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Marburg, Dienriag, 4. Oktober 1881.
XVI. ZhrgW
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OdttWlhkZkitW.
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Ter Plan eiues deutschen Bolkswirlschaftsrates.
Unläugbar ist in den l.tzten Jahren eine allgemeine Beruhigung in der politischen Lage cingetreten und die Zuversicht auf die Dauer des europäischen Konzerts hat durch die Kaiierzusammenkunft in Danzig eine entschiedene Stärkung erfahren. ES ist daher erklärlich, daß unser leitender Staatsmann sich in hervorragender Weise mit unseren inneren Angelegenheiten beschäftigt und daß ihm der weitere Ausbau seiner großartigsten Schöpfung, des deutschen Reiches, jetzt wo der europäische Friede nach menschlicher Voraussicht auf Jahre hinaus gesichert erscheint, besonders am Herzen liegt. Die Hauptbestrcbungen des Reichskanzlers sind darum in erster Linie auf eine wirtschaftliche und finanzielle Stärkung des deutschen Reiches gerichtet, daß es eine Thatsache ist daß Deutschland gegenüber anderen Großstaaten, namentlich was England, Frankreich und die Vereinigten Staaten von Nordamerika anbelangt, in wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung bedeutend zurückgeblieben ist. Eine Stärkung Deutschlands nach dieser Richtung gehört aber mit zu den Grundbedingungen für die Erhaltung des Reiches und dies Ziel sucht Fürst Bismarck auf allen Wegen zu erreichen;
Wiedergcfuudeu.
Novelle von Julius Gündel.
(Fortsetzung.)
Waren es Thränen der Freude oder des Schmerzes, welche Rösel beim Lesen dieses Briefes vergoß und wodurch sie ihrem tiefbckümmerten Herzen Erleichterung schaffen wollte, konnte ihr guter Gatte nicht jetzt, während sie seine Zeilen gelesen hatte, worin er ihr Trost zusprach, worin er ihre Hoffnung zu stärken suchte, auch unter den Verwundeten sein und selbst des Trostes und der Pflege bedürfen oder gar schon tot, begraben sein? — Diese und andere Möglichkeiten ließen sie traurig gestimmt und verursachten bei ihr derartige Zweifel, daß sie vor Kummer zusehends dah.n welkte.
Doch verlassen wir jetzt den Röselshof und seine Insassen, überlassen wir die traurige Rösel der alle Herzenswunden heilenden Zeit und kehren zu Gottfried zurück.
Unser Held Gottfried mußte, wenn er sich seinen Käme- raden gegenüber nicht lächerlich machen, nicht feig finden laffen wollte, mit in ihren begeisterten Gesang von Soldatenliedern einstimmen. Unter Gesang und Hurrahrusen dampften sie dann in L. ein. Nach Meldung beim Com- mando wurde auch Gottfried eingekleidet und ohne grotzes Besinnen-, ohne befonderen Aufenthalt fuhr der Soldat Gottfried Sch. mit seinem Bataillon mittelst Extrazuges durch die Rheinlande der deutschen Landesgrenze zu.
Der Beginn sowie der Verlauf der Feindseligkeiten bedürfen, weil schon vielfach erzählt, keiner neuen Beschreibung. Gottfried war Kombattant bei St. Privat und wurde, wie schon erwähnt, daselbst leicht verwundet.
