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Marburg, Donnerstag, 22. September 1881.
xvi. Jahrgang
RkklirM jfitiino
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Präfideut Garfield f.
Der Präsident der Bereinigten Staaten, James Abraham Garfield ist am Montag Abend an den bei dem Attentate am 2. Juli erlittenen Verletzungen gestorben. Während seines achtzigtägigen Krankenlagers wechselten Hoffnungen auf Genesung und ernste Befürchtungen für das Leben des Präsidenten; schließlich hat die Kunst der Aerzte das Leben nicht mehr aufhalten können. Garfield ist das Opfer eines Mörders geworden, dem persönliche Rachsucht, hervorgegangen aus dem Mißerfolg in seinen Bewerbungen um eine Stelle, die Schußwaffe in die Hand gedrückt hat. Bei der republikanischen Staatsform wechselt daö Beamtentum mit der Partei und gerade in den vielgerühmten „freien" Staaten von Nordamerika hat sich die Aemterjägerei bei jedem Partei- bezw. Präsidentenwechsel zu einem wirklichen Kampfe unter den Bewerbern herausgebildet. Garfield war der erste, der es versuchte, bei der Besetzung der Aemtcr nicht auf die Parteirichtung, sondern auf die Ehrlichkeit Rücksicht zu nehmen. Diesen Versuch hat er mit dem Leben
Harrs bau Dörnberg,
Hofmeister zu Marburg und Pfandherr zu Neustadt.
(Fortsetzung.)
Eine Erinnerung an diese Belagerung der Stadt befindet sich noch heute an der Pfarrkirche zu Neustadt; daselbst sind nämlich außen am Chor drei große steinerne Geschützkugeln (wie es scheint von Basalt) eingemauert, und darüber steht die Jahreszahl 1462.
Ob und wann diese 4000 Gulden bezahlt wurden, ist nicht näher bekannt, Hessen hatte aber noch lange Zeit später gewisse Rechte auf Neustadt. Als nach Adolfs Tode Diether von Isenburg auf die Empfehlung seines Vorgängers und früheren Gegners zum zweiten Male zum Erzbischof erwählt und auch nach einem demütigen Rechtfertigungsschreiben vom Papste bestätigt worden war, übergab derselbe Stadt und Amt Neustadt für eine vorgeschoffene Geldsumme an den Hofmeister Hans von Dörnberg als erbliches Pfandlehen, wobei der letztere wahrscheinlich sich mit dem Landgrafen weg n der 4000 Gulden, die Hessen auf Neustadt stehen hatte, abgefunden hat.
Hans wurde in den Besitz von Neustadt gesetzt, und die Bürgermeister, Schöffen, Räte und die ganze Gemeinde leisteten ihm Huldigung und gelobten für sich und ihre Nachkommen und Erben „in gutten Trumen an eines „rechten gesworenen Eides statt, daß fie dem obgenannten „Hansen und sinen rechten Lehenserben, so dick des noit „geschicht, myt allen Herlichkeiten vnde Gerechtigkeiten, „Notzungen, Offenungen vnde Noiten, in maßen sie hiebe „vor den Heren von Mentze und siner Gnaden Stieft, „vnde nicht wiether, bySher gew^rtygk gewest sin, un me „ime vorther zcugeworten vnde gehorsam ;syn sollen vnde
bezahlen müssen. Schlimmer, als es mit der Beamtenkorruption in Amerika ist, kann es in Rußland nicht sein. In Amerika hängt die Sache aber mit der staatlichen Einrichtung , wonach jeder neue Präsident auch die alten Beamten entläßt und neue, ihm freundlich gesinnte anstellt, also mit dem parlamentarischen Regiment zusammen. Das parlamentarische Regiment, als dessen Konsequenz jene Einrichtung erscheint und welches unsere deutschen Liberalen auch in Deutschland einführen wollen, hat also diese Korruption im Gefolge. Von einer Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Beamten, wie in unserem Königreich Preußen, ist in kem republikanischen Amerika gar keine Rede. Weil der Beamte weiß, daß er nur so lange int Amte sicher ist, als der Präsident an der Regierung ist, so sucht er sich soviel als möglich für die späteren Tage zu sichern, wenn er abgesetzt wird. Daher denn auch die Erbitterung der Wahlkämpfe, weil Tausende von Stellenjägern für den neuen Präsidenten kämpfen und Abertausende von Beamten für die Wiederwahl, des alten Präsidenten eintreten. Die Wahlkämpfe sind dort vorzugsweise Beamtenkämpfe. Wenn man dieses Treiben in der Republik, dieses Ideal unserer Fortschrittler, ansieht, so macht es einen eigentümlichen Eindruck, wenn man bedenkt, welche sittliche Entrüstung dieselben bei uns zur Schau tragen, sobald