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iliarfiurfl, Donnerstag, 13. Oktober 1881.
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«n-eiaen nimmt entgegen: hie Expedition d. Blattes, löwied.Annoncen.Bureaux ' Th. Dietrich u. Co. in «affet und Hannover; Th. Dietrich m Frankfurt a.M.; ^aasenstein u. Vogler m Frankfurt a. M., Berlm, Leipzig - Köln re.; Rudolf Messe tn Berlin, Frank- V ' furt a. M. ic.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jtigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: E- Schlotte in Bremen.
^scheint täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen Berlage „JllustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (K o ch fche e 'd) BUmdruckerei) bezogen 2V. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für d»e gespaltene Zeile 10 Psg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.
Klare Ziele.
Die Liberalen werfen den Konservativen vor, sie hätten keine klaren Ziele, und jagten, wie sich Herr Lasker ausdrückte, einer „fata morgana“ nach und das könnten sie nicht mitmachen. Während die Liberalen im Kulturkampf darauf ausgingen, die Kirche ihrer Selbstständigkeit und ihres durch eine tausendjährige segensvolle Wirksamkeit wohlerworbenen Wirkungskreises zu berauben und sie unter die Gewalt des religionslosen Staates, den sie zugleich rum Religionslehrer in den Schulen, wie zum alleinigen Herrn der theologischen Fakultäten machen wollten, zu stellen, haben die Konservativen stets hell und klar die Freiheit und Selbstständigkeit der Kirche unter selbstverständlicher Oberaufsicht des Staates als die unbedingte Notwendigkeit für eine segensreiche Wirksamkeit derselben im Auge gehabt — nicht um eine kirchliche Hierarchie zu begründen, sondern unserem Volke den Segen einer arbeitsfrifchen Kirche, ohne welche das deutsche Volk gar nicht bestehen kann, zu verschaffen. In Beziehung auf die Schule ist konservativer- seitS stets klar und bestimmt gesagt: alle Schulen unseres christlichen Volkes, höhere wie nieeere, muffen nicht blos Lern-, sondern vorzugsweise Erziehungs-Anstalten sein und deshalb auch einen christlichen Charakter tragen. Die Kirche, die Gemeinde oder die bürgerliche Gesellschaft und der Staat sind bei der Schule gleich interessiert und müssen deshalb zu ihrer Verwaltung organisch verbunden sein, natürlich unter Oberaufsicht und Leitung des Staates. Wir wollen weder hier noch auf irgend einem anderen Gebiete schrankenlose Omnipotenz des Staates, sondern organisches Zusammenwirken desselben mit den organisierten Potenzen des Volkslebens. Das ist hier die Kirche und die bürgerliche Gemeinde. Eine absolute Staatsschule, womöglich mit voller Erhaltung der Schule aus Staatsmitteln und Erlaß des Schulgeldes halten wir für einen großen Schaden, weil eine solche Schule die Jugend immer mehr aus ihrem Lebensboden, der Familie und der Kirche loslöst und sie schon von Kindheit auf in den Sandboden des allgemeinen Staatsbürgertums hineinstellt, in welchem wohl politische Raisonnierer und Revolutionäre, aber keine sittlick und sozial gesunden Menschen aufwachscn können.
Auf politischem Gebiete haben die Konservativen stets hell und klar als ihr Ziel die Erhaltung eines starken Königtums und organisch mit ihm verbundenen freien Volkstums hingcstellt und immerdar die trübe Vermischung von Volks- und Königtum zu einem sogenannten parlamentarischen Regiment, wie eö der Liberalismus erstrebt, verworfen. — Auf wirtschaftlichem Gebiete haben die Konservativen seit Jahren die Zersetzung aller Organisationen bekämpft und hell und klar die Stärkung der nationalen Arbeit durch korporative Organisation und Schutz vor gewerbefreiheitlich-kapitalistischer und freihändlerischer Aus
beutung als ihr Ziel aufgestellt. Auf sozialem Gebiete haben dieselben stets die naturalistische Zersetzung der Gesellschaft durch das unheilvolle Manchestertum mit feinem Prinzip des Gehenlassens, seiner Deklarierung der Arbeit als Ware nnd seiner Ersetzung der sittlichen Gebote durch die sogenannten Naturgesetze bekämpft und klar und hell als Ziel ihres Strebens die höhere sittliche Wertschätzung der Arbeit und der Arbeiter und demgemäß die bessere Gestaltung der Lohnverhältniffe und größere Sicherheit der Existenz der Arbeiter im Zusammenhänge mit sozialen korporativen Organisationen hingestellt.
