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Kr 280

Marburg, Dienstag, 25. Oktober 1881.

XVI. ZlhlMg

«nieigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux j, TV- Dietrich u. Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt« M; Saasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig. Köln rc.; Rudolf Masse in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

GkWschk jritimii.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co- in Frankfurt a. M-; JLgerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank m Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/* Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.! Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunst und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet

Zur Reichstagswahl!

Kampf und Unfrieden zwischen K i r ch e und S l a a t haben uns die L i b e r a l e n gebracht und Frieden zwischen beiden, den mächtigen Trägern des Volksgeistes wollen die Conservativen. Mit Freuden haben dieselben die Schritte begrüßt, welche die «Btaatsregiernng zum Aus­gleiche des Kampfes gethan und sie hegen die Zuversicht, daß der Kirche ihr Recht werde.

Das liberale Freihandelsystem, eine thörichte Nachahmung englischer Verhältnisse hat der einheimischen Industrie den Todesstoß versetzt. Unvergessen ist es wie der liberale Dellbrück erklärtedie Dummen kann man nicht schützen" und die Abschaffung des Roheisenzolles durchsetzte. Unvergessen ist es, wie unsere Hochöfen erloschen, unsere Bergwerke stillstanden, tausende von Arbeitern brodlos wurden und wie der Niedergang dieser Industrie die übrigen Zweige mit sich fortriß, die Landwirthschaft mit ergriff und wir einer schweren Krise entgegengingen.

Der Reichskanzler war es, der 1879 die Schutzzölle für unsere Industrie wiederherstellte und der im Reichs­tage unter den conservativen Partheien eine Mehr­zahl fand. Die Liberalen bekämpfen den Schutz­zoll, die Conservativen wollen Schutz des heimischen Gewerbefleißes durch Zölle. Die Liberalen haben weiter durch die schrankenlose Gewerbefrei­heit das deutsche Handwerk zerrüttet, sie haben demselben die Möglichkeit genommen, tüchtige Meister heran­zubilden, sie haben ihm durch auswärtige Conkurrenz den Verdienst ehrlicher treuer Arbeit entzogen. Heute noch wollen die Liberalen diesen Zustand erhalten, die Con­servativen wollen gesetzliche Ordnung welche die Schrankenlosigkeit der Gewerbefreiheit beseitigt und Organisation, welche dem Handwerker das Recht und die Macht giebt, seine Verhältnisse selbst zu ändern.