z. B. ein Landrat seinen Kreisangehörigen bezüglich der Wahl auch nur einen leisen Wink ober guten Rat fließt. Garfield ist diesem selbstsüchtigen korrumpierten Parteitreiben zum Opfer gefallen, und man darf gespannt sein, xvelches Schauspiel dasselbe nun über seinem Grabe aufführen wird. Nach der Verfassung müßte jetzt der Vizepräsident die Präsidentschaft übernehmen. Der jetzige Vizepräsident ist aber kein gebotener, sondern ein eingewanderter Amerikaner. Nach der Verfassung aber „soll niemand außer ein im Lande geborner Bürger zum Präsidenten wählbar sein". Es hat sich deshalb bereits seit längerer Zeit Streit darüber erhoben, ob der jetzige Vizepräsident zur Präsidentschaft zugelassen werden dürfe. Zum Vizepräsidenten durfte Arthur als naturalisierter Amerikaner gewählt werden. Wenn aber die Verfassung das zu- läßt und ohne Bedingung sagt, daß im Falle des Todes des Präsidenten der Vizepräsident bis Ablauf der Legislaturperiode an seine Stelle treten soll, so kann unseres Erachtens dem Herrn Arthur aus dem Umstande, daß er nicht int Lande geboren ist, kein Hindernis bereitet werden. Zum Präsidenten hatte er nicht gewählt werden können; aber die Präsidentschaft kann er als Vizepräsident recht wohl vertreten. Die Gegner Arthurs aber sagen, die Worte der Verfassung wollten nicht bloß bedeuten, daß kein Ausländer zum Präsidenten gewählt werden, sondern daß überhaupt kein Ausländer Präsident sein könne. Arthur hat aber viele Gegner und zwar find das gerade die Anhänger Garfields. Arthur gilt als das Werkzeug der Korruptionsclique („Stal- varts'), an deren Spitze der Exsenator Conkling steht, dessen „wollen; darwyvder ouch heymlichen noch vffenbarlichen „nicht thun noch schaffen gethan werden in keiner wyse „sunder argelist vnde geverde." Darauf gelobte ihnen andererseits Hans v. Dörnberg, daß er sie bei ihren alten Freiheiten und Gewohnheiten belassen und sie darwider nicht beschweren und bedrängen wolle."
Diefes geschah auf Montag nach dem Sonntage Vocem jucunditatis. anno 1477.
(Neustädter Pfarrarchiv.)
1496 unter Erzbischof Bertold von Henneberg wurde die Pfandverschreibung und die darauf bezüglichen Reversbriefe erneuert.
Die Zeit, in welcher HanS von Dörnberg Neustadt beherrschte, war eine der glücklichsten in der Geschichte der Stadt. Damals erfreuten sich die Bürger eines Wohl-' standes, wie er in der folgenden Zeit nie vorhanden war. Man gewinnt hierüber einen deutlichen Einblick durch die aus jener Zeit noch vorhandenen städtischen Rechnungen namentlich durch die Weinregister. Heutzutag trägt es dem Bürger gar selten im Leben ein Glas Wein, die meisten bekommen vielleicht ihr Lebtag nicht solchen zu trinken, damals aber konnten sich viele Bürger an Sonn- und Feiertagen oder bei besondern wichtigen Anläffen ihren „rheinischen" Wein gönnen. Wenn die Stadt Handwerker und Dienstleute in Kost hatte, so mußte diesen der Stadtwirt aus dem Ratskeller ebenfalls Wein zum Imbiß vor- setzen. Als Beleg hierfür mögen hier nur folgende Posten aus der städtischen Weinrechnung von 1503 dienen:
„1 gierte! in Lodewigk Josten (Haufe), so die Murer „iren Adscheid, Galli..."
„V« giertet Meistern Paulus . . .
.V2 gierte! dm Schotzen, omnium sanctonun."
Einfluß Arthur seine Ernennung zum Vize-Präsidenten zu verdanken hat. Arthur wird als eine unfähige, korrupte Persönlichkeit bezeichnet, die schott einmal unter dem milden Präsidenten HayeS wegen Korruption des Amtes entsetzt werden mußte. Die öffentliche Meinung beschuldigt bekanntlich Conkling der Mitschuld an der Ermordung Garfields und man erwartet deshalb, daß die öffentliche Meinung sich jetzt energisch gegen eine Präsidentschaft Arthurs, unter der auch Conkling wahrscheinlich zu hoher Würde gelangen würde, erklären wird. Schon vor längerer Zeit soll der General-Staatsanwalt gesagt haben:
„Im Falle des Todes des Präsidenten Garfield und in anbetracht, daß der Vizepräsident wegen ausländischer Geburt sich nicht zum Präsidenten qualifiziert, würde eö gerechtfertigt erscheinen, wenn der Staatssekretär den Kongreß zum Zweck einer Präsidentenwahl berufen würde und inzwischen provisorisch als Präsident fungierte."
