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Marburg, Dienriag, 20. September 1881.
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Die Wirkungen des Zolltarifs.
Wenn jetzt freihändlerifche Zeitungen behaupten, daß die Handelskammerberichte für 1880 eine ungünstige Wirkung des Zolltarifs auf Zudustrie und Handel konstatieren, so sind sie vollständig im Irrtum. Man braucht nur die Handelskammerberichte für das Jahr 1878, als des letzten Jahres, in dessen ganzem Verlauf noch das annähernde Freihandels-System herrschte, mit den gleichen Berichten für 1880 zu vergleichen, um darzuthun, daß gerade im Gegenteil die letzteren eine vorteilhafte Wirkung des S-chutzzoll- systemö beweisen. In folgendem werden wir diesen Vergleich durchführen:
Die Zeitschrift des K. Preußischen Statistischen Bureaus, Jahrgang 1880, Heft I und II, bringt einen Aufsatz: Preußens Handel nach den Handelskammer-Berichten für das Jahr 1878. Nachdem in der Einleitung konstatiert worden, daß das Gebiet des Handels von einer tiefgehenden Mutlosigkeit beherrscht wurde, verminderter Absatz und sinkende Preise der wirtschaftlichen Lage ihren unerfreulichen Charakter aufgedrückt hätten, schildert er die einzelnen Handelszweige der Reihenfolge nach: Pferde und Viehhandel waren wenig nutzbringend, Geschäfte in Talg flau, Thran ohne rechtes Leben, Schmalz lebhaft. Der Handel mit Getreide begann ziemlich günstig, von April ab steter Rückgang der Preise. Weizen- und Roggenpreise gingen rapid und ununterbrochen zurück, so daß sie am Schluß d. I. so niedrig waren wie seit vielen Jahren nicht. Gerste und Hafer von Anfang bis Schluß d. I. weichend. Hülsenfrüchte wenig belebt. Spiritus im Anfang ruhig, später stockend, von Juli an lebhaft. Ende d. I. wieder fühlbare Abschwächung. Holzgeschäfte schlecht, tief unter den geringsten Erwartungen. Daö Baugewerbe lag darnieder. Kohlen« Geschäft außerordentlich schlecht. Bei Ziegelsteinen gingen die Preise noch mehr zurück wegen der andauernd mangelhaften Bauthäiigkeit.
Im Handel mit Metallen, Metallwaren, Maschinen und
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Haus von Dörnberg,
Hofmeister zu Marburg und Psandherr zu Neustadt. (Fortsetzung.)
Der neue Landgraf war sein persönlicher Feind, der ihm schon lange grollte, weil er glaubte, daß Hans ihm schweres Unrecht zugefügt habe. Zwar bemühte sich Hans ein leidliches Einvernehmen mit Wilhelm II. anzubahnen, aber eö dauerte nicht lange, so zog man ihn wegen seiner ftüheren Verwaltung zur Rechenschaft und beschuldigte ihn der schwersten Verbrechen.
Da er sah, daß allerseits die feindseligste Stimmung gegen ihn sich geltend machte, so hielt er es für geraten, sich der weiteren Verhandlung durch die Flucht zu entziehen, und begab sich auf die Burg Friedberg, wo er zu den Gauerben gehörte. Dort starb er auch im Anfang des Jahres 1506.
In dem Neustädter Weinregister von 1506 finden sich folgende auf seinen Tod bezügliche Notizen:
Nach einem Posten mit dem Datum: Octava. Epiph, (13. Januar) steht sogleich darunter: „2 Fiertel uff das „Rathuß exequiis Herrn Hans von Doringenberg seligen." Dann weiter hinten zwischen Posten mit dem Datum:" „Pentecostes und Trinitatis“: „1 Fiertel vff das Rathuß zu vnserS Jungherrn des alten Legengniffe."
Seine beiden Frauen liegen zu Marburg im nördlichen Kreuzchor der Elisabethenkirche begraben, wo noch jetzt ihre Epistaphien zu sehen sind. Ebendaselbst an der Seite seiner Gemahlinnen hatte sich Hans auch ein Grab mauern lassen; aber sein Wunsch, hier beerdigt zu werden, ging nicht in Erfüllung. Wo er begraben liegt, habe ich nicht in Erfahrung bringen können; man nimmt an: zu Fried-.
Instrumenten verursachte die 1878 fortdauernde allgemeine Geschäftslosigkeit konstante Abnahme des Konsums und andauernde Preisreduktion. Bei Eisen arbeiteten viele Werke ohne Rente ihres Anlage- und Betriebs-Kapitals, viele arbeiteten mit Zubußen, andere mußten der Krisis erliegen. — Handel mit Kolonialwaren war wenig lohnend, oft verlustbringend. Tabakhandel ist als günstig nicht zu bezeichnen, da der Durchschnittsnutzen ungenügend war. Wollhandel verhältnismäßig ziemlich günstig.
