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JTlarfiurg, Sonnabmd, 24. September 1881.
xvi. Jahrgang
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Die „Sinnesänderung" des Kanzlers.
II.
Die neueste „Prov.-Korresp." bringt hierüber folgenden weiteren Artikel:
Wenn einerseits die Notwendigkeit, das neu gegründete Reich in finanzieller Beziehung stark und unabhängig zu machen, andererseits das Daniederliegen von Landwirtschaft und Industrie den Kanzler veranlaßten, neue Bahnen zum Zweck der Abhülfe cinzuschlagen, so kamen im Sommer 1878 erschütternde und traurige Ereignisse hinzu, welche, abgesehen von ihrer nächsten Bedeutung, zugleich den Negierenden gebieterisch zur Pflicht machten, sorgfältig zu erwägen, ob die bisherigen wirtschaftlichen Grundsätze wirklich die richtigen und dem Wohl des Volks entsprechend seien.
Jene Ereignifie hatten zunächst Beschränkungen der Rechte eines Teils der Staatsbürger zur Folge. Aber der Kanzler und die verbündeten Negierungen waren weit davon entfernt, hierin den einzigen Weg zu einer inneren Genesung zu erblicken. Die schrecklichen Mordversuche auf
den erhabensten und edelsten Monarchen, der sein Leben, seine Ehre, seinen Thron für des Vaterlandes Wohl in heißen Kämpfen eingesetzt und das Traumbild der Einigung Deutschlands verwirklicht hatte, — sie konnten und sollten nicht bloß Maßregeln polizeilicher Natur zur Folge haben. Für i eu Fürsten Bismarck waren jene Ereignisse ein Beweis von dem Vorhandensein einer tief inneren Krankheit des Volkes und eine Aufforderung zu dem Versuch einer Heilung der öffentlichen Zustände, welche solche Frevelthaten möglich gemacht und halten heranreifen lassen. Für ihn unterlag es keinem Zweifel, daß die Verirrung und Verwilderung der Gemüter, aus der jene Verbrechen hervor- gingen, nicht lediglich in der Bosheit und Gottlosigkeit ihren Grund hatten, sondern mit den wirtschaftlichen Verhältnissen im engsten Zusammenhang standen. Das System der wirtschaftlichen Freiheit — dieser Erkenntnis kann sich heute niemand mehr verschließen — hat mehr und mehr die Ungleichheit und die Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen durch die Starken befördert. Die Abhängigkeit, in welcher die Industrie von dem Handel steht und durch die Grundsätze der freien Konkurrenz erhalten wird, hat schließlich immer nachhaltiger auf die einzelnen und namentlich die untersten Glieder gedrückt, die überdies durch die ganze moderne Art und Weise der Produktion immer mehr zu schutzlosen Werkzeugen herabgesuukeu sind. Diese Umstände haben die Armut und Unzufriedenheit vermehrt und die Arbeiterklassen den Lehren gewisfenloser Agitatoren zugänglich gemacht.
Diesen Zuständen mußte vor Allem dadurch Einhalt zu thuu versucht werden, daß man die Beschwerden und Klagen, die Bedürfnisse und Forderungen der Arbeiterklassen wirklich untersuchte und abwog. Anstatt dieselben lediglich nach den angelernten und herrschenden Gmndsätzen und Lehrmeinungen abzuurtheilen und Alles auch in Zukunft, wie vielfach vorgeschlagen wurde, im Vertrauen auf den guten Geist der Menschheit, der freien Entwicklung anheimzugeben, gelangte Fürst Bismarck zu der Ueber- zeugung, daß der Staat einen hohen sittlichen Beruf zu erfüllen und diesen vor allem dadurch zu bethätigen habe, daß er aufhört, eine gleichgültige Aufseherrolle zu spielen, daß er vielmehr den Schwachen helfend und fördernd zur Seite stehen müsse, um sie vor den Unbilden des Lebens und den eigennützig waltenden Privatinteressen des Stärkeren, so viel eben im allgemeinen Interesse liegt, zu schützen. Und hiermit hat er den vernünftigen und berechtigten Kern der sozialistischen Forderungen und Beschwerden, welche durch das freihändlerische Wirtschaftssystem hervorgerufen worden sind, der wüsten Agitation zu entziehen und hoffentlich auch vor ferneren Auswüchsen zu bewahren gewußt. Durch eine wirksame Staatshülfe hofft er die Arbeiter zu gesunden Gliedern und zu einer wesentlicher Stütze der staatlichen Gemeinschaft zu machen.