Das sind gewiß klare und Helle Ziele I Dieselben sind freilich nicht zu erreichen, ohne daß viele Ruinen, welche die liberale Aera geschaffen hat, aus dem Wege hinweggeräumt werden. Wer sein Ziel erreichen will, der muß sich die Wege zu demselben bahnen. Unsere wirtschaftlichen und sozialen Ziele sind nicht zu erreichen, so lange der freihändlerische Zolltarif, die manchesterliche Gewerbe- und kapitalistische Ausbeutungsfreiheit bestand bez. besteht, und so lange der soziale Volkskörper wie eine zerhackte Masse vor uns liegt. Deshalb haben wir seit Jahren Schutz verlangt für unsere nationale Arbeit vor der übermächtigen Konkurrenz des Auslandes, wie vor dem kapitalistisch-handelsmäßigen Ausbeutungs - Gewerbebetrieb im Jnlande mittelst der schrankenlosen Gewerbefreiheit. Darum haben wir ferner Umwandlung dieser falschen Gewerbefreiheit, die bekanntlich gar keine Freiheit für die Gewerbe, sondern für das handelnde Kapital ist, in die wahre Gewerbefreiheit verlangt, welche es jedem, der ein Gewerbe gelernt hat — aber auch nur diesem — ermöglicht, sein Gewerbe zu betreiben. Zur Stärkung und zur Hebung der Kreditfähigkeit des Kleingewerbes haben wir obligatorische Innungen verlangt, weil fakultative Innungen diesen Zweck nicht erfüllen. Ferner haben wir seit Jahren wiederholt ausgeführt, daß eine Besserung des Loses der Arbeiter nur möglich ist auf der Grundlage zu schaffender, korporativer, sozialer Organisationekr-x-Junungen beim Handwerk und Gewerkschaften bei der Großindustrie unter ber Aufsicht und dem Schutze des Staates bez. eines zu schaffenden Arbeitsrechtes. Endlich haben wir stets darauf hingewiesen, daß alle Versuche, unsere sozialen und wirtschaftlichen Zustände zu bessern, erfolglos sein werden, wenn nicht der kapitalistischen Ausbeutung der Arbeit durch das Börsenspiel und der damit zusammenhängenden Ansammlung des Geldes in den großen Reservoirs der Börsenfürsten durch eine Börsen- und Bankgesetzgebung entgegengewirkt wird, welche erfüllt ist von dem durchschlagenden Gedanken, daS Geld als das Blut dcS wirtschaftlichen Volkskörpers in alle Teile desselben zu leiten und so die produktive Arbeit überall zu befruchten und leistungsfähig zu machen.