Die Zölle, seil 1879 erhoben, haben bereits den B ew eis geliefert, daß sie unsere große und kleine Industrie zu retten vermögen. Heute schon nach Wiederherstellung des Schutzzolles regt es sich zum Besserwerden, die Eisen- und Bergbauindustrie hat ihre volle Thätigkeit wieder begonnen und die Ausfuhr ins Ausland hat einen mächtigen Auf­schwung genommen. Ihr Industriellen und Bürger wollt Ihr diese kaum gereiften Früchte wieder zerstören? Habt Ihr den Muth liberal zu wählen die Feinde des Schutzzolles an das Ruder zu bringen? die Liberalen wagen es kaum den wichtigen Folgen der Wirtschaftspolitik sich direkt zu widersetzensie wollen den Schutzzöllen eine ehrliche" Probezeit zugestehen!" gut dann wollen wir eben einen conservativen R ichstag wählen, welcher sein Werk behütet, dasselbe jetzt den Liberalen in die Hände geben, das hieße den Bock zum Gärtner setzen.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Oktbr. DerReichsanzeiger" veröffent­licht die Ernennung des Geh. Reg.-Ratö Rottenburg zum vortragenden Rat in der Reichskanzlei. Einer Bestimmung des Finanzministers zufolge soll die allgemeine Personen­stands-Aufnahme für die Zwecke der nächstjährigen Klassen­steuer-Veranlagung am 12. k. M. stattfinden. Im ge­samten deutschen Reiche findet die Viehzählung diesmal am Freitag den 9. Dezember statt. ES unterliegt keinem Zweifel, daß Minister Maybach den Wunsch hat, seine Thä­tigkeit auf daS Eisenbahnwesen zu beschränken und seine Stellung als preußischer Minister mit einem verstärkten Reichseisenbahnamte zu verbinden. Es find die Mittel­staaten gegen diesen, weil sie befürchten, bei der immer mehr zunehmenden Erweiterung des preußischen Staats- bahnennetzeS mit ihren Eisenbahnen vollständig von der preußischen Eisenbahnverwaltung abhängig zu werden. Es dürfte aber thatsächlich, wenn auch nicht letzthin, so doch vor nicht langer Zeit, die Frage ventiliert worden sein, ob mit Rücksicht auf den großen Umfang, welchen daS Reffort des Ministeriums für öffentliche Arbeiten in Folge der preußischen Eisenbahnpolitik angenommen hat, sowie mit Rücksicht darauf, daß diesem Ministerium auf dem Gebiete des sich immer mehr ausvchnenden Eisenbahnwesens noch große und schwierige Arbeiten, auch solche organisa­torischer und gesetzgeberischer Natur bevorstehen, wenigstens das Berg- und Hüttenwesen von dem Ministerium für öffentliche Arbeiten abzuzweigen sei. In einer Acußerung, welche dieNordd. Allg. Ztg." im August 1880 machte: Trotz Schwierigkeiten, auf welche der Reichskanzler bei Herrn von Bennigsen gestoßen, setzte er die Bemühungen, durch diesen Führer das Band mit der Partei enger zu knüpfen, drei Monate lang fort", hatte man einen Wider­spruch gegen die Behauptung des offiziösen Blattes gefun­den, daß die Ministerverhandlungen im Winter 1878 ab­gebrochen worden seien. Darauf antwortet nun dieNordd. Allg. Ztg.":Die Bemühungen, durch diesen Führer das Land mit der Partei enger zu knüpfen, hat der Kanzler sogar 3 Jahre lang fortgesetzl und noch in diesem Früh­jahr durch die bewegliche Apostrophe:Laß nicht vom Lin­ken dich umgarnen" bethätigt; aber von Ministerverband- lungcn war nach dem Januar 1878 nicht mehr die Rede, und dieGermania" hat ganz recht, wenn fie in ihrer Nr. 239 vermutet, daß das Bestreben, durch Herrn v. Ben­nigsen Fühlung mit den Nationalliberalen zu behalten, von letzterem mit einer Fortsetzung von Verhandlungen über die Ministerkandidatur verwechselt worden sei. DieNatioral- Zeitung" stellt ohne weiteres die Alternative, daß entweder der Kanzler davon abstand, Herrn v. Bennigsen dem Könige vorzuschlagcn, oder daß der König einen Vorschlag erhielt und ablchnte. Es sind doch aber auch viele andere Even­

tualitäten möglich gewesen; daß der König von anderer Seite, also beispielsweise von damaligen Kollegen des Mini­sterpräsidenten, Mitteilungen über die schwebenden Verhand­lungen erhielt, Bericht über den Stand derselben verlangte und dann deren Fortsetzung inhibierte." DieNordd. Allg. Ztg." bringt einen Aufruf an die Wähler. Es heißt darin: Sämtliche wirtschaftlichen, politischen, sozialen und religiösen Fragen können in eine einzige Frage zusammen­gefaßt werden: verdient die Regierung, an deren Spitze Bismarck steht, das Vertrauen des deutschen Volkes? Wir hoffen, daß der gesunde Kern der Nation die Majorität bilden und für die regierungsfreundlichen Kandidaten stim­men wird. Diese Majorität muß nicht nur eine gesicherte, sondern eine möglichst große sein. Jeder Wähler hat die Wahl zwischen einem Freunde und einem Feinde der Re­gierung, ein wahrer Freund der Regierung wird unter allen Umständen für die regierungsfreundlichen Kandidaten stim­men, unbekümmert darum, welcher besonderen Schattierung der großen konservativen Partei derselbe angehört. Wer sich der Wahl enthält, handelt als Feind der Regierung und begeht einen Verrat an cher guten Sache und giebt dem Gegner der Regierung seine Stimme.Fort mit Bismarck!" ist die Parole der Fortschrittler. Die Parole der konservativen Wähler muß sein, für denjenigen Kan­didaten zu stimmen, der den Feind der Regierung, denFort­schritt", bekämpft. Unter ihrem Wahlartikel teilt die Nordd. Allg. Ztg." mit, daß der Kaiser in großer Anzahl Huldigungstelegramme aus Anlaß der zwanzigjährigen Wie­derkehr des Krönungstages, namentlich von Teilnehmern der Festversammlungen am 18. Oktober erhalten und von dieser treuen Anhänglichkeit angenehm erfreut wurde.

