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Marburg, Mittwoch, 31. August 1881.

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wie Fortschrittsblätter Glauben machen wollen. Was aber Mehl- und Brot-Preise betrifft, so liegen Vergleiche vor, welche die unsinnigen Be­hauptungen der Fortschrittspartei völlig vernichten. Es haben Untersuchungen über die Preise in Ottensen und Altona stattgefunden.

Die Preise waren in Ottensen, innerhalb des Zollge­biets, und in Altona, außerhalb desselben, völlig gleich und ist außerdem konstatiert worden, daß Mehl, Brot und viele andere Gegenstände in der Regel nicht teurer, wohl aber zu Zeiten in Ottensen billiger als in Altona sind. Die wahre Sachlage der Getreidezollfrage widerspricht also allen Behauptungen der freihändlerischen Fortschrittspartei.

gefühlten Drange seines Herzens, sich werfen und die mit Dank und Freude feinem Gotte anszuschütten.

M"* Bestellungen für den Monat Septem­ber auf die Oberhesfische Zeitung nebst deren Gratisbeilage Illustriertes Sonntagsblatt wer­den von allen Post-Anstalten entgegengenommen.

> Die Ex-ed. I. Oberh. Zeitung. »

war er dabei so schlau und raffiniert zu Werke gegangen, daß der Gouverneur ihm nie hatte nachkommen können, so sehr sein Mißtrauen wuchs. Die Untersuchung war noch in vollem Gange, als ich fortritt, und so weiß ich nicht, welche Strafe den Betrüger treffen wird, denn der Alle hatte solche Eile, Sie nach der Stadt zu bekommen, daß er mich sobald wie möglich fortschickte. Ich glaube, er hat sein Unrecht gut machen wollen und darum bat er auch bei den Herren von der Kommission um ihre Freilassung angetragen, doch auch das war noch nicht ganz entschieden, als ich gehen mußte, wmn ich auch keinen Augenblick daran zweifle."

Frei, frei!" jubelte Alexander,ist es möglich, darf ich glauben? Und doch, ich kann mich noch nicht unge­trübt freuen, bis ich es ganz gewiß weiß; die Täuschung wäre zu hart zu grausam"

Glauben Sie, daß ich so hart und grausam sein könnte, Ihnen Hoffnungen vorzuspiegeln, wenn deren Er­füllung nicht so gut wie gewiß wäre?" fragte eer Offizier in herzlichem Tone, aber al er fühlte, wie eine starke Be­wegung über ihn kam, suchte er ihrer Herr zu werden, indem er in seine frühere scherzende Laune zurückficl, und heiter rief <r aus:Hurrah, der Braten ist fertig, nun wollen wir es uns wohl sein lassen |

Bald rjaßen die.beiden Freunde im Wohnzimmer, das wenig verändert war, bei ihrem Mittagsmahle, und nachd m der erste Hunger gestillt war, ergriff der Lieutenant sein gefülltes Rumglas und sagte:Nun »ollen wir die schöne Gräfin Olga leben laffen, was wird die sagen, wenn ihr Ritter von der traurigen Gestalt auf einmal als Sieges­held triumphierend vor ihr steht! Wahrlich, Mensch, ich beneide Sie um die Augen, mit denen sie Sie empfangen

Zum Getreidezoll.

