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Marburg, Dienstag, 13. September 1881. *

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auf wirtschaftlichem Gebiete beseitigen, sie hat auch deshalb die Hand zu dem Schutze der nationalen Arbeit geboten, sie will vor allem dafür sorgen, daß der Arbeiter wieder Beschäftigung hat, daß die Lohnverhältnisse sich bessern, daß die einheimische Industrie nicht durch auswärtige Konkur­renz erdrückt wird, sie will außerdem den Mittelstand, sowohl den kleinen ländlichen, als den Handwerkerstand aufrecht erhalten und vor der Uebermacht des Kapitals schützen. Sie ist also in Wahrheit eine Bürger- und Bauern­partei, nicht, wie die fortschrittliche Presse ausposaunt, eine Partei des Adels und der Aristokratie, während die liberalen Parteien sich immer mehr zu einer Partei des Geldsacks, der Finanzaristokratie ausbilden und daö wahre Interesse der Arbeiter und des Handwerkerstandes mit Füßen treten.

Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, daß eine sehr große Anzahl derjenigen Bürger, welche früher den Verheißungen der fortschrittlichen Agitatoren Glauben schenkten, jetzt denselben den Rücken kehren und sich der konservativen Partei anschließen. Namentlich ist dieser Um­schwung in Berlin ein gewaltiger; denn Tausende von Wählern haben sich von der Fortschrittspartei losgelöst, weil sie erkennen, daß dieselbe weder nationale Gesinnung hat, noch eine Volkspartei ist, sondern das wahre Interesse des Volkes mit Füßen tritt und es bei jeder Gelegenheit preisgiebt, während die konservative Partei das von der Fortschrittspartei verratene und befleckte nationale Banner jetzt allein hoch hält und das wahre Interesse der arbei­tenden Klassen, der Handwerker, Bauern und Arbeiter vertritt.

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Die konservative Partei.

DasKleine Journal" brachte vor Kurzem folgenden beachtenswerten Artikel:

Der Ausdruckkonservativ", der auf deutsch bekannt­licherhaltend" bedeutet, findet immer noch sehr verschiedene Auslegungen. Die liberale Presse bemüht sich, denselben gerade jetzt im Hinblick auf die Wahlen auf alle mögliche Weise zu diskreditieren. Die konservative Partei, welche von Tag zu Tag zunimmt, ist natürlich der liberalen Preffe ein Dorn im Auge, und giebt keine Schmähung, keine Verdächtigung, welche nicht gegen dieselbe geschleudert wird. Unter solchen Umständen ist es durchaus notwendig, in objektiver Weise die Bestrebungen der konservativen Partei darzulegen.

So viel muß Jedem klar sein, der auch nur ganz ober­flächlich mit der politischen Entwickelung der letzten dreißig Jahre bekannt ist, daß ein sehr großer Unterschied zwischen der gegenwärtigen konservativen Partei und derjenigen der fünfziger Jahre vorhanden ist. Damals standen die kon­servativen Elemente noch unter dem Eindruck der Revolu­tion des Jahres 1848, die konstitutionelle Verfassung, welche ihnen als ein Produkt der Revolution erschien, wurde deshalb von ihnen angefeindet, und es machten sich innerhalb derselben Strömungen geltend, welche am liebsten den reinen Absolutismus wieder hergestellt hätten oder doch wenigstens an Stelle der konstitutionellen eine stän­dische Verfassung mit besonderer Begünstigung des Adels und des Grundbesitzes verlangten; auch verhielten sie sich der deutschen Frage gegenüber entschieden feindlich und waren durchaus partikularistisch.

Die Entwickelung der letzten fünfzehn Jahre hatte diese Bestrebungen vollständig beseitigt. Die konservative Partei bekennt sich gegenwärtig ebenso wie die liberalen Parteien zur konstitutionellen Staatsform. Sie acceptiert die ver­fassungsmäßigen Rechte der parlamentarischen Vertretungen und die bestehenden Wahlordnungen und unterscheidet sich nur dadurch von den liberalen Parteien, daß sie auch die verfassungsmäßigen Rechte der Krone aufrecht erhalten wissen will. Nach der deutschen Reichsverfassung und der preußischen Verfassung wählt und ernennt der Kaiser resp. der König den Reichskanzler und die Minister. Dieses Recht will die konservative Partei in seinem vollen Um­fange aufrecht erhalten, um damit den monarchischen Charakter des Reiches und der deutschen Staaten zu be­wahren. Dem entgegen streben die liberalen Parteien un­zweideutig und offen, diese verfassungsmäßigen Rechte der Krone zu beseitigen und die Macht, welche dieser bisher eingeräumt ist, dem Parlament zu übertragen, besten Majorität über die Besetzung dieser Aemter entscheiden soll. Ein fortschrittliches Blatt hat noch vor Kurzem die Per­spektive eines Sieges der Fortschrittspartei uns vorgeführt,

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HanS von Dörnberg,

Hofmeister »u Marburg und Psandherr zu Neustadt.

(Fortsetzung.)

