unfern Kandidaten

Herr« Prof. Dr. Arnold

für den Reichstag wählen!

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Oklbr. Der Kaiser ist heute früh kurz nach 9 Uhr in: besten Wohlsein hier eingctroffen. Als der Zug hielt, stieg der Kaiser äußerst rüstig und frisch aus dem Salonwagen und begrüßte die zu seinem Empfang er­schienenen Herren: den Prinzen August von Würtemberg, den Petersburger Botschafter Grafen Schweinitz, den russi­schen Militärbevollmächtigten Fürsten Dolgoruki, den Gou­verneur und Kommandanten von Berlin, die kaiserlichen Flügeladjutanten, den Polizeipräsidenten v. Madai. Nach längerer Unterhaltung mit Prinz August von Würtemberg und Graf Schweinitz fuhr der Kaiser nach dem Palais. — Der „Reichsanzeiger" publiziert eine Anordnung des Staats Ministeriums von heute, wodurch auf gründ des Sozialisten­gesetzes der kleine Belagerungszustand über Altona, Wands- beck und Lauenburg mit Zubehör auf ein Jahr verlängert und auf die Stadt und das Amt Harburg ausgedehnt wird. Die Anordnung tritt am 29. Oktober in kraft. — Die „Nordd. Allg Ztg." veröffentlicht in Berichtigung einer anderweiten Version den Wortlaut der Antwort des Für­sten Bismarck, datiert Varzin den 10. Oktbr., auf die An­frage bezüglich der Wahl des Admirals Werner zum Reichs- tagsabgcordneten für Wiesbaden, worin er sagt: „Ich würde mich freuen, den Admiral Werner im Reichstage zu sehen, weil jeder sachkundige Vertreter der Marine im Schoße desselben von Nützlichkeit ist. Wie die Chancen im dor­tigen Wahlkreise für ihn liegen, kann ich von hier aus allerdings nicht übersehen." — Unter der Überschrift: „Gute" Revolutionäre und Barrikadenkämpfer, schreibt die „Prov.-Corresp.": Die Fortschrittspartei stellt sich sehr ent­rüstet an, wenn man sagt, daß die Lehren, die sie verbreite, folgerichtig zur Revolution führen, und daß sie eigentlich eine revolutionäre Partei sei. Sie beteuert dann ihre Treue gegen das Königtum überhaupt und besonders gegen die Hohenzollcrn. Um diese Versicherungen richtig zu wür­digen, darf man die Aufklärungen nicht vergessen, welche die berühmten Männer der Partei gelegentlich über ihre Ausfassungen gegeben haben. Herr Virchow ist gewiß ein sicherer Gewährsmann der Fortschrittspartei, er gehörte schon zu ihren Gründern und zu den thätigsten Mitglie­dern der Demokratie von 1848, zumal in den Tagen der Revolution gegen das Königtum. Er hat zwar niemals seine Ansichten vom Königtum dargelegt, dafür aber wissen wir, wie er über die Revolutionäre denkt und zwar die „guten Revolutionäre". Man dürfe, sagt er, nicht jeden Revolutionär deö Fürstenmordes für fähig halten: „Es giebt in vielen großen Städten Europas viele, ich kann wohl sagen, gute Revolutionäre, gewisse Radikale, die immer bereit sind, dabei zu sein, wenn eS ein BiSchen weiter geht, die ihr Leben einsetzen für die Sache, und denen cS nachher nicht darauf ankommt, bei Gelegenheit