Karlsruhe, 22. Okt. Die Todenfeier Bluntschli's fand nachmittags 5 Uhr statt; der Großherzog wohnte ihr bei. Prälat Doll hielt die Rede. Außer zwei Söhnen des Verstorbenen waren Freiherr Ungern-Sternbcrg, die Minister, viele Abgeordnete, hohe Staatsbeamte und Geist­liche zugegen. Die Ueberführung der Leiche nach Heidel­berg findet nachts, die Beerdigung morgen statt.

Baden-Baden, 22. Okt. Se. Majestät der Kaiser, welcher sich ganz wohl befindet, Hal wegen regnerischer Witterung daö Zimmer gestern nicht verlassen, aber mehrere Audienzen erteilt. Der heutige Geburtstag Ihrer könig­lichen Hoheit der Prinzessin Wilhelm von Preußen wird durch ein festliches Diner bei den kaiserlichen Majestäten, zu welchem die großherzogliche Familie geladen ist, sowie durch eine größere Marschallstafel gefeiert. Bei Ihrer Majestät der Kaiserin findet täglich abends Thee statt. Allerhöchstdicselbe dürfte noch längere Zeit hier verweilen, da Ihrer Majestät der Aufenthalt Hierselbst vortrefflich zusagt.

München, 21. Okt. Am letztvergangenen Donners­tag hi der frühesten Morgenstunde gelang es dem durch

Die Goldmüvz-Fabrikatioa.

Unter allen für den großen Verkehr bestimmten Geld­sorten sind die Goldmünzen am schwierigsten rick tig herzu- stcllen. Es erfordert diese Arbeit daher' die gewissenhafteste, sorgfältigste Ucbcrwachung und die größte Aufmerksamkeit bei den vielen Operationen, welche erforderlich sind, um auS dem rohen Edelmetall die geprägte Münze zu formen. Von dem Umfang der zu bewältigenden Schwierigkeiten vermag sich der Laie gewöhnlich gar keine Vorstellung zu mache» und eS lohnt daher vielleicht der Mühe, in Nach­stehendem die technischen Einzelheiten der mit der Herstellung von Goldmünzen verknüpften Operationen vorzusühren, indem ich gleichzeitig das von mir während meiner Funktion als Münzmcister beobachtete Verfahren, um fehlerfreie Gold­münzen auf billigstem Wege herzustcllen beschreibe.

1.

Das Goldschmelzen.

Schmelzen heißt durch Wärme flüssig machen.

Das Schmelzen des Goldes geschieht am vorteilhaftesten in Tiegeln, die man so auszuwählen hat, daß sie die Tem­peratur, welche man zu geben beabsichtigt, vollkommen gut vertragen und auch von dem Schmelzgute nicht weiter an­gegriffen werden.

Die Feuerungsstelle muß vorher durchaus sauber ge­reinigt werden, damit keine unedlen Metalle sich mit dem Golde vermischen können, wenn der Tiegel springen sollte.