Nicht „persönliche Neigungen", „abenteuerliche Pläne", „reaktionäre Gelüste" haben diese Wendung hervorgerufen, vielmehr haben die schreiendsten Notstände, die Erkenntniß von ihren Ursachen und die von echter Vaterlandsliebe getragene Pflicht, die Nation in gesundere und glücklichere Bahnen hineinzulenken, den Kanzler veranlaßt, den Versuch einer gründlichen Heilung zu machen.
Für die Erreichung dieses Zieles ist es erforderlich, daß der Kanzler von Allen, die noch nicht der unheilvollen Richtung und Weltanschauung der demokratischfortschrittlichen Partei verfallen sind, in der entschlossensten und uneigennützigsten Weise unterstützt wird.
Es stehen sich jetzt zwei Wirtschaftssysteme und zwei Weltanschauungen gegenüber. In diesem Kampfe ist es notwendig, Partei zu ergreifen und deutlich Stellung zu nehmen, dann aber auch demgemäß zu handeln und sich nicht durch untergeordnete Gesichtspunkte und Bedenken zu einer lauen und darum wertlosen oder schädlichen Haltung bestimmen zu lassen.
Möge bei den bevorstehenden Wahlen dieser allgemeine und höhere Standpunkt von jedem Einzelnen festgehalten und nur solchen Männern die Stimme gegeben werden, die mit Fürst Bismarck die Notwendigkeit einer umfassenden wirtschaftlichen Reform anerkennen und in diesem Geiste wirken zu wollen versprechen. Alle Unbestimmtheit und Uuentschlossenheit ist vom Nebel; heute heißt es nur: Entweder — Oder!
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Sept. Der „Reichs - Anzeiger" meldet: Der Oberprästdent der Rheinprovinz bringt unterm 20. September zur öffentlichen Kenntnis, daß der seitherige Domherr der Kathetralkirche in Straßburg, Dr. Komm, die landesherrliche Anerkennung als Bischof von Trier erhalten hat und daß dessen Amtsthätigkeit am 23. Sept, beginnt und an diesem Tage die Amtsthätigkeit des Kom- missarius für die bischöfliche Vermögensverwaltung der Diözese Trier, Rezierungsrats Breden, erlischt. — Die allgemeine Rekruten - Einstellung findet vom 7. bis 10. November statt, doch können, ergangener Weisung gemäß, diejenigen ausgehobenen Rekruten, welchen eL bis zu ihrer Einstellung an Mitteln zum Lebensunterhalte gebricht und von denen dies durch amtliche Zeugnisse bescheinigt wird, ausnahmsweise bereits am 1. Oktober vorzeitig eingestellt werten. — Das „Militär-Wochenblatt", das überhaupt allen Vorgängen in Frankreich große Aufmerksamkeit widmet, verfolgt mit ganz besonderem Interesse die Laufbahn GambettaS. So hat es in seiner heutigen Nummer wieder unter der Aufschrift „GambettaS militärisches Programm" die Aeußcrungen zusammengestellt, welche der Exdiktator am 20. v. Mts. vor den Wählern von Belleville über die
Haus von Dürnberg,
Hofmeister zu Marburg und Psandherr zu Neustadt.
(Fortsetzung.)
Dadurch traten aber Störungen in der Abhaltung des stiftungsmäßigen Gottesdienstes ein, indem der eine oder andere Priester zeitweise abwesend war. Um es nun den Priestern zu ermöglichen, ständig den Aufenthalt in der Stadt zu nehmen und „Präsenz" zu halten, stifteten Dechant und Kapitel des Stifts zu Amöneburg und die Burgmannen und Schöffen zu Neustadt, als Lehnsherren der Pfarrkirche, Altäre und Bencfizien daselbst, 1500 am Dienstag nach Epiphanie, „eine ewige Ordcnung vnd Eintracht" in Abhaltung des „hirnach benanten Gotsdienstes, „den andechtige fromme Leut . . . bisher gestifft und auch „zukünftig stifften vnd bestellen werden, nemlich:
„Zum irsten, das soliche Bruderschaft und löblich Ampt „der heiligen Messe mit einem besunderen Lobesange vnde „Antiphona Alma Redemptoris mater genant, vnd mit „einer gewonlichen Collecten darvf sobalde nach sollichcm „Amte, der Erenvest Hans von Doringenbergk, Hovemeister, „vnser lieber Juncker mit ©teure, Helff vnde Hantreichunge „meher frommer Leut in die Ere Gottes des Almechtigen „vnd inbcsundern zu Lobe M rien sincr lieben Mutter vnd „heiligen Geberin in der itzgenanten Pfarrkirchen vber dem „hohen Altar alle Sonabendt zu Morgen mit der Fruh- „messe, die gelesen wird, zu ewigen Gezeittcn, erlich und „herlich zu singen und löblich zu vollenbrengen, gcstifft, „begifftigt ende begnadiget hat.
