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Marburg, Freitag, 9. September 1881.
gtr. 211
OIichcUcht Leitung
«zeigen nimmt entgegen:
Spedition d. Blattes, r.rnied. Annoncen-Bureaux k Tb Di°tnch u. C°. in und Hannover; Th. Kch i» Frankfurt a.M,; haakmteui U. Vogler tn Qfurt a- M-, Berlin, , Köln rc-; Rudolf A in Berlin, Frank- 2,1 " surt a. M. rc.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co- in Frankfurt a. M-; Jügersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
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Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS Eouutagsblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'/, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr-i — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunst und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
Wir es gemacht wird.
Die Führer der Berliner Fortschrittspartei lassen kein Mittel unversucht, schreibt man uns aus Berlin, um auf
Gemüter des Publikums einzuwirken und die Massen für sich M gewinnen, und man kann ihnen im allgemeinen attisches Geschick dabei nicht absprcchen. Nachdem sie erst vor wenig Wochen das angebliche 20 jährige Geburtsfest der Fortschrittspartei mit Sang und Klang begangen und in überschwänglichen Reden sich selbst vor einer leicht enthusiasmierten Volksmenge, die expreß zu diesem Zwecke eingeladen war, gefeiert haben, konnten sie der Versuchung nicht widerstehen, ähnliche Gelage zu wiederholen, bei denen es namentlich darauf abgesehen ist, auch das weibliche Geschlecht mit hcranzuziehen, um durch dasselbe auf die Männer -u wirken, wenn diese etwa lässig sein sollten in Erfüllung dessen, was Die fortschrittlichen Agitatoren für ihre Zwecke von ihnen verlangen. Die Frauen als Verbündete der Herren Eugen Richter und Genossen, der Gedanke war nicht schlecht, und er wurde im 2. Berliner Wahlkreis flugs inS Werk gesetzt. Sämtliche fortschrittliche Wähler mit ihren Frauen und Töchtern waren geladen, um von Herrn Richter und anderen Rednern durch gewürzte und angepaßte Vorträge bei Bier und Abendbrot in zwangloser Weise unterhalten und auf die bevorstehenden Wahlen vorbereitet zu werden. Leider verbieten aber die vereinsgesetzlichen Bestimmungen die Anwesenheit von Frauen in politischen Versammlungen, und so sah sich die Berliner Polizei genötigt, den Herren einen Strich durch die Rechnung zu machen, indem sie erklärte, das Halten von politischen Reden nur gestatten zu können, wenn vorher die Damen den Saal verlassen haben würden. Dies Letztere geschah und Herr Eugen Richter konnte seine schwungreiche Ansprache, die hauptsächlich daraus berechnet war, das weibliche Publikum zu gewinnen, nicht an die richtige Adresse bringen, was selbstverständlich die liberale Presse ausnutzt, um erst recht Kapital daraus zu schlagen und weidlich über Willkür und Unterdrückung und Rücksichtslosigkeit gegen die Frauen zu schimpfen. Das „Berliner Tageblatt" aber brachte die Richtersche Rede, die von Gehässigkeit und Verdrehungen und Entstellungen der Wahrheit wimmelt, in ihrem ganzen Wortlaute und läßt eö daneben an Lobeserhebungen für Herrn Richter und an Bemerkungen nicht fehlen, die dahin zielen, das Publikum und insbesondere die Frauen aufzustacheln, weil die Polizei an jenem Abend ihre Pflicht gethan und dem bestehenden Gesetze Geltung verschafft hat. Wie es scheint, ist man jedoch im Grunde mit diesem Ausgange auf feiten der Fortschrittler ganz besonders zufrieden gewesen und verspricht sich von einer Wiederholung gute Erfolge; wenigstens brachten Berliner Blätter gleich darauf Anzeigen, daß noch mehr derartige Sommcrfeste für die einzelnen dortigen
fRachdrucksrecht vorn Herrn Verfaffer zu erwerben.)
Ha«S von Dörnberg,
Hofmeister zu Marburg und Pfandherr zu Neustadt.