Für die Textil-Jndustrie hat das Jahr 1878 neue Enttäuschungen gebracht; fortdauernder Preisdruck und fortdauerndes Verlangen der Käufer nach billigeren und schlechteren Qualitäten. Der Handel in Leinen war sehr schlecht, mit Baumwollenwaren ebenso, Garnpreise sind seit 1848 nicht so niedrig gewesen, wie am Schluß des Jahres 1878. In Wollenwaren Preise gedrückt, andauernd flaue Tendenz. Tuchwaren sehr gedrückt, die Produktion wurde soweit als möglich eingeschränkt. Teppichfabrikation ganz ungenügend. Seidenwaren ungünstig, Geschäft brachte keinen Nutzen, mitunter sogar Schaden. Manufakturwaren: Geschäft flau.
Petroleumhandel höchst ungünstig. Handel mit Häuten und Fellen wenig vorteilhaft. Chemische Produkte, Geschäft ließ wenig oder gar keinen Nutzen. Porzellanwaren hatten außerordentlich schlechtes Geschäft, ebenso Glas- Waren.
Diese kurze Betrachtung der einzelnen Artikel liefert ein sehr trauriges Bild der ganzen wirtschaftlichen Lage unseres Vaterlandes im Jahre 1878. Der Berichterstatter konnte die Geschäftslage aller Artikel des Handels und der Industrie nicht anders als mit den Prädikaten schlecht, sehr schlecht oder außerordentlich schlecht bezeichnen, nur ganz vereinzelte Ausnahmen gab es. Und dabei ist noch zu bemerken, daß das Jahr 1878 uns eine außerordentlich reiche Ernte gebracht hatte, welche die Kauskraft des größten Teiles der Bevölkerung doch hätte stärken müssen. Auch die Ernte-Ergebnisse des volhergehenden Jahres 1877 waren günstig, so daß die Getreide- und Mehlpreise im Jahre 1878 niedriger standen als im Jahre 1880. Die Natur hatte also viel mehr gethan, um günstige Verhält- niffe für Handel und Industrie zu schaffen, für das Jahr 1878 als für das Jahr 1880, bei welchem durch die zwei schlechten Ernten von 1879 und 1880 die Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung, also der größeren Hälfte, ganz bedeutend schwächer geworden war.
Noch sind nicht die Berichte aller Handelskammern für daö Jahr 1880 veröffentlicht worden, aber von vielen haben wir schon Kenntnis erlangt und davon sprechen einige dem Zolltarif von 1879 eine schädliche, viel aber eine günstige Wirkung auf unsere wirtschaftliche Lage zu. Eine vollständige Uebersicht wie die besprochene über Preußens Handel in 1878 läßt sich natürlich erst geben, wenn sämtliche Handelskammerberichte vorliegen. Soviel aber kann
berg, aber ein Grabdenkmal von ihm ist dort nicht vorhanden.
Hans von Dörnberg hinterließ keine Kinder, weshalb seine großen Besitzungen an seine Seitenverwandten fielen. _____________
Es erübrigt nun noch, einiges über das Verhältnis HanS von Dörnbergs zur kurmainzischen Stadt Neustadt zu berichten. Wie bereits bemerkt, hatte Hans 1477 Stadt und Amt Neustadt vom Erzbischof Diether von Mainz als Pfandlehen erhalten. Dies wurde durch folgende Umstände veranlaßt.
Nach dem Tode des Erzbischofs Theoderich von Mainz war den 20. Juli 1459 der Graf Diether von Isenburg- Büdingen, früher Rektor der Universität Erfurt und zuletzt Custos am Domstift zu Mainz vom Capitel zum neuen Erzbischof gewählt worden.
