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Nr 288.

JEarßurg, Freiiag, 23. September 1881.

XVI. ZhkgW

Anzeigen nimmt entgegen: ji( Expedition d. Blattes, sowie d.'linnoncen-Bureaux y. Tb- Dietrich u. Co. in Dassel und Hannover; Tb. Dietrich in Frankfurt a M ; öaafenftein u. Vogler in Iranlfnrt a- M., Berlin. Leipzig, Köln rc-; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

(Dln'illfl'ffllf Jcitiiiio

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie o.Annoncm-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.;Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

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Bremen-

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DieOb er hessische Zeitung" zählt zuverlässig angestellten Ermittelungen zufolge zu den Verbreitesten Blät­tern in Hessen und wird auch für die Folge durch Ge­diegenheit und Reichhaltigkeit ihres Inhaltes den errungenen Standpunkt zu behaupten jederzeit bemüht sein.

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Fürst Bismarcks Gegurr und unsere auswärtige Politik.

Es hatte etwas Befremdendes, um nicht zu sagen Be­schämendes, daß der zehnte Jahrestag des Frankfurter Friedens von manchen fremden Blättern ernster genommen und richtiger gewürdigt wurde, als von vielen einheimischen. Wer wohl am 10. Mai 1871 die Zuversicht gehabt, daß Deutschland zehn Friedensjahrc vor sich habe, das war das Thema, welches sich ausländischen Publizisten aufdrängte; und wurde es auch mit verschiedenen Empfindungen be­handelt, so waren doch wohlwollende und übelwollende Stimmen einig in der Anerkennung des scharfen Blickes, richtigen Urteils und geschickten Handelns, womit der deutsche Reichskanzler die Intentionen Sr. Majestät des Kaisers unter den schwierigsten Verhältnissen durchgcführt hat. Wie groß die Schwierigkeiten, wie nahe zu Zeiten die Gefahren waren und auf welche Weise ihnen begegnet wurde, entzieht sich im einzelnen noch der öffentlichen Kenntnis. Das Er­gebnis liegt vor aller Augen, und wer außerhalb eines

Gebäudes steht, empfängt einen mächtigeren Eindruck von demselben, als der darin Wohnende. Aber wenn auch das willige Verständnis und die Dankbarkeit unter den liberalen Wählern in der Thal nicht größer wären, als bei ihren Wortführern, so sollte das Interesse sie lehren, über den Frieden, den sie genossen haben und noch zu genießen wünschen, sich selbständig einige Gedanken zu machen.

Der Geschäftsmann, dem (wenn er nicht für Kriegs­bedürfnisse arbeitet) der Frieden die Voraussetzung jeder über die nächsten Tage hinausreichenden Unternehmung ist, wird sich doch der Besorgnisse vor einem Kriege mit Frank­reich erinnern, die bis zum Jahre 1875 seine Thätigkeit beengten, welche während des orientalischen Krieges mehr zurückgedrängt, doch nie ganz verstummt waren und welche im Frühjahr 1877 aufs Neue lebendig touroen, als Mac Mahonö Versuch eines kleinen Staatsstreichs und die schwie­rige Stellung Deutschlands zwischen Oesterreich und Ruß­land Gefahren in sich bargen, denen gegenüber, um ein bekanntes Wort von Thiers anzuwenden, in der Leitung der deutschen Politik kein Fehler gemacht werden durfte, wenn Deutschland nicht in kriegerische Verwickelungen geraten sollte. Nun möge sich ein jeder ausmalen, wie die letzten zehn Jahre verlaufen sein würden unter einem preußischen Ministerium, zusammengesetzt aus den verfügbaren liberalen Größen, für deren Berufung zur Behandlung der auswär­tigen Verhältnisse wir keine andere Garantie haben als ihr Selbstvertrauen und über deren Befähigung für die innere Politik das, was sie in Gesetzgebung und Verwaltung ge­schaffen, und das, was sie bekämpft und gehindert haben, Zeugnis ablegt.Macht mir gute Politik, ich werde Euch gute Finanzen machen", sagte ein französischer Staatsmann. Nicht einmal das haben die liberalen Koryphäen vermocht, sondern die finanziellen Früchte des französischen Krieges verzettelt und eine Wirtschaftspolitik betrieben, dem eigenen Laude zum schweren Schaden, anderen Völkern zur stillen Heiterkeit.

