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Marburg, Freitag, 7. Oktober 1881.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux o Tb- Dietrich u. Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M.; fiaasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, »,jv,ig, Köln re-; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. Dl. rc.
folgend, im Zickzack hernicderfahren, dazwischen ertönte aus der Ferne das dumpfe Rollen des Donners, plötzlich erhob sich ein Sturm, eigentümliches Pfeifen durchdrang die Luft, ein dichter Regen fiel heftig nieder, doch nur wenige Minuten lang; Gott war dieser Gegend gnädig gewesen, er hatte die vorher noch so drohenden Wolken ebenso wie sie gekommen mit Sturmeseile vertrieben.
Glänzend wie zuvor ergoß die Sonne wieder ihr Helles Licht über die weiten Fluren und die warmen Sonnenstrahlen trockneten die vom Regen befeuchteten Früchte; Nösel mit Nachbar Heinrich und dem Gesinde wendetm tcn geschnittenen Weizen immer und immer wieder, so daß derselbe in ganz kurzer Zeit trocken war und in Garben gebunden und auf den Wagen geladen werdm konnte.
Während nunmehr alle übrigen Hände mit dem Verladen der Garben vollauf zu thun halten, war Rösel vom Felde fort in ihr Gut gegangen und in ihrer Küche beschäftigt, um das von Alters her zur Erntezeit gebräuchliche Abendesien zuzubereiten. — Schon hatte sie einen frisch gekochten Schinken ausgeschnitten, diesen In appetitlichen Schnitten auf dem Teller zu einem Berge geschichtet und kehrte soeben aus dem Garten zurück, von wo sie die nötige Anzahl Salatstauden geholt hatte und nun in der Küche zurichtete, als sie, hiermit kaum fertig geworden, auch schon den hoch mit Getreidegarben beladenen Rüstwagen in den Hof einfahrcn sah. Bereits war es über 8 Uhr, alle verfügbaren Hände griffen zu, um die Getreide- garten in die Scheuer zu geben, und so kam es, daß man mit dem Abladen der einen Fuhre gerade fertig war, als auch schon die zweite, jedoch kleinere Fuhre Getreide im Hofe hielt. Auch deren Ladung war gleich schnell der schirmenden Scheuer übergeben, sodaß die neunte Abend-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirte- GoMttagSblatt durch die ExpediUon f.K o ch'sche Vuchdruckerei) bezogen 2‘/+ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-
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Weiter müssen wir mit aller Kraft daran arbeiten, daß die seitens der Fortschrittspartei beliebte Bekämpfung unserer Armee-Einrichtungen, unseres erhabenen Kaisers höchsteigenes Werk, im Volke keinen Anhang finde. Wäre es nach dem Willen des Liberalismus gegangen, so würde heute das deutsche Reich nickt fest und geeint dastehen, sondern noch ärger als in früherer Zeit zerstückelt sein. Die preußische Armee-Reorganisation, welche von den Liberalen so heftig bekämpft wurde, legte offenbar den Grund zu Deutschlands Größe und Einheit und ohne die Ereignisse von 1866 wären jene der Jahre 1870 und 1871 sicher nicht möglich gewesen. Was aber in diesen Jahren mit dem Blute unserer Brüder erworben worden, ist vor äußeren Angriffen noch auf lange Zeit hinaus zu schützen, denn der zu Boden geschlacene Erbfeind Deutschlands hat keineswegs die Hände in den Schooß gelegt, sondern das Haupt wieder erhoben und lauert Rache brütend nur auf den geeigneten Augenblick, um über Deutschland herzufallen. Ein solcher Augenblick würde cintreten, wenn unsere Militärmacht nicht treue Wacht an den Grenzen des Vaterlandes halten würde unv wer an dieser Macht rütteln, wer dieselbe verringern will, der ist ein offenbarer Feind unseres gemeinsamen Vaterlandes und des deutschen Volkes. Daher muß man dem Volke die liberalen Bestrebungen in ihrem wahren Lichte zeigen, muß an alle jene appellieren, die des „Kaisers Rock" getragen und sie Mffordern, in ihren Kreisen durch wahre Schilderung der Sachlage dahin zu wirken, daß man dem Liberalismus mit seinen verlockenden Redensarten von Verkürzung der Dienstzeit und Verringerung der deutschen Militärmacht energisch die Thür weise und, für die konservativen Grundsätze eintretend, mit voller Kraft für Erhaltung der Einheit und Macht des deutschen Reiches durch Wort und That kämpfe.
Schließlich müssen wir unseren deutschen Patriotismus dadurch bethätigen, daß wir die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer sozialen Reform ins Volk tragen und immer wieder betonen, daß Heil und Segen für Deutschland nur dann zu erblühen vermögen, wenn das deutsche Volk für die Reformpläne seines leitenden Staatsmannes eintritt. Sorgen wir in ausreichender Weise für das wahre Wohl der einzelnen Bcvölkerungsklassen, namentlich für den Handwerker- und Arbeiterstand, wirken wir durch die Wahl konservativer und regierungsfreundlicher Männer dafür, daß die bisherige Ungleichheit mehr und mehr verschwinde und vor allem durch eine in gleichem Verhältnisse stattfindende Heranziehung des bcweglickcn Kapitals zur Tragung der Lasten der so hoch überbürdete Grundbesitz entlastet werde, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß segcnbringerde Zustände in unserem deutschen Vaterlande überall eingreifen und die Zufriedenheit aller Bevöl- kcrungsklassen in Wirklichkeit bei uns einzichen wird.
