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Marburg, Sonntag, 18. September 1881.
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und sollen sich auf 1500 Tote belaufen; die Verluste der Franzosen sind gleichfalls vermutlich größer, als die selbst zugegebene Anzahl von 40 Toten und 150 Verwundeten. Gerüchtweise verlautet, das zahlreiche Mcnschenleichen und Tierkadaver unbegraben auf dem Kampfplatze liegen bleiben, woraus ernste Gefahren entstehen könnten. Am Tage nach dem Gefecht zerstörten die Araber die Wasserleitung; dieselbe konnte bisher nicht wieder hergestellt werden. Am 11. September wurde ein junger Italiener und drei Malteser in dichter Nähe des französischen Lagers zu Hamamlif erschlagen. Am 13. September kam das französische Transportschiff „Shamoock" mit 1500 Mann hier an, heute folgte ihm die „Ville de Marseille" mit 600 Mann. Die meisten dieser Truppen gingen nach Hamamlif, um vereint mit der dortigen Abteilung einen Vorstoß gegen Hamamat zu machen. Nach Zaghuan gehen Verstärkungen von Manuba aus. Die Verbindung mit Sussa wird unter allen Umständen zu Lande angestrebt. Daß die Zahl der Truppen nicht genügt, macht sich schon jetzt fühlbar, weshalb auch der Vormarsch gegen Kaiman ziemlich zweifelhaft erscheint. Die Insurgenten sind leider durchaus nicht entmutigt. Im Gegenteil, die Aufregung wegen Kairuans ist im Wachsen begriffen, sogar in Tunis, das bisher noch nicht besetzt wurde. Ali ben Chalifa schickt Emissäre nach Mehvijja; die Haltung der dortigen Bevölkerung ist zweifelhaft. Die Franzosen schickten sofort je 500 Mann von Sussa aus nach Mehvijja und Monastier.
Ueber die demnächstigen sichtbaren Folgen der Danziger Kaiserbegegnung in Rußland zerbrechen sich die Blätter noch immer den Kopf, und während die Einen wissen wollen, daß Graf Jgnatieff nunmehr zurücktreten werde, behaupten die Anderen wieder, daß man gar nicht daran denke, ihn von seinem Posten zu entfernen. Es wird gut sein, diesen Konjektural-Politikern nur wenig Beachtung zu schenken, denn die Zeit wird es ja lehren, was Kaiser Alexander III. bezüglich der Gestaltung der inneren Verhältnisse Rußlands beschlossen hat. So viel ist mit Sicherheit anzunehmen, daß weder für Deutschland noch für Oesterreich oder irgend eine andere Großmacht Veranlassung vorliegt, sich in die inneren Angelegenheiten des Czarenreichs einzumischen, und wenn unsere liberale 'Presse mit fast fieberhafter Ungeduld den von ihr so oft hervorgehobenen Reformen im Innern Rußlands entgegensieht, so ist daran zu erinnern, daß eine derartige Einmischung in fremde Angelegenheiten bekanntlich stets eine besondere Eigentümlichkeit des Liberalismus gebildet hat.
Der Auf st and in Aegypten lenkt die besondere Aufmerksamkeit aller politischen Kreise auf sich. Der Haupträdelsführer Arabi-Bey soll geäußert haben, daß eine militärische Intervention Frankreichs und Englands unfehlbar ein Blutbad unter den Europäern nach sich ziehen würde. Er hätte, behauptet er, 5000 mit Remington-
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um seinen Zorn alle diejenigen fühlen zu lasfen, die chm früher feindlich entgegengetreten waren. Dazu kam noch, daß man ihm verschiedene Pflichtwidrigkeiten und Veruntreuungen in der vormundschaftlichen Verwaltung Niederhessens zur Last legte.
Die feindselige Gesinnung der niederhessischen Dynastie war es zuletzt auch, welche im Jahre 1500 seinen Sturz herbeiführte.
Am 14. Februar verunglückte Landgraf Wilhelm ID. im Walve bei Rauschenberg auf der Jagd. Bei der Verfolgung eines Hirsches stürzte er vom Pferde und ein alter Bruchschaden wurde nun durch das Austreten der Eingeweide so sehr verschlimmert, daß man ihn halbtot auf das Schloß Rauschenberg brachte, wo er trotz aller ärzt- lichen Hülse am 17. d. Mts. nach Empfang der heiligen Sakramente starb. (Justi, Hessische Denkwürdigkeiten IV. S. 169.) x m c
Am 19. Februar wurde sein Leichnam nach Marburg gebracht und in Gegenwart vieler Personen, unter welchen sich auch der Commissarius, Offizinal und Pferner von Amöneburg befanden, in dem Fürstenchor der Elisabethen- kirche begraben. (Bücking, in der Zeitschrift des Vereins für hesi. Gefch. R. F. VIII.)
