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Haus von Dörnberg,

Hofmeister zu Marburg und Pfandherr zu Neustadl. (Fortsetzung.)

1456 beteiligte sich Hans an dem unglücklichen Feld­zuge gegen die Westfalen und geriet dabei in Gefangen­schaft, aus der er aber wieder durch Wittekind v. HornfelS, der ein stark» r und unerschrockener Mann war, mit Ehren ge- ledigt wurde. (Anonym.)

Im Jahre 1460 focht Hans von Dörnberg in der Schlacht bei PfederSh eim mit den Hessen auf der Seite des Pfalzgrafen gegen den Erzbischof Diether von Mainz. Dabei stieß er im Handgemenge mit seinem per­sönlichen Feinde Hanö von Han st ein zusammen und wurde von diesem zu Boden geworfen, aber ein Sachse kam ihm schnell zu Hülfe und stieß dem von Hanstein ins Bein, daß derselbe auf immer lahm blieb. (Anonym. 1. c.)

Auch im kölnischen Kriege nahm HanS von Dörnberg am Kampfe teil und wurde bei der Belagerung von Linz durch den Hals geschosien; doch war die Wunde nicht töt- lich. Neben dem konnte es Hans sich auch nicht versagen, an den kleinen Fehden und Rittcrkatzbalgereien, welche da­mals sehr im Schwünge waren, so oft er nur Zeit hatte, thätigen Antell zu nehmen. Namentlich lebte er immer auf gespanntem Fuße mit seinen Nachbarn an der Werra, den Herren von Hanstein. Dir letzteren führten damals ein gar wildes Fehdeleben und waren durch ihre kecken Streifzüge, die sie von ihrer starken Bergfeste Hanstein unternahmen, der Schrecken von Hessen, Thüringen und Braunschweig. Im Jahre 1461 fiel Werner v. Han­stein, ein sehr gefürchteter Fehderitter, bei einem Streif­zuge gegen Frankershausen in die Gefangenschaft der

von Dörnberg. Da Werner sich weigerte, das übliche Lösegeld an dieselben zu bezahlen, so wurde, um den Streit beizulegen, ein Tag nach Homberg anberaumt. Hierbei kam es nun in Gegenwart der beiden Landgrafen Ludwig und Heinrich zu folgendem tumultuarischen Auftritt. Hans von Dörnberg, der seinen Bruder Bernhard vertrat, sprach: Herr Werner, were seines Bruders Gefangener, nun wer sein Bruder krank und fönte es nicht bezeugen, er wollte cs aber mit der Hand (durch einen Zweikampf) beweisen. Dazu antwort Herr Werner:Ich bin deines Bruders Gefangener nicht, und wer von mir sagt, der leugt's. Wie wohl du mir nicht gut genug bist, daß ich mich mit eim Beuern schlagen feite, als du bist, doch will ich's gegen dir mit der Hand verantworten; und alsbald sprang er zurück über eine Bank und sprach:Bist du nun fromm von Art, so komm her.*" Landgraf Ludwig hätte beide gern aneinander gehetzt und ließ sich hören, Werners mächtig zu sein; doch nun weigerte sich auch Hans zu schlagen, denn es sei ungeziemend, sich mit des Landgrafen Gefangenen in einen Kampf einzulassen, und setzte hinzu: seinssei er ledig und frei und ungefangen. Werner erhielt seine Freiheit, und der Streit war somit äußerlich beigelegt, aber Hans vergaß diese Niederlage nicht und nahm später jede Gelegenheit wahr, den von Hanstein Schaden znzu- sügen. (Landau, Hess. Ritterburgen I. 61.)

Die Chronisten und viele andere Geschichtsschreiber stellen dem ritterlichen Charakter HanS von Dörnbergs ein sehr schlechtes Zeugnis auS. ES werden ihm nicht blos Habsucht, Gewaltthätigkeit, Rachsucht, Herrschsucht und andere Fehler zur Last gelegt, sondern man hat ihn auch verschiedener Verbrechen: der Unterschlagung, der Zauberei, ja sogar mehrerer Meuchelmorde beschuldigt. Wir glauben

Marburg, Mittwoch, 14. September 1881.

xvi. Jahrgang

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Ueber die Äaiserbegtguung i« Danzig.

