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Nr 225.
JRarÖurfl, Sonntag, 25. September 1881.
xvi. Jahrgang
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Ännoncen-Bureaux v. Th- Dietrich u. Co. in Dassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. !Dt., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf fhiosse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
GkWschr jcitmig.
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Zustände in Amerika.
Im Hinblick auf die verlockenden Verheißungen, die fortwährend aus Amerika zu nnö herüberklingen, verlohnt es sich der Mühe, einmal einen Blick auf die Zustände in den amerikanischen Staaten zu werfen.
Die Verhältnisse in Amerika sind im allgemeinen noch die geordnetsten, doch passieren auch dort Dinge, die von einer großen Korruption zeugen. Nicht gering darf dabei in dieser Republik der Tod des Präsidenten Garfield durch Meuchlerband angeschlagen werden, denn daß der Mörder Guiteau Mitschuldige unter den korrumpierten Beamten der Union hat, gilt als wahrscheinlich, wenn auch selbst die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten diesen Umstand abzuleugnen sucht. Wie es nun ferner in der nord- amerikanischen Verwaltung und der Vorsicht um das Wohl der nordamerikanischen Einwohner aussieht, das bewiesen neulich in grauenerregender Weise die großen Wald- und Wiesenbrände im Staate Michigan, wobei über tausend
Menschen verbrannt und gegen zweitausend Familien dem Verhungern ausgesetzt wurden.
Trauriger, viel trauriger sieht eö aber in Südamerika aus. Dort beginnt der schon seit zwei Jahren zwischen Chile einerseits und Peru und Bolivia andererseits wütende Krieg aufs neue zu entbrennen. Was zunächst Bolivia an- belangt, so hat die Konvention desselben sich für Fortsetzung des Krieges bereits Mitte Juli ausgespr.ochen, nachdem der kriegerische Präsident General Campero andernfalls samt den Ministern mit dem Rücktritt gedroht und in seiner Botschaft auseinandergesetzt hatte: ein Friede mit Chile koste zehnmal mehr als die Fortsetzung des Krieges, resp. der Defensive gegen den Nachbarstaat, und wenn sich Bolivia heute beuge, riskiere es vielleicht schon morgen neue Verwickelungen nach der andern Seite, nämlich mit Peru; deshalb erheischen die Gebote der Ehre, der Klugheit und der politischen Voraussicht den Krieg bis aufs Messer.
Nach Peru ist inzwischen und zwar nach Arequipa der frühere Präsident und jetzige Freischarenführer Plörola schon Mitte Juni von seinem Ausflüge nach Bolivia, wo er jedenfalls aufs neue die Kriegsflamme angeschürt hat, heimgekehrt und die Kühnheit der Guerillas hat seitdem von Tag zu Tag zugenommen. Das giebt denn auch Piorola den Mut, in Arequipa um> von dort aus ein wahres Schreckensregiment zu führen und nach Willkür Strafen zu verhängen, denen die Ausführung auf dem Fuße folgt; so erklärt der „Protektor Perus" alle peruanischen Offiziere, welche auf Fortsetzung des Krieges gegen Chile Verzicht geleistet, für infam kassiert und ihrer Chargen verlustig, läßt nach Belieben Unteroffiziere erschießen, diese gleich den gemeinen Soldaten öffentlich peitschen, daß sie ebenfalls mehr tot als lebendig sind, u. dgl. m. Freilich machen auch die Chilenen mit den gefangenen Bandenführern, selbst, wenn diese ehemalige Offiziere sind, wenig Federlesen und erschießen sie, sobald sie deren habhaft werden, doch ermüdet dieser ewige kleine Krieg auch mit der Zeit die tapferen Chilenen, welche eine offene Schlacht diesen steten Plänkeleien weit vorziehen würden und numerisch jedenfalls viel stärker sein müßten, um den durch das ganze Land zerstreut auftretenden Feind auf die Dauer niederznhalten. Daß Chile trotz alledem ans dem Kriege siegreich hervorgehen wird, daran zweifeln selbst die Peruaner nicht. Aber der unselige Krieg in Südamerika wird wohl erst dann sein Ende erreichen, wenn die drei kriegführenden Staaten total erschöpft sind. — Trotzdem fehlt es aber nicht an Auswanderern nach Nord- wie nach Südamerika.
Wochen - Ueversichl.
Die Festlichkeiten in B a d e n haben in der abgelaufenen Woche selbstredend ein Hauptthema der Unterhaltung ge
bildet und hocherfreut durfte man darüber sein, daß es unserem erlauchten Kaiserpaare vergönnt war, in ungeschwächter Rüstigkeit denselben beiwohnen zu können. Die telegraphischen Berichte aus Baden haben Näheres über die Vermählungs-Feierlichkeiten, sowie über die Feier der Silbernen Hochzeit des Großherzoglichen Paares berichtet, so daß wir uns einer eingehenden Schilderung enthalten können.