eines Kampfes auch Andere zu töten. Aber dieselben Per­sonen, meine Herren, wären doch nicht zu haben, wenn es sich darum handelte, eine Mordversuch zu machen auf eine bestimmte Person. DaS ist doch ein großer Unterschied, und es heißt doch in der That sich versündigen an dem guten Ruf der Revolutionäre, wenn man sie einfach zu Königsmördern stempeln will. So kann ich ja auch sagen, unter den Leuten, welche hier die großen (sozialdemokra­tischen) Aufzüge machten, waren sicherlich viele Revolu­tionäre, die keinen Augenblick zweifelhaft gewesen sein wür­den, wenn es sich darum gehandelt hätte, den Straßen- kampf zu beginnen. Aber, meine Herren, ganz ander« liegt die Sache, wenn eö sich darum handelte, die Waffen zu erheben, um einen einzelnen Mann anzufallen, wenn es auch nicht der Kaiser des Deutschen Reichs wäre." — Von konservativer Seite nahm man an diesen Worten des fortschrittlichen Redners lebhaften Anstoß und der Graf Bethusy-Huc gab dieser Stimmung in folgenden Worten Ausdruck: „Ich kann es mir nicht versagen, meine Be­trübnis über einen Teil der Ausführungen deö Herrn Abgeordneten Virchow zum Ausdruck zu bringen, welcher mindestens geeignet ist. im Lande zu erheblichen Mißver­ständnissen Veranlassung zu geben. Er hat die Straf­barkeit und die größere oder geringere Respektabilität* des Individuums vergleichen zu müssen und zu dürfen geglaubt bei Solchen, welche sich dem direkten Meuchelmord hingeben, und bei Solchen, welche an einer Revolution mit bewaff­neter Hand teilnehmen. Es lag gewiß nicht in der Absicht des Abgeordneten Virchow, es lag aber in dem Eindrücke, welchen die Rede hervorbringen konnte, die Möglichkeit dieser Auslegung, daß im gesetzgebenden Körper Preußens eine Revolution mit bewaffneter Hand in irgend einem Maße eine Vertretung finden könnte. Und ich glaube im Namen der ganzen Versammlung sprechen zu können, wenn ich einen solchen Verdacht als absolut unbegründet für alle Teile dieses Hauses feierlichst zurückweise." — Da fand sich Herr Virchow veranlaßt, zu erklären: „Ich habe nicht« weiter thun wollen, als konstatieren, — und das glaube ich, sind wir den angegriffenen Männern schuldig — daß es in ganz Europa eine Reihe von Personen giebt, die immer Revolution machen, die insofern gute Revolutionäre sind, ich hätte auch sagen können richtige Revolutionäre." So wissen wir allerdings, was im Sinne des Herrn Virchow „gute Revolutionäre" sind; was es aber mit dem „guten Ruf" jener Leute (gleichviel ob „guter" oder blos „richtiger Revo­lutionäre") auf sich hat, das hat er nicht weiter erklärt. Offenbar hat doch einer nicht schon einen guten Ruf, weil er kein bloßer Mörder ist, noch dazu, wenn er gelegentlich im Barrikadenkampf auch andere tötet, waS ja Herr Virchow sehr naheliegend und in der Ordnung findet. Bei ehr­baren Leuten in Stadt und Land haben die Barrikaden­kämpfer einen sehr schlechten Ruf; bei Herrn Virchow und

Die Goldmüuz-Fabrikatio«.

(Schluß.)

Wenn diese Arbeit vollendet ist, so bat der Arbeiter die Münzplatten mit dem Schrot an den Münzmcister ab­zuliefern, es muß aber am Gewicht gar nichts fehlen, viel­mehr muß dasselbe reichlich vorhanden sein, da Platten und Schrot durch die Hände der Arbeiter mit Oel und Schmutz behaftet und unrein geworden sind.

Während der Münzmeister den Schrot in Verwahrung nimmt, überliefert er die Platten an den Nachjustierer, der die Platten an die einzelnen Arbeiter zu verteilen und dafür Sorge zu tragen hat, daß ihm solche richtig zurückgcliefert werden.

Der Nachjustierer muß jede einzelne Platte nochmals Nachwiegen und darauf sehen, daß das Gesamtgewicht von 1000 Platten so hoch gehalten ist, daß nach rem Sieden durch jede einzelne Platte das vorschriftsmäßige Gewicht innerhalb des Remediums nachgewiesen werden kann.

V.

Das Justieren.

Vermittelst der Schabmaschine wird von den zu schweren Münzplatten soviel von der Oberfläche abgeschabt, bis sie das richtige Gewicht vor dem Sieden haben. Durch sorg­fältiges Nachwiegen der Münzplatten kann nur ein an­nähernd richtiges Gewicht der Münzen beschafft werden, so daß die Grenzen des Remediums nach keiner Seite hin überschritten werden.

