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Nr. »06

Marburg, Sonnabend, 3. September 1881.

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^Iiizeisrn nimmt entgegen: üe Expedition d. Blattes, d.Annoncen-Bureaux ü. Th- Dietrich u. Co. in aaffel und Hannover; Th.

ietrich in Frankfurt al.; vaafenfiein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, 2cipz>g' Köln rc.; Rudolf J offc in Berlin, Frank­furt a. M- rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux ' von G L. Daube u. Co. in

Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Heimansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

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Heimatlos.

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

Ja, nun liegt es alles sonnenklar vor mir, waS Gott >nit mir gewollt hat, und ich kam, nicht mehr murren, daß » mich so in die Tiefe geführt; hat er doch alles wohl gemacht I"

fuhrung dieser umfassenden Projekte seien erhebliche Mittel notwendig, welche nach der Absicht des Reichskanzlers durch die Einführung des Tabakmonopols beschafft werden

Ueber die Schwierigkeiten der Durchführung dieser Ab­sicht wird sich gewiß Niemand irgendwelchen Täuschungen hingeben; ebensowenig wird man sich der Einsicht ver­schließen können, daß das Ziel nicht mit einem Schlage und in einer kurzen Spanne Zeit erreicht werden kann. Hiermit verliert es aber gegenwärtig weder an Wert noch an Bedeutung. Es ist eine Aufgabe, zu deren Lösung sich die Nation alsbald vorbereiten muß und zu der Stel­lung zu nehmen nicht erst der Zukunft überlassen bleiben darf.

, Die Ziele und Pläne, wie sie zur weiteren Verwirk­lichung der wirtschaftlichen nnd sozialen Reform hiermit näher bezeichnet worden sind, geben über die Richtung, in welcher der Weg der Reform fortgesetzt werden soll, einen genügenden Aufschluß, um für Alle deutlich erkennen zu lassen, daß der Reichskanzler seinerseits entschlossen ist, die Pflichten, welche dem Staat und der Gesellschaft aus der gegenwärtigen wirtschaftlich-sozialen Lage erwachsen, mit Ernst und Nachdruck zu erfüllen und, unabhängig von überlieferten Vorurteilen und großgezogenen Irrtümern, die berechtigten Interessen der Arbeiter wahrzunehmen. Pr.-C.

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Ziele und Pläne.

Das Wohl der arbeitenden Klasse und die Fürsorge für die Besserung ihrer materiellen Lage ist seit geraumer Zeit ein Hauptziel der von dem Fürsten Bismarck ver- folgten inneren Politik. Schon als vor drei Jahren das Gesetz über die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial­demokratie Mathen wurde, ließ der Kanzler keinen Zweifel darüber, aufkommen, daß die verbündeten Regierungen richt wähnen, durch Maßregeln staatlicher Einschränkung tte sozialistischen Verirrungen durchgreifend zu heilen, son­dern daß als eine der höchsten Aufgaben der Zukunft die .positiv heilende Wirksamkeit" Vorbehalten bleibe, damit een mancherlei Schäden des wirtschaftlichen und gesell- shaftlichen Lebens mit Erfolg entgegengetreten werden iönne.

Nach Annahme jenes Gesetzes wurde zunächst der posi­tive Weg in der Richtung einer Aenderung des Zolltarifs beschritten. Weiter wurden Versuche gemacht, durch eine .Änderung der Steuergcsetze im Reich und in Preußen für eine gerechtere Verteilung und leichtere Aufbringung ter Steuern zu sorgen, Versuche, die in den Parlamenten nur zum Teil von Erfolg begleitet waren.

Neben dieser reformatorischen Tätigkeit, welche auf eine Besserung der wirtschaftlichen Lage hinzielt, ist schon in der vergangenen Session des Reichstages von Seiten des Reichskanzlers der erste Schritt zu einer unmittelbaren Förderung Und Hebung der persönlichen Verhältnisse der arbeitenden Klassen unternommen worden, ohne daß dieser erste Versuch ein bestimmtes Ergebniß für die Gesetzgebung geliefert hätte.