Auch andere Blätter stimmen mit uns darin überein, daß der Wahlaufruf der Nationalliberalen den Wählern nichts Neues sagt und lediglich die alten Bekenntnisse dieser Partei wiederholt. Wenn die Nationalliberalen in diesem Wahlaufruf wieder den ganzen Apparat ihrer von keinem positiven Wollen zeugenden Phrasen entiotdeln, so muß man denn doch zu eer Ueberzeugung gelangen, daß die Herren kaum selbst noch wissen, was sie eigentlich zu thun und und wohin sie sich zu wenden haben. Sie selbst gehen als Mittelpartei offenbar ihrer Auflösung entgegen, wenigstens deuten alle Anzeigen darauf hin, daß sie große Einbußen bei den Wahlen erleiden werden.
Nicht ohne Interesse sind die Nachrichten, welche über geplante internationale Sicherheitsmaßregeln im Laufe der Woche ins Publikum gedrungen find. Zweifellos sind diese Maßregeln als die nächste Folge des bekannten Windt- horst'schen Antrages zu betrachten, und wenn die Nachrichten über die Thätigkeit aller Kabinete nach dieser Richtung hin auch zuerst von Wien aus zu uns gelangten, so wird doch Niemand in Abrede stellen wollen, daß der erste Schritt zur Einschränkung des Asylrechtes jedenfalls von Deutschland ausgegangen sein wird. Einer nicht gerade unglaubwürdigen Mitteilung zufolge sollen fast sämmtliche Staaten Europas, auch die kleineren, gegenwärtig durch Fachmänner die Fragen prüfen lassen: ob und inwieweit die respektiveu, bisher bestehenden Sicherheitsnormen gegen die revolutionären Element-, Sozialisten, Nihilisten u. s. w. einer Verbesserung oder Erweiterung bedürfen; welcher Art etwa die Maßnahmen sein könnten, die mehrere Staaten gemeinschaftlich in dieser Richtung- zu ergreifen hätten; ob sich ein solidarisches Vorgehen unter gewissen Voraussetzungen überhaupt empfehle, und mit den inneren Einrichtungen der einzelnen Reiche in Einklang bringen ließe; ob gesetzliche oder bloS administrative und gleichsam „sicherheits-technlsche" Anstalten zu treffen wären, und welcher Art dieselben sein müßten, um ihrem Zwecke zu entsprechen; endlich ob die Auslieferungsverträge auf eine neue Basis zu stellen, bezw. den Ergebnissen der jetzt gepflogenen Fachmanner-Untersuchung, insoweit dies für ersprießlich gehalten wird, anzupassen wären. — Jedenfalls werde eS in den meisten Kreisen große Befriedigung Hervorrufen, wenn den internationalen Mörderbanden endlich
HauS von Dörnberg,
Hofmeister zu Marburg und Pfandherr zu Neustadt.
(Schluß.)
Alle diese Güter ,und Gerechtsame beanspruchten die von Dörnberg als ihr Eigentum.
Da man mainzischerseits damit nicht einverstanden war, so kam eö bei dem kaiserlichen Kammergericht zu einem zehnjährigen Prozeß, der endlich 1560 in vigilia sanctorum omnium zu Neustadt nach Einnehmung des Augenscheins durch gütlichen Vergleich beigelegt wurde. Nach diesem Vergleiche, der 1563 bestätigt wurde, wurde den von Dörnberg ein großer Teil der beanspruchten Güter etc. überlassen und an baarem Gelbe noch 200 Gulden bezahlt, wogegen sie dann alle weiteren Forderungen fallen ließen.
Ausgeschlossen von diesem Vergleiche wurde vorläufig noch das Dorf Seibelsdorf samt den zugehörigen Wüstungen und Berechtigungen im Gerichte Kjatzenberg, da dieses hessisches Lehen war. 1574 am 1. März wurde auch hierüber eine Einigung erzielt.
Seitdem besaßen die von Dörnberg in der Neustädter Gemarkung außer den Zehenden und sonstigm Gerechtsamen 3 kleinere Waldungen, 2 Mühlen, 10 Bauernhöfe und eine Anzahl Einzcläckcr zusammen etwa 600 Morgen Ackerland, 80 Wagen Heu.Wieswachs und 311/, Tieften Garten.
