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XVI. MM

JRarÖurg, Sonntag, 4. September 1881.

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abgewartet werden, doch scheint es nötig, darauf hinzu­weisen, daß es größtenteils liberale Blätter sind, welche diese Nachricht bringen, so daß derselben nicht unbedingt Glauben beizumessen ist, weil die liberale Presse bekanntlich mit besonderer Vorliebe für einen Wechsel der inneren Politik Rußlands plaidiert.

Wenn in einigen Zeitungen die Alarm-Nachrichten ungarischer Blätter über eine bevorstebende große Re­volution in Bulgarien reproduziert werden und dabei erwähnt wird, daß der Fürst seine Abreise vorbereite, so ist zu erwähnen, daß diese Nachrichten in Wien, wo man über die bulgarischen Angelegenheiten meist sehr genau unterrichtet ist, als höchst unwahrscheinlich bezeichnet werden.

Die Nachrichten über das Befinden des Präsidenten Garfield lauteten in den letzten Tagen wieder ermuthigen- der. Das Fieber hat abgenommen, desgleichen die Drüsen­geschwulst und das Aussehen der Wunde ist ein zufrieden­stellendes. Die Hoffnungen auf Erhaltung des Lebens Garfields sind darnach wieder ein wenig gestiegen, wenn die Gefahr auch noch keineswegs als beseitigt gelten kann.

Die Gewerbe «ud der Meistertitel.

So vielfache Uebel die seit 1859 bestehende Gewerbe­freiheit in Handel und Gewerbe auch beseitigt haben soll, so hat sie doch auch ihre mißlichen Folgen gehabt. So fehlt eL insbesondere dem Publikum an jeglichem Mittel, den tüchtigen Handwerker von dem untüchtigen, den wirk­lich gesuchten Fachmann von dem Pfuscher zu unterscheiden und andererseits hat auch der tüchtige und geschulte Hand­werker ebenfalls kein Mittel, welches ihm der schlecht oder billig arbeitenden und Schwindel treibenden Konkurrenz gegenüber das ihm zukommende Uebergewicht und den ihm gebührenden Vorzug sichert. Um die infolge deffen zu Tage getretenen Uebelstände zu beseitigen, braucht man nur zu einem nach unserer Meinung ganz einfachen Mittel zu greifen, und dieses Mittel besteht in einem Titel, nämlich dem Meistertitel. Nur derjenige Handwerker sollte daher den Meistertitel führen dürfen, welcher nach zurückgelegtcr gesetzlicher Vorbereitungszeit die Meisterprüfung bestanden und auf Grund derselben seine Approbation, als Meister erhalten hat. Es ist dies eine Forderung, welche durchaus nicht dem modernen Geiste widerspricht und mit dem Be­griffe unbeschränkter Gewerbefreiheit durchaus vereinbar ist, denn es bleibt ja Jedem auch fernerhin unbenommen, ein Gewerbe zu betreiben, welches er will und wäre er noch so unfähig hierzu, und es steht ja immerhin im Belieben eines Jeden, sich von einemPfuscher" statt von einem Meister bedienen zu lassen; aber für Denjenigen, welcher auf wirklich gute Ware rechnet, muß der Meistertitel des betreffenden Handwerkers ein Bürge gegen Unreellität und Schwindel fein.

Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

Damit wandte sie der erstaunt der Szene zusehenden Gesellschaft den Rücken und schritt dem Gaste voraus nach einem Platze im Park, wo die älteren Herrschaften ver­sammelt waren, und wo Alexander von Platows mit der wärmsten Herzlichkeit willkommen geheißen wurde.