Da Wilhelm III. kinderlos starb, so erlosch mit ihm die oberhessische Linie, und Oberhesien samt den Graf- schäften Dietz und Katzenelnbogen fiel an den Landgrafen Wilhelm II. von Niederhessen.
Durch diese Wendung der Dinge brach nun für den alten Hofmeister eine traurige Zeit herein.
(Fortsetzung folgt.)
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Wochen - Uebersicht.
Der begeisterte Jubel, welcher in der abgelaufcnen Woche unserm theuren Kaiser und König sowohl in Schleswig-Holstein als auch in der freien Stadt Hamburg entgegengebracht worden, wird alle patriotischen Herzen mit inniger Freude erfüllt haben, da sich in demselben vor allem die Thatsache kundgegeben, daß auch die Bevölkerung des Nordens von ihrer Zugehörigkeit zu unserer Monarchie und zum deutschen Reiche bereits völlig durchdrungen und daß namentlich in der Provinz Schleswig-Holstein alle jene Empfindungen gewichen sind, welche sich noch 1866 in ziemlich lauter Weise geltend machten. Die Beweise treuer Anhänglichkeit, welche unserm Kaiser und König dort jüngst dargebracht wurden, sind eine Bürgschaft dafür, daß die Provinz Schleswig-Holstein in ihrer Liebe zu Thron und Reich auch fernerhin den älteren Provinzen nicht nachstehen und zu jeder Zeit mit denselben wetteifern wird, diese Liebe zum Ausdruck zu bringen.
Die Audienz, welche Herr v. Schlözer beim Papst dieser Tage gehabt und in welcher, wie angenommen wird, die Beendigung des sogenannten Kulturkampfes um einen bedeutenden Schritt gefördert sein dürste, wird selbstverständlich vielfach besprochen. Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß nunmehr in kürzester Zeit die Grundlagen des mit der katholischen Kirche zu schließenden Friedens bekannt werden und wenn die liberale Presse heute, vor dem Bekanntsein derselben, bereits über diese Grundlagen jammert, so legt dies nur Zcugniß davon ab, daß durch den Ausgleich mit Rom dem gcsammten Liberalismus eins seiner bisher wirksamsten Agitationsmittel entzogen worden ist. Wenn die liberalen Blätter mit Vorliebe von einem Gang nach Canossa redeten, so wird sich gar bald zeigen, daß das Verleiten der Regierung ein völlig korrektes war und die Nachgiebigkeit Roms bei der Schlichtung des Streites keineswegs gering anzuschlagen ist.
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Hans von Dörnberg,
Hofmeister zu Marburg und Psandherr zu Neustadt.
(Fortsetzung.)
Was die Religiösität Hans von Dörnbergs betrifft, so gab er sowohl in Marburg als in Neustadt ein sehr schönes Beispiel durch seine fromme, kirchliche Führung. Bei kirchlichen Feierlichkeiten, Prozessionen, Brüderschaften und frommen Stiftungen beteiligte er sich allen voran mit großem Eifer. Ob ihm nun diese Pietät von Herzen kam, oder ob er aus Gründen der Politik dachte, daß Frömmigkeit zu allen Dingen nütze sei, weiß man freilich nicht; aber so lange noch nicht die Akten über ihn geschlossen sind, hat man kein Recht, ihn der Heuchelei zu beschuldigen.
Am Ende seines Lebens scheint er noch eine Wallfahrt zum heiligen Grabe unternommen zu haben; wenigstens könnte eine Notiz im Neustädter Weinregister: „2 Ahem „31, Virtel ist futter vnserm Juncher und Herrn „HanS dem jungen geschangkt in das Sleiß, so er vom heiligen Grabe wiedcrumb kommen ist anno ut supra (1504), festo s. Georgii martyris.“ auf den Hofmeister bezogen werden, da in derselben Zeit auch sein Freund der Marschall Johann Schenk zu Schweinsberg nach einer im genannten Register kurz vorherstehenden Notiz: „2 Fiertel Hern Johann Schenkm altem Marschalk „feste Elizabeth, so er vom heiligen Grabe Herkommen ist" das heil. Land besucht hat. Wenn gn den vielen schweren Beschuldigungm, die man gegen ihn vorgebracht hat, etwas Wahres ist, so hatte er allerdings auch Ursache genug zu einer reumütigen Bußfahrt.
Bei der Beurtellung des sittlichen Charakters Hans von
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Die Vorbereitungen zu den Festlichkeiten in Baden sind in vollem Gange. Der Umstand, daß daö Befinden der deutschen Kaiserin es Allerhöchstderselben gestattete, von Koblenz nach Baden-Baden zu übersiedeln, um während der Festtage daselbst in unmittelbarer Nähe der hohen Verwandten weilen zu können, verleiht den Jubiläums- und Vermählungsfestlichkciten am Großherzogl. badischen Hofe eine besondere Weihe.