Es liegt in der Natur der Sache, daß die ungelöst gebliebenen Ausgaben nicht nur bestehen bleiben, sondern auch noch im Einzelnen eine weitere Ausführung erhalten werden. Die Steuer- wie die Arbeiterreform ergänzen einander und bilden gewissermaßen die zwei Seiten der wirtschaftlichen Reform überhaupt, welche schrittweise nach beiden Richtungen hin vorgehen muß, um zu dem Ziel einer gesunden Entwickelung des staatlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zu gelangen.

Der Weg zu diesem Ziel ist lang. Das hindert nicht, chn von vornherein entschlossen ins Auge zu fassen und sich über seine Beschaffenheit zu vergewissern. Die Rede, welche der bekannte Professor der Volkswirtschaft, Adolf Wagner jüngst in Barmen zu Wahlzwecken gehalten hat, kann hierher als Wegweiser dienen.

In derselben führte Herr Wagner aus, daß es bei der Unfallversicherung der Arbeiter, wie sie schon in der vori­gen Session des Reichstags vorgeschlagen wurde, nicht bleiben werde, sondern daß die Ziele und Pläne des Reichs­kanzlers auf die Einführung einer allgemeinen Jnvaliden- und Altcrsve'. sicherung gerichtet sind. Für die Durch-

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Deutsches Reich.

Berlin, 1. Sept. Der Kaiser ist mit dem bekannten Gefolge, sowie mir dem Kronprinzen mittags 12 Uhr mit einem Extrazuge der Potsdamer Bahn nach Hannover ab­gereist. Zur Verabschiedung auf dem Bahnhofe waren anwesend: Prinzessin Wilhelm, Prinzessin Karoline Mathilde von Schleswig, Erbprinz und Erbprinzesstn von Meiningen, der Stadtkommandant und der Polizeipräsident. Die Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wenn es trotz der Ablehnung der wesentlichsten Teile des Gesetzentwurfes vom 19. Mai 1880, betreffend die Abänderungen der kirchenpolitischcn Gesetze, durch das Abgeordnetenhaus gelungen ist, in den Diözesen Paderborn und Osnabrück die geordnete Verwal­tung der bischöflichen Leitung und in der Diözese Trier die Wiederbesetzung des bischöflichen Stuhles herbeizuführen, so ist dieses einstweilige Resultat den versöhnlichen Gesin­nungen zu danken, welche in Rom wie in Berlin die gegen­wärtig leitenden Personen beseelen und auf welche sich die Hoffnungen auf weitere Annäherung und auf Wiedcr- besetzung auch der übrigen bischöflichen Stühle gründen. Der deutsche Gesandte in Washington, Dr. von Schlözcr, konnte bei seiner vorübergehenden Anwesenheit in Rom im Laufe des Sommers mit ihm bekannten Würdenträgern der Kirche vertrauliche Beziehungen ankuüpfcn, woraus beiden Teilen die Hoffnung erwuchs, in wichtigen Punkten

Das kann auch ohne mich aus Dir werden, wenn

Du nur den ernsten Willen dazu hast und Gottes Schick­

ungen an Deinem Herzen wirken läßt."

Das Diner auf Schloß Platow war beendigt, und

das junge Volk eilte in den Park auf einen großen Kieö-

platz, um hier in den warmen.Strahlen der Scptbr.-Sonne sich durch Reifenspiel Bewegung zu machen, nachdem sie so lange hatten stillsitzen müssen. Die Heiterste der jubelnden Schar ist heute Olga, deren Wangen ihre volle Rundung und ihr frisches Rot wieder erlangt haben, seit die Kunde von des Geliebten Ankunft in Rußland sie erreicht hat. Wie lieblich sieht sie aus in dem hellblauen Kleide, wenn es auch durch seinen einfachen Schnitt eben so sehr von dem überladenen Putz der andern jungen Damen absticht, wie ihre um einen silbernen Pfeil ge­schlungenen braunen Flechten von den hohen Toupöes und Lockenbaum derselben. Jede ihrer Bewegungen, indem sie gewandt dm Reifen auffängt oder voll fröhlicher Lust in die Hände klatscht, wenn der ihre hoch in die Luft fliegt, ist anmutig und natürlich, sie ist sich ihrer Schönheit völlig unbewußt und setzt mit kindlicher Unbefangenheit alle Komplimente darüber aus Rechnung ihres gräflichen Wappens. Während so das Spiel im besten Gange war und Olga mit ihrer ungekünstelten Heiterkeit die ganze Ge­sellschaft zu Scherz und Lachen fortriß, sprang auf einmal ein großer, schwarzer Neufundländer in so ungestümen Sätzen in den Kreis, daß alle Damm laut schreiend auS- einanderstoben, aber Olga, auf die der Hund unter über­mütigem Gebell zufuhr, rief mit strahlendem Gesicht jubelnd:Rinol Rinol" und drückte das prächtige Tier stürmisch an sich. Rasch warf sie Reifm und Stab zu