Die fortschrittlichen Blätter suchen fortwährend die unwahre Behauptung zu verbreiten, der Zoll verteuere das Roggen« brot, dessen eine mittelstarke Arbeiterfamilie bedarf, jährlich um 12 Mark öl8/? Pfg. Das ist einfach ein Märchen. Wenn in Deutschland gar kein Waizen und Roggen gebaut würde, hätte es noch einen Sinn, obgleich es sich herausgestellt hat, daß bei den großen Preisschwankungen die Bäcker genötigt sind, derartig feste Durchschnittssätze ihren Berechnungen zu gründe zu legen, daß der unbedeutende Roggenzoll aus Größe und Gewicht des Brotes gar keine Rolle spielen kann. Der Preis in den verschiedenen Städten ist dabei, je nach den betreffenden Marktverhältnissen und Sorten so überaus von einander abweichend, daß auch dies ein Beweis ist, daß die Brot­fabrikation auf kleine Preisschwankungen gar nicht Rück­sicht nehmen kann, wenn sie nicht durch unzählig erneute Gewichts- und Größenveränderungen des Brotes förmliche Revolutionen unter dem Publikum Hervorrufen will. Da­gegen hat der Kornzoll freilich die Wirkung, daß auf. dem Markte zuerst das deutsche Korn in betracht kommt. Die inländische Konkurrenz drückt den Preis auf die niedrigste Stufe herunter. Haben wir nicht genug Korn, oder ist das ausländische Korn um den Zoll oder einen Teil des­selben billiger, so wird es auf dem inländischen Markte konkurrieren. Es muß aber billiger fein, wie das deutsche, wie z. B. das amerikanische, um auf dem inländischen Markt erscheinen zu können. Der Ausländer zahlt also gern den Zoll, weil er dennoch inWettbe­werb" zu treten vermag und nur einen, um den Betrag des Zolles geringeren Vorteil einnimmt. Deutsch­land braucht daher diese erzielten Einnahmen von seinen Bürgern nicht durch Steuern zu erheben. Erst wenn in Deutschland so wenig Korn gereift ist, daß wir völlig vom Auslande abhängig sind, so daß uns einfach die Preise vorschreiben kann, würde eS auch in der Lage sein, ten Zoll für unfern Bedarf uns selbst tragen zu lassen.

Dies ist aber nicht der normale Zustand, sondern im großen Ganzen kann Deutschland die Bevölkerung bis aus einen mäßigen Bruchteil durch seine eigene Kornproduktion ernähren, ja mit zweckmäßigen Maßnahmen es dahin bringen, daß überhaupt genug Korn für den deutschen Gesamt­bedarf angebaut wird. Daber sind die Preise im Jnlande keineswegs vom Zoll auf ausländisches Getreide abhängig,

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manne eine lange Unterredung gehabt, über deren Inhalt selbstverständlich noch nichts zu erfahren ist. Der Bischof ist auf der Rückreise von Varzin gestern Abend hier getroffen. Ob Se. Majestät in der Lage sein wird, neuen Oberhirten der Trierer Diözese in Auttenz zu

Derrtsches Reich.

Berti«, 29. Aug. DerReichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Schreiben der Kaiserin an den Reichskanzler, datiert Coblenz, den 27. August:Da ich nach langer, schmerzlicher Krankheit nunmehr durch Gottes Gnade in Rekonvaleszenö trete, sehne ich mich von g nzem Herzen danach, hierdurch meinen tiefempfundenen Dank auszusprechen, den ich allseitig für die so große, mich wahrhaft ergreifende Teilnahme schulde. Von nah und fern, von Vereinen und Privatpersonen, aus allen Stufen der Bevölkerung, wie aus allen Klassen der Gesellschaft, aus dem weiten. Kreise aller Bekenntnisse und Stände und ans fremden Landen sind mir Zeichen jener Teilnahme zugegangen, tie ihren Lohn trägt in dem Bewußtsein, mir wohlgethan zu haben, die ich aber nie vergessen darf, wenn es mir gelingt, nach Wiederkehr meiner noch fehlenden Kräfte meinen Beruf an der Seile des Kaisers pflichtgetreu weiterzuführen. Damit dieser Dank warm und herzlich, wie ich ihn empfinde, alle erreiche, die meiner so mitfühlend gedacht haben, ersuche ich Sie, Vorstehendes entsprechenderweise bekannt zu machen." DerReichsanzeiger" veröffentticht die Ernennung des Geh. Rats Nasse zum Regierungspräsidenten in Trier. Der Germania" zufolge hatte Bischof Korum heute Vormittag eine Unterredung mit dem Kultusminister. Dasselbe Blatt berichtet ferner über dic kirchenpvlttischen Verhandlungen: Der Herr Bischof Dr. Korum von Trier ist in Varzin, wohin er infolge einer Einladung des Fürsten Bismarck sich begeben hatte, in liebenswürdiger Weise empfangen worden. Er hat, wie wie hören, mit dem leitenden Slaatö-

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pfangen, ist uns bis zum Schluß des Blattes nicht kannt geworden. Die Verfügung über die Erlassung des Eides erwartet man alsbald imStaatsanzeiger" zu

Heimatlos. "

Erzählung von I. C. Pauli.