Das durch den Statthalter Freih. v. Manteuffel erfolgte Verbot des Organs der elsaß-lothringischen Protestpartei „Presse von Elsaß-Lothringen" wird von den reichsfreundlichen Elementen der neu erworbenen Reichölande als vollständig gerechtfertigt angefehen, da das genannte Blatt es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Bevölkerung Elsaß- Lothringcns gegen den völkerrechtlichen Zustand der Reichslande aufzureizen. Man kann es dem Statthalter sicher nicht zum Vorwurf machen, daß er mit schroffer Hand der Presse in Elsaß-Lothringen gegenübergetreten, vielmehr hat er gegen dieselbe stets seine bekannte Milde walten lassen. Wo aber dieser in geradezu unverschämter Weise Hohn gesprochen wird, da ist es natürlich im Interesse des Reiches nur angebracht, die volle Strenge walten zu lassen.
Die Stimmung in Oesterreich, bezüglich der Zweikaiserzusammenkunft in Danzig, giebt eine allseitige Befriedigung über dieselbe kund. Man verhehlt sich keineswegs, daß die Entrevue auch für Oesterreich eine hohe Bedeutung hat und daß die Folgen derselben sich in segensreicher Weise zeigen werden.
Aus Frankreich wird berichtet, daß in einem Familienräte die Abreise des Prinzen Jerome Napoleon nach Konstantinopel beschlossen worden sei und daß der Prinz zu gunsten seines ältesten Sohnes Victor auf alle Thronansprüche zu verzichten gedenke. Die Wiederherstellung einer Napoleonischen Dynastie in Frankreich ist in so weite Ferne gerückt, daß einem solchen Verzichte selbstverständlich keinerlei Bedeutung beizumessen ist. An maßgebender Stelle in Frankreich und eben so wenig im Lande selbst oder im übrigen Europa wird dieser Verzicht daher schwerlich irgend welchen Eindruck machen. — Die Nachrichten aus Afrika lauten höchst bedenklich. Ein Privat-Telegramm aus Goletta vom 14. September besagt darüber folgendes: Die nach Sussa am 10. September gekommenen Truppen bombardierten Kalaa - Kabira. Die Einwohner waren jedoch aus der Stadt geflüchtet, um sich den übrigen Rebellen anzuschließen. In der Nacht zum 11. September fand ein großes Gefecht bei Zaghuan statt. General Sabattier wurde gezwungen, näher gegen Tunis Stellung zu nehmen. Eine französische Abteilung, die behufs Verstärkung von Moham- madijja kam, ward mit angeblich bedeutenden Verlusten zurückgeworfen, ohne die Vereinigung mit Sabattier durchgeführt zu haben. Die Verluste der Araber sind sehr groß
Dörnbergs muß m n endlich das auch sehr beachten, jdaß er viele Feinde hatte, die in ihrem Hasse gegen ihn seine Fehler vergrößerten und ihm vielleicht manches nachsagten, was sich bei näherer Untersuchung als Irrtum oder Verleumdung herausgestellt hätte. Es fehlte Hans nicht an hohen Gönnern und treuen Freunden, aber weit größer war die Zahl seiner Feinde, so daß er sich mit dem berühmtesten Staatsmann der Gegenwart hätte rühmen können, der best gehaßte Mann seiner Zeit gewesen zu sein. Es war auch ganz natürlich, ein Staatsmann, der in alle öffentlichen und viele Privatinteresscn so einschneidend ein- griff, mußte sich den Haß vieler zuziehen. Ein großer Teil des Adels blickte mit Neid und Eifersucht auf den einer seither obscuren Adelsfamilie entsprossenen Emporkömmling, der so reich und mächtig geworden war, daß manche früher hochangesehene Familie vor ihm „zu Kreuze fried-cn mußte." (Anonym.)
Ferner waren ihm feind die Anhänger des a'^gesetzten Erzbischofs Ruprecht von Köln, und das nicht ohne Grund; denn Hans mochte wohl durch seine Politik das Meiste zu dessen Sturz beigctragen haben.
Am meisten verhaßt war Hans von Dörnberg bei dem landgräflichen Hause von Niederhessen. Bei der feindseligen Gesinnung und Eifersucht, welche infolge der durch Ludwig I. vorgenommenen Teilung Hesiens zwischen den Dynastien von Ober- und Niederhessen bestand, war es erklärlich, daß die Erbitterung der Niederhesien sich vorzugsweise gegen den leitenden Minister von Oberhessen wandte, umsomehr als Heinrich III., jedenfalls auf den Rat des Hofmeisters, gewaltsamerweise die Vormundschaft über die minderjährigen Söhne seines Bruders Ludwig II. an sich riß, worauf dann Hans die ihm überkommene Gewalt benutzte,
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