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Nr 22«
JUarßutg, Dienstag, 27. September 1S81
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zlnzeigen nimmt! entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Ännoncen-Bureaux v. Th- Dietrich u. Co. in KaM und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. Ä-, Berlin, Leipzig' Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
OlmMchk
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Die „Ob er hessische Zeitung" zählt zuverlässig angestelltcn Ermittelungen zufolge zu den Verbreitesten Blättern in Hessen und wird auch für die Folge durch Gediegenheit und Reichhaltigkeit ihres Inhaltes den errungenen Standpunkt zu behaupten jederzeit bemüht sein.
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„Fort mit Bismarck!"
Die Frage, ob die Fortschrittspartei jemals diesen Ruf gethan, oder ob er ihr nur angedichtet worden ist, wurde dieser Tage von dem Abgeordneten Louis Berger in einer Wählervcrsammlung zu Dortmund behandelt und gelöst. Herr Berger hat sich dabei an Dokumente gehalten und gegen das Zeugnis dieser kann kein Raisonnement aufkommen, kein Vertuschungsversuch glücken. Als der Abgeordnete für Dortmund nach einer Darlegung der politischen Verhältnisse erklärt hatte, die liberale Partei in allen ihren Schattierungen sei mit ihrer Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Handhabung der inneren Politik berechtigt, warf er die Frage auf: Sollen wir etwa, indem wir neuerdings Stellung nehmen, in den Ruf einstimmen: „Fort mit Bismarck?" Auö der Versammlung wurde er hier mit den Worten unterbrochen: Wer hat das gesagt? worauf er fortfuhr:
„Ich danke für die Unterbrechung! Also der mir unbekannte Herr wünscht zu wissen, wer die Worte: „Fort mit
Wie ich zu einer Frau kam.
Einem amerikanischen Freunde nacherzählt von Christoph Wild.
Ich saß in meinem Schreibzimmer und las Moliöre- Da trat sie ein ohne jede Anmeldung.
Sie erschien mit wie ein Engel in weißem Gewand, aber sie trug ein nettes blaues Hütchen, so groß wie eine Untertasse, cremefarbene Handschuhe und einen hellen Sonnenschirm. Sie sah bezaubernd aus.
Die kleine Frau lächelte und streckte mir ihre Hand entgegen, die ich mechanisch nahm. Sie schmollte und stampfte mit dem kleine» Fuße.
„Sie scheinen nicht sehr erfreut mich zu sehen", sagte sie mürrisch.
Ich murmelte etwas von „entzückt, bezaubert sein". Uebrigens keine Unwahrheit, denn eine Erscheinung wie diese war in meinem Leben keine alltägliche Erscheinung.
„Schön", rief sie fröhlich, „das ist doch ein Trost, denn man sagte mir, Sie würden mich gar nicht empfangen, ober — Sie würden mich — zur Thür hinaus werfen."
„Die Schlangen!" sagte ich.
„Aber ich kam doch! Sie sind also nicht böse?"
Was sollte ich sagen? Sie ging im Zimmer ans und ab.
„Wie gefällt Ihne» mein Kleid?" fragte sie, sich vor mir drehend, wie eine mit einem Uhrwerk aufgezogene Puppe. „Anfangs wollte ich grauen Atlas nehmen, mit einfachem Unterkleid, Besatz mit großen Falten, darüber Schrägfalten mit echtem Sammet eingefaßt, der Oberock vorn viereckig, mit Ausschnitten, hinten abgerundet und mit einer Schleife zusammengenommen, darüber eine hübsche
Bismarck" gesprochen habe? Herr Abg. Richter muß vergessen haben, daß er sie gesprochen hat, ich will deshalb den Beweis dafür liefern. Es erscheint in Berlin eine sog. „Parlamentarische Korrespondenz der Fortschrittspartei", welche herausgegeben wird von den Herren Ludolf Parisius und Eugen Richter. Es war im Juli 1879, also unmittelbar nach Annahme des Zolltarifs und der großen Niederlage der freihändlerischen Partei, als in dieser Richter-Pari- stusschen Korrespondenz, dem offiziellen Organ der Fortschrittspartei, ein Artikel erschien, den die „Volksztg." in Nr. 165 reproduzierte, wo es wörtlich heißt:
„Gegen diesen Andrang der Reaktion (lies Schutzzoll!) vermag nur eine geschlossene, rücksichtslose und systematische Opposition, die sich nicht darauf beschränkt, von Paragraph zu Paragraph, von Tarifnummer zu Tarifnummer zu diskutieren, sondern welche der Quelle nachgeht, von wo alle diese Dinge kommen. Der verstorbene Ziegler hat am 19. November 1869 ein Wort ausgesprochen, welches alsbald von immer weiteren Kreisen des Volkes wiederholt, nach nicht allzulanger Zeit in Erfüllung gegangen ist. Jenes Wort paßt auch heute wieder, wenngleich es sich nicht mehr um Mühler, sondern um einen andern und höheren handelt. Auch jetzt können wir diskutieren, so viel wir wollen, es hilft zu nichts. „Es giebt keine andere Hilfe, als daß mau angesichts der Lage des Landes sich aufrafft zu dem, was wir fein sollen, zu Männern, die furchtlos und fiel aus- fprechen, was das Land empfindet." „Der Herr Reichskanzler Fürst Bismarck mutz fort vou feinem Platze!"