Einige Tage waren seit Gelderns Ankunft vergangen, und noch immer machten die zahlreichen Gäste keine An­stalten zum Aufbruch, so daß die Familie nur wenig Ge­legenheit zu einem ungestörten Austausch mit ihrem ehe­maligen Schicksalsgenossen fand. Indessen hatte dieser im Stillen Olga seinen Verdacht ihrer Untreue abgebeten, denn er sah wohl, wie wenig sie sich aus all diesen stolzen Grafen und Baronen machte und wie vergeblich sich diese um ihre Gunst bemühten; ja, so wenig er auch darüber hätte Rechenschaft ablegen können, woher er das wußte, so wurde es ihm doch täglich gewisser, daß seine Liebe er­widert wurde. War doch ihr Benehmen ihm gegenüber so ganz anders, als gegen die anderen jungen Männer, er fühlte, daß sie ihm mehr Achtung und Vertrauen zollte, als denen, und sich in seiner Gegenwart geschützter vorkam. Eine tiefere Röte ihrer Wangen, ein rasches Aufle^hten ihrer Augen, wenn er sich ihr näherte, verriet wider ihren Willen ihre Gefühle, doch zum Glück nur so leise, daß nur dem Auge der Liebe bemerkbar werden konnre.

Eines AbendS hatte sich die Jugend im großen Saale des Parterre versammelt, wo sie, wie es oft geschah, nach den Klängen eines Klaviers tanzte. Al^ander nahm nie Teil an dieser Belustigung, die ihm früher so viel Ver-

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Die voraussichlliche baldige Beendigung des Kultur­kampfes erweckt in fortschrittlichen und sezessionistischen Kreisen täglich mehr Unbehagen. Mit süßsaurer Miene be­teuern die Organe des Liberalismus, daß letzterer keinen Grund habe, jetzt nach dem ohne seine Zustimmung, aber auch ohne seinen Widerwillen zustandegekommenen Friedens­schluß seine Teilnahme an dem Kulturkämpfe zu bereuen oder sich derer zu schämen.Zur Zeit so meint das Berl. Tagebl." falle für die die Liberalen jeder An­laß zur Fortsetzung des Kampfes und zur Erschwerung des Friedensschlusses auf kirchenpolitischem Gebiete fort. Sie bedauern (!) die unnützen Opfer der bisherigen Fehde, die unnütze Verbitterung auf beiden Seiten und erkennen an, daß auch sie an diesen jetzt nutzlos herbeigeführten Uebel- ständen insofern Mitschuld tragen, als sie in der Wahl ihrer Kampfgenossen nicht vorsichtig genug waren, als sie den Gesinnungen und Plänen des Reichskanzlers auf kirchen­politischem Gebiete ein anderes Maß staatsmännischen Ernstes und philosophischer Konsequenz zuschrieben, als er ihnen zugestehen mochte und als sie der bestrickenden Beredsamkeit des gewandten Diplomaten gegenüber sich nicht skeptisch genug verhalten haben. (!!!) Der Irrtum der Liberalen ist allerdings ein verzeihlicher, denn er ging hervor aus dem Glauben an höhere Ziele der Menschheit. Für sie war der Talleyrandsche Grundsatz, die Sprache sei nur da, um die Gedanken zu verbergen, nicht maßgebend. Der Irrtum würoe aber aufhören, ein verzeihlicher zu sein, wenn die Liberalen zum zweitenmale auf denselben Leim gingen, und dazu kann über kurz oder lang doch einmal wieder die Versuchung kommen." Hieraus ist ersichtlich, daß der Libe­ralismus, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet, mit ver­einter Kraft die Trommel zum Kulturkampf rühren wird.

Von allgemeinem Interesse ist eine Mitteilung der Nordd. Allg. Ztg." über die Frage des Ausgleichs mit Rom, die offenbar aus zuverlässigster Quelle stammt und daher hier vollständig einen Platz finden möge. Sie lautet:

Als die Königliche Regierung im vorigen Jahre dem Landtage den Gesetzentwurf, betreffend Abänderungen der kirchenpolitischen Gesetze vom 19. Mai, vorlegte, wurde sie dabei von dem Bedürfnis geleitet, den katholischen Preußen für die Ausübung ihres Gottesdienstes alle diejenigen Er­leichterungen gewähren zu können, welche mit den höheren Staatsinteressen vereinbar sind; hierzu gehört in erster Linie die Wiederbesetzung zunächst der bischöflichen und darauf der sonstigen in den letzten Jahren vakant gewordenen kirchlichen Stellungen. Der Gesetzentwurf fand in seinen wesentlichsten Teilen bekanntlich nicht die Majorität im Ab­geordnetenhause. Wenn es nichts desto weniger gelungen ist, in den Diözesen von Paderborn und Osnabrück eine geordnete Verwaltung der bischöflichen Leitung und in Trier

Wie schön war es hier! Die Terrasse, von der man auf breiten Stufen in den Garten hinabstieg, war mit aus­ländischen Gewächsen verziert, deren phantastische Formen sich in dem Dämmerlichte abzeichneten; denn nur die Mondsichel und ein Heer blitzender Sterne erleuchteten die Nacht, und in diesem Lichte schimmerten die weißen Sta­tuen, die die Plätze schmückten, und glitzerten die Strahlen deö Springbrunnens, der gerade vor der Terrasse lag, während im Hintergründe die dunklen Baumgruppen des Parks dem Blicke wehrten, in ihre geheimnisvollen Liefen zu dringen. Das junge Mädchen lehnte sich auf die Mar- morbalusirade, blickte hinauf in den klaren Sternenhimmel und lauschte dem Plätschern des Wassers und den leisen Tönen der Nacht: tiefe Stille, heiliger Friede lag auf der schlummernden Natur.

Ein Auge hatte sie indessen doch verfolgt, als sie den Saal verließ, das Alexanders, und schien ihm, als sei der Augenblick gekommm, wo er ihr am ungestörtesten sein sibirisches Sträußchm überreichen könne, wozu er bis jetzt noch keine Gelegenheit gefunden hatte. Durch geschickte Manövers näherte er sich der Thür, ohne daß jemand seine Absicht gewahr ward, und eben so unbemerkt gelangte er auf die Terrasse.

Leise trat er an Olga heran und sagte: Verzeihm Sie, wenn ich störe, Comtesse" O, bitte, Alexander," fiel sie ihm in die Rede,kaffen Sie doch das unausstehliche Wort wenigstens, wenn wir unter uns sind! Es ist mir immer wie kalt Wasser, wenn ich das aus ihrem Munde höre."

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

lnzeigen nimmt entgegen: - ie Expedition d. Blattes, "loie d.Annoncen-Bureaux y Th. Dietrich u. Co. in Dassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; naasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, «eipzig- Köln rc.; Rudolf jtoffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

die Wiederbesetzung des bischöflichen Stuhles herbeizuführen, so ist dies einstweilige Resultat den versöhnlichen Gesinnungen zu danken, welche in Rom wie in Berlin die gegenwärtig leitenden Personen beseelen, und auf welche die Hoffnungen auf weitere Annäherung und auf Wiederbesetzung auch der übrigen vakanten bischöflichen Stühle sich gründen. Der Kaiserliche Gesandte in Washington, Herr von Schlözer, welcher früher Sekretär unserer Gesandtschaft beim päpst­lichen Stuhle war, hat bei einer vorübergehenden Anwesenheit in Rom im Laufe dieses Sommers mit den ihm aus früheren amtlichen Beziehungen bekannten Würdenträgern der Kirche vertrauliche Beziehungen anknüpfen können, aus welchen für beide Teile die Hoffnung erwachsen ist, in wichtigen Punkten zur Verständigung über einen beiderseits annehm­baren modus vivendi zu gelangen, ohne einem von beiden den Verzicht aus die prinzipiellen Gebote seiner Stellung zuzumuten. In der Absicht, den hiermit angebahnten Weg der Verständigung weiter zu verfolgen, hat das preußische Ministerium des Auswärtigen die persönlichen Beziehungen, welche Herrn v. Schlözer in Rom zu Gebote stehen, im Sinne einer weiteren Annäherung nutzbar zu machen ge­sucht, und der gedachte Diplomat ist nach Rom zurückge­kehrt, um dort mit den kirchlichen Autoritäten die Punkte vertraulich zu besprechen, in Betreff welcher beide Teile in der Lage sein würden, sich im Interesse der katholischen Untertanen des Königs weitere gegenseitige Konzessionen zu machen. Es ist anzunehmen, daß das auö diesen Be­sprechungen zu gewinnende Material die Unterlage weiterer Entschließungen der König!. Negierung bilden werde, welche die Besetzung der noch vakanten bischöflichen Stühle und die dem Gesetzentwurf vom 19. Mai 1880, betreffend Ab­änderungen der kirchenpolitischen Gesetze, analogen Vor­lagen betreffen, welche die Königliche Regierung behufs Regelung .er katholischen Seelsorge dem Landtage bei seinem nächsten Zusammentritt zu machen in der Lage sein wird."