Auch der Kaiser Maximilian nahm einst die Dienste Hans von Dörnbergs in Anspruch. Als nämlich die Wahl Maximilians zum römischen Könige auf der Tagesordnung stand, und zwei mächtige Gegner desselben, der nach der Kaiserkrone lüsterne König Karl VIIIJ von Frankreich und der König Mathias von Ungarn diese Wahl zu hintertreiben suchten, wandte sich Max an die vertrauten Ratgeber des Erzbischofs Hermann von Köln: den Hofmeister Hans von Dörnberg, den Marschall Johann Schenk zu Schweinsberg und Ritter Wilhelm von Bibra, daß sie durch ihren Einfluß den Erzbischof bestimmen möchten, seine Stimme zu Gunsten des Hauses Habsburg abzugeben. Das geschah denn auch; der Erzbischof stimmte für Max, und dieses Votum gab bei der Königswahl den Ausschlag.

Zur Belohnung für diesesonderliche, merkliche große »nutze Dinge" sicherte Maxseinem lieben HanS von »Doringenberg, Hoffemeister zu Hesten" ein königliches > Geschenk von 3333 rheinischen Gulden brieflich zu.

Ebensoviel sollte der Marschall Schenk, der Ritter von Bibra, weil er diese Dienste geleistet habe, ohne dafür Geld oder Gut zu begehrcn, sogar 10 000 Gulden erhalten.

Leider war Max nicht in der Lage, sein Versprechen einlösen zu können, da seine königlicheangeborene Tugend der Freigebigkeit," welche er in also splenditcr Weise über­all ausübte, sowie die vielen Regierungsunkosten, seine Schatzkammern oft bis auf die Neige leerten. Um nun die Ansprüche jener Herrn sicher zu stellen, verpfändete er ihnen,

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indem es für diesen Fall ein Ministerium fordert, zu­sammengesetzt aus den Herren Richter, Hänel, Virchow, Stauffenberg, Bamberger, LaSker, Forckenbeck, Rickert rc., und zwar ohne zu berücksichtigen, ob auch der Kaiser sich entschließen könne, diese Männer zu diesen Aemtern zu be­stimmen. Eine solche Erwägung ist natürlich für die fort­schrittliche Presse vollständig gleichgültig, auch die klare Be­stimmung der Verfassung hindert sie nicht, die Forderung aufzustellen, daß der Parlamentarismus, d. h. die Herr­schaft des Parlaments, etabliert werden muß. Die kon­servative Partei steht also auf dem Boden des Rechtes und der Verfassung, während die liberale Partei trotz deS Be­tonens ihrer Verfassungstreue gegen die Hauptbestimmung derselben Sturm läuft und infolge dessen einen revolutio­nären Charakter annimmt, der sich direkt gegen die Krone und deren Träger richtet, trotz aller heuchlerischen Loyali­täts-Bezeugungen, welche die Führung der Fortschrittspartei seit einiger Zeit für gut befinden zu verbreiten, obwohl ihnen Niemand ernstlich Glauben schenkt.

Ein zweiter wesentlicher Unterscheidungspunkt ist die Stellung zur Kirche. Die konservative Partei fordert, daß Religion und Kirche Faktoren unseres öffentlichen Lebens bleiben und nicht der Zerstörung und Unterdrückung über­wiesen werden, sie stimmen desbalb auch für die Beendigung des Kulturkampfes und für den konfessionellen Charakter der Schule, während die liberalen Parteien der Kirche und Religion entschieden feindlich gegenüberstehen, den Kultur­kampf fortzuführen wünschen und alle Religion am liebsten aus der Schule verweisen möchten. Der Liberalismus steht unter der Herrschaft des Materialismus, seine Bestrebungen widersprechen jeder religiösen Lebensanschauung und diese wird entweder direkt oder indirekt angefeindet. Es ist dies eines der hervorragendsten Unterscheidungsmerkmale, welche beide Parteien von einander trennen.

Der dritte Punkt ist die wirtschaftliche und soziale Frage. Beide hängen eng zusammen und können nicht von einander getrennt werden. Die liberale Partei steht auf diesem Gebiete unter der Herrschaft von starren und schroffen Doktrinen, nämlich denen des Freihandels mit allen ihren Konsequenzen, ohne zu berücksichtigen, ob dieselben unser Volksvermögen und unsere gesellschaftlichen Verhältnisse schädigen. Die liberale Partei ist durch und durch kapitalistisch, d. h. eine solche, welche einzig und allein im Dienst des Kapitals wirkt und dem zu Liebe die vollständige Nivellierung aller Verhältnisse anstrebt, alle historischen Ordnungen auflöst und den reinen Individualismus predigt, wenn dabei auch ganze Volksschichten zu Grunde gehen, der Mittelstand ver­nichtet und der Gegensatz zwischen reich und arm in uner hörter Weise erweitert wird.