Für die gesammte politische Welt ist die am 9. Sept, in Danzig stattgefundene Kaiserbegegnung ein Ercigniß von bleibendem Interesse, denn immer mehr gewinnt es den Anschein, daß die Kaiserzusammenkunft doch nicht nur ein Akt persönlicher Freundschaft und Verwandtschaft ist, sondern auch eine eminente politische Bedeutung haben mag. Freilich weiß bis auf die wenig Eingeweihten bis jetzt noch Niemand, welchen Gegenstand die beiden Monar­chen verhandelten und es drängen sich nur allerlei nahe­liegende Gedanken uns auf. Ist es wohl glaublich, daß der Zar Alexander seinen kaiserlichen Großoheim nur auf­sucht, um sich bei ihm Rats zu erholen über die beste Methode der Beruhigung Rußlands im Innern? Möglich, daß hierüber auch ein Gedankenaustausch zwischen den beiden Kaisern gepflegt wird, aber der Schwerpunkt der Begegnung scheint doch auf dem auswärtigen Gebiete zu liegen.Deutschland läßt sich von Rußland, aufsuchen, es sucht nicht selber auf," meinte dieser Tage ein ehemals viel genannter Diplomat in Berlin, der unter, dem Reichs­kanzler lange Jahre gearbeitet. Die Richtigkeit des Satzes vorausgesetzt, so wird man jene Andeutungen nicht mehr kurzerhand abweisen können, nach welchen Graf Jgniatieff, der oberste Berater des Kaisers von Rußland, bei seiner neuerdings begonnenen panslavistischen Wühlarbeit im Orient plötzlich und zu seiner aufrichtigen Bestürzung aus wohlangelegte Gegenminen gestoßen sei, deren Zündfaden sich über Wien hinweg dierekt nach Berlin verzweigten.

Erinnert man sich, wie die russische Politik vor Kurzem mit Serbien Fühlung suchte und abgewiesen wurde, wie ihr in Bukarest das Erscheinen Andrassy's gründlich heimleuchtete, wir sich ihr Schooßkind Bulgarien von dem Uebermaß Petersburger Wohlthaten freimachte und nach festeren Stützpunkten in Oesterreich-Ungarn und Deutsch­land Umschau hielt, erinnert man sich ferner, wie Ruß­land plötzlich aus der Rolle eines Schirmherr» der fran­zösischen Orientpolitik sich verdrängt sah und zwar ver­drängt durch Deutschland: so schließen sich diese vereinzelten Anzeichen zu einem bedeutungsvollen Gesamtbild zusammen, welches sich dahin charakterisieren läßt Das Petersburger Kabine! verlangt Aufklärung über die eigentliche Bedeutung der Aktion des Fürsten Bismarck, es fühlt sich beunruhigt durch die Entschlossenheit, mit welcher seinen Wühlereien entgegengetreten wird, es schreckt vor der Gefahr zurück, die es leichtsinnig heraufbeschworen, und es sucht nach einer pasienden Gelegenheit, um unbeschadet seiner Würde eine Thätigkeit einzustellen, die bei der weitauSschanenden Poli­tik und der Energie der deutschen und österreichischen Staatsmänner notwendig zu Krisen führen muß.

Jetzt erst versteht man, weßhalb Graf Hatzseldt als in Konstantinopel unabkömmlich bezeichnet worden ist; er war

es in der That angesichts der Verwickelungen, die sich an- bahnten und deren Lösung nicht zuletzt am Goldenen Horn liegt. Gewinnt nach allerem die Danziger Begegnung an Ernst und zeitgemäßer Bedeutung, so braucht sie darum doch nichts von dem Charakter eines Friedensanzeichens zu verlieren, vielmehr darf man hoffen, daß den milden Vorstellungen des greisen Kaisers Wilhelm gelingt, den Zaren von der Aussichtslosigkeit der Bahnen, die er jetzt eingeschlagen, zu überzeugen und ihm zugleich die Gewiß­heit zu geben, daß Rußland, wenn es stets und überall den Frieden will, keinen ehrlicheren und treueren Freund finden kann, als Deutschland und, durch Deutschlands Ver­mittelung, Oesterreich-Ungarn.