Freilich begegnet man hier und da der Vorstellung, wenn die Gefahren jetzt vorüber, der Friede auf lange Zeit gesichert sei, so könne ja das Steuer auch in weniger er­fahrene Hände gelegt werden. Allerdings hat niemals in der neueren Geschichte ein Reich so mächtig und zugleich so geachtet und so als Hort des Friedens angesehen dagestanden wie das neue Deutsche Reich. Aber die erste Vorbedingung für das Vertrauen des Auslandes liegt in der Person des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten; und selbst wenn man unter den liberalen Kandidaten für dieses Ressort einen zu nennen wüßte mit der größten natürlichen Begabung für das Geschäft und mit Erfahrung in demselben, würde er mit den Siegeln des Amtes zugleich das Vertrauen, die Autorität bei Souveränen und Regierungen übernehmen, deren sich der Fürst Bismarck nach einer dreißigjährigen Lau! bahn ohne Gleichen, als der Frucht seines Könnens

und Wissens, seiner Kraft und seiner Mäßigung erfreut? Die Frage liegt so nahe und ihre Beantwortung ist so unzweifelhaft, daß man, als vor etwa zwei Jahren Streber­tum, Eigensinn der Eitelkeit und Fraktionögelüste die ge­hässigen Angriffe gegen die Person des Reichskanzlers be­gannen, in liberalen Blättern die Frage durch die Andeu­tung zu umgehen suchte, ein fortschrittlich - sezessionistisches Ministerium würde so gütig sein, ihm das auswärtige Ressort auch ferner zu überlassen. Es ist wohl anzunehmen, daß die betreffenden Journalisten diese Andeutung auf eigene Hand gemacht haben; denn wenn es auch richtig fein sollte, daß Ministerportefeuilles und andere höhere Beamtenstellen damals schon im voraus verteilt worden seien, so wird die Phantasie sich doch nicht so weit verirrt haben, sich an dem­selben Beratungstische mit dem Fürsten Bismarck zu denken.

Das Ministerium Bismarck, welches das unmöglich scheinende Ziel erreicht hat, zehn Jahre nach dem Frank­furter Frieden den politischen Horizont für uns von dem kleinsten Wölkchen frei zu machen, ist die Garantie unseres Friedens, und Friede die Vorbedingung einer schaffenden inneren Politik. Gegen das Ministerium Bismarck wählen, die Einführung der parlamentarischen Regierung, d. h. die Einschränkung unseres Königtums und ein Spiel des mini­steriellen Kämmerchenvermietens verlangen, heißt an dem Frieden unseres Landes rütteln. Kein Kampf ist ohne Ziel, wenn es auch möglich ist, daß in der Masse der Fort­schrittspartei viele das Ziel nicht sehen, viele nicht billigen würden, welches die Führer verfolgen: Inthronisierung der Herren Richter, von Stauffenberg und Rickert.

Würde das Ziel erreicht, so wären die Folgen: Schwinden des Vertrauens der deutschen Souveräne und Zwist im Innern, mißtrauisches Abwenden der großen Nachbarreiche, Verlust aller Fühlung in der auswärtigen Politik, die Ent­stehung von Feindseligknten, die Lähmung des Unterneh­mungsgeistes und das Sinken aller Werte. (Prov.-Corr.)

Deutsches Reich.

** Berlin, 21. Sept. DieProv.-Korresp." hat heute einen reichen Inhalt, aus dem besonders der Artikel über die auswärtige Politik und Fürst Bismarcks Gegner ins Gewicht fallen wird. Es ist aus diesem zwar oft genug besprochenen Punkte bisher niemals die klare Konsequenz gezogen worden; die Gegner des Reichskanzlers geben aber selbst zu, daß die auswärtige Politik desselben ein Noli me tangere in unseren gesamten Verhältnissen ist. Wie man sich aber zurcchtlegen kann, daß Fürst Bismarck in der einen Beziehung unentbehrlich ist und in der anderen beseitigt werden soll, darüber hat die gegnerische Prcffe noch keine genügende Auskunft gegeben. Selbst die liberale Korrespondenz giebt jetzt zu, daß das Bemühen des Reichs­kanzlers in sozialer Beziehung nicht ganz ohne Wirkung

Haus vou Dörnberg,

Hofmeister zu Marburg und Pfandherr zu Neustadt.

(Fortsetzung.)

Auf der anderen Seite von Neustadt, von der WillingS- häuser Mark an bis gegen Wahlen und die Wüstung Forst hin, zieht sich am Nordabhang eines hohen breiten Bergrückens 1 Meile lang und Meile breit ein großer von Waldungen durchbrochener Wiesenkomplex hin. Heut­zutage werden diese Wiesen ein- oder zweimal abgemäht, aber der Ertrag ist im Verhältnis zu dem schönen Basalt­boden, der hier vorherrscht, ein sehr dürftiger, da auf die Bergwiesen selten Dung kommt. Damals aber war es anders, die Neustädter, die von Dörnberg samt den andern hier ansesstgen Adeligen unterhielten einen trefflichen Vieh­stand und ließen den ganzen Sommer ihre Heerdcn auf den Bergwiesen weiden, wodurch zugleich der Boden ge­düngt und in Besserung gehalten wurde; für den Winter zog man auf den tiefer gelegenen Wiesen hinreichendes Futter. Dabei wurde eine musterhafte Ordnung in Hof und Feld gehalten und strenge Feldpolizei geübt. Wehe dem Hirten, der sein Vieh über die Landwehr (Aufwurf oder Hecke zum Schutze der Aecker und Wiesen) gehen und Schaden thmr ließ; er wurde unnachsichtiglich gepfändet und mußte nicht selten sein Pfand mit dem ganzen Jahres­lohn einlösen.