Die konservative Partei steht im Gegensatz dazu weder im Dienste des Freihandels, noch des Schutzzolls, über­haupt keines festen Prinzips; aber sie will alle Schäden nachdem dieselben ihm noch einen Vorschuß von 10 000 Gulden dazu geleistet hatten, seine burgundischen Kron­kleinodien. Diese bestanden nach einem alten Verzeichnis aus folgenden Stücken:Item ein großer schöner Smaragt, der ist formirt als ein Herz, und hat einen Bruch, und ist in Gold gefaßt; ein Kollier von schönen orientischen Perlin, sin acht Rihen, der hat ein Rihe vier und dreißig Perlin, etzliche mehr, etzliche minder; ein und zwanzig Rosen von Diamant; vier Rosen von Rubien; neun Diamanten Punkten; ein Tafel Diamanten; ein großer Zaphir; noch siebenzehn Diamanten; noch vier Diamanten;noch neununddreysig Rubien; endlich ein Schwerd von Einhorn mit Gold beschlagen sechs köstlichen Perlin und ein Pallas'

Das war allerdings ein schönes kostbares Pfand, aber den genannten Herrn wäre das baare Geld doch lieber gewesen. Dieses war jedoch trotz aller Bemühungen weder bei Max noch bei seinen Nachfolgern zu bekommen. Nach­dem man die Kleinodien auf verschiedenen Reichstagen er­folglos uuchcrgetragen und dringend um Einlösung gebeten hatte, brachte man dieselben auf die Messen und verkaufte ein Stück nach d m andern an Juwelienhändler, bis zuletzt nur noch das kostbare Schwert übrig war: dies kaufte dann 1630 der Abt von Fulda, Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg, für eine Summe von 6000 harten Reichsthalern, welche der Abt, das Stifts­kapitel und die suldischm Städte in vier Terminen zu be­zahlen sich verbindlich machten, und verehrte dasselbe dem Kaiser Ferdinand II., welcher als einfürtreffliches Present" annahm und in seiner Schatzkammer zu Wien aufbewahren ließ. (Justi, hessische Denkwürdigkeiten II. und IIL)

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Sept. Der Kaiser ist heute morgens um 61/» Uhr aus Danzig wieder hier eingetroffen. Die Kronprinzessin ist gestern Abend aus Paris angekommen. DerReichsanzeigcr" schreibt:Die in neuerer Zeit, namentlich im Auslande vorgckommenen Eisenbahnunfälle und Betriebsstörungen legen die Frage näher, ob denselben nicht wirksamer entgegengearbeitet werden kann, und wir sind in der Lage, mitteilen zu können, daß gegenwärtig diese Frage in technischen Kreisen lebhaft besprochen, durch Versuche geprüft und hoffentlich baldigst zur Erledigung oder doch zu einem wesentlichen Fortschritt geführt werden wird. Es ist durch Einführung fogenannter kontinuierlicher Bremsen ein wirksames Mittel gegeben, den Zug durch einen Handgriff des Lokomotivführers in kürzester Zeit zum Stillstand zu bringen, ohne von der Mitwirkung einer Anzahl von Bremsern rc. indirekt abhängig zu sein. Im Anfänge dieser Woche haben nun auf Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten durch die königl. Eisen­bahn-Direktion Berlin auf der Strecke Hundekehle-Drei­linden umfangreiche Vorversuche stattgefunden, bei welchen

Ebenso energisch und geschickt wie auf dem Gebiete der äußeren Politik, wirkte Hans auch in der inneren Landes­verwaltung. Er behielt alles im Auge, was im Interesse seines Herrn lag und vergaß über dem Großen auch des , Kleinen nicht. Uebcrall sah er streng auf Ordnung und trotz seiner vielen polilischen Geschäfte fand er immer noch Zeit, in eigener Person Inspektionen bei seinen Unter­beamten vorzunehmen. Namentlich bekundete er ein großes finanzielles Talent sowohl im Staatshaushalt als in der Verwaltung seiner Privatgütcr. Alle Welt staunte darüber, wie der anfangs arme Landjunker immer reicher und reicher wurde, daß er die prächtigsten Schlöffer bauen und mit großen Geldsummen Fürsten und Prälaten unter die Arme greifen konnte. Daö Volk sagte, er bekäme das Geld vom Teufel, oder auch ein fremder Schwarzkünstler habe ihm Gold gemacht. Der Grund seines Reichtums lag aber einfach darin: erstlich ließ er sich für die diplomatischen Dienste, welche er den hohen Herrn leistete, in eben nicht rühmlicher Weise sehr gut bezahlen unb- that nichts um­sonst ; dann wußte er immer sein Geld auf die vorteil­hafteste Weise anzulegen. Hans war nicht der Mann, der sein Talent vergrub, das Geld mußte sich fruktifizierm und seine reichlichen Zinsen bringen. Zu dem Ende ließ er sich für die geleisteten Vorschüsse und diplomatischen Dienste ausgedehnte einträgliche Besitzungen verschreiben oder kaufte solche unter günstigen Bedingungen an, wobei er die Ver­armung und die Geldverlegenheiten vieler Fürsten, Prälaten und Adeligen trefflich auszunutzen verstand. WaS er dann in den Händen hatte, ließ er auf das beste bewirtschaften und so einträglich wie nur möglich machen. Aus Ackerland und Wiesen, auS Wäldern und Wüstungen, aus Teichen und Flüssen, aus allem, was irgendwie nur nutzbar zu

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M. ;Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in

Bremen.

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