DaS haben wir zu thun, wenn wir unsere Pflicht
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Wiedergesuude«.
Novelle von Julius Gündel.
(Fortsetzung.)
„Lebt wohl, ihr Berge, lebt wohl, ihr herrlichen Fluren, ihr meine prächtigen Blumen, lebt wohl, ihr lieben dunklen Freunde! Euch sehe ich wohl niemals wieder!"
Das waren Gottfrieds letzte Worte bei seiner Abreise von Afrika. Auch wir verlassen jetzt den Seefahrer Gottfried und sehen zu, was aus dessen Gattin geworden ist, die wir in unserer Erzählung verlassen haben, nachdem sie Gottfrieds ersten Brief gelesen hatte.
Im Röselshofe war um die Zeit des Hochsommers ein außergewöhnlich geschäftiges Treiben.
Seit einigen Tagen bereits hatte die Ernte begonnen, welche in ihrem Gesamterträge eine sehr ergiebige zu werden versprach. Schon war der Raps und der Roggen unter Dach und Fach gebracht und heute sollte das Einernten des Weizens, den der Nachbar Heinrich mit schneiden half, in Angriff genommen teerten. Mit fast ängstlicher Gewissenhaftigkeit hatte die Rösel ihre Leute angestellt; alle mußten beim Ernten mit Hand anlegen, denn Gottfried sollte sich recht freuen, wenn er zurückkehrte und die ganze Wirtschaft im besten Zustande fände. Dies zu erreichen, war Rösels einziger Wunsch, einziges Streben.
Bei all dieser Emsigkeit waren die späteren Nachmittags- stunden herangekommen, ehe man sich« versehen hatte; mit ihnen aber ebenso unerwartet und mehr noch für die Einerntenden unerwünscht, hatte sich der Himmel umzogen, drohend hingen die rötlich-grauen Wolken herab, am Horizonte sah man die feurigen Blitze, rasch auf einander
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Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlcn liegt die Frage nahe: Was haben wir zu thun, um möglichst den Sieg zu erringen? Und da scheint es nicht überflüssig zu sein, allen Gesinnungsgenossen noch einmal in kurzen Umrissen vorzuhalken, was die Pflicht der Konservativen ist und was sie ins Volk zu tragen haben, damit dies sich von seinen falschen Freunden lossage.
Stellen wir die Macht der Krone voran. Die Erhaltung derselben ist eine der Aufgaben der konservativen Partei. Man gehe ins Volk und zeige an den zahlreichen, im Laufe der Zeit zu Tage getretenen Beispielen, wie der Liberalismus stets gegen die Macht der Krone gearbeitet und wie er, wenn er auch stets beteuerte, dieser Macht keinen Abbruch thun zu wollen, täglich zu erkennen gab, daß eine Schattenmonarchie und die Herrschaft kes Parlaments das Ziel seiner Bestrebungen gewesen ist. Nur ein mächtiges Königtum hat Preußen groß gemacht, und nur von einem mächtigen Kaiseriume kann Deutschland sein Heil erwarten. Die Rechte der Krone schmälern wollen, heißt nichts anderes, als das Wohl des Vaterlandes untergraben, .und daher müssen alle patriotischen Kreise fest zusammenstehen im Kampfe gegene jene, welche eine solche Schmälerung anstreben.
Fürs Zweite haben wir dafür zu sorgen, daß das Volk praktisches Christentum treibe, daß der christliche Geist in der Bevölkerung aufs neue geweckt und die christlichen Wahrheiten mehr und mehr im Volke sich verbreiten. Die unter liberaler Herrschaft entstandene Gesetzgebung, welche so gern mit der Bezeichnung „freiheitlich" belegt wird, ist nicht dazu angethan, christlichen Sinn und christliche Sitte in besonderer Weise zu heben und es ist ferner längst anerkannt, daß die seiner Zeit im Kampfe gegen die katholische Kirche beschlossenen Gesetze in weit höherem Maße die protestantische Kirche getroffen haben als die katholische. Nur wenn das Volk sich voll und ganz wieder auf den Boden des Christentums stellt, kann mit der Zeit ein gedeihlicher Zustand wieder bei uns einziehen, der das christliche deutsche Volk in Zukunft davor bewahrt, daß die Fremdlinge bei ihm das große Wort führen und die Bevölkerung dem Christentum entfremden.