Diether erregte aber zugleich im Anfänge seiner Regierung die Unzuftiedenheit des Papstes Pius II. und des Kaisers Friedrich III. Der Papst arbeitete damals mit allen Kräften daran, die christlichen Fürsten und Völker zu einem Kreuzzuge gegen die Türken, welche bereits 1453 Konstantinopel erobert hatten und das ganze Abendland zu unterjochen drohten, zu vereinigen. Hierbei mochte er wohl geglaubt haben, eine tüchtige Stütze an dem neuen hochbegabten Erzbischof zu haben; aber er sah sich getäuscht. Diether zeigte sich renitent und suchte sich den Einladungen und Mahnungen deö Papstes durch allerhand Ausflüchte zu entziehen; und statt mit dem Papste gemeinsam an der Bekämpfung des Erbfeindes der Christenheit zu arbeiten, verwickelte er sich in eine unglückliche Fehde mit dem Pfalzgrafen Friedrich, wobei er zur Deckung der Kriegs«
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man nach dem jetzt schon vorliegenden Material mit Sicherheit behaupten, daß sich Industrie und Handel bei Steinkohlen, Eisen, Metallen, Metallwaren, Instrumenten, Maschinen, bei Stein-, Thon-, Glas- und Porzellan-Waren, bei vielen Artikeln der Textil-Jndustrie, bei chemischen Produkten und anderen Artikeln viel besser gestaltet haben im Jahre 1880 als in 1878. Durch den Zolltarif von 1879 hat sich also die Situation bei den meisten Produkten unserer Industrie schon gehoben, und ein reicher Ernte- Segen, wie der von 1878, würde einen weiteren großen Aufschwung unserer ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse zur Folge haben.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Sept. Wie aus Itzehoe telegraphiert wird, wurden dem Prinzen Wilhelm beim Manöver auf dem Rendezvousplatz Ebendorf von seinem Vater, dem Kronprinzen, die Majors-Insignien überreicht. Zunächst war es der General-Feldmarschall Graf Moltke, welcher dem prinzlichen Major seine Gratulation aussprach. Ihm folgte die gesamte Generalität; ein Gleiches that der Kaiser, als er eine halbe Stunde später auf dem Manöverfelde erschien. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: „Bereits vor Wochen ist von autorisierter Seite die Absicht deö Reichskanzlers dargelegt worden, aus den Erträgen des Tabakmonopolö die Versorgung der erwerbsunfähig gewordenen Arbeiter zu schaffen. Durch diese Versorgung würden naturgemäß die heute so schwer durch die Armenunterstützung überbürdeten Kommunalverbände entlastet, das heißt eine bedeutende Verminderung der Kommunalsteuern erzielt werden. Sollten nach einiger Zeit die Erträge des Tabakmonopols, wie zu hoffen, den für obigen Zweck nötigen Betrag überschreiten, so würde die Uebemahme der Kommunal-Schullastcn aus den Staat, die ca. 40 Mill. Mark betragen, zunächst in Aussicht stehen. Letztere Entlastung der Kommunalverbände wie auch weitere Steuererleichterungen derselben werden übrigens auch durch die anderweitigen Maßregeln der geplanten Zollreform, durch die Ueberweisung der Grund- und Gebäudesteuern, sowie der, Erträge der nach Freigebung der untersten Stufen übrig bleibenden Klassensteuer angebahnt werden. — Der „Germania" wird aus Rom geschrieben: „Ich kann versichern, daß der bereits während der Wiener Unterhandlungen gestellte und jetzt erneute Antrag der preußischen Regierung, einen Gesandten beim heil. Stuhl zu beglaubigen, hier an maßgebender Stelle angenommen wird, wofern nur eine begründete Aussicht auf Besserung der kirchlichen Lage in Preußen geboten wird. Unter gewöhnlichen Verhältnissen pflegt die Wiederanknüpfung regelmäßiger diplomatischer Beziehungen erst den Abschluß der Frieoens- unterhandlungen zu bezeichnen, während im gegenwärtigen kosten und zur Gewinnung von Bundesgenossen viele Kirchengüter verpfänden mußte. Dazu kam noch, daß er sich weigerte, an den apostolischen Stuhl die verlangten Palliengelder zu bezahlen, und daß man ihn in Rom wegen Simonie, die er sich bei seiner Erwählung habe zu schulden kommen lassen, denunzierte.
Eines Tages überraschten ihn die ludic es Camerae Apostolicae mit dem Interdikte; er ließ sich aber nicht beugen und appellierte vom Papste an ein allgemeines Konzil. Die Folge davon war, daß ihn der Papst im Einverständnis mit dem Kaiser durch die Bulle In Apostolicae Sedis specula 1461 Calend. Sept, absetzte und alle seine Unterth men des Eides und Gehorsams gegen ihn entband. An seine Stelle wurde dann durch den Papst der Graf Adolf von Nassau gesetzt.
Diether unterwarf sich jedoch nicht, sondern suchte durch Waffengewalt sich den Besitz des ErzstifteS zu erzwingen. Dadurch entstand zwischen den beiden Prätendenten Adolf und Diether ein blutiger Krieg, durch den die Erzdiöeese schwer geschädigt wurde.
„Die Fürsten und Herren, Freien, Grafen, Ritter und „Knechte mengten sich mitunter: einer war Eisenbergisch, „der andere Nassauisch, und zerrissen s. Martino seine» „Mantel, daß er sehr viele Löcher gewann." (Anonymus.) Auf beiden Seiten verpfändete man, um die Mittel zum Kriege zu bekommen, die Kirchengüter, wodurch für daS Erzstift große und wertvolle Besitzungen verloren gingen.
Unter andern verpfändete Diether auch die Stadt Neustadt an den Landgrafen Heinrich III. von Heffen- Marburg für eine Geldsumme von 4000 Gulden.
(Fortsetzung folgt.)