hierbei vertritt Fürst Bismarck die Ansicht, daß die Parlamente, vor allem der deutsche Reichstag und der preußische Landtage, da sie mehr vom politischen Standpunkt und Gesichtspunkt aus konstituiert sind, nicht immer geeignet erscheinen, in Fragen wirtschaftlicher und finanzieller Natur, eine sachliche Entscheidung zu treffen. Aus diesem Grunde hat Fürst Bismarck im vorigen Jahre auch den preußischen Volkswirtschaftsrat ins Leben gerufen, da eS ihm als ein Bedürfnis erschien, in Preußen neben dem Landtage ein Institut zu schaffen, welchem eben die sachliche Beurteilung von finanziellen und wirtschaftlichen Gesetzentwürfen obzuliegen hätte. Der preußische VolkSwirtschaftSrat ist aber von vornherein nur als eine vorübergehende Einrichtung angesehen worden, welche jetzt In einen deutschen Volkswirtschaftsrat umgewandelt werden soll, ob die wichtigen finanziellen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Refoimen doch von Reichs wegen zu Ende geführt werden muffen. — Bekanntlich war in der vorigen Reichstagsfcfsion der für die Einrichtung eines dentfchen Volkswirtfchaftsratcs geforderte Posten abgelehnt worden, aber fchon damals hieß eS, daß trotz diefes ablehnenden Votums :ie ReichLregierung nicht gewillt sei, auf die Einführung des genannten Instituts für das ganze Reich zu verzichten ; die betreffende Position wird daher bereits in den nächstjährigen Haushaltsetat wieder aufgenommen werden und in Regierungökreifen ist man der Ansicht, daß es diesmal mit Hilfe der Zentrumspartei gelingen werde, die Position durchznbringcn. Von einer nochmaligen Einberufung des preußischen VolkswirtschastSrats ist deshalb auch nickt die Rede; geplant ist dagegen der erstmatige Zusammentritt des deutschen Volkswirtschaftsrates vor der FrühjahrS-Sefsion deS Reichstags und zwar höchstwahrscheinlich, um ein Gutachten über den umgearbeiteten Entwurf des Arbeiter-Unfall-VerstcheruugsgefetzeS abzugeben. Jedenfalls wäre die endliche Errichtung eines deutschen VolkS- wirtschastsrates mit Freuden zu begrüßen und wir können uns mit dem ablehnenden ReichStagsvotum nicht befreunden; vor allem muffen wir der Behauptung entgegentreten, daß die geplante Institution eine Herabsetzung der parlamentarischen Reckte, eine förmliche Bevormundung des Reichstags fei, nein, der deutsche VolkSwirtschaftSrat soll lediglich aus dem oben angedeutcten Gesichtspunkte errichtet werden: In ihm eine Institution zu schaffen, die über dem Standpunkte bet politischen Parteien und ihren Zänkereien steht und daher so recht geeignet ist, in finanziellen und wirtschaftlichen Fragen ein unbefangenes Urteil zu fällen. Wir haben aus den Verhandlungen des vorigen Reichstages genugsam erfahren, wie gerade Fragen der erwähnten Art zu Parteizwecken ausgebeutet und nur vom Parteistandpunkte auS beurteilt wurden, und um dies künftig zu vermeiden, will Fürst Bismarck den deutschen Volkswirtschastsrat durchsetzen, von dem man mit Fug und Recht annehmeu kann, daß er sich bei Prüfung der ihm zu unterbreitenden Vor-
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Nach der Schlacht bei St. Privat benutzte Gottfried die gebotene Gelegenheit seiner geliebten Rösel den ersten Brief seit seiner Einberufung zu schreiben, von dem wir den Schluß bereits wörtlich mitgeteilt haben. Die Wirkung dieses Briefes ist uns gleichfalls schon bekannt und wollen wir auch nicht unerwähnt lassen, daß es dem Gottfried, der sonst mutig jeden feindlichen Angriff mit abschlagen half, fest im dichtesten Kugelregen stand, der fast tollkühn sich an äußerst gefährlichen Posten hervorthat, nicht besser erging als seiner Rösel; es durchzog sein Inneres ein bitteres Weh, unnennbare Zweifel an sein künftiges häusliches Glück hatten sich seiner bemächtigt und verursachten ihm Angst und Pein; fortwährend dachte er an sein Daheim.
Sieg auf Sieg krönte — Dank der guten Führung und der deutschen Einigkeit — die deutschen Waffen. Die durch starke Verluste gelichteten Regimenter wurden immer und immer wieder durch Versetzung einzelner Mannschaften von dem einen in das andere Regiment, durch Nachschub frischer Truppen und so fort completiert, und so kam es, daß auch Gottfried einige derartige Veränderungen durchzumachen hatte.
Obgleich er nun wiederholt in da« heftigste Feuer gekommen war und noch kam, blieb er wie durch ein Wunder verschont, schien für seinen Körper keine Kugel gegossen zu sein, und so war es dmn leicht erklärlich, daß er einst, als er sich allzuweit vorgewagt hatte, von seiner Kompagnie abgeschnitlen und vom Feinde gefangen gemacht wurde.
Man führte ihn wie eine Sieges trophäe durch Städte, Dörfer, ließ ihm aber durchaus keine schlechte Behandlung zuteil werden. Bald blieb er in dem einen Orte mehrere Tage, in dem andern wieder mehrere Wochen in Verwahrsam, dann ging die Reise wieder vorwärts von Ort zu
lagen finanzieller und wirtschaftlicher Natur nicht von Partei- leidenfasten, sondern von rein sachlichen Gründen leiten lassen werde und eS steht deshalb zu erwarten und zu hoffen, daß der Reichsregierung zu dem gedachten Zwecke Männer aus den Reihen aller Parteien ihre Hülfe lechen werden.
Deutsches Reich.