DaS alles sind klare, große und erstrebenswerte Ziele,
mit denen wir nicht hinter der Zeit und ihren Aufgaben zurückstehen, sondern Ziele und Wege, mit denen wir auf der Höhe der Zeit und ihrer Aufgaben stehen, wie sie uns von den vorhandenen Not- und Mißständen geradezu auf- gezwungen werden. Daß diese großen Ziele nicht im Handumdrehen erreicht werden können, ist begreiflich; denn nichts ist schwieriger zu behandeln als soziale Dinge, weil es sich da um einer, lebendigen Organismus handelt, an dem man nicht beliebig wie aus einer Maschine ein Glied heraus nehmen und ein anderes einsetzen kann. Der Liberalismus macht es sich leicht: weil er sich in den sozialen Fragen keinen Rat weiß, so leugnet er diese Fragen uno erklärt, man müsse alles gehen lassen, wie e« will, dann reguliere sich durch das freie Spiel der Kräfte alles von selbst. Aber der Erfolg hat gezeigt, daß daS nicht wahr ist, sondern daß dieses liberale Manchestertum zum wirtschaftlichen und sozialen Faustrecht führt, wo der allein Recht und Macht hat, der den größten Beutel und das kleinste Gewissen besitzt. Ist die Erreichung unserer Ziele auch schwierig, so hoffen wir doch, daß sich Wege finden, auf denen wir ihnen näher kommen. Im Schutzzoll und in dem Wuchergesetz find ja bereits solche Wege gefunden, die Reform der Gewerbefreiheit, dir korporative Gestalt unseres Gewerbewesens in obligatorischen Innungen für das Kleingewerbe und in Gewerkvereinen für die Groß- Industrie wird hoffentlich bald folgen und dann haben wir Wege gefunden, auf denen wir zu einer größeren Kreditfähigkeit des Handwerks wie zu größerer Sicherheit der Lage der Arbeiter durch Invaliden- und Altersversorgungskassen gelangen können. Wie aus zahlreichen Kundgebungen hervorgeht, ist die Regierung ernstlich bestrebt, diese Wege zu bahnen und jene Ziele erreichen zu helfen. Die Aufgabe des Volkes, für dessen Wohl das alles bestimmt ist, wird es sein, eine Reichstagsmehrheit zu schaffen, welche ernstlich bestrebt sein wird, diese Ziele erreichen zu helfen.
Deutsches Reich.
** Berlin, 11. Okt. Es wird von Interesse sein, in nachstehendem eine Ueberstcht derjenigen Meliorationsbahnen zu geben, welche seit dem vorigen Jahre für Rechnung und unter Beteiligung des Staats teils in Angriff genommen, teils in der Ausführung begriffen, teils bereits vollendet und vor kurzem dem Betriebe übergeben worden sind. Es sind dies die Linien: 1. Güldenboden-Mohrungen-Allenstein (88 Km.), 2. Allenstein-Mehlsack-Kobbelbude mit Abzweigung von Mehlsack nach Braunsberg (133 Km.), 3. Sitten« stein-Ortelsburg-Johannisburg (100 Km.), 4. Marienburg- Marienwerder-Grandenz-Thorn mit Abzweigung nach Culm (150 Km.), 5. Schneidemühl-Dt.-Krone (25 Km.), 6. Konitz- Laskowitz (69 Km.), 7. Zollbrück-Bütow (47 Km.), 8. Alt-
Aus der Vorzeit.
Von der heil. Elisabeth, Landgräfin von Thüringen und Hessen, und von ihren Erbnehmern, den deutschen Herren, den Gründern der Ordenskommende und den Erbauern mehrerer kirchlicher Gebäude in Marburg.
Elisabeth, die Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und seiner Gemahlin Gertrude aus dem Hause Meran, hatte Landgraf Hermann I. von Thüringen für seinen 11jährigen Sohn und einstigen Thronerben Ludwig zur Gemahlin erkoren, und im Jahre 1211 eine glänzende Gesandtschaft mit dem Auftrage an den königlichen Hof nach PreSburg geschickt, bei dem genannten Königspaar für seinen Sohn um deren 4jähriges Töchterlein zu werben. Die königlichen Eltern nahmen die Werbung an und übergaben der Gesandtschaft ihr Kind, daS, auf der Wartburg mit dem jungen Prinzen eine gleichmäßige Erziehung genießen sollte.
Elisabeth w r eine ungewöhnliche Erscheinung am landgräflich-thüringischen Hofe, der zur Zeit der Regierung deS Landgrafen Hermann I. (von 1190—1218) genußliebender und genußbietender wie kein zweiter in Deutschland war.
Schon balv zeigte es sich, daß in dem früh entwickelten Kinde eine ernstere höhere Lebensauffassung schlummerte, die es in seinen Worten und Gebärden, seinen SpiAen und Handlungen beurkundete, und sich hierin von sämtlichen Kindern in der Umgebung unterschied.