„Auch das Fest vnsers Herren Leichnams mit seinen „achten Tagen, der Ersamer Herr Johann Schrimpe, „seliger Gedächtnuß, ein Altarista vnd Regster des Altars
„fancti Nicolai dosclbst gewest ist, mit siner heiligen Al- „mußen alle Tage Metten, Messe vnd Vesper von dem- „selben Feste löblich zu singen, andechtlich vnd erlich zu „vollenbrengen, ewiglich bestalt vnd begifftigt halt.
„Auch alle Anniversaria, Testamenta vnd Jargezeit vff „den Chor, auch bei den Heiligen gcstifft sint vnd zu- „konfftig bestalt werden; vnd auch alle Licbe-Frauen-Abende „vnd alle Sonabenth des Aöentö das Salve Regina, wie „das gewonlich ist."
Vorstehenden Gottesdienst sollen die genannten 5 Priester und ihre Nachfolger-Ml eigner Person, mit gleicher Arbeit, auch mit Hülfe und Beistand eines Schulmeisters, der Stiftung gemäß halten, wofür ihnen dann jedes Jahr auf St. Martinstag 19V» Pfund Treysaer Währung gereicht werden sollen, die sie so unter sich verteilen sollen, daß einem so viel zufalle, als dem andern und auch dem Schulmeister sein Anteil nach Gebür verabfolgt werde. (Reust. Pfarrarchiv.)
Diese „ewige" Ordnung hielt leider nicht lange vor, da schon 1530 die Nachfolger Hans von Dörnbergs die Reformation einführten, alle katholischen Stiftungen ab- schafften und einen neuen Kultus nach Augsburgischer Konfession anordneten.
1502 wurde die Pfarrkirche in Neustadt neu gebaut. Das Chor mit dem schönen schlanken Dachreiter wurde dabei auf Kosten Hans von Dörnbergs errichtet; es befindet sich daher auch noch heute im Innern oben in der Wölbung des Chors am Schlußstein, sowie außen an einem Strebepfeiler das Wappen Hans von Dörnbergs und seiner zweiten Gemahlin Lükel von Hatzfeld.
In der Folge blieb Neustadt noch bis 1549 in den Händen der von Dörnberg. In diesem Jahre wurde
Stadt und Amt auf inständiges Drängen der Dorfschaften welche sich nach dem milden Regimente des KnmmstabeS zurückschnten durch Erzbischof Sebastian v. Heusen- st am wieder eingclöst.
1550 am Mittwoch nach Matthaei wurde zum ersten- male wieder im Namen des Kurfürsten von Mainz zu Neustadt Gericht gehalten und darüber folgendes Protokoll aufgenommen.
„Anno Domini fünffzehcn hundert fünffzig Mitwoch „nach Mathaei Apli. ist vngebottcn Ding gehalten worden „alhie zur Neustadt durch Gabriel Mauß Schultheis „zu Amöneburg, von wegen undt ahnstadt vnsers gnädigsten „Herrn und Churfürsten zu Maiutz, vndt hat der obgenandt „Schultheis sich mit Recht begehrt zu weißen, dieweil diß „das erste Gericht sch, nachdem vnser gudsstr. Herr das „Amt Neustadt wieder abgelöst, die Gerechtigkeit, so vnßerm „gustn. Herrn zu Maintz zustehe. — Ist zu Recht geweift „vnserm gnädigsten Herrn den Wildtbandte, ausge- „scheiden Burckman, Priester vndt Schöpffen, die Freyheit „in ihren Häusern haben, mögen nach Haasen gehen ober „ihre gebrödte Knechte." (Städtisches Protokollbuch zu Neustadt.)
Die von Dörnberg machten aber bei der Auseinander- . setzung Schwierigkeiten; sie verlangten zunächst Entschädigung für die beim Neubau des Schlosses aufgewendeten Baukosten; ferner brachten sie in ihrer Liquidation vor: „daß sie in vnd vmb den Flecken funff Bmcklehen, „nemlich: der von Westerburgk, der vonBiegenbach, „der Nodingen, der von Walen vnd dann der „Schlcycrer Bmcklehen mit sampt denen zugehörigen „Bmcksttzen Hofstetten etc. ahn sich erkaufst vndt von dem „Erzstifft Mainz bis daher entpfenglich herbracht vnd ge-