(Heftige Unterbrechung! Rufe: Das hat Richter nicht unterschrieben I) Herr Richter und Parisius sind als Herausgeber dieser Korrespondenz genannt und die Verfasser fast aller Artikel. Aber ich muß noch etwas verlesen, was hier als Anmerkung darunter steht und die Sache ganz klar stellt.
„Anmerkung. Als vorigen Montag bei der Diskussion zur Tabakösteuer ein Redner der Fortschrittspartei (lies: Richter) denselben Gedanken in die einfachsten Worte kleidete: „Das geltende Negierungssystem muß auf- hören, der Kanzler mutz anfhörcn zu regiere«," da brach auf der rechten Seite laute Entrüstung aus. Aber gerade dieser schmucklose Satz hat im Lande, wie Briefe, Telegramme, Zeitungsausschnitte aus Kreisen bekunden, mit denen der Fortschrittspartei bisher jede Verbindung fehlte, einen Wiederhall gefunden, lebendiger als manche große und fachlich inhaltsvolle Rede."
M. H.! so zu lesen in der „Parlamentarischen Korrespondenz", herausgegeben von Parisius und Richter. Ich frage alle objektiv Denkenden, ob ich nicht berechtigt war, zu sagen, daß jenes Wort von Richter selbst ausgesprochen worden sei."
Unseres Erachtens hat Herr Berger den unwiderleglichen Beweis für feine Behauptung erbracht und damit steht fest, daß die Fortschrittspartei im Unrecht ist, wenn
kleine Jacke mit offenen Aermeln im Style deö Unterkleides, — nicht war, das hätte auch allerliebst ausgesehen?"
Ich murmelte zustimmend, obwohl ich kein Wort von dieser Beschreibung verstand, die sie in einem Atem vorgetragen hatte.
„Mer ich kaufte diesen Lyoner Stoff, weil er mir zarter erschien; — gefällt er Ihnen auch?"
„Ich bewundere Ihren Geschmack", lispelte ich schwach, denn mir schwindelte fast. Wer war sie? was wollte sie?
„Sie sind so lieb und gut. Wir werden gewiß recht gut mit einander auskommen!" rief sie entzückt.
Sie hatte also die Absicht dazubleiben. Meine Verwirrung stieg.
„Nun denn", begann sie wieder, „zeigen Sie mir, wo ich meine Sachen ablegen soll, und bann wollen wir uns ordentlich aussprechen."
Ich deutete mechanisch in ein kleines Zimmer, das an die Bibliothek stieß. Sie eilte hinein. Ich saß wie versteinert. Sie legte rasch ab, trat wieder bei mir ein und sah sich mit einem prüfenden Blick im Zimmer um.
„Entsetzlich schmutzig!" sagte sie verächtlich. „Wann ist hier zuletzt reingemacht worden?"
„Ohngefähr vor einem Jahre", erwiderte ich kleinlaut.
Sie stieß einen hübschen kleinen Schrei aus.
„Vor einem Jahre I Schauderhaft! Wie kann man in einem solchen Zimmer sitzen I Hier muß man Ordnung schaffen!"
Alles das sagte sie ganz entschieden und ging sogleich an die Arbeit. Meinen Leinwandrock verwandelte sie in eine Schürze, band sich ein kleines Tuch ums Köpfchen, ergriff einen Handbesen und begann den Staub abzuwischen. Ich saß bald in einer Wolke, wie im Traum. Was be-
sie es bestreitet, sich zu der Parole: Gegen oder fort mit Bismarck jemals bekannt zu haben. , Sie hat sie erhoben zu einer Zeit, als an Wahlen noch nicht zu denken war, aber im Gedächtnis bleibt der Eindruck solcher Schlagworte, sie zeigen die Ziele, denen die Fortschrittspartei entgegenstreben will; doch möge der gesunde Sinn deö deutschen Volkes ihr einen festen Damm entgegensetzen, im Vertrauen zur Leitung der Geschicke Deutschlands durch seinen Kanzler.