Mit den zunehmenden Jahren trat diese Lebensauffassung immer deutlicher hervor. Weder dem Genüsse noch dem Besitze erkannte Elisabeth irgend welchen Wert zu. Ihr tief innerliches und nach außen thätiges Christentum bildete einen Gegensatz zu dem ihrer Umgebung, das nur ein äußerliches förmliches war, darum suchte man sie auf alle
mögliche Weise wegen ihrer Frömmigkeit, Demut, Anspruchslosigkeit und Wohlthätigkeit zu tränten und zu beleidigen. Nichts gefiel ihrer Umgebung an ihr, weshalb sich eine Partei gegen sie bildete, der sich auch ihre tünftige Schwiegermutter, die Landgräfin Sophie, mit ihren Kindern anschloß, die sich zur Aufgabe stellte, die Heirat mit Ludwig so zeitig als möglich zu vereiteln, weil man erwartete, daß, wenn Elisabeth einmal zur Herrschaft gelangte, das herkömmliche heitere Leben voll Lust und Lieder auf der Wartburg ein Ende haben würde, zumal man sich darüber nicht mehr täuschte, daß ihr Beklebter mit ihr gleicher Gesinnung war.
Je näher nun der Zeitpunkt der Vermählung heran- rückte, um so mächtiger erhob die Gegenpartei ihr Haupt, indem sie durch allerlei Vorspiegelungen den Landgrafen zu veranlassen suchte, die Verlobung zu lösen; allein Ludwig stand treu zur Gefährtin seiner Jugend und brachte Elisabeths Feinde dadurch zum Schweigen, indem er ihnen ein für allemal erklärte: „und wenn ich goldne Berge ge- »innen könnte, so würde ich eine solche Untreue nicht begehen."
Nach Landgraf Hermanns Tode im Jahre 1218 trat Ludwig die Regierung über Thüringen an. Das leichtfertige und genußreiche Leben auf der Wartburg hatte nunmehr ein Ende, und ein ernsterer Ton trat an dessen Stelle. Als einer der Dichter und Sänger, Walter von der Vogelweide, nach Hermanns Tode wieder einmal die Wartburg besuchte und alles so verändert fand, gab et seinen Unwillen darüber in einem Spottgedichte kund.
Elisabeth war inzwischen zu einer Jungfrau herangewachsen. Als sie im 14. und Ludwig im 21. Lebensjahre stand, löste Landgraf Ludwig sein gegebenes Wort ein und nahm im Jahre 1221 Elisabeth zu seiner Gemahlin. Die
Verbindung war ein Muster inniger Zuneigung und Hochachtung, jedoch nur von kurzer Dauer.
Landgraf Ludwig wußte, daß eö seiner Gemahlin höchste Freude war, Werke der Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit zu üben. Er selbst schenkte diesen herrlichen christlichen Tugenden nicht nur seine Billigung, sondern gab Elisabeth auch unumschränkte Vollmacht, alles nach ihrer Einsicht zu thun, sobald es sich nur um ein gottwohlgefälliges Werk handle. Die Fürstin machte von dieser Vollmacht insonderheit im Jahre 1226 den umfassendsten Gebrauch, wo nach vorhergegangener Mißernte Teuerung, Hungersnot und ansteckende Krankheiten in Thüringen herrschten., Ihr Gemahl war gerade abwesend. Nach dessen Rückkehr von seiner Reise verklagten ihre Widersacher sie bei ihrem Gemahl wegen ihrer sogenannten Verschwendung. Allein der Fürst schenkte diesen bösen Menschen wiederum kein Gehör, sondern wies sie ab mit den Worten: „Lasset meine liebe Elisabeth den armen Leuten um Gottes Willen Gutes thun, wenn uns nur die Wartburg und die Neuenburg zu unserer Herrschaft bleiben." Diese praktische Seite ihres Christentums ist es gerade, durch die sie später die Bewunderung der christlichen Welt auf sich gezogen hat und darum unvergeßlich bleiben wird.
Im Jahre 1227 schloß Landgraf Ludwig sich ernem vom Kaiser Friedrich II. beabsichtigten Kreuzzuge an. Beim Abschiede von seinen Verwandten empfahl er mit warmen Worten seinem Bruder Heinrich Raspe sein Land, seine Gemahlin und seine Kinder. In Italien glücklich angekommen, war er eben im Begriffe, sich einschiffen zu lassen, als ihn zu Otranto eine ansteckende Krankheit erfaßte und hinwegraffte. (Fortsetzung folgt.)