Das Justieren ist die kostbarste aller Verrichtung« bei der Zubereitung der Münzen, weil es die einzige ist, die nicht durch automatische Waagen ersetzt werden kann, viel­

mehr Stück für Stück durch Menschenhände zu Wege ge­bracht werden muß.

Man hat allerdings auf einzelnen Münzen e« versucht, automatische Justier - Waagen in Anwendung zu bringen, und diese auch ca. 20 Stück pro Minute abwicgcn und dieselben nach ihrem Gewichte trennen, indem sie sie in ver­schiedene Fächer fallen lassen, je nachdem sie richtig, zu schwer oder zu leicht sind, so sind die leichten gar nicht zu gebrauchen und die richtigen auch nicht, weil sie durch das nachherige Sieden zu leicht werden. ES bleiben daher nur die zu schweren übrig, die mit der Hand nachträglich justiert werden müssen und ist die Zahl derselben sehr groß, so geht der vermeintliche Nutzen, welcher durch die automatische Waage erreicht werden sollte, ganz verloren.

Mit welcher Vorsicht und Genauigkeit das Justieren der Münzplatten geschehen muß, will ick durch ein Beispiel näher erläutern. Angenommen, daß ein Posten von 1000 Stück Platten 4000 Richtpfcnnige oder 15 Gramm mehr vor dem Sieden wiegen sollen, so muß der Arbeiter jede einzelne Platte um 4 Richtpfennige oder Vio24 Loth höher halten al« das vorgeschriebene Gewicht der geprägten Münzen enthalten soll.

Die justierten Platten werden mit den Schabspänen gewogen, wobei darauf gesehen werden muß, daß das über­lieferte Gewicht der Münzplatten vor dem Justieren reich­lich vorhanden ist. Die Schabspäne nimmt der Münz­mcister in Verwahrung und nachdem das Gewicht des ganzen Postens .von 1000 M. festgestellt ist, so werdm die Platten um ihre durch die verschiedene Bearbeitung ver­lorene Geschmeidigkeit wieder herzustellen, in einem Glüh­ofen bis zur Annahme einer stahlartigen Anlauffarbe ge­glüht und dann abgekocht, um sie zu reinigen.

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DaS Rändeln.

Vor dem Sieden werden die Platt« gerändelt, welche« mittelst einer Maschine aus 2 gehärteten Rändeleisen (Balken genannt) geschieht.

Nicht auf allen Münzen werden die Rändelmaschinen in Anwendung gebracht, namentlich sind sie da abgeschasst, wo die Ränder mit erhabener Schrift, wie in Frankreich, oder wie in Deutschland mit vertiefter Schrift geprägt werden.

Würde die Schrift gleichmäßig und deutlich hervorge­bracht, so mag es vielleicht ganz gut aussehen, beide« ist aber nicht der Fall, weil die Stellung des Prägringe« sehr schwierig und zeitraubend ist.

Die gerändelten Münzen haben aber den großen Vor­zug, daß der Rand nicht nachzumachen ist, ohne daß e« sofort ersichtlich ist, daher bildet derselbe einen mächtig« Schutz gegen die Falschmünzerei.

VII.

DaS Sieden.

Beim Sieden werden jedesmal 1000 Stück justierte Goldplatten zur Zeit abgesotten oder gereinigt, das heißt, es wird das auf der Oberfläche befindliche Kupfer, durch verdünnte Schwefelsäure von ca. 3 Grad nach dem Areo­meter, entfernt, welches dadurch bewerkstelligt wird, daß die Platten so lange in einem kupfern« Gefäß gekocht werdm, bis dieselben ihre reine Goldfarbe wieder erlangt haben. Hieraus werden die so gereinigt« Platten noch kurze Zeit in Beuteln mit etwa« gestoßmem Weinstein nachgeschmert oder mit einer Bürste und feinem Sand tüchtig geriebm, je nachdem solches bisher Gebrauch gewesen ist.