Deutsches Reich.
Berit«, 24. Sept. Der „Reichs-Anzeiger" sagt, die Generalversammlung der Bergisch-Märkischen Bahn habe das Angebot der Regierung abgelehnt und Erhöhung der Rente auf 5 Prozent verlangt, obwohl diese Mehrforderung von der Regierung bestimmt abgelehnt wurde. Bei dieser Ablehnung werde eö lediglich fein Bewenden behalten. — Herr v. Schlözer, der hier nach seiner Rückkehr von Varzin Unterredungen mit dem Kultusminister v. Goßler und dem Minister des Innern v. Puttkamer gehabt hat, wird sich nächste Woche nach Washington zurückbegeben. — Infolge der Publikation von chifferierten Amtsdepeschen über die Danziger Zusammenkunft durch das ungarische Blatt „Egyertetes", wonach Deutschland als Friedensstörer bezeichnet wird, soll seitens der deutschen Regierung eine offiziöse Erwiderung erfolgen. — Zur Danziger Entrevue wird der „Tribüne" aus Petersburg geschrieben: „Ungefähr vor 6 Wochen, bevor die Begegnung der Monarchen von Rußland und Deutschland erfolgte, hatte diese Spannung einen Grad erreicht, der es für den Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns als außer jedem Zweifel stehend erscheinen lassen mußte und auch in Densch- land keinen Zweifel aufkommen ließ, daß Oesterreich-Ungarn hart vor einem Kriege mit Rußland stände. Da kam die Kaiserbegegnnng in Danzig. Als wirksame Folge dieses Ereignisses darf die vor einigen Tagen vom „Egye- terteö" veröffentlichte Depesche des Zaren an den Kaiser Franz Josef, noch mehr aber die dem genannten Blatte zugegangene zweite Depesche deö Grafen Kalnocky an Baron Haymerle angesehen werden." Die „N. Pr. Ztg." schreibt: „ES ist wiederholt in Abrede gestellt worden, daß die Danziger Kaiserbegegnnng zu Verabredungen betreffend das Vorgehen gegen nihilistisch-sozialistische Propaganda benutzt worden sei und neuestens werden im Zusammenhänge hiermit von Petersburg aus die Gerüchte dementiert, welche an die angebliche Mission des Herrn Saborow geknüpft worden. Die Gerüchte, daß irgend welche Schritte der Mächte vorbereitet werden, fanden auch durch die Meldungen Nahrung, daß zwischen dem österreichischen und dem ungarischen Justizminister Verhandlungen wegen einer Abänderung der Auslieferungsverträge ftattfinben. Diese Meldung beruht zwar auf Wahrheit, allein, wie wir er
beutete daö? Ich blätterte in meinem Moliöre, aber er gab mir keine Auskunft.
War sie ein Engel, der einen Lichtstrahl auf meinen dürren Lebcnöpfad warf? VielleichtI aber nein, — Engel sprechen nicht von Atlas und Sammet und Schrägfalten.
Plötzlich machte sie eine Pause, schritt durch die Staubwolke, streckte die Arme aus und sagte: „Bitte, streifen Sie mir die Aermel auf, ich kann dann besser arbeiten."
Ich träumte nicht, als ich ihren Wunsch erfüllte, denn Arme mit solchen Grübchen an den Ellbogen kann man im Traum nicht erfinden. Ein Bildhauer wäre auf ein solches Modell stolz gewesen.
Nun wischte sie wieder Staub und fang dabei. Allerliebst — ich glaubte die Patti zu hören.
Daun zog sie einen Stuhl heran, legte Tuch, Schürze und Besen ab und setzte sich neben mich. Sie schüttelte ihre Locken und begann:
„Lieber Onkel, jetzt wollen wir uuö aussprechen." Also ihr Onkel! — Mein Kopf senkte sich etwas.
„Sie wissen", fuhr sie fort, „daß Sie mir geschrieben haben, ich solle auf dem Lande bleiben, bis Sie anders bestimmen. Aber ich wollte und mußte fort. Ich habe in zwölf Jahren dort kaum alle Monate einmal ein neues Gesicht gesehen, — das ist nicht zum Aushalten. Sie erinnern sich doch, daß Sie mich hinbrachten, als ich sechs Jahre alt war?. Ich beschloß also, nach der Stadt zu kommen. Sie sind doch nicht böse, Onkelchen? Sonst fahre ich gleich zurück."--
„Mein liebes Kind," sagte ich kleinlaut, „wollen Sie die Güte haben, mir Ihren Namen zu nennen ?
Sie machte große Augen und lachte hell auf.
(Schluß folgt.)