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stunde, welche die Glocke des in cher Nähe liegenden, zum Rtttergute gehörigen Schloffes verkündete, die kleine Erntegesellschaft beim Abendesien in voller Thätigkeit fand. Rösel, Heinrich und Gottfried waren sozusagen im Dorfe miteinander ausgewachsen, hatten die Schule gleichzeitig mit einander besucht, waren später mit einander zum Tanze gegangen und so hatte sich auch nach Rösels Verheiratung mit Gottfried zwischen Rösel und dem Nachbar Heinrich das vertraulich-freundschaftliche Verhältnis forterhalten, der dann nun auch heute das Gespräch auf Gottfried lenkte.
„Ja, ich werde bald schreiben," entgegnete Rösel; „sobald wir mit der Ernte fertig sind, will ich mich drüber machen und meinem Manne auch etwas Schinken und Tabak mitschicken. Bis mit 5 Pfund Gewicht dürfe man Lebensmitteln, die unterwegs nicht so leicht dem Verderbm ausgesetzt sind, auch Tabak und Cigarren beipacken, nur müsse man das Kistel noch in Leinwand einnähen. — Wmn ihm nur kein Unglück passiert!" Traurig ließ Rösel ihr Köpfchen hängen. Es bedurfte von feiten Heinrichs aller Mühe, die verstimmte Rösel nur Halbweg zu beruhigen.
Der Knecht und die Mägde hatten den Tisch bereits verlasien, um für heute ihre letzten Arbeiten zu verrichten und sich dann zur Ruhe zu begeben; auch Heinrich zeigte deutliche Spuren von Ermüdung; war eS ja auch kein Wunder, da er, kein Landwirt, heute den ganzen Tag über bis auf den kurzen kühlenden Regen auf dem Felde in der Sonnenglut gestanden und tüchttg gearbeitet hatte.
„Gute Nacht, Rösel!" sprach Heinrich, welcher sich er- hoben hatte, Rösel die Hand reichend, „morgen frühzeitig wollen wir wieder anfangen."
„Gute Nacht, Nachbar Heinrich, hab für heute schön Dank!" antwortete Rösel. (Forts, folgt.)
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gegen Gott, Kaiser, Volk und Vaterland ernstlich erfüllen wollen und daher sei zum Teil die Mahnung ausgesprochen, in diesem Sinne überall thätig zu sein, damtt durch ein günstiges Resultat der bevorstehenden Reichstagswahlen, der Grundstein zu Deutschlands dauernder Wohlfahrt gelegt werde.
Die Forderung nach dem Regierung- - Programm.
lieber die entschiedene und unbedingte Gegnerschaft der Fortschrittspartei und ihres Anhangs gegen die Regierung und ihre Reformpolitik ist ein Zweifel gewiß nicht mehr möglich, schreibt die „Prov.-Corresp.". Die Partei bekämpft diese Politik als eine angeblich gefährliche und reaktionäre; sie bekämpft die Negierung, weil sie dem fortschrittlichen Ideal einer schrankenlosen Willkür und Freiheit entgegentritt. Man kann das in allen Blättern lesen, in allen ihren Wahlversammlungen bis zum Ueberdruß zu hören bekommen.
Man sollte meinen, daß die Fortschrittspartei hierin weiß, was sie will; man sollte «nehmen, daß sie, nachdem sie über die Regierungspolitik den Stab gebrochen und dieselbe nach allen Richtungen hin zu verlästern sucht, nicht mehr im Unklaren über sie sein kann.
Und doch erheben ihre Blätter und Redner immer von Neuem die Forderung nach einem ausführlichen Regierungs- Programm! Sie machen der Regierung und insbesondere bereit Veitretern in der Presse zum Vorwurf, daß sie sich über die gesetzgeberischen Pläne noch nicht im Einzelnen geäußert habe und daß sie das Volk im Unklaren lasie.
Hieraus sogt entweder, daß die fortschrittlich-sezessio- nistische Partei Opposition macht, ohne daß sie (selbst von ihrem Standpunkt aus betrachtet) innerlich von der Notwendigkeit derselben überzeugt ist und daß ste „die Absichten der Regierung mißbilligt, ohne sie zu kennen", oder daß jener Einwand nur ein Vorwand ist, um die Regierung wider besseres Wissen der Geheimnisthuerei und der Rücksichtslosigkeit gegen die Bevölkerung anzuklagen und so eine neue Waffe der Verdächtigung gegen ste in Anwendung bringen zu können.
Da man nicht annehmen kann, daß die fortschrittlich- sezessionistische Partei für ihre Gegnerschaft keine Gründe hat, so bleibt nichts anderes als die andere Annahme übrig.
DaS Streben der Regierung ist ihr in Wahrheit ebenso gut wie allen anderen Parteien bekannt. Die Wahlaufrufe, die von einzelnen Parteien erlaffen sind, machen das Programm der Regierung mehr oder weniger zum Gegenstand der Beurteilung. Die Gesetzvorlagen in der vergangenen Sitzungsperiode, wie auch mannigfache Aeußerungen des Kanzlers haben darüber eine solche Klarheit verbreitet, daß eben nur hieraus die große Bewegung erklärlich ist, welche sich um die Regierungspolitik dreht und für welche jetzt große Volkskreise, die früher gleichgültig waren, abseits
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