Die Nachrichten aus Frankreich lauten überein­stimmend dahin, daß die Regierung alles Mögliche aufbietet, des Aufstandes in Tunis und Algier Herr zu werden, wenn ihr dies auch nicht so leicht gelingen dürfte, da der Aufstand immer weiter um sich greift. In Mar­seille werden fünf große Transportschiffe ausgerüstet, um einige Linienregimenter und ein Bataillon zur Verstärkung nach Tunis abzusenden. Man spricht auch von bevor­stehenden Verwickelungen zwischen Frankreich und Marokko. Von einem Ministerium Gambetta ist es augenblicklich wieder still geworden.

In Rußland scheint eine Wandlung sich vorzube­reiten. Man schreibt dieselbe dem Einflüsse des Königs von Dänemark zu und einige Blätter wollen sogar wissen, daß auch Kaiser Wilhelm zu einer Aenderang der inneren Politik geraten habe. Ob letzteres sich bewahrheitet, muß gnügen gewährt hatte; er war jetzt innerlich ernster ge­worden, und so hatte auch sein Aeußeres etwas Gesetztes angenommen, was noch vor zwei Jahren nicht an ihm zu bemerken gewesen war. Olga konnte sich als Tochter des Hauses den Anforderungen ihrer Gäste nicht entziehen, aber es wurde ihr schwer, sich mit ganz gleichgültigen, oder oft sogar ihr unangenehmen Menschen im Kreise herum zu drehen, während der einzige Mann in der Gesellschaft, dem ihr Interesse gehörte, dem bunten Treiben teilnahmlos zu- chaute. Und doch kam ihr nie der Wunsch, daß er mit hr tanzen möge; schien ihr wie eine Entwürdigung, sich hren Helden vorzustellen, wie er mit erhitztem Gesichte und liegenden Rockschößen im Saale herumwirbelte; es war hr, als müsse in einem solchen Augenblicke der ganze Nimbus schwinden, der ihn in ihren Augen umgab. Hätte sie chn im Ballsaale oder in einer lustigen Gesellschaft kennen gelernt, so wäre es ihr gewiß nicht so widersprechend und unnatürlich erschienen, aber so stammte ihre Bekannt­schaft aus einer Zeit, wo sie in den ernstesten Lebenslagen und unter den schwierigsten Verhältnissen Eigenschaften an ihm schätzen gelernt hatte, die hoch über denen eines liebens­würdigen Gesellschafters und guten Tänzers standm. Darum war es ihr eine aufrichtige Freude, als sie ihn auf eine an ihn gerichtete Frage antworten hörte:Ich habe das Tanzen ganz aufgegeben, ich kann keinen Geschmack mehr daran finden."

Endlich gelang es der Comteffe einem Tanze zu ent­gehen, und rasch ein warmes Tuch ergreifend, schlüpfte sie in aller Stille zu einer der hohen Flügelthüren hinaus, die aus die Terrasse führten. Sie atmete erleichtert auf, als sie aus der schwülen staubigen Atmosphäre des Saales in die reine, frische und doch milde Abendlust hinauStrat.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 81/, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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