Deutsches Reich.

*» Berlin, 12. Sept. Die Errichtung einer preu­ßischen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl erregt natürlich das größte Kopfschütteln auf Seiten derjenigen Blätter, welche ein Interesse daran haben, der Regierung Mißer­folge und Nachgiebigkeit znzufchreiben. Es werden in dieser Beziehung die Aeußerungen des Fürsten Bismarck aus der Zeit der Aufhebung der auch jetzt nicht wiederherzustellenden Reichsgesandtschaft zitiert. Wenn unsere Regierung sich entschloß, die Wiederaufnahme einer regelmäßigen diplo matischeu Verbindung mit Rom anzuregen, so darf man versichert sein, daß die Voraussetzungen, welche der Reichs­kanzler für die Wiederaufnahme machte, jetzt eingetreten sind, und man wird ruhig abwarten können, daß die Erfüllung jener Voraussetzungen in einer Weise hervortreten wird, welche auch den betreffenden Blättern die Augen öffnet. Die Germania" zeigt wie stets ein weit richtigeres Urteil. Sie giebt sich zwar den Anschein der Zufriedenheit, kann aber doch nicht umhin, ihren Bedenken über die Errichtung einer preußischen, nicht einer Reichs-Botschaft Ausdruck zu leihen, und scheint bei der Aufführung des Grundes für diese Aendernng der Wahrheit sehr nahe zu kommen. Die stetige Steigerung des Verkehrs, namentlich des Kohlen­verkehrs an der Ruhr, giebt dem Minister der öffentlichen Arbeiten Veranlassung, den Kgl. Eisenbahn - Direktionen unter Hinweis auf die Bestimmung über die Wagenbe­nutzung auf den Staatsbahnen vom 21. März 1881 die genaueste und sorgfältigste Kontrolle über die gehörige Zirkulation der Wagen auf das Nachdrücklichste zur Pflicht zu machen. Der Minister spricht die Erwartung ans, daß die Kgl. Direktionen und die Nachgeordneten Organe diesem wichtigen Zweige deö Dienstes ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden und der Lässigkeit einzelner Beamten auf das strengste entgegengetreten wird. Dasselbe gelte von der zweckmäßigen Verwendung bedeckter und offener Wagen. Da zur Zeit der Bedarf an offenen Wagen erheblich über­wiege, während bedeckte Wagen vielfach noch in erheblicher

Anzahl disponibel ständen, so sei ein besonderes Augenmerk daraus zu richten, bedeckte Wagen auch zu solchen Trans­porten, wie beispielsweise Rüben, Kartoffeln u. s. w. in Verwendung zu nehmen, welche zwar ter Regel nach in offenen Wagen befördert zu werden pflegen, aber ohne Schwierigkeit auch in bedeckten Wagen Aufnahme finden können. Insbesondere gelte dies von den Dienstgut-TranS- Porten der Bahnen selbst, bei welchen z. B. zur Verladung von Schwellen, Kleineisenzeug u. dgl. thunlichst bedeckte Wagen heranzuziehen seien, um die offenen Wagen für den allgemeinen Verkehr nach Möglichkeit frei zu halten. Auch sei sorgfältig darauf Bedacht zu nehmen, in Zeiten starken Wagenbedarfs, wie gegenwärtig, die Dienstgut-Transporte auf das thunlichst geringste Maß einzuschränken, dagegen in Zeiten schwächeren Verkehrs die Versorgung für die verkehrsreicheren Zeiten rechtzeitig zu bewirken, auch die etwa in Arbeitszüge eingestellten, für den allgemeinen Ver­kehr geeigneten Wagen aus diesen Zügen zurückzuziehen. Einem Artikel derStatistischen Korrespondenz" über Evangelische Taufen und Trauungen in der Provinz Brandenburg" ist die erfreuliche Mitteilung zu entnehmen, daß mit früheren Jahren verglichen, das Verhältnis der Taufen zu den Geburten in der Provinz für 1880 ein überaus günstiges und die Zunahme der ersteren besonders in Berlin größer als jemals zuvor gewesen ist. Die Taufen sind von 65,79 Prozent im Jahre 1875 auf 74,84 Prozent im Jahre 1880 gestiegen. Auch im Regierungsbezirk Pots­dam war die Zunahme der Taufen seit Aufhebung des Tanfzwanges noch niemals so groß. Dagegen sind aller­dings im Regierungsbezirk Frankfurt die Taufen um 0,34 Prozent gegen das Jahr 1875 zurückgegangen. Ebenso ist die Zahl der kirchlichen Trauungen gestiegen, für Berlin um 14,85 Prozent, für den Potsdamer Bezirk um 10 und für den Frankfurter um 3,55 Prozent gegen das Jahr 1875.