Eine sehr bedeutende Einnahme erzielte man damals auch aus dem Walde durch die Schweinemast. Die aus­gedehnten Buchen- und Eichenholzwaldungen, welche in jenen Zeiten vorhanden waren, warfen in guten Jahren einen "sehr reichlichen Ertrag an Eckern und Eicheln ab. Um diesen gehörig auszunutzen hielt man große Schweine­

heerden und trieb diese den ganzen Winter in die Waldungen zur M ft.

Um dem Leser einen Einblick in die Rentabilität der Schweinemast zu geben, sei hier ein Posten ans einer (allerdings etwas späteren) Haushaltsrechnung des zunkers Wilhelm von Dörnberg von 1541 hier angeführt: Da liest man nämlich:Item firdthalb hundert sibentzehen Gulden von dnsent fyrhundert sechzig! acht Schweinen, ye von einem ein Ort; hirvon habe ich den vom Adell vndt Amptknechten 55 Schweine ledigk ans Nach« baurschaft gehen lassen, tragen dreyzeheu Gulden dreh Ort; also bleiben noch 353 Gulden 6V2 Albus." Diese Summe scheint zwar gering, sie war aber bei den damaligen Geldverhältniffen ' ein ganz beträchtliches Kapital. Um dieses einzusehen braucht man nur in derselben Rechnung den Titel:Auogiftgeld Gesindelohn" zu beachten.

Der Amtmann Reinhard Schenk schreibt hier:

15 Gulden mir zu meiner Besoldunge,

5 Hansen, dem Schultheißen,

5 Josten, dem Keiner,

6 Heintzcn, dem Möller,

4 Bastian, dem Koch,

5 Wilhelm, dem Karnknecht,

3 Philips, dem Kuehirten,

3 Winterhausen, dem Scheuernknecht,

3 der Keßemutter,

6 dm dreyen Vehemeiden,

IV2 Nmchen, dem Mcdlein vff dem Saell etc." Wenn man nun den heutigen Gesindelohn mit dem damaligen vergleicht heutzutage erhält ein tüchtiger Knecht mindestens 120 Gulden, damals höchstens 5, so repräsentieren jene 350 Gulden, ein Kapital von mindestens

8400 Gulden. Wenn man nun bedenkt, daß die Stadt Neustadt noch einen eignen großen Gemeindewald besaß, worin die Bürger freie Mast hatten, und außerdem noch im Momberger Walde die Mast frei mitbenntzen durfte, so muß, nach der Höhe obiger Abgabe zu schließen, der ans der Mast erzielte Nutzen ein ganz enormer gewesen sein.

Auch die Fischerei, welche jetzt gänzlich barnieberliegt, wurde damals eifrig betrieben, wie man noch jetzt an den vielen, feit langer Zeit vertrockneten und versumpften Teichen sehen kann.

Seit der Zeit des Junker HanS von Dörnberg sind die winschaftlichcn Verhältnisse ganz anders aber nicht besser geworden. Der frühere Wohlstand wurde durch bett dreisigjährigen Krieg, welcher hier die schrecklichsten Ver­wüstungen anrichtete unb bie Stadt fast an den Bettelstab brachte, gänzlich vernichtet. Ein späteres Wiederkehren des alten Wohlstandes wurde dann durch die Anwendung des römischen Rechts auf die ländlichen Verhältnisse, wodurch die Bauernhöfe in der ärgsten Weise zerriffm und der Grund und Boden der Mischen Spekulation preisgegeben wurde, unmöglich gemacht.

Auch in kirchlicher Beziehung machte sich Hans von Dörnberg um Neustadt verdimt, wie aus nachstehender Präsenzstiftung erhellt. Es waren damals in Neustadt neben dem Pfarrer noch vier andere Priester angestellt, nämlich zwei Altaristen am Altäre unserer heben Frauen, einer am Altar St. Nicolai und einer am Altäre St. Jacobi. Da die zugehörigen Benefizien aber im Laufe der Zeiten sich sehr verschlechtert hatten und nicht mehr zum Lebens­unterhalt der Priester ausreichten, so waren die letzteren ge­nötigt, sich mit auswärtigen Diensten noch dazu zu belasten.

(Fortsetzung folgt.)