Die 10 Höfe waren Neustädter Bürgern durch eine 9jährige Leihe in Bestand gegeben. Diese Leihe war aber nicht, wie es den Anschein hat, eine reine Zeitpacht (pura conductio et locatio), sondern eine modifizierte Erbpacht, da die Beständer oder deren Erben berechtigt waren, durch Erlegung des Leihgeldes, die Leihe auf weitere 9 Jahre zu erneuern.
Um nun das unumschränkte Eigentumsrecht über diese Güter an sich zu bringen, fügten die von Dörnberg später
gewisse Klauseln in die Leihbriefe des Inhalts, daß es ihnen freistehen sollte, jederzeit die Güter an sich zu ziehen, wenn es die Familie für gut befinden würde, diese selbst zu bestellen. Die Ncustäbter beschwerten sich hierüber beim Kurfürsten von Mainz als dem OberlehnSherrn, woraus dann den 17. Mai 1678 die Resolution erfolgt: „daß die „reversales über die Güterleihe dem alten Herkommen „gemeeß zwar ausgefertiget undt von den Kellen ober „Schultheisen, wo bie Güter gelegen, vnbterschrieben; „bie „von einigen Jahren hero aber den Verleihbriefen und „Reversalen eingerückte neüerllche und praejudlelrliche „Clausuln ausgelassen werden sollen."
Trotzdem brachten die von Dörnberg später doch bie Klauseln wieber in bie Leihbriefe, und bie Beständer ließen sich dieses—ob aus Unkenntnis oder Besorgnis; die Güter ganz zu verlieren? — ruhig gefallen.
Als nun vor 50 Jahren das Gesetz über die Ablösung der Erbpacht in Aussicht stand, zogen die Dörnberg ihre Güter ein und ließen dieselben, nachdem sie am Allendorfer Wege großartige Oekonomlegebäude aufgeführt hatten, selbst bestellen. Anfangs ließen die Neustädter dieses ohne ernstlichen Widerspruch geschehen; da fing aber auf einmal der Teichmüller, den man mit großer Härte aus der Mühle exmittiert hatte, Prozeß gegen die Dörnberg an und gewann denselben. Dadurch ermutigt strengten nun auch bie exmittierten Hofbeständer den Prozeß an, indem sie die Höfe als Erblcihgut beanspruchten, und gewannen denselben ebenfalls in letzter Instanz. Das OberappellatlonSgerlcht zu Kastel, erklärte bie bekannten Klauseln in ben Leihbriefen für nichtig und die Güter für ablösbar.
Dadurch verloren bie von Dörnberg den größten Teil chrer Besitzungen in Neustadt; eS blieben ihnen nur noch die drei kleinen Waldungen, sowie ca. 75 Morgen Aecker and Wlesm.
Die Erwägungsgründe bei dem Erkenntnis des Ober- appellationsgerichts sollen allerdings eigentümlicher Art gewesen sein, und mancher Jurist hat hierüber mit dem Kopse geschüttelt. Man behauptet auch, daß das Revolutionsjahr 1848, sowie Familienrücksichten habet von Einfluß gewesen wären; aber wie dem auch sei, jedenfalls ist mit dem Erkenntnis ein altes Unrecht wieder gut gemacht worden, da die von Dörnberg die genannten Klauseln gegen den Willen des Oberlehnsherrn in die Leihbriefe gebracht haben.
Die Dömbergischen Oekonomiegebaude wurden später an die Familie Grebe von Kastel verkauft, welche eine Zündholzfabrik im Hofraume einrichtete. Nachdem diese vor wenigen Jahren falliert hat, stehen die Gebäulichkeiten bis auf da' Wohnhaus, welches vermietet und zum Teil zu einer Branntweindestillation hergerichtet ist, leer, und ist der ganze Komplex für billigen Preis käuflich zu haben.
Neustadt, den 19. August 1881.
gerb. MalkmuS, Kpl.
Geehrter Herr Redakteur!
In Nro. 220 Ihres Blattes schreibt der Autor des geschichtlichen Bildes „Hans v. Dörnberg": „Dort (Burg Friedberg) starb er (Hans v. Dörnberg) auch", und weiter unten: „Wo er begraben liegt, habe ich nicht erfahren können; man nimmt an: zu Friedberg." Nach einer Mitteilung soll Hans von Dörnberg in dem noch heute zu den Besitzungen der von Dörnberg gehörenden Dorfe Hausen, (Kreis Ziegenhain) einbalsamiert beigesetzt und heute noch zu sehen sein. Die Erzählung läßt ihn auf bew Felde von Hausen im Kampfe fallen, und nennt nicht nur den Ort, wo er gefallen, sondern beschreibt auch das Schwert, das er in diesem letzten Kampfe geführt haben soll. A.