zu einer Verständigung über einen beiderseits annehmbaren modus vivendi zu gelangen, ohne einem von beiden Teilen den Verzicht auf die prinzipiellen Gebote seiner Stellung zuzumuten. In der Absicht, den angebahnten Weg der Ver­ständigung weiter zu verfolgen, suchte das Ministerium des Aeußeren die persönlichen Beziehungen Schlözers zu weiterer Annäherung nutzbar zu machen; Dr. v. Schlözer ist nach Rom zurückgekehrt, um mit den kirchlichen Autoritäten die­jenigen Punkte vertraulich zu besprechen, betreffs welcher weitere gegenseitige Konzessionen zu machen möglich ist. Man darf annehmen, daß daraus die Unterlage für weitere Entschließungen der Regierung gewonnen werde, welche die Besetzung der noch vakanten bischöflichen Stühle und die dem Gesetzentwürfe vom 19. Mai 1880 über die Abände­rung der kirchenpolitischen Gesetze analogen Vorlagen be­treffen, welche die Regierung dem Landtage bei seinem näch­sten Zusammentritte zu machen in der Lage sein wird.

Wetzlar, 31. August. Prinz Hermann zu Solms erläßt folgende Bekanntmachung an die Wähler des Kreises Wetzlar-Altenkirchen-Biedenkopf:Nachdem ich von vielen Wählern unseres Kreises als Kandidat für den nächsten Reichstag aufgestellt bin, ist mir vielseitig der Wunsch aus­gesprochen worden, mein Wahlprogramm zu veröffentlichen. Ich nehme keinen Anstand, diesem Wunsch zu willfahren und erkläre zugleich, daß ich auf persönliche Angriffe mich nicht einlasse, wie ich auch solche auf meine Gegenkandidaten niemals billigen werde. Mein Programm ist in kurzem folgendes: Sollte ich mit einem Mandate betraut werden, trete ich der deutsch-konservativen Partei bei. Daraus er­sehen Sie meine treue feste Stellung zu Kaiser und Reich und zu den Bestrebungen der Regierung, welche auf Ab­hülfe der vielfachen Notstände in unserem Volke gerichtet sind. Zur Wiederherstellung des Friedens zwischen Staat und Kirche werde ich unter Aufrechterhaltung der Staats- Autorität nach Möglichkeit mitwirken. Den Rekormbe- strebungen des Reichskanzlers auf dem Gebiete der "Volks­wirtschaft, der Steuer- und Zollpolitik sage ich meine vollste Unterstützung zu. Dem Arbeiter muß eine gesicherte Existenz geschaffen werden, die ihn beim Schwinden der Arbeitskraft nicht der Armut preisgiebt. Ich bin deshalb für Unfallversicherungs- und Jnvaliden-VersicherungSgesetz, für Versorgung der Witlwen und Waisen. . Dem An­wachsen des Proletariats muß vorgebeugt werden durch Fürsorge für das Wohl des Handwerkerstandes. Ich halte deshalb 'eine Neubildung des JnnungswesenS auf zeitge­mäßen Gruudlagcn für nötig, ebenso die Einrichtung von staatlichen Kreditanstalten, damit die kleinen Leute nicht durch Wucherer geschädigt werden. Ein Beschränkung der Wucher- wie der Wechsclfrcihcit ist unerläßlich. Ich möchte einen tüchtigen Bauernstand in unserem Vaterlande er­halten sehen und werde daher für Hebung der Landwirt- schaft und für Befreiung derselben von drückenden Abgaben