(Fortsetzung.)

Ich bin überzeugt, daß erjm Stillen seine Übereilung gegen Sie bitter bereut und Sie tausendmal schon zurück- gewünscht hat, denn ich hörte ihn einmal im Aerger sagen: Keinen einzigen zuverlässigen Menschen habe ich mehr um mich, feit Geldern fort ist."

Das freut mich, ich hätte nie gedacht, daß ich seine Anerkennung finden könnte, da er mich mit dem beleidi­gendsten Mißtrauen behandelte, doch soll das jetzt alles vergeben und vergeffen sein."

Ja, ja, tragen Sie es ihm nicht nach", sagte Ulmann gutmütig;ich weiß nicht, mir thut der Mann immer leib, er steht so allein in der Welt und empfängt von niemand Liebe; da ist es wahrlich kein Wunder, wenn das Herz verbittert wird. Und doch ist er jetzt milder gegen andere, als sonst, ich glaube, das Unrecht, das er an Ihnen be­gangen, nagt ihm am Herzen, und daö macht ihn weich."

Und was ist aus Jznatieff geworden?"

Die Sache war noch nicht zum Abschluß gekommen, als ich Tobolsk verließ. Erst saß er sehr auf dem hohen Pferde, aber alle Tage wurde et stiller und kleiner, und alle Tage hielt man ein schärferes Auge auf ihn, denn es kamen clllmählich Dinge zum Vorschein, die wir doch alle nicht vermutet hatten. Zuerst wurde die Sache mit PlatowS Lieferungsschein untersucht und die Fälschung entdeckt; das sührte auf eine Reihe ähnlicher Fälschungen und eine Menge Betrügereien, die er schon vor Pelikoffs Ankunft betrieben und trotz dessen Wachsamkeit fortgesetzt hatte; am schlimmsten waren aber die der letzten Monats und doch

sobald er sich allein sah, folgte et vor allem dem lange auf seine Kniee zu

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, fotoie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M.;Jägcrsche Buchhandlung daieldst; Hermansche Buchhandlung daselbsttznvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen-

flnieige*nimmt entgegen: ^ Expedition d. Blattes, .-wie d.Annoncen-Bureaux ' Th- Dietrich u. Co. in «affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M-; liaascnstein u. Vogler in lantfurt a. M-, Berlin, Leipzig' Köln rc.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M. re.

wird! Sehen Sie, es ist doch allcö in der Welt zu etwas gut: hätte der Alte Sic nicht auf die Pelzjagd geschickt, so säßen PlatowS heute noch hier in der elenden Hütte, und wer weiß, wozu es noch gut ist."

Alexander stieß auf das Wohl der Geliebten an, und nun brach die lange gehemmte Jugendlust wieder bei ihm heraus, so daß die beiden jungen Männer über ihren heiteren Gesprächen und ihrer fast übermütigen Stimmung nicht merkten, daß sich ble Sonne tiefer gesenkt hatte, da sprang Ulmann plötzlich auf und rief:

Blitz und Hagel! Da wird es wahrlich schon dunkel! Nun können wir heute nicht mehr fort, und ich will nun schnell meinen Kosaken sagen, daß sie diese Nacht im Walde . campieren und"

Deinen Kosaken", sagte Alexander (sie hatten Brüder­schaft getrunken) und es flog wie Unmut über ferne Stirn, so escortierst Du mich wie einen Gefangenen?"