Zu Neustadt in Oberhessen (Kreiö Kirchhain) steht neben dem Amthause ein alter runder Turm, welcher ohne Zweifel dcs interessanteste und architektonisch schönste Gebäude der Stadt ist. Bis zu einer Höhe von 152 Fuß erhebt er sich stolz in die Lüfte und ragt mit seinem gewaltigen Helme und den schlanken Erkertürmchen weit über die übrigen Gebäude der Stadt selbst über die Türme der Pfarrkirche hinweg. Dank der Fürsorge der Staatsregierung ist er noch sehr wohl erhalten und kann noch manche Generation unter sich kommen und verschwinden sehen.
Dieser Turm, welcher von dem Volke der Junker- Hansen-Turm genannt wird, hat vor 400 Jahren der Hessin - marburgische Hofmeister Hans von Dörnberg, dem seiner Zeit Neustadt verpfändet war, bauen lissen. So berichtet 1529 in einem Prozesse, den die von Dörnberg und die Stadt Neustadt mit der Gemeinde Wasenberg damals wegen der Wüstung Weiderode hatten, ein Zeuge Namens Heim Ralp, Bürger von Treysa früher Schöffe zu Neustadt: „ihme gedenke, daß das Schloß zur Neuenstat nicht gebauet was um Hans von Dornberg hab's bauen und machen lassen, als er der Zeit die Stadt vom Bischof von Mainz kriegen und bekommm habe." (Staatsarchiv.)
Das Andenken an den Junker Hans hat sich noch bis auf unsere Tage bei dem Volke in Neustadt erhalten, und noch heute erzählt man sich von ihm allerhand mysteriöse
Wahlkreise veranstaltet werden sollen, wobei man selbstverständlich auf das nämliche Dazwischentreten der Polizei rechnet, das als wirksames Mittel angesehen wird, die Gemüter aufzuregen und daS Publikum in Harnisch zu bringen. Soweit ist die Sache, wenn auch nicht entschuldbar, doch immer begreiflich; die Herren Eugen Richter und Konsorten arbeiten eben, wie alle Demagogen und Volksaufwiegler, nach einem bestimmten Plane, und suchen es auf alle Weise zu erreichen, daß das Volk unzufrieden werde, um es so für die Opposition zu erziehen. In der Wahl der Mittel sind sie nicht bedenklich und das Volk ist ihnen gerade gut genug, ihnen zur Erreichung ihrer Sonderzwecke, d. i. die Erlangung einer Herrschaftsstellung im Reiche, dienstbar zu werden. Sonst hat es weiter keinen Zweck. Eins aber ist auffällig und verdient besonders hervorgehoben zu werden: daß nämlich das „Berliner Tageblatt" des Herrn R. Moste der Person des Herrn Eugen Richter und seinem Anhänge eine so bereitwillige und dienstfertige Unterstützung leiht. Es ist noch gar nicht so lange her, daß zwischen beiden, dem „Berliner Tageblatt" nämlich und der Fraktion Richter, erbitterte Feindschaft bestand, und wer sich die Mühe nehmen will, in dem Mosseschen Blatte zurückzublättern, der wird finden, daß das letztere Herrn Eugen Richter und seine parlamentarischen Genossen, wie den ganzen Terrorismus der Berliner Fortschrittspartei jahrelang leidenschaftlich bekämpft hat, weil — nun ja, weil die Herren dem damals noch im Aufstreben begriffenen Blatte nichts von ihrer Herrschaft abgeben wollten. Deshalb suchte das „Berliner Tageblatt", das seine Kräfte und seinen Einfluß auf das große, unterhaltungsbedürftige Publikum der Hauptstadt ausübte, neben und über jenen eine Stellung zu gewinnen, zum großen Verdruß des Herrn Eugen Richter, dem jeder Widerspruch gegen seine im Befehlstone abgegebenen Weisungen und Aussprüche wie eine strafwürdige Auflehnung gegen seine ihm erhaben dünkende Person vorkam. Jahrelang dauerte diese Gegnerschaft und der Haß