Boden und eilte mit dem Freudenrufe: Alexander I" auf einen jungen Herrn zu, der eben aus einem Seitenwege trat, wo er den stillen Beobachter gespielt, bis sich sein Hund von ihm los riß und ihn verriet. Aber plötzlich blieb Olga wie in den Boden gewurzelt stehen, und eine tiefe Röte übergoß das verlegene Gesichtchen; war eS mög­lich, war das der Pelzjäger aus der sibirischen Steppe; diese elegante, ritterliche Erscheinung, an der fast nur die schönen blauen Augcn an frühere Tage erinnerten, denn selbst die Züge des Gesichtes kanten ihr im ersten Augen­blick fremd vor. Und war das derselbe, der sie einst an der kleinen, halbgeöffneten Hausthür so herzlich und ver­traulich begrüßt hatte, und der nun mit einer steifen Ver­beugung im förmlichsten Tone sagte:Guten Tag^Com- tesse Olga I" Wohl war er es, und doch war er in diesem Augenblicke nicht er selber, denn während er die Geliebte belauscht hatte, stieg immer höher eine Bitterkeit, die er ihr gegenüber noch nie empfundei; er fühlte sich als das ver­waiste heimatlose Soldatenkind, das keinen Anspruch auf Erdenglück und Freude hatte, sondern nur aus Barm­herzigkeit geduldet wurde; wie paßte''er zu der reichen Grafentochter in jenem vornehmen Kreise; und mehr noch, er fühlte, daß er zu ernst, zu alt vor der Zeit war, um dies kindliche, sonnige Wesen wahrhaft glücklich zu machen, wie viel besser konnten das die jungen, heiteren Kavaliere, mit denen sie so gern zu scherzen schien. DaS war es, was seine Begrüßung so kalt und steif machte, und mit innerem Groll erwiderte Olga, die ihren Stolz erwachen fühlte, dieselbe mit den eben so kühl gesprochenen Worten: Guten Tag, Herr v. Geldern, wollen Sie mit zu meinen Eltern kommen?" (Forts, folgt.)

Berlin; W. Thienes in Elberfeld' C. Schlotte in

. --- ---- Bremen.

Erschemt täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSckentli-b?n SbiM nrr..n_i TT*« TTTTTTTT--------------------------

Buchdruckerei) bezogen 2/. Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50fflfa(erd ^"^» blatt' durch die Expedition (Koch'sche

Für in der Expedition zu -rth-il-nde Auskunft und Annahmen^breffen* °

Es ist war", sagte der Lieutenant,eS greift doch alles in Deinem Leben so wunderbar ineinander. Ich habe sonst selten über solche Dinge nachgedacht, aber Deine Führungen sind so deutlich zu verfolgen, daß man gar nicht anders kann, als Gottes Finger darin'erkennen." Und doch sind es nicht allein meine äußeren Schick- Idle, die er zu seinen Zwecken gelenkt hat; ich fühle heute erutlicher als je, daß ich Si irien als ein anderer verlasse, als ich eS tot gerade zwei Jahren betrat. Sieh, ich -sollte eigenmächtig und aus meiner Kraft ht Gottes Ne­uerung greifen, wie einst Moses, als er den Aegypter «schlug, um feinem Volke zu helfen."

HecttW iAber wi. ihn, führte auch mich Gott in die Stille, anb die letzten, einsamen Monate in der Steppe haben «tut dnen neuen Menschen aus mir gemacht. Möchte ich doch Nie vergessen, was ich in diesem Lande gelernt habe, und »öchten meine jetzigen Erfahrungen mir als Glaubens- lärkung bienen wenn neue Prüfungen über mich kommen. 3«, es ist bem Manne gut, daß er das Joch trage in einer Jugend, cs ist die beste Schule für das Leben."

Du magst wohl Recht haben", seufzte Ulmann tief "Uf,ich wollte, , ich könnte länger mit Dir zusammen- «iben, dann würde vielleicht auch ein besserer Mensch US mivl*