Wenn dieses alles geschehen ist, muß der Münzmeister die mit dem Münzwardein (Probierer) gemeinschaftlich be­rechnete und zur Verwendung zu bringende Maffe an Gold

und Kupfer (Beschickung genannt) in den Schmelztiegel einsetzen, wobei es sehr gut ist, das Schmelzgut im Tiegel etwas zusammen zn drücken .

Bevor der Tiegel in den Schmelzofen gesetzt wird, muß derselbe vorsichtig angewärmt werden, widrigenfalls steht zu gewärtigen, daß derselbe sehr bald springen wird, auch muß der Tiegel gut zugedeckt werden, damit keine Kohlen hinein­fallen können.

Ter Münzmeister darf den Schmelztiegel während der ganzen Prozedur nicht verlassen, damit das Schmelzgut nicht verändert und die Feuerung richtig gehandhabt wird. Dieses muß so geschehen, daß nur kleine Kohlm an den Blasebalg gelegt werden, um den kalten Luftstrom zu mil- dein und das Springen des Tiegels zu verhindern, während größere Kohlen an die entgegengesetzte Seite zu legen sind, um die Luftströmung gleichmäßiger zu verteilen, wodurch auch erreicht wird, daß die Hitze den Tiegel von allen Seiten gleichmäßig umschlingen kann.

Ist das Schmelzgut gehörig flüssig, so muß dasselbe fortwährend umgerührt werden, damit das Gold nicht etwa seiner Schwere wegen nach unten sinkt und vor dem Aus- gicßen von fremdartigen Teilen gereinigt werden, damit kein sprödes Metall entsteht.

Um ganz sicher zu verfahren, ist eS anzuraten, daß nur kleine Schmelzungen jedesmal vorgcnommcir werden, da es dann ziemlich sicher ist, daß die Legierung genau auSfällt, weil die Masse besier gerührt werden kann, auch steht nicht so leicht zu befürchten, daß der Tiegel durchgeht.

UeberdieS ist die Reinigung deS GoldeS viel leichter zu bewerkstelligen, denn nach jeder Schmelzung muß dieselbe geschehen, auch muß alles darauf eingerichtet sein, um sie mit Sicherheit ausführen zu können.

Welches Flußmittel dabei anzuwenden ist, läßt sich erst sagen, wenn man daS flüssige Gold im Treiben sieht, ist man aber dennoch zweifelhaft, so läßt sich Borax gewöhn­lich mit Erfolg anwenden.

Es steht auch nicht zu befürchten, daß weniger fertige Münzen geliefert werden, wenn nur kleine Schmelzungen gemacht werden, im Gegenteil kann mehr geleistet werden, weil das Gold bei kleinen Schmelzungen ganz geschmeidig und dehnbar wird und wewg oder gar kein Abgang statv findet, oder mit andern Worten gesagt, eS gehe weniger verloren, und die Walzen und die Prägestempel haben weniger auszuhalten, als bei der Verarbeitung deS spröden Goldes.

UeberdieS wird der Verschleiß der Goldmünzen viel ge­ringer, wenn nur dehnbares Gold zu Münzen verarbeitet wird, denn das reine Gold ist durch den täglichen Gebrauch nur einem sehr geringen Verschleiß ausgesetzt, wohl aber die fremdartigen Beimischungen sind dem Verschleißen vor­nehmlich unterworfen, wodurch die Goldmünzen sehr bald an Gewicht bedeutend verlieren, abgesehen von dem Be« feilen und dem Beschneiden, sowie durch sonstige chemische Mittel, wie sie beim Sieden der Münzen selbst angewandt werden müffm.

Durch die vielen fretnben Beimischungen von unedlen Metallen entstehm überhaupt alle Fehler der Münzen und sind diese daher sorgfältig zu verttlgen, »eil eine jede Goldmünze, welche andere Substanzen mthält, als die, welche gesetzlich vorgeschriebm sind, als falsch angesehen werden muß.

<Fortsetzung folgt.)