des Herrn Eugen Richter gegen das „Berliner Tageblatt", das sich herausnahm, gegen den Fortschrittlichen Ring und die von diesem ausgeübte Gewaltherrschaft anzukämpfen, wuchs immer mehr, bis der schlaue Herr endlich einsah, daß er mit Herrn Moste Freundschaft schließen müsse, wenn er dem gefährlichen Gegner nicht doch am Ende unterliegen wollte. Die Versöhnung war leicht gefunden. Herr Eugen Richter übertrug den Druck und die Herausgabe des fortschrittlichen Wahlagitationsblattes, das unter dem Titel: „Das deutsche Reichsblatt" erscheint, seinem alten Gegner, Herrn Moste, dem Eigenthümer des „Berliner Tageblattes", und dieser schlug gern in den für ihn gewinnbringenden Handel ein. Seitdem erleben wir es, daß zwischen den beiden die größte Freundschaft besteht und daß daL „Berl. Tageblatt" in jeder Nummer Herrn Eugen Richter und
Sachen: Er sei zuweilen um Mitternacht auf einem Ziegenock in den Turm geritten und habe daselbst Zusammenkünfte mit dem Teufel gehabt und von demselben das viele Geld bekommen, womit er siine großartigen Schlösser gebaut habe. Dann sei er auch auf einem Pferde, dem die Hufeisen verkehrt aufgeschlagen waren, die Nellenburg hinaufgesprengt und dgl. mehr.
Dieser Junker Hans von Dörnberg war seiner Zeit eine so einflußreiche und berühmte, leider auch — ob mit Recht oder Unrecht wollen wir dahinge teilt sein lasten — eine so berüchtigte Persönlichkeit, daß es wohl von Interesse sein dürfte, einiges über sein Leben hier mitzuteilen.
HanS von Dörnberg (oder Döringenberg) wurde geboren zu Frankershausen (Amt Abterode, Kreis Eschwege), woselbst die Familie von Dörnberg seit 1425 eine Burg besaß, im Jahre 1427 in derselben Nacht, als die Mainzischen vom Landgrafen Ludwig dem Fried - fertigen bei Fritzlar auf das Haupt geschlagen wurden.
Der Stamm der von Dörnberg war, wie der anonyme Verfasser der Chronik von Thüringen und Hessen (Senkenberg, Selecta jur. et. hist. Tom III.) schreibt, war ein „gutes altes Geschlecht, aber weil die von Dornberg sich „vielmahlen mit reichen Burgerinnen und Unedlen mit „der Ehe vermischt, so waren sie dadurch ganz veracht „worden.
„HanS hatte drey Brüder: Sandern, Bernharten und „Wilhelmen, und eine Schwester, die ward einem von „Grue in Döringen; und sie waren des Guts nicht „reich, aber HanS war ein «eidlicher, stolzer Gesell und „reite gern. Am ersten hatte er zwei Pferd, die warm „beide nicht fast gut. Und ihre Wohnung war zu Allen-
seine Genossen als die Retter des Vaterlandes preist, wie wenn dies immer so gewesen wäre. Die braven Leute haben sich endlich gefunden und über die Köpfe des Publikums hinweg, das die Kosten tragen muß, ftch die Hände gereicht. Jetzt blasen die beide aus dem nämlichen Horn. So schließt man fortschritlliche Verbrüderungen, treibt fortschrittliche Politik und giebt sich das Ansehen, als sei es nur das Wohl des Volkes und deS Vaterlandes, das man dabei im Auge hat. Zeit ist es, daß dies Treiben einmal gründlich, insbesondere an denen durchschaut wird, auf deren Täuschung die ganze fortschrittliche Komödie berechnet ist. Das deutsche Volk hat ein besseres Los verdient, als von solchen Leuten genasführt zu werden; aber eS würde sich alle unheilvollen Folgen selbst zuschreiben müssen, wenn eS bei den Wahlen diesen ehrgeizigen, von Selbstsucht strotzenden Schreiern, den Herren Eugen Richter und Genossen, seine Stimme geben wollte.