Nach alledem scheinen heftige Kämpfe in Amerika bevorzustehen. Das Grab Garfields ist ein Mene Tekel für die parlamentarische Regierungsform der Republik!
Der Lebenslauf Garfields ist in kürze folgender: James Abraham Garfield wurde am 19. November 1831 zu Orange, Grafschaft Cuyahoga, von deutschen aus Hessen- Darmstadt stammenden Eitern, geboren, erhielt infolge des frühen Todes seines Vaters (1833) nur eine äußerst beschränkte Erziehung, diente einige Zeit als Tagelöhner, dann als Kutscher und hierauf als Bootsmann. 1849 trat er in eine öffentliche Lehranstalt ein und studierte mit solchem Eifer und Erfolg, daß er 1850 als Lehrer an einer Bezirksschule wirken konnte. 1854 bis 1856 besuchte er das William's - Colleg. 1857 wurde er Sprachlehrer an dem Institute zu Hiram (Ohio) und 1858 Präsident desselben; gleichzeitig ließ er sich als Advokat nieder und wurde zum Mitglied des Senats von Ohio gewählt. Bet Beginn des Bürgerkrieges 1861 warb er als begeisterter Anhänger der Union das 42. Regiment der Ohio - Freiwilligen an, wurde dessen Oberst und kämpfte mit Glück in Ost-Kentucky. Am Tage des Sieges von Prestonburgh ward er Brigade-General und nach der Schlacht bei Shilol (16. April) Stabs-Chef des Generals Rofecrans. Wegen tapferer und wichtiger Dienste in der Schlacht vonChicka- manga (19. September 1863) erhielt er Titel und Rang eines Generalmajors. Im Oktober 1869 wurde er im 19. Bezirke Ohios zum Mitgliede des Kongresses ernannt. Hier gehörte er zu den angesehensten Mitgliedern der republikanischen Partei und wurde 1877 Führer derselben. 1880 stand er an der Spitz der Delegation von Ohio und vertrat auf dem Kongresse in Chicago im Juni die Kandidatur seines Landsmannes, des Finanzministers Sherman. Als weder Grant noch ein anderer Kandidat die Majorität erringen konnte, ward im 35. Wahlgange Garfield zur Wahl gestellt, und da ihm alle bisher gegen
„Vs Fiertel Klaus Roche (Büchsenmeister von Alsfeld), „die Bossen lo geschossen."
„6 Maß in Kalbs Huße, das Fehe angeschnydden, die „Fehemeister und Hirten."
Ueberhaupt wurden damals aus dem Ratskeller jährlich 50—60 Ohm verzapft und die Stadtkasse hatte im Wein- schank eine sehr lohnende Einnahmequelle.
Von Schulden war damals bei den Bürgern selten die Rede, höchstens schuldeten sie einige Kapitalien dem Gotteskasten. Dagegen wird man aus Kirchenrechnungen, Schenkungsurkunden und später aus Streitigkeiten wegen der Türkensteuer gewahr, daß manche Bürger beträchtliche Kapitalien in Josbach, Wiera Arnshain und andern benachbarten hessischen Dörfern stehen hatten.
Dieser Wohlstand hatte hier seinen Grund vorzugsweise in einem glücklichen Betriebe des Ackerbaues und der Viehzucht. Die Handwerke scheinen auch damals nicht viel betrieben worden zu sein, da nach den städtischen Rechnungen häufig auswärtige Meister aus Treysa, Homberg, Alsfeld und anderen Städten herangezogen wurden.
Im Mittelalter lagen im Umkreise der Stadt eine große Anzahl von Dörfern, deren Flurmarken, nachdem die Behausungen in der Fehdezeit zerstört oder verlassen worden waren, wüst lagen. Als nun Hans von Dörnberg nach Neustadt kam, brachte er eine große Anzahl von adeligen Gütern, teils durch Kauf, teils durch Pfandschaft an sich und begann nun mit den Neustädten» einen rationellen Wirtschaftsplan. In der Richtung nach Allendorf, Erxdvrf und Speckswinkel, wo der Boden sich zum Feldbau vorzüglich eignet, ließ er große Komplexe roden und verwandelte die früheren Wüsteneien in fruchtbares Ackerland.
(Fortsetzung folgt.)