Wir haben vor einigen Tagen die Frage berührt, ob es etwa im Wesen der konstitutionell-monarchischen Verfassung liege, daß die Gewalt der Krone nur dem Namen nach fortbestehen bleibe. Selbst die liberalen Staatsrechtslehrer sagten, wir müßten diese Frage verneinen. Nach der liberalen Doktrin besteht der Vorzug der kon­stitutionell - monarchischen Regierungsform darin, daß die souveräne Staaisgewalt von verschiedenen Faktoren aus- geübt wird. Dadurch ist der Gefahr »orgebeugt, daß die Souveränität mißbraucht werde. Der Krone steht als Gegengewicht die Volksvertretung gegenüber und umgekehrt. Damit diese Idee, welche grabe von dem Liberalismus als die wesentlichste der in Rede stehenden Verfassungsform betrachtet wird, zur Ausführung gelange, ist es nun aber selbstredend notwendig, daß jeder der beiden Inhaber der in der Souveränität enthaltenen Befugnisse in der Lage fei, dieselben auszuüben. Anders vermag er einem etwaigen Mißbrauch der Gewalt seitens seines Mitinhabers nicht

nicht, daß Hans von Dörnberg wirklich ein solcher Aus­bund von Schlechtigkeit gewesen ist, wie er vielfach darge­stellt wird, aber rein war er sicherlich auch nicht, und manche schwere Schuld mag er sich auf das Gewissen ge­laden haben. Der Anonymus bemerkt von ihm:ob ihm aber recht oder unrecht geschehe, weiß ich nicht, bann man Heist selten einen Hund Mohrgen, welcher nicht schwarze Flecken hat."

Namentlich macht man es ihm zum Vorwurfe, baß er bas landgräfliche Haus Niederhessen mit unversöhnlichem Hasse verfolgt, daß er die beiden Landgrafen Ludwig und Heinrich aufeinander gehetzt und dadurch den für Hessen so verderblichen Bruderkrieg verursacht habe. Man muß je­doch hierbei bedenken, daß Hans int Landgrafen Ludwig, welcher sich durch die Teilung Hessens in seinem Rechte verletzt sah und mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die Herrschaft über das gesamte Hessen wieder an sich zu bringen suchte, den gefährlichsten Gegner seines Herrn, des Landgrafen Heinrich erblickte. Wenn er nun diesem seinem Feinde so viel wie möglich Abbruch zu thnu suchte, so wandte er hiermit eine Kriegsregel an, die man ihm als dem leitenden Minister des Hauses Oberheffen nicht ver­übeln kann, um so weniger, da nach dem Chronisten Land­graf Ludwig der beste Bruder auch nicht war. Dieser schreibt nämlich von ihm:Landgraf Ludwig war gar abenteurisch, männlich und kühne, und war ein weiblicher Fürst, aber gar unleidlich und böses Vertrags; wer ihn hochmütigen wolle, dem vergalt erö mit gleicher Müntz, darum hieß er der abenteurisch Landgraf um sein leicht Ufffetzen Land und Leuth." (Fortsetzung folgt.)