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet Amtlich ist bisher noch nichts bekannt, weder ob die in den Blättern besprochene Zusammenkunft unseres Kaisers mit dem Kaiser von Rußland überhaupt stattfindet, noch an welchem Orte. Nach der indiskreten Reklame der „Danziger Ztg." ist wohl nicht zu zweifeln, daß, wenn von Danzig bet den Erwägungen über die Wahl des Orteüberhaupt die Rede gewesen ist, nunmehr davon Abstand genommen und die Begegnung der Monarchen dort keinesfalls stattfinden wird. — Von der Reise des Fürsten Bismarck zu der bevorstehenden Kaiserzusammenkunft in Westpreußen ist hier nichts bekannt. — Zu den „Wahlen" läßt die dieswöchentliche „Prov.-Korresp." sich in folgender Weise vernehmen: Durch kaiserliche Verordnung sind die Neuwahlen zum Reichstage, dessen dreijährige Geltungszeit am 30. Juli d. I. zu Ende gegangen ist, nunmehr auf den 27. Oktober festgesetzt. Der Zeitpunkt konnte mit Rücksicht aus die Beschäftigung der ländlichen Bevölkerung nicht früher, mit bezug auf die parlamentarische Thätigkeit deS nächsten Winters nicht später gewählt werden. Es handelt sich bei dem bevorstehenden Wahlkampf um Großes, eS handelt sich in Wahrheit um das Wohl deS ganzen Vaterlandes und jeder einzelnen Schicht der Bevölkerung, denn dieser Reichstag soll entscheiden, ob die Reformen unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens, welche Fürst Bismarck kräftig angebahnt hat, welche aber die vereinigten liberalen Parteien lebhaft bekämpfen, wirklich inS Leben treten, — oder die Gegner der Regierung, deren aufrichtigste und entschiedenste Organe als ihr Ziel „Fort mit Bismarck" offen verkünden, Recht behalten und i amit nicht bloß die wirtschaftliche Entwickelung unseres Vaterlandes, sondern die ganze Politik Bismarcks, die Politik der Selbständigkeit
„dorf in Hesien (an der Werra) und dabei zu Franken« „hausen."
Hans verheiratete sich erstmals mit Anna von EberS- berg genannt von Weyers. Nachdem diese 1481 gestorben war, vermählte er abermals sich mit Sütel von Hatzfeld.
„Man sagt, ein jeglicher guther Gesell habe einen „Herrn, wann er ihn wisse zu finden: d .s ist an Hansen „von Dornberg erschienen, der traf seinen rechten Herrn „zu Ziegenhain; war eine Gräfin, die hielt nach ihres „Herrn Tod (Johann der letzte Graf von Ziegenhain „gestorben 1450) stattlichen Hoff; und sie war eine ge- „borene Grevin von Waldecke, die nahm Hansen von „Dornberg, und der ward ihr Amtmann, und hielte ihm „vier Pferd und die zierlich; das war seines elften Uf- „ kommen und Glücks Anfang.
„Da nun die Grevin von Ziegenhain diese Welt mit „der natürlichen Hinnenfahrt des Todes bezahlet, da nahm „Landgraf Heinrich (III. von Hessen-Marburg) das Land „ein, bann eS war in der Teilung so beschloffen und name „vielgenanten Hansen von Dornberg zum Diener an. Der „war weltlicher Hendel nicht ungeschickt, so wäre der Herr „(Landgraf Heinrich) nicht arbeitlicher Regierung geneigt „und liebte die Jagd mehr ban Anlaufen beS Volgs, unb „irret sich gar wenig, wie Lanb unb Lenthe verrichtet „ mtben.
„Aber gedachter Hans war behende und gedachte, waS „ihme am nützlichsten zu thun sein würde, und schlug sich „in das Regiment vorstchtiglich, mit viel Tagleistungen und „Handlungen seines Herrn Befelch weißlich nachzukommen. „Da das der Herre sähe, machte er ihn zum Hoffmeister „unb Gewaltigen über alles sein Lanb.
(Fortsetzung folgt.)