Berit«, 1. Oktober. Der Herausgeber der Kyffhäuser Zeitung der deutschen Studenten, Dr. Richard Hamel (Rostock), hatte dem Fürsten Bismarck die beiden bisher (im Verlage von Will). Werther, Rostock) erschienenen Nummern überreicht mit einem Schreiben, worin er Deutschlands größten Sohu der Dankbarkeit und Treue der deutschen Jugend versicherte. Sie empfände lebhaft die Schmach die von den ärgsten Feinden unseres deutschen Volkslebens dem großen Kanzler angechan ist und täglich noch angethan wird, würde aber nach ihrem bisherigen Wahlspruche leben und handeln: für Kaiser, Kanzler und Reich. Hierauf ist dem Dr. Hamel folgendes Schreiben des Fürsten Bismarck zugegangen: „Varzin, 17. Sept. 1881. Ich danke Ihnen verbindlichst für die Uebersendung der von Ihnen herauSgegebeuen Blätter und für die freundlichen Zeilen, mit welchen Sie dieselben begleitet haben. Ich habe mich gefreut, auch in dieser Kundgebung den patriotischen Geist wieder zu finden, deffen Pflege sich die deutsche Jugend unter ihrem Wahlspruche „Für Kaiser und Reich!" angelegen sein läßt, welcher der schönste Ausdruck unserer gemeinsamen Bestrebungen ist. Dieser Ausdruck mird meines Erachtens durch Hinzufügung des Kanzlers, so schmeichelhaft dieselbe auch für mich ist, abeschwächt, da der Kanzler nur der Diener des Kaisers und in dessen Namen einbegriffen ist; ich möchte daher empfehlen, den Wahlspruch in seiner alten Einfachheit aufrecht zu erhalten, v. Bismarck." — Auf Grund des Gesetzes vom 1. Juli d. I. betreffend die Erhebung von Reichsstempelabgaben unterliegen auch die bei derReichsbank über discontierte Wechsel einzureichenden Rechnungen für den Fall, daß sie über mehr als über 300 Mark lauten, einer Stempelabgabe von je 20 Pf. — Betreffs der Stempelpflichtigkeit der Pachtverträge Über Pfarrländereien hat ter Minister der geistlichen Angelegenheit im Einverständnisse mit dem Finanzminister entschieden, daß bei der Verpachtung der Grundstücke von Pfarreien zu unterscheiden ist, ob Immobilien, deren Nutznießung dem Pfarrer als Amtseinkommen überwiesen ist, ober ob Grundstücke, deren Ertrag das Vermögen der Pfarreien und nicht das des jedesmaligen Stelleninhabers bereichert, den Gegenstand der Pachtung bilden. Während in letzterem Falle hinsichtlich der Stempelpflichtigkeit der Pachtverttäge dieselben Grundsätze wie bei den Pachtverträgen über Grundstücke der Kirchen Platzgreifen, wird im ersteren Falle auch
Ort, von Hand zu Hand, von Gefängnis zu Gefängnis, bis er eines Tages — Meer vor sich sah und nun nebst anderen Gefangenen eingeschifft wurde. Wir übergehen die Fahrt auf dem Meere und ebenso die Leiden und Freuden, denen unser Freund Gottfried während der Fahrt unterworfen war, constaticren nur, daß er nach vieltägigen Kreuz, und Querfahrten, für welche ihm keine Erklärung murre, endlich landete und zwar in — Algier.
Was würde seine Rösel sagen, wenn sie nur hätte ahnen können, daß er nicht mehr in Europa, sondern in Afrika war, in bee Erdteile, der ihnen nur aus der Schulzeit als ein sehr heißer bekannt war, in dem die Sonne senkrecht auf den Scheitel brennt, in welchem stolze Beduinen wohnen und Nomadenvilker hausen und in dem noch die ganz große Wüste liegt, die schon Tausende von Menschen und Tieren verschlungen hat?
Das mochten Gottfrieds Gedanken gewesen sein, als er das fremde Land betrat. Er schaute ringsum und sah von alledem nichts. Anstatt stolzer Beduinen, von denen er sich einen sehr hohen Begriff machte, sah er in lange weit- bauschige Fetzen gehüllte Gestalten träge dahinziehen oder auf den am Kai befindlichen Bänken herumlungern, andere Faulenzer wieder die mit den Schiffen ankommmdm Fremden anbetteln. Das konnten doch unmöglich die stolzen Beduinen fein, von welchen der Lehrer einstens gelehrt hatte?I — Von einer Wüste sah er nicht eine Spur; im Gegenteile ringsum weithin sichtbare blühende Ortschaften, eine üppige Vegetation, wie sie nach feinen Begriffen im Paradich nicht herrlicher, reizvoller gedacht werden konnte.
(Fortsetzung folgt.)