Nein, nein, Freund", sagte der Offizier, ihm die Hand auf die Schulter legend,eS ist mehr der Sicher­heit wegen in dieser Einöde, und ich habe meine Kosaken absichtlich irn Walde gelassen und bin allein gekommen, damit es nicht aussehen sollte wie ein feindlicher Heber* fall. Nun schnüre einstweilen Dein Bündel, ich komme bald wieder."

Aber der Verbann e schnürte fein Bündel nicht, sondern,

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SomrtagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/* Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr-, Inseriiousgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg."berechnet.

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finden. Mit dem baldigen Einzug des neuen Oberhirten in Trier steht es anscheinend in Verbindung, daß der zum Regierungspräsidenten von Trier ernannte bisherige Mini­sterialrat Herr Nasse aus der alten Moselstadt, wo er am 26. August eingetroffen war, nach Berlin herübergekoinmen ist. Bischof Dr. Komm hat sich, wie wir erfahren, in Ueber- einftimmung mit seinen bereits erwähnten Aeußerungen in Straßburg, auch hier zu seiner Umgebung dahin ausge­sprochen, daß er vorzüglich den verwaisten Gemciuven feiner Diöcese seine Sorgfalt zuwenden und für eine Linderung der geistlichen Not alle seine Kräfte aufbieten werde, so lange die Wiederherstellung einer regulären Seelsorge noch nicht möglich sei. Wir sind der Regierung dankbar dafür, daß sie nicht bloö in der Regelung der Personenfrage eine entgegenkommende Haltung einnimmt, sondern auch dem persönlichen Verkehr und Meinungsaustausch zwischen den Vertretern der staatlichen und kirchlichen Ordnung in Deutschland wieder eine Stätte giebt. Daran knüpfen wir die Hoffnung, es werde sich immer mehr die Ueberzeugung Bahn brechen, daß den Oberhirten der schwer geprüften preußischen Diöeesen auch die Möglichkeit der Ausübung ihres Hirt'namteS roiebergegeben werden muß und daß ber Staat ohne irgenb welche Gefahr der Not der Katho­liken abhelfen kann. Die Ausgleichsverhandlungen haben zur Zeit nach Allem, was den Zuschauern bekannt wird, bessere Chancen als jemals, wofern sie nur von den übrigen Fragen ber inneren Politik losgelöst bleiben unb sich auf das eine beschränken, was uns so bitter not thut: aus eine Vereinbarung über die Wiederherstellung einer geordneten und gesicherten Seelsorge für die Katholiken Preußens."

Stettin, 28. Aug) Heule' früh 614 Uhr trifft, von Varzin kommend, der neue Bischof von Trier, Dr. Komm, hier ein und celebriert in der katholischen Kirche die Messe um 7 Uhr. Nachmittags fährt Dr. Komm nach Berlin zur Audienz beim Kaiser.

Darmstadt, 29. Ang. In dem Entwurf des neuen Staatsbudgets, welches den im Herbst zusammentretenden Ständen vorgelegt wird, sind gutem Vernehmen nach sehr erhebliche Summen für Beschaffung anderweitiger Betriebs­mittel ber oberhessischen Bahnen und der dringend gebote­nen Erweiterung des Bahnhofs in Gießen vorgesehen, Aus­gaben, welche das sehr minimale Ergebnis jener Bahnen voraussichtlich auf längere Zeit absorbieren bürsten.

München, 26. Aug. Der König verbrachte sein gestriges GeburtS- unb Namensfest auf dem Schachen. Von einer großen Anzahl Monarchen sind, wie man demN. K." schreibt, telegraphische Glückwünsche eingetroffen, z. B. von dem deutschen Kaiser, dem Kaiser von' Oesterreich, den Königen von Italien, von Würtemberg, von Sachsen, dem Großherzoge von Baden, ferner von dem deutschen Reichs­kanzler Fürsten Bismarck, dem Bundesrar der Schweiz ü. a. m. Zur Bewältigung der massenhaft eingelaufenen